Aus der Presse – Erinnerung an Altleipziger Biergärten

Die Promenaden sind der liebliche Schmuckgürtel unserer Stadt, dessen Entstehung bis zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zurückgeht. Damals pflanzte man die Allee von der Thomaskirche bis zum Barfußgäßchen (heute Wünschmannhof), und später bis zum Alten Theater. Der „niedere Park“ (am Hauptbahnhof) ist die Schöpfung jenes Bürgermeisters und Kriegsrates Müller, der in der Johannisgasse ein künstlerisch verschöntes Haus führte und einstmals zu den Verehrern der Corona Schröter gehörte. Berühmter noch als die Promenaden sind die herrlichen Gärten gewesen, die den Kern der Stadt umgaben: der Bosesche, der Gerhardsche, der Apelsche, wie man sie auf dem Hohmannschen [Homannsche Erben] Stadtplane von 1749 erkennen kann. Alle Fremden waren entzückt von diesen Anlagen, die zum Teil in strengem französischem Stile angelegt waren. Dem Leipziger ist von jung auf die Liebe zu Gärten eigen gewesen, die teils künstlich verziert, teils frei natürlich angeordnet waren. Und so kann es nicht wunder nehmen, wenn er bei seinen Spaziergängen auch unter grünen Wipfeln Einkehr zu suchen pflegte, um sich dort bei Speise und Trank zu erquicken. Solcher trauter Bier- und Kuchengärten gab es namentlich in der Biedermeierzeit und noch später recht viele. Wir wollen nicht reden von den entfernteren, wie der durch halb sagenhafte Episoden vom alten Dessauer geschmückten Gosenschenke zu Eutritzsch, oder von der Gohliser Oberschänke, wo Robert Schumann Markobrunner trank und der alte Roderich Benedix Stammgast war, auch nicht von dem großen Kuchengarten in der späteren Ranstschen Gasse, den Goethe erwähnt hat, weil er dort, vor den Meßfremden flüchtend, vergnügte Stunden verbrachte, und nicht von der Güldenen Aue zu Sellerhausen, wo der große Dichter später geweilt hat. Vielmehr wollen wir uns an Gärten erinnern, die dem Inneren der Stadt näher lagen. Es gibt mehrere Beispiele für Alt-Leipziger Biergärten aus Leipzig und seinen Vororten. Das Schönste, was Leipzig zu bieten hatte, das war wohl die Insel Buen Retiro in Schimmels Teich. Sie lag unweit des jetzigen Gewandhauses, und der Schimmelsche Teich gehörte zu einem ganzen Kranze weidenumbüschter Weiher, zwischen denen sich noch ein Netz von Flußläufen und toten Wasserarmen hinzog. Wo jetzt das Konzertviertel sich ausbreitet, da haben unsere Väter noch sumpfige Niederungen gesehen, in denen vielfach geschlängelt die „alte“ Pleiße sich verlor und die blanken Teiche mächtige Schwarzpappeln spiegelten. Am Floßplatze begann das Schimmelsche Gut, und durch dieses ging der Weg über die noch nicht von Mauern eingefaßte „neue“ Pleiße nach dem großen Teiche und der reizenden Gartenwirtschaft auf der Insel hinüber. Dort war auch lange Jahre der Schauplatz des historischen Fischerstechens. Schon für einen Dreier konnte man dem berühmten Wasserturnier zusehen. Das Lied „Auf dem Dache sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß“ soll da draußen entstanden sein in Erinnerung an eine große Ueberschwemmung. Ein beliebter Spaziergang führte nach dem Pfaffendorfer Fettviehhofe, wo der alte Pinkert seiner Gartenwirtschaft Reiz verlieh, indem er etliche Affen im Käfige hielt. Der Tierbestand ward durch andere Tiere bereichert, und somit der Grund gelegt zu dem heutigen Zoologischen Garten an gleicher Stelle. Die „Kalte Madam“ war im Rosenthale bei Kintschy, heute Schweizerhäuschen genannt nach einem Schweizer Zuckerbäcker. Von Bonorand, wo einst Eduard Strauß große Konzerte gab, ist nichts Neues zu sagen. Die vornehme Welt kam, von magisch leuchtenden Milchglaslampen bestrahlt, stets gerne dort zu Gaste. Mehr aufs Bürgerliche war der schöne Garten von Cajeri gestimmt an der Stelle des heutigen Zentraltheaters, unmittelbar an der Pleiße. Hochgepriesen wurden die dortigen Riesenportionen von Leipziger Allerlei mit Krebsnasen zu einem Preise, der uns heute lächerlich gering anspricht.Im Süden, beträchtlich weiter entfernt, lag das Gosenthal am Eingange der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße, und nahe dabei der Kuchengarten der Brandbäckerei. Außerordentlich beliebt war der Kunzesche Garten in der Johannisgasse mit Durchgang nach dem Grimmaischen Steinwege. Ein recht gemütliches Familienlokal! Nur war dem Wirte verboten, im Garten musizieren zu lassen in Rücksicht auf das benachbarte Triersche Institut, die Entbindungsanstalt der Universität. Am Eingange der Nordstraße lag der Forkelsche Garten, im Inneren der Stadt grünte ein nettes Hofgärtlein am Thomaskirchhofe (heute Oberpollinger, aber nicht mehr als Gartenwirtschaft im Betrieb). Die Theaterterrasse wird auch nicht mehr bewirtschaftet, obwohl sie ein ideales Plätzchen war und die dortigen Konzerte vielen Zuspruch fanden. Und so ist nahe dem Stadtkern eigentlich nur der Panoramagarten zu nennen, zu dem sich die hübsche Anlage auf dem Naschmarkt, der Vorraum des Burgkellers, gesellt, wo der junge Goethe auf seinem Postamente träumt von den alten Zeiten, da man in Leipzig noch unter Maulbeeren lustwandelte. Von P. D. Altleipziger Biergärten, in SLUB Dresden: Leipziger Tageblatt und Handelszeitung vom 8. Juli 1921. Frühausgabe, S. 5.

Der Palmengarten in städtischer Regie – Parkführer

Die Messe- und Universitätsstadt Leipzig besitzt in ihrem Palmengarten mit dem großen Palmenhause eine Sehenswürdigkeit, die weit über die Grenzen Sachsens hinaus gewürdigt zu werden verdient, denn nur wenige Städte Deutschlands haben Aehnliches aufzuweisen. Aus diesem Grunde ist der städtischen Behörde ganz besonderer Dank abzustatten, daß sie den im Jahre 1896 von einer Aktiengesellschaft gegründeten Palmengarten mit einem 225 000 qm umfassenden Areal in schwerster Zeit in eigene Verwaltung übernahm. Der mustergültige, in englischem Stile angelegte Park, gegenüber dem Lindenauer Sportplatz, in unmittelbarer Nähe des großen Flutbeckens, ist vom Stadtinnern aus zu Fuß in einer Viertelstunde bequem zu erreichen; außerdem führen verschiedene Straßenbahnlinien zu den Eingängen an der Plagwitzer Straße und an der Frankfurter Straße. Hier wie dort eröffnet ein architektonisch schönes Tor das Gelände. Motto: „Die Natur hat tausend Freuden für den, der sie sucht und mit warmem Herzen in ihren Tempel eintritt.“R. Varnhagen Wir wählen den letztgenannten Zugang und bitten den Besucher, uns freundlichst folgen zu wollen. Vor uns liegt das von fachmännischer Hand geschaffene Blumenparterre in verblüffender Farbensymphonie, zusammengesetzt aus gefälligen Anordnungen und eigenartigen Formen von Schmuckbeeten von Goldlack, Stiefmütterchen, Primeln und rotleuchtenden holländischen Tulpen — je nach der Jahreszeit —, um ein künstliches formenvollendetes Wasserbecken gruppiert, an dessen Seiten zwei aus dem ehemaligen Sophienbade stammende allegorische Figuren (Zeus und Juno darstellend) sich sinnvoll anpassen. Unmittelbar hinter dieser prächtigen Anlage erhebt sich das von Terrassen umgebene, großartige Gesellschaftshaus mit hohen Riesenfenstern und runden Türmen. Wir kommen darauf noch zurück. Zur Linken öffnet sich der von alten Bäumen beschattete Konzertgarten, der Musikpavillon und des weiteren die überdachte, 2000 Personen fassende Gartenhalle. Im Hintergrunde treten das grünumrankte große Orangeriehaus, ein Aufzuchtshaus, sowie die sogenannten Krankenhäuser [Kalthäuser], in denen früchtetragende Feigenbäume, Sagopalmen, Orchideen usw. auf ihren Sommerstand warten, hervor. Die Besichtigung ist gestattet. Schreiten wir durch die Gartenhallen, so stoßen wir auf den geräumigen Spielplatz für Kinder mit allerhand Spielgeräten und weiter auf den Rosengarten. Diese köstliche Anlage mit ihren sechzehn belaubten Bögen, lauschigen Gängen, Rosenlauben und Pyramiden gleicht um die Blütezeit einem orientalischen Märchen mit berauschenden Düften. Die Farbenpracht ist unbeschreiblich, wenn sich die Rosen, die Königin aller Blumen, die Sinnbilder der Freude, des Glücks, der Liebe und Unschuld voll entfaltet haben. Alle Vertreter der Rosaceen sind vorhanden: die Teerose, deren erster Vertreter, die bekannte Marshall-Niel-Rose, in wunderbaren Exemplaren blüht; die Filzrose; die hundertblättrige Rose (centifolia); die Essigrose; die dicke Pfingstrose u. a.; auch die merkwürdige, doch weniger ins Auge fallende, grüne Rose. Schlingrosen wie Hängegeranien an Lauben, Bögen und Pyramiden verleihen dem Rosarium wieder ganz neue Reize, wenn im Monat Juli die Rosenfülle im Parterre zu verbleichen beginnt. Die gewissermaßen in der Luft schwebenden Bögen erinnern unwillkürlich an die hängenden Gärten der assyrischen Königin Semiramis. An den Längsseiten des Rosengartens lugen aus den Zweigen eine echte japanische Steinlaterne sowie eine bronzene Bacchusfigur hervor; ganz versteckt, der Mitte gegenüber, eine Rotkäppchengestalt, auch aus Bronze. Vor der rokokoartigen Anlage haftet der Blick auf ein Hügelbeet, das jedes Jahr eine andere Bepflanzung erhält, entweder mit hochstrebenden Fingerhutgewächsen oder mit irgendeiner Palmenart. Wir nähern uns nun den malerischen, von Schilf umrahmten Teichen und Weihern. Am schmucken Bootshause laden eine Anzahl Gondeln zu ausgedehnten, nicht weniger malerischen Fahrten an Buchten und unter Brücken entlang ein. Gelegentlich schleudert wohl auch eine erleuchtete Fontäne ihre phosphoreszierenden Wassermassen gen Himmel. Wenn an lauen Abenden bunte Lampions sich im Wasser widerspiegeln, wird die Seelandschaft zum Märchen. Mit wahrhaft kindlichem Verlangen verweilt das Auge auf den Seerosenfeldern. Die Nymphaeen steigen im Hochsommer, nach Osten geneigt, aus dem Wasserspiegel, öffnen sich zur Mittagszeit, wenden sich allmählich westwärts, die Kelchblätter schließend, und sinken wie ein Traumgebilde unter. Sobald diese Seerosen in größerer Anzahl, wie hier häufig wahrzunehmen, zwischen den wachsartigen ausgerollten, tief herzförmigen Blättern ihre weißen, gelben, beziehentlich rosenroten, bis zehn Zentimeter breiten Blüten entfalten, gewähren sie ein bezauberndes Bild. Die obenauf schwimmenden Blätter dienen Fröschen als Beobachtungsposten, sie gehen von diesem erhöhten Standorte aus gern auf die Insektenjagd. Farbige schillernde Libellen ziehen ihre Kreise, eine winzige Kleintierwelt, für das unbewaffnete Auge freilich kaum sichtbar, bevölkert das smaragdgrüne, leise vom Winde bewegte Blätterfloß. Zu den Verwandten unserer Seerosen gehören bekanntlich die vielbesungene ägyptische Seerose oder Lotusblume, die in brasilianischen Gewässern in Unmengen vorkommende, wegen der riesigen Blätter angestaunte Victoria regia (amerikanische Seerose) und die indische Seerose (Nelumbo nucifera) mit trichterförmigen Blättern, als Nährpflanze in Südasien geschätzt. Auf unserer Wanderung auf glatten, gewundenen Wegen stoßen wir bald auf eine künstliche, höchst stimmungsvolle Doppelgrotte, der, um das Erschauern der Kinder nicht zu erhöhen, nur noch der Drache aus den Nibelungen fehlt, den breiten Eingang schmücken Rhododendrongebüsche und Azaleen. Nicht weit von der Grotte erhebt sich das „Alpinum“; es gedeihen hier allerhand Moosarten, z. B. Mauerpfeffer; Enzian, Almenrausch, die bekannte Erica, die gelbe Gemswurz, verschiedene Gattungen Primeln, der Steinbrech, die durch ihre himmelblauen Sternblumen hervorragende zweiblättrige Meerzwiebel (Scilla bifolia) und last but not least das samtene Edelweiß. Neben anderen Dickblattpflanzen auch Acandus, ein Kraut, dessen eigenartige Blattform im alten Griechenland häufig architektonische Nachahmung fand und heute noch in der Baukunst beliebt ist. Eine besondere Anziehungskraft übt im Herbste das große Versuchsfeld der deutschen Dahliengesellschaft aus, wenn die Korbblütler, die umfangreichste aller Pflanzenfamilien, sich in ihren Spielarten dem Besucher zeigen. Der sogenannte Märchenhain, der Lindenberg mit dem Strohpavillon in der Südwestecke des Gartens, ist eine der vielen Ruhestätten für diejenigen, die sich in stiller Betrachtung der Schönheit des Parkes hingeben wollen. Für reichliche Sitzgelegenheit ist durch 174 äußerst bequeme, im Parke verteilt aufgestellte Bänke Sorge getragen. Den südöstlichen Teil des Palmengartens nimmt der von uralten Eichen bestandene stille Klingerhain ein; ein weißer Marmorblock aus Carraras Steinbrüchen, unter großen Schwierigkeiten hierher befördert, mit allegorischen Figuren aus den Opern Wagners, reliefartig vom Meister selbst gemeißelt, erinnert an den großen Sohn Leipzigs. Von hier aus ist in wenigen Minuten der Ausgang zur Plagwitzer Straße zu erreichen. Auf vielgewundenen Wegen, vorbei an Pavillons, Weihern und aussichtsreichen Plätzchen, wo wir der Ruhe genießen können, kehren wir zurück. Bevor wir dem berühmten Palmenhause einen Besuch abstatten, wollen wir wenigstens noch einige der interessantesten Bäume namhaft machen. Sie sind zum … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Anke Hofmann und Elisa Klar zur Carla-Datenbank

Anke Hofmann und Elisa Klar geben in diesem Interview Einblicke in die Entstehung und Bedeutung der CARLA-Datenbank an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Mit der öffentlichen Plattform ist eine digitale Forschungsumgebung entstanden, die die Geschichte des Leipziger Konservatoriums erstmals umfassend online sichtbar macht. Die beiden Expertinnen erläutern, wie aus historischen Studienunterlagen ein international genutzter Datenpool wurde, welche Herausforderungen die Digitalisierung mit sich brachte und welche neuen Perspektiven sich damit für die Musik-, Geschichts- und Digital-Humanities-Forschung ergeben. Das von der DFG geförderte Projekt zu Carl Reinecke, das seit 2022 an der Universität Leipzig und der HMT Leipzig angesiedelt ist, nutzt CARLA über eine REST-API. Die Daten sind im erschienenen Sammelband eingegangen. Dieser beleuchtet Reineckes Netzwerk in Leipzig sowie seine Schaffenskraft aus vielen Perspektiven. Dieser Gesellschaftsroman in zwei Bänden wurde 1908 von der ehemaligen Studentin Ethel Florence Richardson alias Henry Handel Richardson geschrieben. Sie verarbeitete darin u. a. ihre Studienerfahrung am Leipziger Konservatorium in den 1890er Jahren mit einer Hommage an Leipzig. Ich habe CARLA bei meinen Recherchen zu Musikdirektoren und Musikern kennen und schätzen gelernt. Deshalb freue ich mich, nun mehr von Ihnen darüber zu erfahren. Als verantwortliche Bibliothekarinnen sind Sie beide mit Ihrem Team das Gesicht von CARLA und gestalten dieses Projekt seit der Konzeptionsphase. Was verbirgt sich eigentlich hinter der Abkürzung CARLA, und welche Informationen sind in dieser Datenbank enthalten? CARLA steht für „Conservatory Archive Records Leipzig with Additions“ und ist eine frei zugängliche Online-Datenbank zum Leben und Wirken der rund 13.000 Personen am Leipziger Konservatorium der Musik im Zeitraum von 1843 bis 1918. CARLA enthält Informationen und Unterlagen zu Studierenden, Lehrenden und weiteren Angehörigen des Konservatoriums, die aus dem Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (HMT Leipzig) stammen. Neben biographischen Angaben verzeichnet CARLA auch Informationen zum Studium, zur Lehrtätigkeit oder zur Verwaltungstätigkeit einzelner Personen. Digitalisate der historischen Studienunterlagen, die als als Quellengrundlage dienen, sind mit den entsprechenden Personen verknüpft. Zudem verweist CARLA auf externe Datenquellen, die ergänzendes Wissen zu den erfassten Personen enthalten. Umfangreiche Texte zur Bestands- und Projektbeschreibung runden die Plattform ab. An der Bibliothek und im Archiv der HMT Leipzig sind im Kontext von CARLA inzwischen mehrere Neben- und Unterprojekte entstanden, die sich ebenfalls mit der Geschichte des Leipziger Konservatoriums der Musik beschäftigen. Dazu zählen etwa die Erschließung historischer Konzertprogramme des Konservatoriums auf musiconn.performance oder die Transkription der Studienunterlagen auf Wikisource. Durch diese Verknüpfungen ist CARLA inzwischen zu einer wichtigen digitalen Forschungsumgebung zur Hochschulgeschichte geworden. Wie ist die Idee zu CARLA eigentlich entstanden? Welche Ziele verfolgte die Hochschule bei der Entwicklung? Das Leipziger Konservatorium der Musik war bei seiner Gründung 1843 die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland und besaß von Beginn an eine hohe internationale Strahlkraft. Viele namhafte internationale Persönlichkeiten studierten und lehrten am Konservatorium, deren Spuren immer wieder erforscht werden. Beispiele wären u. a. der norwegische Komponist Edvard Grieg oder die englische Komponistin und Frauenrechtlerin Ethel Smyth. Die Quellen zur Konservatoriumsgeschichte sind nicht nur für die Musikforschung, sondern auch für Themen wie Kulturtransfer, Bildungsgeschichte oder Gender Studies relevant. Entsprechend waren die historischen Studienunterlagen über viele Jahre der am häufigsten nachgefragte Bestand des Archivs. Vor Projektbeginn waren die Daten jedoch nur sehr rudimentär in einer lokalen Access-Datenbank erfasst, die schließlich als Grundlage für CARLA diente. Mit CARLA soll die Geschichte des Leipziger Konservatoriums digital sichtbar und online zugänglich gemacht werden. Zugleich ermöglicht die Projektarbeit den Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Forschungsdatenmanagement, Open Data und Open Science innerhalb des Teams. Wir fokussieren uns stark auf die Qualität der Daten, um eine Anbindung an andere Projekte und ihre Nachnutzbarkeit sowie technische Weiterentwicklungen zu ermöglichen. Durch die Beschäftigung mit Strukturen und Netzwerken der Digital Humanities konnte sich das Team fachlich wie institutionell weiter vernetzen. Mit CARLA wird nicht nur die Hochschulgeschichte sichtbar, sondern auch die gegenwärtigen Tätigkeiten von Bibliothek und Archiv als „Datenlieferantinnen“ und Informationsdienstleisterinnen. Welche Quellenbestände wurden für CARLA verwendet, und welche Herausforderungen gab es bei der Digitalisierung? Hauptgrundlage der Datenerfassung bilden historische Studiendokumente, die das Archiv der HMT Leipzig in außergewöhnlicher Vollständigkeit seit der Gründung des Konservatoriums 1843 bewahrt. Dazu zählen Register, Inskriptionsbücher mit Angaben zu Herkunft, Fähigkeiten und finanzieller Situation der Studierenden, Aufnahmeformulare sowie Zeugnisse. Bei Unklarheiten wurden ergänzende Unterlagen wie Studienprospekte, Schüler- und Personalverzeichnisse oder Festschriften aus dem Bestand der Bibliothek und des Archivs herangezogen. Auch externe Datenbanken wie Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), New Grove, Wikipedia oder Ancestry dienten zur Recherche. Die Digitalisierung der Studienunterlagen aus dem Archiv der HMT Leipzig erfolgte bereits 2004/2005 durch einen externen Dienstleister. Die dabei entstandenen Digitalisate entsprechen den aktuellen Standards aber nicht mehr und lagen zu Projektbeginn nur auf lokalen Laufwerken vor. Da personelle und technische Kapazitäten für einen eigenen Viewer oder ein Langzeitarchiv fehlten, war die Veröffentlichung nur dank der Unterstützung des Landesdigitalisierungsprogramms des Freistaates Sachsens (LDP) möglich. Dadurch konnten die vorhandenen Digitalisate nachgenutzt, langzeitarchiviert und auf sachsen.digital veröffentlicht werden. Zusätzlich konnten über das LDP auch Digitalisate weiterer Unterlagen angefertigt werden. Warum ist die Entwicklung von CARLA wichtig? Wie unterscheidet sich CARLA von anderen musikhistorischen Datenbanken? CARLA macht historische Quellen zugänglich, die bislang ausschließlich vor Ort genutzt werden konnten, und bereitet die darin enthaltenen Daten für die Forschung auf. So wird die Geschichte des Leipziger Konservatoriums der Musik für eine breite Öffentlichkeit und die Wissenschaft zugänglich. Dabei fokussiert sich CARLA exklusiv auf das Leben und Wirken am Leipziger Konservatorium der Musik als erste musikalische Bildungseinrichtung ihrer Art in Deutschland. Es wird aktiv auf weitere Informationen in anderen Datenpools wie Wikipedia, RISM, Kalliope oder MUGI (Musik und Gender im Internet) hingewiesen. Diese Verbindungen sind durch die Verzeichnung der GND-ID für jede Person in CARLA möglich. Hierfür wurden Normdatensätze in der Gemeinsamen Normdatei (GND) mit Daten aus CARLA angelegt bzw. angereichert. Gleichzeitig nutzt CARLA Daten aus der GND nach, um das Retrieval zu verbessern, z. B. bei Namensvarianten. CARLA bietet zudem die Möglichkeit, aktiv am Projekt mitzuwirken. Nutzende können über eine Kommentarfunktion Informationen zu Einzelpersonen ergänzen oder sich an der Transkription der historischen Studienunterlagen auf Wikisource beteiligen. Die Ergebnisse sind über einen Link an den Dokumenten auch in … Weiterlesen

Vision zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur – Ein Kommentar

Die Vision von Greta Taubert zur Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur hat bei mir große Zustimmung, aber auch weitere Gedanken ausgelöst. Die Idee, öffentliche Räume wieder stärker als soziale Orte für Begegnung, Kultur und Demokratie zu begreifen, ist wichtig und richtig. Gleichzeitig lohnt sich auch ein Blick auf die Geschichte dieser Bauwerke und auf den heutigen Umgang mit den noch vorhandenen Pavillons in Leipzig. Denn Visionen entfalten ihre Wirkung erst dann nachhaltig, wenn sie mit Verantwortung und Pflege des Bestehenden verbunden werden. Leipzig stand einst in einer Reihe europäischer Städte und Länder mit einer ausgeprägten Pavillon-Tradition – teils in städtischer, teils in privater Regie. Vieles davon ist durch Kriege und strukturelle Umbrüche verloren gegangen. Wer sich mit der Geschichte dieser Bauwerke beschäftigt, erkennt schnell: Die Pavillon-Kultur ist ein europäisches Kulturerbe. In Leipzig ist sie mit der historischen Park- und Gartenkultur eng verbunden, für die diese Stadt in besonderer Weise steht. Man denke an den Palmengarten, den Clara-Zetkin-Park oder andere historische Anlagen. Pavillons sind Teil der gewachsenen Kulturlandschaft, die leider keinen großen Stellenwert mehr in der Stadt haben. In der Galerie sind Bilder vom Palmengarten-Pavillon, der im LVZ-Artikel vom 9. Januar 2026 versehentlich als „Gerhardscher Pavillon im Clara-Zetkin-Park in Leipzig“ betitelt wird. Zwar werden in Städten wie Freiburg, Chemnitz, Krefeld, Hamburg oder Potsdam einzelne Musikpavillons wieder saniert, doch von einem echten Trend kann keine Rede sein. Ganz anders als in England, wo die Pavillon-Kultur als nationales Kulturerbe gilt und der Erhalt und Wiederaufbau von der Bürgerschaft sowie öffentlichen Stellen finanziell und kulturell breit unterstützt werden. Die Leipziger Stadtverwaltung ringt bis heute damit, die noch vorhandenen historischen Pavillons im öffentlichen Raum vor dem Verfall zu bewahren, da sie regelmäßig beschädigt werden. Selbst, wenn diese unter Denkmalschutz stehen. Dazu zählen unter anderem: Der letzte noch erhaltene Pavillon mit einem regelmäßigen Kulturbetrieb ist der Musikpavillon im Clara-Zetkin-Park. Seine Sanierung wurde durch privates bürgerschaftliches Engagement finanziert, getragen wird er seit 2008 durch einen Wirtschaftsbetrieb. Für dieses Engagement gab es 2015 eine Nominierung unter die Top 10 des Deutschen Bürgerpreises. Bemerkenswert ist dabei: Für die öffentlichen Veranstaltungen und Kulturangebote wird kein Eintritt verlangt, von Vandalismus bleibt aber auch dieser nicht verschont. Gerade deshalb sollte das Plädoyer für neue hölzerne Pavillons auch mit einem Aufruf verbunden werden, sich bürgerschaftlich für die bereits existierenden Bauwerke zu engagieren und die Stadt bei deren Erhalt zu unterstützen, damit diese Orte ihre Rolle für Gemeinschaft, Solidarität und Demokratie überhaupt erfüllen können. Ehrlich gesagt fehlt mir ebenso der Hinweis auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Kulturerbe. Gerade von Künstlerinnen, Musikern und all jenen, die diese Orte nutzen, wäre zu erwarten, dass sie respektvoll mit den Pavillons umgehen und diese schon aus eigenem Interesse heraus schützen. Die Realität ist leider oft eine andere: Müll, Graffiti und andere Beschädigungen verursachen jährlich erhebliche Kosten. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das benannt werden muss. In der Galerie sind Bilder vom unsanierten Musikpavillon (2008), sanierten Gerhardscher Pavillon beide im Clara-Zetkin-Park (2019, Foto: C. Herold) und sanierten Palmengarten-Pavillon (2026, Foto: D. Neumann). Für mich gehört zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur daher zwingend eine öffentliche Debatte über gesellschaftsrelevante Fragen: Pflege- und Erhaltungskosten, Leipziger Park- und Gartenkulturerbe im speziellen, Müllprobleme in öffentlichen Stadt- und Grünanlagen, Vandalismus an Kultur- und Gartendenkmälern, Schutz von klimawirksamen Frei- und Grünflächen und die damit verbundenen Konflikte. Ein Lichtblick ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2024, der den Oberbürgermeister auffordert, anlässlich des 130-jährigen Bestehens des Palmengartens im Jahr 2029 ein dezernatsübergreifendes Themenprojekt in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu prüfen – auch mit Blick auf den Umgang mit diesem Kulturerbe. In dem Jahr wird ebenso der Albert-Park, der heutige Clara-Zetkin-Park, ein 125-jähriges Jubiläum begehen. Es wäre also eine gute Zeit, darüber zu reden. Trotz aller Ergänzungen und punktuellen Einwände befürworte ich diesen Vorschlag, die Leipziger Pavillon-Kultur wieder aufleben zu lassen. Gerade dann, wenn Vision und Verantwortungsbewusstsein zusammengedacht werden, können wir diese gemeinschaftlich und mit kreativen Ansätzen neu beleben. Siehe auch – 50 Visionen für Leipzig: Greta Taubert wünscht sich eine Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur – LVZ-Artikel

Wanderausstellung – Von der HTWK Leipzig nach Frankfurt am Main

Nach dem Erfolg der Kabinettausstellung „Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt“, die anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Parkanlage unter anderem mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums und der Lotter-Gesellschaft im Capa-Haus realisiert wurde, konnte die Ausstellungsreise fortgesetzt werden. Diese führte Ende 2025 zunächst in die Bibliothek der HTWK Leipzig und anschließend in den Frankfurter Palmengarten, wo die Rückmeldungen durchweg positiv ausfielen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Andenken an die geschätzten Kollegen Hans-Joachim Hädicke und Michael Liebmann, die 2024 viel zu früh verstorben sind. Ihnen war ein Teil der Ausstellung gewidmet, der an ihren wertvollen Beitrag erinnert und künftig Bestandteil der Ausstellung bleiben wird. Darüber hinaus wurden neue Perspektiven integriert. Dazu zählten Einblicke in das Leben und Wirken von Carl Reinecke und seine Verbindung zum Leipziger Palmengarten in Kooperation mit dem Reinecke-Museum in Leipzig, die Einordnung der Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung von 1893 sowie die Präsentation einer HTWK-Masterarbeit samt Modell zum möglichen Wiederaufbau des Gesellschafts- und Palmenhauses als utopische Vision. In der Mainmetropole war die Ausstellung als Beitrag zum 35. Jahr der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Leipzig zu sehen. Der Frankfurter Palmengarten diente nicht nur als Vorbild für den Leipziger Palmengarten, sondern auch für zahlreiche andere Palmengärten seiner Zeit. Heute ist er der älteste noch erhaltene Palmengarten Deutschlands. Im Jahr 2012 wurde der Botanische Garten in den Frankfurter Palmengarten integriert und so vor der drohenden Auflösung bewahrt. Ein Besuch der städtischen Anlagen lohnt sich durchaus, denn beide Einrichtungen beherbergen zusammen über 12.000 Pflanzenarten aus aller Welt. Die Wanderausstellung trägt dazu bei, ein bislang vernachlässigtes Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar zu machen und neu zu beleben. Allen Unterstützern sowie Besucherinnen und Besuchern gilt besonderer Dank für ihr Interesse und ihre Mitwirkung an diesem Projekt. Rückblick im Capa-Haus Siehe auch – Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main Siehe auch – Der Frankfurter Palmengarten – Historischer Garten mit Weltruf Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Kilian Jost zum historischen Grottenbau © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Der klingende Park – Tage der Industriekultur in Leipzig

Die Veranstaltungsreihe „Der klingende Park“ bietet eine Reise durch die Geschichte der Gartenbaukunst in Leipzig, mit den prächtigen privaten Bürgergärten, den ersten Botanischen Garten und den ersten kommunalen Landschaftspark Deutschlands über die modernen Ausstellungs- und Freizeitparks sowie Ausflugsstätten im Industriezeitalter bis hin zu den noch erhaltenen Parkanlagen jener Zeit. Die Parkerrichtungen waren ein wichtiger Faktor des städtebaulichen Wandels im Zuge der Hochindustrialisierung und des Städtewachstums in Deutschland. Zur Zeit der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 (STIGA) waren viele Leipziger Parkanlagen in ihrer Entstehung. Damit bewiesen die Stadtoberen einen Sinn für nachhaltige Stadtentwicklung im Industriezeitalter, denn die geschaffenen Grünflächen wurden zu stadtprägenden Orten der Erholung und Regeneration. Hierzu zählen beispielsweise der Stünzer Park (1898) im Leipziger Osten, der Leipziger Palmengarten (1899) im Leipziger Westen, der Arthur-Bretschneider-Park (1900) im Leipziger Norden ebenso wie der Wilhelm-Külz-Park (1904) im Leipziger Süden und der an der Stelle des Ausstellungsparks der STIGA tretende König-Albert-Park (1904) im Leipziger Zentrum (der heutige Clara-Zetkin-Park). Die Parkanlagen genießen heute einen besonderen Schutzstatus als Garten- und Kulturdenkmäler. Sie alle dienen dem Wohl der Leipziger und ihrer Besucher, sei es zur Bildung, Erholung oder zum Vergnügen. Ein Blick auf ihre Entstehungs- und Blütezeit ist daher lohnenswert – auf die unterschiedlichen Kunstformen, die diese Parks bereicherten (z. B. Architektur, Skulptur, Landschaftsgestaltung, Musik), und nicht zuletzt auf die Schicksale längst verschwundener Oasen, die in alten Postkarten, Lithografien und Fotografien wieder lebendig werden. Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Leipziger Park- und Gartenkultur zu beleuchten und mit dieser Veranstaltungsreihe möglichst viele Menschen zu erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis der lokalen Kulturgeschichte zu einem bewussteren Umgang mit den Parkanlagen führen kann. Park- und Gartenkultur im Zeitalter der Industrialisierung Veranstaltungen 2026 Zu den 14. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. **** Wann? 13.09.2026, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 Leipzig Veranstaltungen 2025 Zu den 13. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. Der Moritzbastei e. V. bietet ein Bastel- und Schminkprogramm für Kinder. Außerdem stellt der Ururenkel von Carl Reinecke das Lebenswerk seines berühmten Vorfahren vor und informiert über den benachbarten Reinecke-Platz. Weitere Gäste sind u.a. die Stadt- und Parkführerin Daniela Neumann (Entdeckt in Leipzig) und Autor Sebastian Ringel. **** Wann? 14.09.2025, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigMusik? Tanzsalon mit The Perky Pollyvocs & Swing Connection e.V. (ab 16 Uhr)Wie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2024 Zu den 12. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und einer Hommage an 125 Jahre Leipziger Palmengarten mit dem Historical Swing Dance Orchestra, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Stammtisch der Parkenthusiasten, Info-Stand und Bücherverkauf. Gäste sind u.a. Prof. Dr. Leder (Museumsdirektor Naturkundemuseum Leipzig), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin und Hans-Joachim Hädicke (Privatsammler). **** Wann? 08.09.2024, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2023 Zu den 11. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und dem Symphonischen Blasorchester/ ISKRA Oldstars, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Bücherverkauf. Weitere Gäste sind u.a. Dr. Enrico Ruge (HTWK Leipzig), Henner Kotte und Sebastian Ringel (beide Stadtführer, Autoren). **** Wann? 03.09.2023, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 500 Gäste ****

Sousas Band auf Europa-Tour im Leipziger Palmengarten

Der 1899 eröffnete Palmengarten am Ufer der Elster war nicht nur eines der beliebtesten Ausflugsziele der Leipziger Bürgerschaft, sondern auch ein wichtiger Schauplatz des Musiklebens der Messestadt. Neben einem reizvoll gestalteten Landschaftspark samt Wasserspielen und mehreren Lokalen bot die Anlage die Möglichkeit, Konzerte im zentralen Gesellschaftshaus oder unter freiem Himmel zu veranstalten. Bereits die Eröffnungsfeier des Palmengartens im Frühjahr 1899 wurde durch ein Festkonzert bereichert und ab der ersten Saison spielten diverse lokale Orchester und Kapellen an so gut wie jedem Wochentag. Bei guten Wetter begannen Musikvorführungen am späten Nachmittag auf dem „Concertplatz“ am Rande des künstlich angelegten Sees und reichten bis in die Abendstunden. Diese Konzerte ziviler wie militärischer Musikgruppen wechselten häufig mit anderen Attraktionen wie Feuerwerk oder „kinematographischen Vorführungen“, einer Frühform des Kinos, ab und wurden von der Betreibergesellschaft des Parks ausführlich beworben. Der Palmengarten war allerdings nicht nur für Leipziger Orchester und Militärkapellen aus der näheren Umgebung interessant, sondern zog bald auch internationale Musikgruppen an. Zu den denkwürdigsten Auftritten ausländischer Gäste zählen sicherlich die Konzerte des US-Amerikaners John Philip Sousa und der von ihm geleiteten Sousa’s Band im Sommer des Jahres 1900. John Philip Sousa und seine Band, die aus der Tradition der US-amerikanischen Militärkapellen entstanden war, besuchten ab Mai 1900 im Rahmen einer ausgedehnten Tournee erstmals Europa. Dabei waren die mehr als 60 Musiker und ihr Dirigent keine Unbekannten, da die europäische Presse schon zuvor über den als „March King“ bezeichneten Sousa berichtet und ihn als Botschafter einer „typisch amerikanischen“ Musik vorgestellt hatte. Tatsächlich hatten sich Sousa und seine Band auf mehreren USA-Tourneen den Ruf einer außergewöhnlich leistungsfähigen und professionell geführten Marching Band erworben. Neben dem einheitlichen Auftreten der Musiker in eigens angefertigten Uniformen fanden besonders die starke Besetzung des Ensembles sowie das von Sousa selbst entwickelte „Sousaphon“, ein besonders tiefes Blechblasinstrument, das den Spieler komplett umschließt, große Beachtung in der europäischen Öffentlichkeit. Das Repertoire der Sousa’s Band setzte sich einerseits aus typischen Militärmärschen und anderseits aus von Sousa für sein Ensemble angefertigten Arrangements bekannter klassischer Werke zusammen. Ein wichtiger Bestandteil waren zudem virtuose Stücke, in denen Solisten aus den Reihen der Band ihr Können unter Beweis stellen konnten. Die Sousa’s Band konkurrierte also durchaus mit den sonst im Palmengarten auftretenden, mitteldeutschen Militärkapellen und wurde von der Musikpresse entsprechend ambivalent betrachtet. Während diese einerseits die außerordentliche Leistungsfähigkeit und Disziplin des Ensembles lobte, wurde insbesondere die Interpretation der Musik Richard Wagners zurückhaltend besprochen und die schiere Größe der Band als typisch amerikanische „Gigantomanie“ wahrgenommen. Insgesamt spielten Sousa und Band acht Konzerte im Palmengarten, ab dem 10. Juni, einem Sonntag, zweimal täglich, jeweils einmal nachmittags und am Abend. Für das erste dieser Konzerte, das offenbar bei bestem Wetter stattfand, schätzen die Leipziger Neuesten Nachrichten das Publikum auf mehr als 10.000 Menschen, das Leipziger Tageblatt und Anzeiger ging sogar von 12.000 Zuhörenden aus. Die Leipziger Zeitungen ließen in den nächsten Tagen kaum eine Gelegenheit aus, über die Konzerte der US-Amerikaner zu berichten und ihre Leserschaft über die noch ausstehenden Auftritte zu informieren. Dass die Reaktionen auf die dargebotene Musik wie bereits erwähnt nicht nur positiv ausfielen, verdeutlicht der Artikel eines Kritikers, der zwar Sousas sicheres und ungezwungenes Dirigat lobte, ihm jedoch zugleich vorwarf, „schwierige Musikstücke“ wie die Tannhäuser-Ouvertüre „auf die leichte Achsel“ zu nehmen. Das Publikum nahm Sousa und seine Band jedenfalls so positiv auf, sodass auch die Konzerte in den nächsten Tagen überaus gut besucht waren. Dass es trotzdem zu einigen kleineren Verständnisschwierigkeiten kam, belegt ein Leserbrief, der einige Tage nach Sousa’s erstem Auftritt im Palmengarten im Leipziger Tageblatt und Anzeiger erschien: der nicht namentlich genannte Verfasser verweist auf die nur in englischer Sprache verfügbaren Programmzettel und beklagt in diesem Zusammenhang die mangelnde Höflichkeit der Gäste aus Übersee und den Umstand, „daß sich das amerikanische Publicum im umgekehrten Falle niemals ein deutsches Programm gefallen lassen würde“. Der veröffentlichte Text erschien im Lotterbrief 15 | August 2025, Seite 26 f., der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig e.V. (HLG). Abonnieren Sie den Lotterbrief unter www.lotter-gesellschaft.de/wir-ueber-uns/lotterbrief. Siehe auch – Amerikanischer Marschkönig John Philip Sousa – Dirigent „Sousa Band Press Books“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/For-Researchers/Sousa-Band-Press-Books/ „John Philip Sousa“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/Our-History/John-Philip-Sousa/ Tobias Faßhauer, »Hands Across the Sea« – John Philip Sousa und der musikalische Amerikanismus in Kontinentaleuropa Digitale Sammlungen der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden unter < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/188075/1 > (Leipziger Tageblatt und Anzeiger) und < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/141582/1 > (Leipziger Volkszeitung). © 2025 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Parkanlage beleuchtete die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum und vielen weiteren Unterstützern die „Blütezeit“ des Leipziger Palmengartens (1899 bis 1914). Die Ergebnisse der Forschung wurden der Öffentlichkeit in der Gerda-Taro-Lounge im Capa-Haus präsentiert. Die Ausstellung bot darüber hinaus die Möglichkeit, gemeinsam mit den Partnern, Förderern und Unterstützern verschiedene Veranstaltungsformate umzusetzen, die Livemusik, Vorträge und geführte Touren umfassten und so die Geschichte der ehemaligen Gartenanlage wiederbelebte. Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt –Kabinettausstellung mit Experten-Gremium & Begleitprogramm1.11.2024 – 28.2.2025Capa-Haus, Gerda-Taro-Lounge, Jahnallee 61, 04177 Leipzig Eintritt frei – Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag und jeden 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr (außer an gesetzlichen Feiertagen) Experten-Gremium (ehrenamtlich): Hans-Joachim-Hädicke (Privatsammler), Sebastian Ringel (Autor), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin), Marius Wittwer (Stadtführer), Anne Roßburger, Mike Demmig (beide meinpark.info). Unterstützt von: HTWK Leipzig, Capa-Haus/ CAPA Culture gGmbH, Stadtgeschichtliches Museum, Stadt Leipzig – Dezernat Kultur/ Referat Strategische Kulturpolitik, Holger-Koppe-Stiftung Frankfurt a. M./ Leipzig, Universität Leipzig – Botanischer Garten/ Institut für Musikwissenschaft, Verein für Industriekultur Leipzig e.V., Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V., Förderkreis Botanischer Garten e.V., Frankfurter Palmengarten, Archiv Frau & Musik – Internationale Forschungsstätte Frankfurt a. M., Lions Club Leipzig Saxonia, Eva Meitner Conductor, Stil Haus Kollektiv, Musikpavillon Leipzig, Entdeckt in Leipzig. Die Umsetzung der Roll-Up-Ausstellung mit begleitenden Medien erfolgte durch das Kunst & Grafik Büro vonJuliane Sieber aus Halle/ Saale. www.julianesieber.de Begleitprogramm Donnerstag 7.11.2024, ab 18 Uhr –ALTES RATHAUS, FESTSAAL, Am Markt 1, 04109 Leipzig »Elfrida Andrée – Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung«Feiern Sie mit uns das 45-jährige Jubiläum des Archivs Frau & Musik, der internationalen Forschungsstätte in Frankfurt a. M., und erleben Sie einen inspirierenden Abend mit Eva Meitner und Mary Ellen Kitchens zu Ehren der schwedischen Komponistin Elfrida Andrée (1841-1929, Dirigentin ihrer Ouvertüre im Leipziger Palmengarten) präsentiert von der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. Freitag 29.11.2024, ab 17 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Expertengespräch im Mediterranhaus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die HTWK Leipzig laden zu einem Austausch mit Frau Dr. Heubach, Direktorin Palmengarten und Botanischer Garten der Stadt Frankfurt a. M., und Prof. Dr. Wirth, Direktor Botanischer Garten der Universität Leipzig. Donnerstag 12.12.2024, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Musikalischer Salon im Capa-Haus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und das Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig laden zu einem musikalischen Vortrag zur Musik im Leipziger Palmengarten und anderen Vergnügungsstätten um 1900. An diesem Abend findet die Preisverleihung des Gert-Triller-Preises der Notenspur Leipzig e.V. statt. Montag 13.1.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Ein Gesellschaftsabend im Palmengarten«Der Lions Club Leipzig Saxonia lädt zum Neujahrskonzert mit Trio Saviano, um Abendgarderobe wird gebeten. Insbesondere ist die Einladung auch an ein jüngeres Publikum gerichtet. Donnerstag 13.2.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Frauen in der Musikszene um 1900«Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt und erleben Sie eine spannende Reise durch die Musikgeschichte. Die Musikerin Eva Meitner und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. präsentieren Musikstücke von Amelie Nikisch bis Ethel Smyth und zehn weiteren Komponistinnen. Donnerstag 20.2.2025, ab 18 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Exkursion in den Botanischen Garten«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. laden zu einer exklusiven Sonderführung durch die Orchideenschau, die vom 22. Februar bis zum 2. März 2025 stattfindet. Bürgerinformation Innerhalb des Zeitraums der Ausstellung führten Experten die Gäste an jedem 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr durch die Ausstellung. Das Angebot wurde sehr gut angenommen.www.capa-haus.org Exkursion Die exklusive Sonderführung der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. durch den Botanischen Garten in Leipzig vor Beginn der Orchideenschau war ausgebucht und die beste Werbung für die Arbeit des Förderkreises vor Ort.www.lw.uni-leipzig.de/botanischer-garten Siehe auch – Wanderausstellung – Von der HTWK nach Frankfurt am Main Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main Siehe auch – Der Frankfurter Palmengarten – Historischer Garten mit Weltruf Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Kilian Jost zum historischen Grottenbau Siehe auch – Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung – Elfrida Andree Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Holger Koppe zu seiner Stiftungsarbeit Siehe auch – Ein persönlicher Blick auf den Botanischen Garten in Leipzig Siehe auch – Gespräch mit Experten – Rolf Engelmann zum Botanischen Garten in Leipzig © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Gespräch mit Experten – Dr. Holger Koppe zu seiner Stiftungsarbeit

Dr. Holger Koppe ist Projektentwickler in Frankfurt a. M. und Leipzig sowie Gründer der Holger Koppe Stiftung, die sich seit ihrer Gründung für die Förderung ernster Musik und die Erinnerung an Opfer von Gewaltherrschaft einsetzt. Der promovierte Jurist spricht über seine persönlichen Erfahrungen, die Stiftungsarbeit in beiden Städten und darüber, wie er junge Menschen für die Bedeutung von Musik und Demokratie sensibilisieren möchte. Zudem gewährt er Einblicke in seine Beweggründe und die Vision, die hinter seiner Stiftung stehen. Dr. Koppe, ich danke Ihnen sehr für Ihre Zeit. In diesem Interview wird es um ihre Stiftung gehen, die Sie 2013 gegründet haben. Was waren dabei Ihre Beweggründe und was sind Ihre Schwerpunkte? Zu Lebzeiten eine Stiftung gründen kann man nur, wenn man dafür ein ausreichendes Vermögen hat. Das kann entweder ein Erbe sein oder das Ergebnis langjähriger und erfolgreicher Arbeit. Ein Erbe bin ich nicht, denn meine Eltern waren Flüchtlinge aus Pommern und Schlesien und haben nach ihrer Flucht beim Nullpunkt angefangen. Aber ich habe immer viel gearbeitet und mache das auch mit 74 Jahren noch gerne. Ich wollte der Gesellschaft, die mir das ermöglicht hat, wieder etwas zurückgeben. Die Stiftung wird später mein Erbe sein. Heute besteht die Stiftung seit zwölf Jahren. Sie ist eine kleine Stiftung mit einem überschaubaren Budget, hat sich aber dennoch ein Profil in den Bereichen Musik und Erinnerung geschaffen, auch deshalb, weil sie sich auf die Standorte Frankfurt am Main und Leipzig konzentriert. Sie haben die Stiftung in Frankfurt und Leipzig etabliert. Können Sie uns mehr über die Auswahl dieser beiden Städte und Regionen erzählen? In Frankfurt wohne ich, in Leipzig bin ich seit 35 Jahren nahezu jede Woche vor Ort, weil ich dort ein Unternehmen aufgebaut habe. Ich finde es wichtig, dass auch die Region Leipzig von meinen Stiftungsprojekten profitieren kann. Für eine Ausweitung über diese beiden Regionen hinaus ist die Stiftung aktuell zu klein. Noch ein Wort zur Erinnerung: ich bin in Landsberg am Lech geboren. Dort hat Adolf Hitler „Mein Kampf“ geschrieben. In meinem Geburtsjahr wurden dort die letzten deutschen NS-Verbrecher hingerichtet. Und als Kind hat sich mir 1964 der Auschwitz-Prozess tief in die Erinnerung eingegraben. Antworten darauf habe ich von meinen Eltern leider nicht bekommen. Die Stiftung setzt sich für die Vermittlung von ernster Musik ein, vor allem für junge Menschen. Dabei konzentrieren Sie sich nicht auf die Förderung einzelner Musiker, sondern auf den Zugang zu ernster Musik für junge Menschen. Was genau möchten Sie mit diesem Ansatz erreichen? Beim Thema Musik muss ich vorwegschicken, dass ich selbst kein Instrument spiele. Meine Frau hat früher Ballett getanzt und Klavier gespielt. Noten lesen kann ich nicht. Ich liebe aber klassische Musik, weil sie eine ungemein beruhigende Wirkung auf mich hat, insbesondere in stressigen Zeiten. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, keine künftigen Spitzenmusiker zu fördern, sondern einen Beitrag zu leisten, dass junge Menschen früh mit ernster Musik in Berührung kommen und einen Zugang zu ihr finden. Idealerweise lernen sie ein Instrument und musizieren gemeinsam im Ensemble. Das halte ich für einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2016 vergibt meine Stiftung den Mitteldeutschen Jugendmusikpreis. Wir haben das 2022 dahingehend mit der Erinnerung verbunden, dass die Ensembles sich mit der Musik verfolgter und ermordeter Musiker beschäftigen und wir über ihre Musik den so wichtigen Zugang zu ihnen finden, um diese Menschen nicht zu vergessen. Sie betonen, wie wichtig die Erinnerung an Opfer von Gewaltherrschaft für Sie ist. Wie sehen Sie die Rolle der Stiftung in der aktuellen politischen Landschaft und welche Botschaft möchten Sie insbesondere jungen Menschen vermitteln? Als ich 2013 meine Stiftung gründete, hat sich in Deutschland auch die AfD gegründet. Das war aber damals noch eine ganz andere Partei. Ich habe mir nicht vorstellen können, wie sie sich entwickelt und welche Rolle sie heute in Deutschland einnimmt. Ich bin extrem besorgt über die mögliche weitere Entwicklung. Die deutsche Geschichte lehrt uns, zu was Menschen fähig sind, wenn statt Freiheit und Demokratie Hass und Gewalt dominieren. Die so wichtige Erinnerungsarbeit soll dabei helfen zu verhindern, dass sich heute ähnliche Strukturen bei uns im Land entwickeln wie zu jener Zeit. Haben Sie ein Buch, das Sie zum Lesen empfehlen würden? Es gibt viele Bücher, die ich empfehlen kann. Eines davon ist „Februar 33“ von Uwe Wittstock, in dem die Tage vom 28. Januar bis zum 15. März 1933 aus der Sicht von engagierten Zeitzeugen beschrieben werden. In so wenigen Tagen hatte sich alles entschieden, alle demokratischen Strukturen wurden zerschlagen. Viele der beschriebenen Zeitzeugen haben sich in diesen sechs Wochen von einem auf den nächsten Tag entscheiden müssen, ob sie mit ihrer Familie das Land verlassen und Emigranten werden oder nicht. Das wollen wir keinesfalls noch einmal erleben. Zum Abschluss, was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Stiftung? Da ich nicht weiß, wie lange ich die Stiftungsarbeit noch begleiten kann, wünsche ich mir natürlich, dass auch nach meinem Ausscheiden die Stiftung gute und nachhaltige Projekte unterstützen kann und das noch sehr lange Zeit. Bestenfalls dann mit mehr finanziellen Spielräumen. Derzeit mache ich vieles selbst, aber ich habe das Ziel, professionellere Strukturen aufzubauen. Daraus erhoffe ich mir für die Zukunft eine größere Unterstützung der Stiftungsarbeit. Dabei setze ich auch auf meinen Stiftungsbeirat, der die Stiftung seit ihrer Gründung begleitet und berät. Aktuelles: www.koppe-stiftung.de © 2025 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung – Elfrida Andree

Im Begleitprogramm der Palmengarten-Ausstellung fand im Festsaal des Alten Rathaus Leipzig die erste öffentliche Veranstaltung statt. Der Abend war der schwedischen Komponistin Elfrida Andrée (1841-1929) gewidmet, die im Januar 1905 im Leipziger Palmengarten ein Orchesterkonzert mit ihren eigenen Werken dirigierte. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Grußredner Anne Roßburger (HTWK Leipzig) und Eric Buchmann (Vorsitzender der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft). Die Veranstaltung war inhaltlich in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil hielt Mary Ellen Kitchens (Archiv Frau und Musik) einen Vortrag über das Leben und Werk der schwedischen Komponistin. Im zweiten Teil folgte eine Podiumsdiskussion mit ihr und Kerstin Sieblist (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig). Durch den Abend führte Eva Meitner, die moderierte und zwischendurch auch selbst am Klavier Werke der Komponistinnen Elfrida Andrée, Amy Beach (1867-1944) und Ethel Smyth (1858-1944) spielte. Kurzinformation zur Referentin Mary Ellen Kitchens Von 1994 bis 1998 war Mary Ellen Kitchens Vorstandsfrau bei musica femina münchen. Seit 2013 ist sie Vorstandsfrau des Archivs Frau und Musik in Frankfurt am Main, dem weltweit größten und bedeutendsten Archiv dieser Art. Aufgrund ihrer regen Konzerttätigkeit mit ihren Ensembles (Frauenorchesterprojekt Berlin, Orchesterverein Kempten, Munich International Choral Society, Rainbow Sound Orchestra Munich, Regenbogenchor München) ist sie zudem auch selbst als Dirigentin aktiv und leitet häufig Aufführungen mit Werken von Komponistinnen, darunter auch Elfrida Andrée. Mary Ellen Kitchens verbindet auf diese Weise tiefgründiges Fachwissen mit gelebter Konzertpraxis. Archiv Frau und Musik (AFM) Das Archiv wird 2029 sein 50-jähriges Jubiläum feiern und ist das weltweit größte Archiv dieser Art. Der Fokus liegt auf Komponistinnen, Dirigentinnen, sowie in der Musikwelt agierende Frauen. Zudem ist das Archiv beratend für Musizierende, Ensembles und Verlage tätig, wenn nach Programmideen oder Informationen zu Komponistinnen und ihren Werken gesucht wird. Besonderer Wert wird auf Vernetzung gelegt, sowohl zwischen Komponistinnen als auch zwischen Aufführenden. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Digitalen Deutschen Frauenarchiv (https://digitales-deutsches-frauenarchiv.de), da die Digitalisierung und Online-Präsentation von Medien eine zentrale Rolle im Archiv einnehmen. www.archiv-frau-musik.de Das Referat über Elfrida Andrée (von Mary Ellen Kitchens) Elfrida Andrée (1841-1929) war eine außergewöhnlich vielseitige Frau, deren facettenreiche Persönlichkeit sich auch in ihrem Kompositionsstil widerspiegelt. Sie wirkte als Organistin, Komponistin, Telegraphistin und Harfenistin. Besonders bemerkenswert ist ihre Behandlung der Harfe in ihren Orchesterwerken, zweifellos zurückzuführen auf ihre eigenen virtuosen Fertigkeiten an diesem Instrument. Ihr Hauptinstrument war jedoch die Orgel: Für 62 Jahre war sie Domorganistin in Göteburg, eine bemerkenswert lange Zeit in dieser Position. Den entscheidenden Rückhalt erhielt sie von ihrem Vater, der ihre Ausbildung zur Telegraphistin und Organistin unterstützte. Da Frauen in diesen Berufen damals nicht tätig sein durften, mussten schwedische Gesetze geändert werden, um ihre eigene Berufsausübung zu ermöglichen. So wurde Andrée die erste Frau, die den Beruf der Telegraphistin ergreifen durfte und ging als erste Domorganistin in die Geschichte Schwedens ein. Sie komponierte zahlreiche Werke für Klavier und Orgel sowie Kammermusik, Chormusik und Orchesterwerke. Ihr erstes Orchesterwerk, die Ouvertüre in g-Moll, schrieb sie im Alter von 23 Jahren. Im Laufe ihres Lebens vertiefte sie ihr Interesse am Orchesterklang, vermutlich hat sie dies als Potenzierung des Orgelklanges erlebt. In ihrem Tagebuch taucht der bemerkenswerte und von ihr unterstrichene Satz auf: „Das Orchester ist das Ziel!“ Elfrida Andrée war die erste Frau in Schweden, die Sinfonien schrieb. Doch ihre Aufführungen waren oft von Widerständen begleitet. So ist überliefert, dass Musiker eines Orchesters bewusst ihre Partitur sabotierten, indem die ersten Geigen absichtlich einen Takt zu spät einsetzten. Dadurch entstanden unintendierte Missklänge, die sich natürlich negativ auf die Rezeption des Werks ausgewirkt haben. Andrée und ihre Schwester verließen das Konzert aus Protest. Sie ließ sich aber nicht beirren und setzte ihre Studien in Bezug auf Orchesterkomposition in Kopenhagen bei Niels Gade fort. Sie entschied sich bewusst gegen eine Heirat, was zu dieser Zeit für eine Frau ein mutiger Schritt war. 1905 wurde in Leipzig ihre 2. Sinfonie in a-Moll aufgeführt, die zehn Jahre nach ihrer ersten Sinfonie entstanden war. Da es zunächst keinerlei Aufführungsmöglichkeiten gab, musste sie 14 Jahre bis zur Uraufführung dieser Sinfonie (1893) warten. Obwohl das Werk sehr erfolgreich war, durfte sie als Komponistin nicht auf die Bühne treten, um den Applaus entgegenzunehmen. In ihrem Leben gab es zahlreiche Situationen wie diese, in denen sie nicht die Würdigung erhalten hatte, die ihr eigentlich zustand. Im gleichen Jahr der Uraufführung ihrer 2. Sinfonie fand die Weltausstellung in Chicago statt. Dort gab es eine Ausstellung zu Werken schwedischer Komponistinnen und ihre Freundin, die Komponistin Laura Netzel nahm unter anderem auch Werke Elfrida Andrées mit auf ihre Reise. Auf diese Weise wurde sie das erste Mal international wahrgenommen. Mitte der 1890er Jahre schrieb sie ihre Oper „Fritjofs Saga“ für die Teilnahme an einen Wettbewerb. Es wird vermutet, dass ihre Teilnahme nicht ernst genommen wurde, weshalb die Oper keinen Preis erhielt. Später überarbeitete sie die Ouvertüre und Zwischenspiele der Oper zur „Fritjof Suite“, das bis heute am häufigsten aufgeführte Orchesterwerk aus ihrer Feder. Eventuell gab es schon vor dem Konzert im Palmengarten Kontakte nach Leipzig, dies gilt es allerdings noch weiter zu erforschen. Ihre Schwester absolvierte in der sächsischen Musikstadt eine vierjährige Ausbildung als Opernsängerin, weshalb ein früherer Besuch nicht ausgeschlossen werden kann. Es könnte durchaus sein, dass sie schon vor ihrer Palmengarten Aufführung in Leipzig gewesen war. Ebenfalls ist überliefert, dass Andrée zuvor als Organistin für ein Konzert in der Thomaskirche vorgesehen war, dass kurzfristig abgesagt wurde, da eine Frau an der Orgel der damaligen „Sitte“ nicht entsprochen hatte. Ende 1904 finden sich historisch belegte Kontakte nach Sachsen. Zunächst über eine Einladung nach Dresden vom dortigen Kapellmeister, um dort im Konzert ihre eigenen Werke zu dirigieren. Zwei Monate später dirigierte sie dann im Januar 1905 ihr Fritjof-Vorspiel und die 2. Sinfonie im Leipziger Palmengarten. Wo genau sie die Zeit zwischen diesen beiden Auftritten verbracht hatte, ist zwar nicht bekannt, aber vermutlich ist sie die Zeit über in der Nähe der sächsischen Auftrittsorte geblieben. Eine detaillierte Auswertung ihrer Briefe könnte hier genauere Hinweise liefern. Die Rezensionen der Presse Die Leipziger Presse reagierte kritisch auf ihr Konzert. Besonders im Leipziger Tageblatt wurde nicht nur ihr Werk abgewertet, sondern grundsätzlich hinterfragt, ob Frauen überhaupt komponieren können. Während die Fritjof-Ouvertüre … Weiterlesen

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