Ein Spaziergang zum altersgrauen Kuhturm bei Lindenau

Unsere Reise beginnt im frühen Leipzig, von wo aus wir zu Fuß nach Lindenau aufbrechen. Wir starten am ehemaligen Äußeren Ranstädter Stadttor und machen uns Richtung Westen auf den Weg. Über die Elster-Brücke gelangen wir zu einer Allee, die kunstvoll mit zahlreichen Pappeln bepflanzt ist. Diese Allee ist die Frankfurter Straße, eine einstige römische Handelsroute. Nachdem wir die Brücke überquert haben und das Stadttor hinter uns liegt, genügen nur noch einige hundert Schritte mehr, um die letzten Häuser der Vorstadt hinter uns zu lassen und wir einen gehaltvollen Spaziergang vor uns haben. Ein romantischer Blick eröffnet sich uns von der Allee aus, wenn wir die Landschaft mit den dahinterliegenden Wäldern betrachten, die sich in einem Halbkreis um den gesamten Westen herumziehen. In der Ferne sehen wir die umliegenden Dörfer und können die Namen der jeweiligen Waldabschnitte wie das „Schleußiger Holz“ und das „Leutzscher Holz“ nutzen, um uns dorthin zu orientieren. Auch das bekannte „Rosenthal“ ist von weitem zu erkennen. Wenn wir unseren Blick zurück auf den Weg nach Lindenau richten, erstrecken sich auf beiden Seiten des Weges weite Gras- und Flusslandschaften. Nach einem etwa halbstündigen Spaziergang stoßen wir auf den altehrwürdigen „Kuhturm“, der am Ufer der Luppe an den so genannten „Kuhburger Wiesen“ an einem abgeschlossenen Graben vor Lindenau liegt. [1] Es gibt alte Geschichten über dieses Land, das von dichten Wäldern mit uralten Bäumen umgeben ist, darunter Ulmen, „von denen die stärkste einen Umfang von 14 Fuß hat“, [2] und Legenden über einen slawischen Opferaltar, der mit der Vertreibung der Slawen im 11. Jahrhundert und der Zerstörung ihrer Siedlung „Lipzk“ verschwunden sein soll. Es wird angenommen, dass der Kuhturm auf diesem Land „bej Lindenau“ um diese Zeit herum erbaut wurde. Ursprünglich war der Bau als Außenposten geplant gewesen, um die Pleiße-Elsterniederungen vor der Stadt, wo neben lebhaften Handel auch viel Ackerbau betrieben wurde, besser zu bewirtschaften und vor Angreifern zu schützen. So entstand zwischen Lindenau und Leipzig eine bewachte Landstraße, die weiter nach Merseburg führte und vor allem die ortsansässige Wirtschaft förderte. Gleichzeitig dienten die umliegenden Wiesen als Weideland für das Vieh der zahlreichen Stadtgüter. So erhielt der Außenposten einen Wachturm und den Beinamen „Kuhburg“. Im 15. Jahrhundert wandelte sich der Wachposten in ein Forsthaus und war ab 1533 mehr als zwei Jahrhunderte lang der Wohnsitz der Försterfamilien, bekannt als die „Kuhtürmer“. Der Letzte war Oberförster Koch, der Vater des 1876 verstorbenen Bürgermeisters der Stadt. [3] Danach folgte dem Forsthaus eine Gastwirtschaft, die in den 1850er bis zur Mitte der 1860er Jahre von dem bekannten Gastwirt Schatz bewirtschaftet wurde. [4] Die „Restauration zum Forsthaus Kuhturm“ soll ein beliebtes Etablissement gewesen sein, besonders bei den „besseren Gesellschaftsklassen“. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sich Lindenau wie Gohlis und Connewitz zu einer beliebten Sommerresidenz vieler wohlhabender Familien entwickelte, in denen „gerade die reichsten unserer Stadtbewohner“ Landgüter und Neubauten besaßen. [5] Am 27. Juni 1857 ereignete sich auf dem Anwesen jedoch ein Unglück, als die gusseisernen Tragbalken der Decke im neugebauten Salon einstürzten, was zu einem Rückgang der Gäste und zur Aufgabe des Geschäftes führte. [6] Die Universität Leipzig übernahm alle Gebäude und etablierte auf dem rund 13,5 Hektar großen „Kuhturm-Grundstück“ um 1869 eine neue landwirtschaftliche Versuchsanstalt und ein Laboratorium. Der erste Standort des wissenschaftlichen Instituts umfasste einen Hof, einen Garten und eine Versuchsfläche von insgesamt 82 Parzellen von jeweils 10 x 40 Metern, bevor es 1879 in einen Neubau an der Ecke Stephanstraße/Brüderstraße umzog. [7] Der Gebäudekomplex wurde seit 1835 mehrmals um- und ausgebaut, jedoch stammen die Mauern des Hauptgebäudes und des Turms noch aus den ältesten Tagen. Auch ein christlicher Taufstein unter den herrlichen Linden im Garten, der im 17. Jahrhundert in der Nähe des Dorfes Schönau gefunden und hier aufgestellt wurde, blieb aus früheren Zeiten erhalten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erhielt das ehemalige Forsthaus eine kirchenähnliche Bauweise der Spätgotik (Stieglitz), wie der damalige Baurat Oskar Mothes vermutete. [8] Dieses Grundstück, das seit „fast einem Jahrtausend“ verschiedenen Zwecken gedient hat, wurde vom Rat der Stadt dem Leipziger Gärtner-Verein für die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung 1893 und der Aktiengesellschaft für den Leipziger Palmengarten zur Verfügung gestellt und am ersten Pfingstfeiertag, dem 29. Mai 1898, als „vorderes Palmengarten-Restaurant“ von Alwin Hensel wiedereröffnet. [9] Siehe auch – Die Neueröffnung vom Kuhturm-Restaurant 1898 [1] Vgl. Ramshorn, Carl et al.: XIX. Lindenau, in: Internet Archive. The New York Public Library: Leipzig und seine Umgebungen mit Rücksicht auf ihr historisches Interesse. Leipzig. 1841, S. 95 f. [2] Mielck, Eduard: IV. Ulmen oder Rüstern, in: Internet Archive. The City of Boston Public Library: Die Riesen der Pflanzenwelt. Leipzig/ Heidelberg. 1863, S. 52. [3] Vgl. Geschichtliches über den Kuhturm, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Sonntagausgabe. 2. Beilage vom 27. August 1893, S. 6007. [4] Aus den Erinnerungen eines alten Leipzigers, in: Stadtarchiv Leipzig. Leipziger Ausstellungs-Zeitung vom 15. Februar 1895. Beiblatt Nr. 44, S. 135 f. [5] Ramshorn, Carl et al.: XIX. Lindenau, in: Internet Archive. The New York Public Library: Leipzig und seine Umgebungen mit Rücksicht auf ihr historisches Interesse. Leipzig. 1841, S. 96. [6] Königreich Sachsen, in: SLUB Dresden. Deutsche allgemeine Zeitung. Sonntagausgabe vom 28. Juni 1857, S. 1302. [7] Schulze, Eberhard et al.: Zur Geschichte der Agrarwissenschaften an der Universität Leipzig, in: Vorträge anlässlich 150 Jahre Gründung des landwirtschaftlichen Instituts am 10. Dezember 2019. Veröffentlichungen der Leipziger Ökonomischen Societät e.V. (Hg.) Leipzig. Heft 33, Teil1. 2020, S. 12 ff. [8] Gurlitt, Cornelius: Der Festungsbau, in: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen. Siebzehntes Heft: Stadt Leipzig. K. Sächsisches Alterthumsverein (Hg.) Dresden. 1895, S. 296 f. [9] Vgl. Geschichtliches über den Kuhturm, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Sonntagausgabe. 2. Beilage vom 27. August 1893, S. 6007. © 2024 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Schwedische Pionierin Elfrida Andrée im Palmengarten – Dirigentin

Der Konzertsaal des Leipziger Palmengartens wird heute Mittwoch abend der Schauplatz eines seltenen musikalischen Ereignisses sein. Gelegentlich des 17. Symphonie-Konzertes des Winderstein-Orchesters gelangt eine A-moll-Symphonie von Elfrida Andrée aus Göteborg unter persönlicher Leitung der Komponistin zur Aufführung. Außerdem wird die interessante Dame, eine nahe Verwandte des kühnen Nordpolforschers, noch das Vorspiel zu einer von ihr komponierten Oper „Fritjofs Saga“ dirigieren. Man darf mit Recht auf diese außergewöhnlichen Darbietungen gespannt sein. Im ersten Teile des heutigen Konzertes bringt übrigens Herr Konzertmeister Pick-Steiner das Konzert Nr. 3, H-moll, für Violine von C. Saint-Saёns zum Vortrage. Inhaber von Dauerkarten haben auch zu diesem Konzerte ohne jede Nachzahlung Zutritt. [1] Das 17. Sinfonie-Konzert des Winderstein-Orchesters im Palmengarten trug ein ganz eigenartiges Gepräge. Eine junge Komponistin, Frl. Elfrida Andrée aus Göteborg, brachte zwei ihrer Werke unter eigener Leitung zur Aufführung. Der musikproduktiven Betätigung des weiblichen Geschlechts stehe ich ziemlich mißtrauisch gegenüber und ich bin auch bis heute noch nicht überzeugt worden, daß die Frau gerade auf diesem Kunstgebiete hervorragende schöpferische Beanlagung besitzt. Wenigstens nicht, insofern es sich um größere, mit Inhalt und Leben auszufüllende Formen handelt. Das ist gewissermaßen psychologisch begründet. Die musikalische Ideenwelt der Frau ist eine viel beschränktere wie die des Mannes, die ganze Natur des Weibes weist auf das zarte, innige, schwärmerische und hingebende hin, kraftvollere Akzente stehen ihr weniger zu Gebote. Diese vermißten wir auch in der Sinfonie A moll des Frl. Elfrida Andrée. Die Dame war uns in rein menschlicher Beziehung interessanter – sie soll mit dem verschollenen Nordpolfahrer Andrée verwandt sein – als in künstlerischer. Ihre Sinfonie ist nur ein schwaches Produkt. Eine eigenartige Persönlichkeit tritt nirgends zu tage, selbst ein Stich ins Nationale, den wir vermutet hatten, ist nicht vorhanden, das Werk ist vielmehr mendelssohnisch angehaucht. Die Durchführung ist der Komponistin schwächste Seite; von kunstvoller thematischer Arbeit, polyphoner Gestaltung ist hier wenig zu spüren, die Themen erweisen sich auch zur weiteren Entwickelung als zu wenig eindringlich. Der letzte Satz ist meines Dafürhaltens noch der beste. Einen weit günstigeren Eindruck machte auf mich der Autorin Vorspiel zur Oper „Fritjofs Saga“, das in der Konzeption nicht ohne Schwung ist, manche schöne Momente enthält und auch eine wirkungsvollere instrumentale Einkleidung als die Sinfonie besitzt. Frl. Andrée leitete das Orchester, welches die Ouverture recht temperamentvoll, die Sinfonie dagegen ziemlich lau und mit sichtlicher Unlust spielte, mit bemerkenswertem Geschick. Von L. W. [2] [1] Der Konzertsaal des Leipziger Palmengartens, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 25. Januar 1905. Frühausgabe, S. 7. [2] Das 17. Sinfonie-Konzert des Winderstein-Orchesters, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 28. Januar 1905. Frühausgabe, S. 2.

Gespräch mit Experten – Dr. Maren Möhring zur Esskultur der STIGA

Prof. Dr. Maren Möhring, Sozial- und Kulturhistorikerin an der Universität Leipzig, widmet sich in einem wissenschaftlichen Artikel der Bedeutung von Speisen und Getränke bei Welt- und Kolonialausstellungen um 1900. Sie analysiert anhand der Berliner und Leipziger Gewerbeausstellungen deren Inszenierung und ihre Funktion als Ausstellungsobjekte. Hierbei beleuchtet sie auch die Rolle der Koch- und Essgewohnheiten der Nichteuropäer, die eigens für die Dauer dieser Ausstellungen ausgewählt wurden. Frau Prof. Dr. Möhring, Sie beschäftigen sich mit dem Thema „Esskultur auf den Welt- und Kolonialausstellungen um 1900“. Wie kamen Sie dazu, was hat Sie dazu bewogen, einen Forschungsbeitrag zu schreiben? Ich interessiere mich generell für die Bedeutung von Essen in verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten: Welche Bedeutungen werden spezifischen Lebensmitteln und bestimmten Mahlzeiten zugeschrieben? Was erfahren wir über Gesellschaften, wenn wir ihre esskulturellen Konventionen betrachten? Gerade wenn es um die Inszenierung von anderen Kulturen geht, kommt dem Essen als Alltagsphänomen oft eine besondere Bedeutung zu. Was und wie gegessen wird, weckt Interesse und Neugier, aber oft auch Abwehr. Diese widersprüchlichen Emotionen scheinen mir für eine Analyse von Welt- und Kolonialausstellungen hoch relevant. Wie würden Sie sich selbst und ihre Forschung beschreiben? Ich bin Historikerin geworden, weil ich mich für gesellschaftliche Transformationsprozesse und für kulturellen Wandel interessiere. Wichtig ist mir eine genaue Analyse von Machtbeziehungen, um soziale Ungleichheiten, aber auch die Handlungsspielräume historischer Akteur:innen ausloten zu können. Das heißt auch, sich damit zu befassen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt eigentlich sagbar und denkbar war. Durch geschichtswissenschaftliche Untersuchungen lassen sich zum einen die Begrenzungen vergangener Diskurse aufzeigen, zum anderen aber auch nicht realisierte Möglichkeiten aufdecken, die unseren gegenwärtigen Horizont erweitern können. Ihr Beitrag beleuchtet die Rolle der Gastronomie auf Welt-, Gewerbe- und Kolonialausstellungen. Könnten Sie uns näher erläutern, wie diese Veranstaltungen die Wahrnehmung und den Konsum von Essen und Getränken beeinflusst haben? Welt- und Kolonialausstellungen lebten von der Präsentation einer Vielzahl technischer, aber auch kultureller Güter und Leistungen. Der visuelle Konsum steht bei einem Ausstellungsbesuch im Vordergrund. Die Gastronomie vor Ort aber bot die Möglichkeit, sich nicht nur über den Sehsinn, sondern auch riechend und schmeckend dem Gebotenen zu nähern. Mir scheint das Moment der Einverleibung vertrauter, aber eben auch unbekannter Speisen ein wichtiges Element der Ausstellungserfahrung gewesen zu sein. Welchen Stellenwert hatte die Verpflegung vor Ort? War das Essensangebot „nur“ ein Beiwerk? Einerseits gehörten die Speisen auf Weltausstellungen zum Rahmenprogramm, das (fast) jede Form von Vergnügungsevent begleitet. Andererseits aber wurden Lebensmittel, ihre Zubereitung und ihr Konsum auch als aussagekräftige Symbole einer bestimmten Kultur eingesetzt – der eigenen wie der ausgestellten ‚anderen‘ Kulturen. Ihr Beitrag betont die Inszenierung von „fremden Welten“ durch „landestypischen“ Speis und Trank. Wie würden Sie diese Form der Gastronomie beschreiben? Die Welt- und Kolonialausstellungen lassen sich als eine frühe Form der Erlebnisgastronomie verstehen, bei der es nicht nur um die einverleibten Speisen und Getränke ging, sondern auch um den kulturellen Kontext, den als landestypisch erachtete Speisen und Getränke transportierten. Es ging nicht nur um die Inszenierung besonders ‚exotischer‘ Genüsse, sondern auch regionale Traditionen wurden beschworen. Letztlich war es eine touristische Vorstellungswelt, die aufgerufen wurde – egal, ob indische oder Wiener Küche geboten wurde. Diese Vorstellungswelten materialisierten sich nicht nur in Form von Speisen und Getränken, sondern gewannen Gestalt auch durch teils aufwändig ausgestattete Lokale, die architektonisch, durch Bildschmuck, Alltagsgegenstände oder auch musikalische Untermalung auf die jeweilige Region verwiesen. Die Berliner Gewerbeausstellung von 1896 und die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung in Leipzig 1897 stehen im Mittelpunkt Ihrer Analyse. Was hat Sie dazu inspiriert, gerade diese Ausstellungen zu wählen? Als Historikerin interessiert mich immer auch die Geschichte vor Ort, und da ich in Leipzig lebe, war es naheliegend, mich intensiv mit der Sächsisch-Thüringischen Gewerbe-Ausstellung von 1897 zu befassen und diese mit anderen Ausstellungen in Beziehung zu setzen. Denn die einzelnen Elemente ähneln sich letztlich sehr – auch und gerade, was die kulinarische Dimension angeht. Haben die gastronomischen Angebote das Verständnis von Kultur und Identität beeinflusst? Könnten Sie uns näher erläutern, wie Essen und Gastronomie dazu beigetragen haben, bestimmte Stereotypen zwischen den Kulturen zu formen oder zu reflektieren? Ich würde grundsätzlich unterscheiden zwischen der Inszenierung von Esspraktiken der auf Welt- und Kolonialausstellungen präsentierten Menschen aus nicht-europäischen Regionen und dem kommerziellen Speiseangebot in den gastronomischen Einrichtungen am Ausstellungsort. Die Präsentation ‚fremder‘ Ernährungspraktiken befriedigte eine ethnologische und auch kolonial(rassistisch)e Neugier, weil sie versprach, nah an die ausgestellten Menschen heranzuzoomen und sie vermeintlich bei ihren Alltagsaktivitäten zu beobachten. Essen diente hier (auch) der Authentifizierung des Ausgestellten. Ähnlichkeiten, vor allem aber auch Differenzen zum Gezeigten dienten der eigenen Selbstvergewisserung. Inwieweit diese Inszenierungen als solche erkannt wurden, ist schwer zu sagen. In den direkt kommerziellen Etablissements auf den Weltausstellungen war der Inszenierungscharakter den Besucher:innen vermutlich bewusst(er). Hier mögen bestimmte stereotype Bilder einen eher spielerischen Charakter angenommen haben. Die gastronomischen Einrichtungen zählten klar zum Vergnügungssektor der Ausstellungen, während die Völkerschauelemente einen ethnologischen Anstrich besaßen und wissenschaftlich(er) daherkamen. Daher wurden stereotype Darstellungen wenig(er) hinterfragt. Zum Abschluss, welche Herausforderungen bieten sich Forschern, die sich mit diesem Thema befassen wollen? Eine der größten Herausforderungen ist – wie bei vielen geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen – die schwierige Quellenlage. Erlebnisberichte von Ausstellungsbesucher:innen oder gar Aufzeichnungen von ausgestellten Menschen sind rar; wir können also oft nur die in den Ausstellungsführern vorgegebenen Sichtweisen rekonstruieren. Was die Menschen vor Ort tatsächlich dachten und taten, lässt sich nur annäherungsweise bestimmen. Ich glaube jedoch, dass ein Augenmerk auf scheinbar nebensächliche Aspekte wie das Essen uns neue Erkenntnisse liefern und die Perspektiven auf die Weltausstellungen erweitern kann. Mehr erfahren Sie in meinem Forschungsbeitrag, den Sie in einem Open-Access-Dokument nachlesen können. Aktuelles: www.uni-leipzig.de/personenprofil/mitarbeiter/prof-dr-maren-moehring

Gespräch mit Experten – Sebastian Ringel zum Wandel der Vorstädte

Sebastian Ringel ist ein erfahrener Stadtführer und Autor. Nachdem er sich bereits den verlorenen Häusern der Leipziger Innenstadt gewidmet hat, richtet er nun den Blick auf ein mehr als zehn Quadratkilometer großes Areal zwischen der Innenstadt und den eingemeindeten Dörfern – das so genannte Alt-Leipzig. In seinem neuesten Buch beschreibt er verlorene und identitätsstiftende Orte der Leipziger Vorstädte, die im Laufe der Zeit verschwanden und schafft damit ein Kompendium der ehemaligen Gartenanlagen, Ausfluglokale und Kulturstätten, aber auch ganzer Landschaften mit Seen und Flussläufen. Herr Ringel, Ihr neues Buch beschäftigt sich mit der Entwicklung der historischen Leipziger Vorstädte und behandelt 300 verlorene Orte. Was hat Sie dazu inspiriert, sich mit diesem speziellen Thema auseinanderzusetzen? Nachdem ich bereits die Innenstadt durchforstet habe, war das nächstliegende Thema, die daran anschließenden Vorstädte. Interessant erschienen mir aber auch die landschaftlichen Veränderungen in diesem zentralen Bereich der Stadt – die Überbauung der Bürgergärten, die Umgestaltung des Binnendeltas und die Urbarmachung der Grünflächen. Die Vorstädte von Leipzig haben im Laufe der Zeit erhebliche Veränderungen durchgemacht. Welche stadtplanerischen Zielsetzungen und Motive des Verschwindens haben Sie während Ihrer Recherchen identifiziert? Bis in die 1830er Jahre hinein war Leipzig eine überaus übersichtliche Kleinstadt, die sich bis dato kaum ausgedehnt hatte. Dies galt allerdings für fast alle heutigen Großstädte in jener Zeit. Erst mit der Abschaffung des Torgroschens und der wenige später erfolgten rechtlichen Gleichstellung der Vorstadtbewohner änderten sich die Verhältnisse und zwar grundlegend. Denn von nun an zog die Einwohner nicht mehr wie in den Jahrhunderten zuvor in die Innenstadt, sondern sie drängten aus dieser heraus, da sie sowohl ihre Schutzfunktion als auch ihre rechtliche Vorrangstellung verloren hatte. Zugleich boten die nun entstehenden neuen Vorstädte jede Menge Raum und damit auch Komfort. Zunächst wurden für deren Anlage die Acker- und Wiesenflächen genutzt. Das Areal der alten Vorstädte geriet jedoch ab den 1860er Jahren zunehmend in den Fokus der Investoren, da diese nun im zentralen Bereich der Stadt lagen. Als besonders lukrativ galten die Grundstücke am Ring, der auf Grund seiner Breite dem Repräsentationsbedürfnis der neu gegründeten Versicherungsgesellschaften, Großbanken oder Luxushotel entsprach. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg waren die allermeisten der hier stehenden Altbauten ersetzt worden. Viele der an selber Stelle errichteten Neubauten wurden dann während des Zweiten Weltkriegs zerstört. In Ihrem Buch sprechen Sie von „verlorenen Orten“ in den Leipziger Vorstädten. Könnten Sie einige dieser Orte hervorheben und uns erzählen, welche Bedeutung sie in der Geschichte Leipzigs hatten? Zwar wurden bis ins frühe 19. Jahrhundert oft nur einfache Bauten in den Vorstädten errichtet, nichtsdestotrotz existierten auch in der älteren Geschichte wichtige Gebäude hier. Dazu zählen beispielsweise die Mühlen der Stadt oder die Wasserkunst, die einen wesentlichen Teil der Infrastruktur der Stadt abbildeten. Aber auch die Hospitäler gehören dazu und nicht zuletzt die Johanniskirche, das über lange Zeit einzige Gotteshaus außerhalb der Mauern. Im 19. Jahrhundert entstanden dann aber auch diverse Kulturstätten, wie das Neue Theater, der Krystallpalast oder das Centraltheater viele große öffentliche Bauten, wie die Hauptpost oder das Buchhändlerhaus, die allerdings alle während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden. Das Buch enthält auch umfangreiches Kartenmaterial, um die Entwicklung der Vorstädte zu veranschaulichen. Wie haben Sie diese Karten ausgewählt, und welche Erkenntnisse können Leser aus dieser visuellen Darstellung ziehen? Ausgangspunkt ist das Jahr 1860. Die Karten habe ich extra für dieses Buch angelegt. Sie zeigen die Veränderungen im Stadtbild in sechs verschiedenen Abschnitten auf, so dass ein guter Vergleich zwischen den einzelnen Zeitabschnitten möglich und die Entwicklung der Vorstädte nachvollziehbar ist. Sie halten Vorträge zu diesem Thema. Wie behandeln Sie die Geschichte der Leipziger Vorstädte der letzten 160 Jahre? Welche Schlüsselmomente haben Ihrer Meinung nach die größten Auswirkungen auf die Entwicklung gehabt? Zum einen geht es mir darum nicht mehr vorhandenen Gebäude aus der Leipziger Vergangenheit vorzustellen, ich versuche aber auch die Entwicklung der Stadt, anhand der gewählten Beispiele nachzuzeichnen. Die Sächsische Revolution von 1830/31 ist dabei sicherlich der entscheidendste Wendepunkt in der Stadtgeschichte, wobei das heutige Stadtbild in Folge auch durch andere Ereignisse geprägt wurde, wie den Zweiten Weltkrieg oder die Hinwendung zur sozialistischen Moderne Sie verwenden historische Fotografien und aktuelle Aufnahmen, um die Entwicklung der Vorstädte zu veranschaulichen. Welche besonderen Geschichten oder Ereignisse werden Sie in Ihrem Vortrag hervorheben, um den Zuhörern einen Einblick in die faszinierende Geschichte dieses Gebiets zu bieten? Ich muss zugeben, dass ich recht spontan bin, wenn es um das Erzählen kleinerer Episoden oder Ereignisse geht. Es kommt auch immer darauf an um was für eine Art von Vortrag es sich handelt. Meist versuche ich auf die Bauten oder Ereignisse einzugehen, die in direkter Umgebung zum jeweiligen Veranstaltungsort liegen oder die thematisch passen. Die Umgestaltung der Leipziger Vorstädte hat sowohl Gebäude als auch ganze Landschaften betroffen. Für Sie als Stadtführer und Autor, welche Erkenntnis haben Sie aus Ihrer Arbeit gewinnen können? Besonders bemerkenswert finde ich mit welchem Aufwand das Flusssystem umgestaltet wurde. Ebenso erstaunlich ist, das alle alten Bürgergärten Alt-Leipzigs bereits im frühen 20. Jahrhundert komplett überbaut worden sind. Anderseits ist Leipzig heute eine Stadt in der, insbesondere westlich des Stadtkerns, noch große naturbelassene Räume existieren, also nicht nur Parkanlagen, sondern auch Wald- und Auwaldflächen. Dies allerdings ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass Leipzig nach 1930 über sieben Jahrzehnte nicht mehr gewachsen ist. Mehr erfahren Sie in meinem Buch, in Vorträgen oder während meinen Stadtführungen. Aktuelles: www.sebastian-ringel.de

Aus der Presse – Charlottenhof im Dienste der Wohltätigkeit

Zwei sonnige glückliche Tage waren am vergangenen Freitag und am Montag unseren braven verwundeten Kriegern im Charlottenhof beschieden. Herr Robert Gullmann nebst seiner Gattin hatten es sich nicht nehmen lassen, den in der Stöhrschen Fabrik und im Lindenauer Diakonissenhause untergebrachten verwundeten Soldaten ein paar vergnügte Stunden in ihrem prächtigen Charlottenhof zu bieten. Erregte der herrliche Park mit seinen schönen Anlagen, seinen malerischen Bauten, Terrassen und Grotten und mit seinen großen Seen an und für sich schon große Bewunderung bei den vielen von weither kommenden Soldaten, so erhöhte sich deren Freude und Begeisterung, als Herr Gullmann seine „feldgrauen lieben Gäste“ mit Kaffee und Kuchen, Zigarren und Zigaretten und später mit einem Abendessen bewirtete und schließlich noch mit vielen Andenken und Postkarten vom Charlottenhof beschenkte. Das schmucke Königsboot sowie die vielen neuen Gondeln standen selbstredend den Verwundeten ebenfalls zur freien Verfügung, und es war eine Lust zu sehen, wie unsere tapferen Krieger fröhlich dem Wassersport betrieben und sich einander im Wettrudern den Rang streitig zu machen versuchten. Für weitere Unterhaltung sorgten ferner das ausgezeichnete Musikkorps des Landwehr-Ersatz-Bataillons Nr. 106 unter der schneidigen Leitung des Korpsführers Fritz Heise, sowie die beliebte Münchner Schrammel-Musikkapelle in Nationaltracht. Die lustigen und vaterländischen Weisen fanden ein dankbares und aufmerksames Publikum. Mit Autos und Extrawagen der Großen Leipziger Straßenbahn kehrten die Verwundeten in ihre Pflegestätten zurück, sicher in dem Bewußtsein, daß die Daheimgebliebenen jederzeit ihren tapferen und mutigen Leistungen Dank und Anerkennung zu zollen wissen. Charlottenhof im Dienste der Wohltätigkeit, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 9. Juni 1915, S. 9.

Aus der Presse – Saisoneröffnung im neuen Luna-Park am Auensee

Mit dem Einzuge des Frühlings ins Land ist auch neues Leben in die Riesenanlage des Luna-Parks am Auensee in Leipzig gekommen. Wie mit Zauberhand ist dort viel neues Schöne geschaffen worden. Schon von weitem grüßt den Besucher des Luna-Parks der gewaltige Bau des Hauptrestaurants mit seinem herrlichen Saal, der des Abends in einem Lichtmeere erstrahlt. Vor dem Hauptrestaurant werden alltäglich die Konzerte, Sonn- und Feiertags Doppelkonzerte stattfinden. Neben dem Hauptrestaurant rüsten auch die zahlreichen anderen Vergnügungs- und Erholungsstätten im Luna-Park aus die unmittelbar bevorstehende Saison. Wir nennen das Café Esplanade, die Parkschänke, den Tanz-Palast, das Gebirgs-Restaurant, das Hippodrom usw. Auch in dem idyllischen Familienbad wird bald im Sonnenschein frohes, munteres Leben herrschen. Ueberall regen sich jetzt Hunderte fleißige Hände zur Verschönerung und Ausgestaltung der Gesamt-Anlage des Luna- Parks, bekanntlich des größten Vergnügungs-Unternehmens Deutschlands. Sowohl die Zugangswege als auch die Wege im Park selbst werden gegenwärtig in den besten Zustand gesetzt. Die Gärtner sieht man allenthalben mit der Anpflanzung von Rosen, Büschen und Bäumen beschäftigt. Hell und klar glänzt der Spiegel des Sees herüber. Nicht lange mehr, und er ladet zum Befahren mit einem der 150 Ruder- oder einem der beiden Motorboote oder auch zum Baden ein. Die umsichtige Direktion bereitet für jede Woche einen Elitetag mit Feuerwerk und Illumination vor, ferner für jeden Mittwoch ein Kinderfest. Für die rings um den See führende Miniatur-Eisenbahn ist jetzt eine lange Brücke über die Verbindung des Sees mit der Elster erbaut worden, so daß einer Eisenbahnrundfahrt um den See Hindernisse nicht mehr im Wege stehen. Auch die prächtige Gebirgs-Szeneriebahn nimmt nun ihre Fahrten wieder auf. Der Kinderspielplatz erhält seine gewohnten Spielgeräte, ferner zwei Rodelbahnen, Schaukeln, Karussels, Kegelbahn usw. Auf drei Seiten mit schützendem Wald umgeben, liegt der Luna-Park mit seinen Bauten, mit seinem See, mit seinen gärtnerischen Anlagen vor dem Beschauer wie ein schönes Märchen. Am Ostersonntag beginnt die Saison des Luna-Parks. Da öffnen sich seine Pforten den Tausenden, die in ihm Vergnügen und Erholung suchen und sicherlich finden werden. [1] Eröffnung des Strandbades im Luna-Park. Am heutigen Sonntag wird das idyllische Strandbad am Auensee im Luna Park zu Leipzig-Wahren seine Pforten den Badelustigen wieder öffnen. In geschickter Anlehnung an die Natur ist im prächtigen Luna-Park ein Luft- und Seebad geschaffen worden, das sich seit seinem Bestehen des regsten Besuches und der lebhaftesten Anerkennung zu erfreuen gehabt hat. Bei der Einrichtung der großzügigen Anlage ist nach den neuesten Erfahrungen gehandelt und für die Annehmlichkeit und Bequemlichkeit der Badebesucher die aufmerksamste Vorsorge getroffen worden. Alle Verhältnisse sind auf den Verkehr von Tausenden zugeschnitten. Die Auskleideräume find getrennt für Damen und Herren. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Strand-Familienbad wo sich nun wieder ein richtiges, echtes Strandleben entfalten wird. In dem weichen, feinkörnigen Sand des Strandes ruht es sich famos in der warmen Sonne. Auch besondere, hölzerne Liegebahren sind vorhanden. Natürlich fehlen auch die Strandkörbe nicht, die die Illusion des Seebades vervollständigen. Die Verwaltung des Luna-Parkes hat alle Vorbereitungen für die heutige Eröffnung des Bades auf das sorgfältigste getroffen. Das Strandbad ladet nun alle Erholungslustigen und Erholungsbedürftigen zur Benutzung von Luft- und Seebad ein. Für die besondere Körperpflege sind kundige Masseure vorhanden, ebenso Schwimmlehrer für das Erlernen des Schwimmens. Daß bei der Vorsorge für die Körperkultur auch die Vorsorge für die Leibespflege nicht vergessen worden ist, zeigt die unmittelbar an das Strandbad angrenzende Strandbad-Gastwirtschaft. Leipzig ist durch die Schaffung des Strandbades im Luna-Park um eine wertvolle, hygienische Einrichtung reicher geworden. Zur Benutzung eröffnet ist das Bad täglich von 6 Uhr früh bis zum Eintritt der Dunkelheit. [2] Die Rosen blühen im Luna-Park! In die bunten Farben des Frühlings malen sich nun die zarten Töne der Rosen, die den blauschwarzen Spiegel des Sees umkränzen. Immer schöner und reizvoller wird das Bild! Eine malerische Idylle ist das Strandbad mit seinen feinsandigen Liegeplätzen. Unter der Einwirkung der heißen Sonnenstrahlen auf den weiten, ruhenden See ist die Wasserwärme sehr angenehm — über 20 Grad — geworden. Ein Bad ist jetzt ein Genuß! Der heutige Sonntag bringt an Darbietungen unterhaltender Natur wieder mancherlei: Vor allem von 4 bis 10 Uhr im Musikpavillon an der Hauptwirtschaft Konzert der Kapelle des Ersatz-Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 107 unter Musikleiter Köcher; im Bad von 4 bis 7 Uhr Strandkonzert der Kapelle Günther Coblenz; in der Hauptwirtschaft Auftreten der vielseitigen Künstler Geschwister Feller; im Tanzpalast Vorträge der Sängergesellschaft usw. Für das leibliche Wohl der Gäste bemüht man sich allerorts im Luna-Park! Sehr beliebt sind die Fahrten im Boot auf dem See. Die Gebirgsbahn erprobt ihre bewährte Anziehungskraft immer aufs neue. Besonders unsere Kleinen und Kleinsten reisen gern einmal mit der Kleinbahn um das Seegestade. So bietet der Luna-Park einem jeden etwas! [3] [1] Der Luna-Park am Auensee, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 10. April 1914, S. 12. [2] Eröffnung des Strandbades im Luna-Park, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 17. Mai 1914, S. 15. [3] Luna-Park am Auensee, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 10. Juni 1917, S. 10.

Aus der Presse – Park Meusdorf wird zum Luna-Park umgestaltet

Ein Leipziger Lunapark. Den gibt es zwar noch nicht, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann wird Leipzig einen solchen Lunapark haben, auf den es stolz sein darf. Hinter dem Völkerschlachtdenkmal nämlich, im Park Meusdorf, wird dieser Lunapark entstehen. Herr Julius Guthardt, der jetzige Besitzer von Park Meusdorf und bestens bekannte Wirt des Lehrervereinshauses in der Kramerstraße, hat mit der Umgestaltung des Etablissements Park Meusdorf bereits begonnen, und wenn diese Umgestaltung in etwa drei Wochen beendet sein wird, kann man mit Fug und Recht von einem Leipziger Lunapark sprechen. Schon jetzt zeigt sich, was dort entstehen wird. 30 000 Menschen wird das Riesenetablissement in Zukunft aufnehmen und bewirten können und allein für 10 000 Personen sind bei ungünstiger Witterung überdachte Räume vorhanden. Die Gaststube im alten Gebäude ist schon jetzt fertig und macht in ihrer neuen Dekorierung einen sehr anheimelnden Eindruck. In der ersten Etage soll der alte Tanzsaal zu einer niedersächsischen Bauernstube und somit zu einem gemütlichen Kneiplokal umgestaltet werden. Vom Parkeingang links werden die Kassenräume, rechts ein Postamt und eine Sanitätswache Platz finden. In der Ostfront des Grundstücks entsteht ein großer Musikpavillon für die Militärkonzerte, die vom Frühjahr ab im Park Meusdorf geboten werden. Der Riesentanzsaal wird um 464 qm vergrößert und wird dann der größte Tanzsaal Deutschlands werden. Seine innere Dekoration — die Wände zeigen unten ein schlichtes graues Paneel und darüber ein leuchtendes Gelb, zu dem das goldgelbe Gewebe, das unter dem Dache ausgespannt ist, und das völlig in Dunkelblau gehaltene Orchester, eine geschmackvolle Farbenkomposition geben. Hinter dem Tanzsaal ist das neue Weinfoyer bereits fertiggestellt. Ein lauschigeres Plätzchen zum Erholen während der Tanzpausen kann man sich kaum denken. Grünes Linoleum bedeckt den Fußboden, die Wände zeigen über einem gelben Paneel glattweiße Flächen, die nach oben durch goldene Lorbeer-Girlanden abgeschlossen sind. Durch farbenprächtige künstliche Weinspaliere sind lauschige Nischen geschaffen, in denen bequeme weiße Korbsessel zum Sitzen laden. Der Theatersaal wird von einem völlig abgeschlossenen Gesellschaftsgarten umgeben werden, an dessen südlicher Ecke die Rostbratwurstbraterei ihren Stand finden soll, während an der nördlichen Seite eine Außenküche mit Schlächterei, eigener Bäckerei, einem großen Bier-Büfett und Kaffeeausgabe ihren Platz finden wird. Die nördliche Ecke sollen große Schuppen füllen, die für 60 Wagen und Autos Unterstand bieten. Vielleicht aber das Eigenartigste und Anziehendste des neu entstehenden Riesen-Etablissements wird der Kinderspielplatz. Hier wird nicht nur dem Spiel die Hand geboten, sondern eine mustergültige, der wertvollen körperlichen Betätigung der Jugend gewidmete Anlage geschaffen. Vier Karussells, die modernsten Turn- und Sportgeräte sollen hier den Kindern Unterhaltung und körperliche Bewegungsmöglichkeit bieten. Um den Spielplatz wird eine Reitbahn für Eselreiten und um diese eine abgeschlossene Fahrbahn angelegt, auf der in kleinen Korbwagen mit Schottland-Ponys Spazierfahrten unternommen werden — alles für 10 Pfennige —. Neben dem Kinderspielplatz entstehen zwei ganz neue Hallen für 2500 Personen. Diese Hallen find verbunden durch eine Ueberbrückung, auf der eine zweite Militärkapelle auch in diesem Teil des Parkes für musikalische Unterhaltung besorgt sein muß. Besonders hervorzuheben ist noch, daß das ganze Riesenetablissement eine neue eigene Kläranlage und eine neue Anlage für eine feenhafte Beleuchtung erhalten hat. In sanitärer Hinsicht dürfte Park Meusdorf vorbildlich sein, und das zuvor Gesagte deutet an, daß dieses Riesenvergnügungsetablissement einzig dastehen dürfte und eine Zierde Leipzigs sein wird. Ein Leipziger Luna-Park, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 13. November 1910, S. 13.

Aus der Presse – Die Frühjahrs-Rennen im Scheibenholz

Die lakonische Prognose „Nordwestwind, wolkig, kühl, Regen“ ließ für gestern, den ersten Tag des Frühjahrs-Meetings, nicht viel Erfreuliches erwarten, zumal das zweite Rennen mit einem leichten Regenschauer einsetzte und damit recht pessimistische Lenzgefühle erweckte. Doch nur eine Stunde malte sich der Himmel in Grau, dann setzte ein leichter Wind ein, schob den düstern Vorhang zurück und gab die wärmsten Sonnenstrahlen frei. Nun lag der smaragdgrüne Plan, umgürtet von dem im frischen Maiengrün prangenden Waldsaum und umzogen von Schwarzdornhecken, frei und gab damit dem bunten Bilde den heiteren farbensatten Untergrund. Der Frühling prägte sich auch sattsam in den geschmackvollen Toiletten der Damenwelt aus: die Vorliebe für leuchtende Rosen, für Flieder und Vergißmeinnicht, Margueriten ließ ihre Hüte mit reichem Blumenschmuck zieren und die diskreten blauen, graublauen und grüngrauen Farben der Roben trugen in die Besuchermengen einen aparten Schimmer. Zahlreiche Uniformen belebten das wechselnde Bild auf der Tribüne, wie auf dem Sattelplatz. Große Gruppen Wettlustiger drängten sich dann gleich einem Bienenschwarm zum Totalisator, sammelten sich dann, als die schrillen Startglocken zum Kampf auf dem Rasen riefen, längs der Bahn und auf den erwählten Plätzen und harrten des fesselnden, sportlichen Schauspiels. Auf dem Sattelplatz konzertierte das Musikkorps des 19. Husarenregiments, drüben am Damm die Kapelle Gustav Curth. Es war ein verdienstvolles, freudig begrüßtes Entgegenkommen des Direktoriums des Leipziger Rennklubs, daß es diesmal mit Rücksicht auf die Leipziger Geschäftswelt den Beginn des Rennens auf 3 ½ Uhr angesetzt und damit die Gelegenheit zu einem noch nie dagewesenen Besuch des Rennens gegeben hatte. Diese Einrichtung wurde dankbar anerkannt. Die Tribüne, von deren Türmen die Fahnen lustig im Winde flatterten, war gut besetzt und auch der Sattelplatz zeigte einen Verkehr, dem bei der begreiflichen Spannung der einzelnen über den Ausfall des Rennens jene Lebhaftigkeit innewohnte, wie sie sich immer bei den sportlichen Ereignissen auf dem weiten herrlichen Gelände am Scheibenholz zu äußern pflegt. Unsere den Rennsport aufmerksam verfolgende Leipziger Bürgerschaft lieh dem Rennen in allen seinen Phasen wiederum ein hohes Interesse und die militärischen Kreise, in deren Mitte sich auch der Brigadekommandeur Generalmajor Gadegast befand, waren in stattlicher Zahl vertreten. Alles in allem hinterließ das Rennen, dem der Himmel seine Gunst doch noch gegeben hatte, den befriedigsten Eindruck bei allen, die ihm beiwohnten und die mit dieser Stimmung beim Klang der Abendglocken nach sechs Uhr den sonnenbeschienenen, maigrünen Plan der Leipziger Rennbahn verließen […] [1] Obwohl die Wetterprognose für den gestrigen Tag wenig aussichtsreich gegeben war und durchaus keine besonders befriedigenden Stunden für den anregenden Rennsport, der seine wachsende Volkstümlichkeit zu bewahren weiß, verhieß, so hatte doch die sportliche Veranstaltung unseres Rennklubs ungezählte Scharen von Besuchern zur herrlichen Bahn am Scheibenholz geführt und ihnen am vierten Renntag ein vom Himmel vollauf begünstigtes equestrisches Schauspiel bereitet. Kühl zeigte sich die Temperatur, wolkig der Himmel, aber der kräftig wehende Wind trieb die drohenden Regenwolken nach und nach hinweg, öffnete ihren schweren Schleier und machte den Aether frei, so daß sich am Ende der ohne Unfall verlaufenen Rennen lachender Sonnenschein über das weite Gefilde ergoß. Post nubila Phoebus! Die Anziehungskraft des anregenden Sports ließ schon frühzeitig die Massenwanderung nach Damm, Tribüne und Sattelplatz entstehen. Hinter den geschnittenen grünen Buschbarrieren, welche die Bahn von dem Fahrweg trennen, rollten unaufhörlich Droschken, Automobile, Equipagen nach dem Plan und seinen einzelnen Beobachtungsplätzen, und hier entwickelte sich bald ein buntbelebtes Bild des Verkehrs, wie es die Rennen zu Leipzig immer aufzuweisen pflegen. Weithin trug der Wind den Schall der Weisen, die bald von der Kapelle des 77. Artillerie-Regiments auf dem Sattelplatze, bald von der Kapelle Gustav Curth auf dem Damm angestimmt wurden, und verlieh dem Rennen das gewohnte musikalische Signum. In tadellos schöner Verfassung lag der herrliche Rennplan vor aller Augen. Seine leicht geschwungene Linienführung in Elipsenform, seine glatt geschnittenen grünen Hürden, seine vollen Büsche stempelten ihn aufs neue zu einer einzigartigen landschaftlichen Anlage. Es läuten die Glocken zum Start. Im raschen Bewegen sucht die Menge ihren Platz. Die einen schauen von der Plattform des Verwaltungsgebäudes, das leuchtende Crimson Rambler umziehen, dem fesselnden Rennen zu, die andern von der Orchesterhalle, die scharlachrote Geranien umsäumen, während die übrigen sich weit über das Gelände verteilen. Das Rennen beginnt mit allen seinen spannenden Phasen. Alles drängt sich an die Barrieren, dann wird der Sieger mit einem schmetternden Tusch empfangen. Sein Ehrenpreis befindet sich unter den Trophäen, die in einer Vitrine die vom Leipziger Rennklub gestifteten kostbaren Stücke, einer Kristallbowle mit Silberbeschlag, einem vergoldeten hohen Pokal, einem Silberbesteckkasten und einer goldenen ziselierten Fruchtschale bestanden. Die sommerliche Zeit hatte auch gestern wieder ihren Einfluß auf die Toiletten geltend gemacht und anziehende Modebilder innerhalb der Besucherwelt zum Vorschein kommen lassen; duftige Toiletten in Hellblau, in Resedagrün, in lichtem Gelb und Lila, in Braun und in Weiß, überlegt oft von leichten Schleiern, selbst wie es die neueste Mode gebieterisch erheischt, „gebunden“, und große Hüte mit Reiherstutz und Straußenfedergarnitur und mit einer Fülle von Blumen. So verlieh die Damenwelt dem Ganzen das freundliche Relief. — Kurz nach 6 Uhr waren die interessanten Rennen beendet, die wiederum den Beifall der ungezählten Tausende gefunden haben […] [2] [1] Die Frühjahrsrennen zu Leipzig. Erster Tag, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 16. Mai 1909, S. 14. [2] Die Rennen zu Leipzig, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 27. Juni 1910, S. 2.

Aus der Presse – Das Gosenthal im Brandvorwerk vorm Abriss

Eins der älteren Tanzlokale in unserer Stadt, „Das Gosenthal“ am Ausgange der Dufourstraße, wird demnächst abgebrochen werden. Auf dem Areal, das sich im Besitz von Oelschlegels Erben befindet, sollen Wohngebäude ausgeführt werden. Das „Gosenthal“ wurde im Jahre 1862 vom Restaurateur Barthmann erbaut. Es hat also ein Alter von etwas über 40 Jahren erreicht. [Anm. Red.: Das Gosenthal existierte bereits vor 1862.] Das Gosental, dessen bevorstehenden Abbruch wir schon kurz gemeldet haben, ist der letzte Rest des ehemaligen Brandvorwerks, das seinen Namen davon erhalten hatte, daß es am 27. Juni 1593, weil es für einen Hauptversammlungsort der heimlichen Calvinisten (Kryptocalvinisten) Leipzigs galt – es war damals in dem Besitz eines Dr. Peter Roth –, von deren Gegnern in Brand gesetzt worden war. Im 17. und 18. Jahrhundert war das Brandvorwerk ein Hauptvergnügungsort der Leipziger. Wer wissen will, wie es da zuging, der lese die ausführliche zweihändige Beschreibung, die 1746 unter dem Titel „Angenehmer Zeitvertreib des großen und mannigfaltigen Vergnügens auf dem weltberühmten Lustsaale des sogenannten Brandvorwerks ohnweit Leipzig“ erschien. Die Besitzer hatten das Wohnhaus mit Garten an Bierwirte verpachtet und zahlten für die Erlaubnis, fremdes Bier hier verzapfen zu lassen, ein bestimmtes jährliches Spundgeld an den Burgkeller, anfangs 100, später 150 Taler. Zu diesen Besitzern des Vorwerks gehörte auch der bekannte Leipziger Dichter und Schriftsteller Mahlmann, und später dessen Witwe. Ihnen wurde das Spundgeld bedeutend herabgesetzt. Die Witwe bezahlte nur noch 60, seit 1836 bloß noch 40 Taler, bis mit dem Jahre 1838 alle Spundgelder des Burgkellers wegfielen. Im Jahre 1839 parzellierten die Mahlmannschen Erben ihren Besitz, das Schankgut mit Garten erstand ein gewisser Hesse, der die Absicht hatte, eine „seine Restauration“ (!) hier einzurichten, und, nachdem er die Konzession dazu erlangt hatte, die neue Schankwirtschaft 1842 mit dem Namen Gosental belegte, auf dessen Erfindung er nicht wenig stolz gewesen sein mag. Aber schon 200 Jahre früher, 1643, hatte der damalige Besitzer des Brandvorwerks ein Stück seines Gartens verkauft, und aus diesem abgetrennten Stück richtete in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Nachbesitzer ebenfalls eine Schänke ein, so daß man nun zwischen der vorderen und der hinteren Brandschänke unterschied. Da aber an dem Betriebe der hinteren Schänke wiederholt Bäcker beteiligt waren, so nahm sie mehr den Charakter eines Kuchengartens an. Aeltere Leipziger werden sich noch mit Vergnügen der Brandbäckerei erinnern, deren kleiner Vorgarten mit seiner Ecklaube im Sommer, und deren oberes Stockwerk im Winter Sonn- und Wochentags viel besucht wurde, und wo der Student Sonnabends nach Tische einen stillen, gesitteten Kaffeeskat spielte. Der Gang nach dem Brandvorwerk oder, wie man kurz sagte, „aufs Brand“, war noch Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts ein Spaziergang im Freien, denn die Stadt war hinter dem Peterschießgraben zu Ende; dahinter lag der Floßplatz, auf dem das winterliche Stipendienholz für den armen kaffeeskatspielenden Bruder Studio fein säuberlich klasterweise aufgeschichtet stand. Das Alte stürzt!, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Frühausgabe. 2. Beilage vom 20. Januar 1904, S. 433. Das Gosenthal., in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Frühausgabe. 2. Beilage vom 21. Januar 1904, S. 457.

Aus der Presse – Der künftige König-Albert-Park

Was zunächst die Gesammtfläche des Parkes anbetrifft, so läßt sich dieselbe auf rund 400 000 qm bemessen. Da der neue Stadtpark bei dieser großen Ausdehnung einen besonderen Anziehungspunct für die gesammte Bevölkerung unserer Stadt abgeben wird, so sind die geplanten Wegeverbindungen in umfassender Weise angeordnet. Namentlich sind sämmtliche Querverbindungen mit der Carl-Tauchnitz-Straße und den Seitenstraßen der Bismarck-Straße berücksichtigt und gleichfalls die Längsverbindungen von der Carl-Tauchnitz-Straße nach L.-Plagwitz und Neuschleußig gebührend berücksichtigt worden. Das Scheibenholz bleibt in seinen Fußwegverbindungen unberührt und es schließen sich die neuen Wege und die Pflanzungen diesen an. Die Umgebung des vorderen Teiches anlangend, so ist zunächst unmittelbar um den Teich ein 2,5 m breiter, durch erhöhten Sandstein abgegrenzter Fußweg angenommen, wobei dem Fahrwege an den beiden Längsseiten des Teiches noch 8 m Breite bleiben, was bei der zweiseitigen Führung als völlig ausreichend angesehen werden kann. In den Ausbiegungen hat der Fahrweg 11 m Breite. Zur besseren Lösung der durch den Teich bedingten Regelmäßigkeit ist auf jede Seite desselben noch ein größeres Rechteck mit Alleebäumen vorgesehen und hierdurch der Uebergang zur natürlichen Anordnung geschaffen. Diese Rechtecke sind geeignet, später eine mehr oder minder reiche Ausschmückung von Blumen und Blattpflanzen aufzunehmen. An das westlich gelegene Rechteck und in der Queraxe des Teiches soll sich ein Hügel anschließen, auf welchem später eventuell ein Musiktempel für öffentliche Promenadenconcerte zu errichten wäre. Hierbei wird die freie Bewegung, begünstigt durch 7 m breite Fußwege, größere Ansammlungen des Publicums gestatten. Der Hügel wird eine wirksame Unterbrechung der sonst ebenen Flächen des Vorgrundes hervorrufen, eine bewegliche Gestaltung desselben durch erhöhte und vertiefte Flächen gestatten, sich günstig von den rückwärts liegenden Anlagen an der Bismarckstraße abheben und die Aussicht über den ganzen Vorgrund (nach dem Teiche, dem Scheibenholze und der Carl-Tauchnitz-Straße) günstig beeinflussen. Dem Hügel gegenüber, östlich vom Teich ist ein größerer Sitzplatz angenommen. Im weiteren Verfolg der König-Albert-Allee ist nördlich von dieser in der Mittelaxe des hinteren Teiches (also dort, wo das Ausstellungs-Varieté-Theater stand) ein Berg gedacht, der eine höhere und kräftigere Gestaltung erfahren soll, als der zuerst gedachte Hügel. Es soll dieser Berg eine Uebersicht über den Gesammtpark gestatten und vermöge seiner Lage als Kernpunct des Parkes zu betrachten sein. Auf der anderen Seite des hinteren Teiches ist am Waldrande des Scheibenholzes eine größere Gastwirthschaft geplant, etwa in den Verhältnissen wie Bonorand im Rosenthale. Dieselbe soll mit Terrassen versehen werden und höher liegen, als der Fluthrinnen-Damm, damit dieselbe aus den Wiesennebeln herausgehoben wird. (In dem jetzigen Plan sind die Kosten für eine solche Gastwirthschaft noch nicht berücksichtigt worden.) Es ist hierbei anzunehmen, daß zwischen Gastwirthschaft, Teich und Berg eine vortheilhafte Wirkung entsteht. Die Umgebung des hinteren Teiches ist im Gegensatze zum vorderen Teiche bewegt gedacht, und zunächst der König-Albert-Allee sind erhöhte Punkte angenommen, welche später durch kleine Tempel, bez. Pavillons verschönt werden können. Diese kleinen Hügel sind durch Steinpackungen mit dem Wasser in natürlicher Art in Verbindung gedacht, so daß kleine Felsenpartien entstehen sollen, die, mit niedrigen Stauden und Sträuchern bepflanzt, den Blick über den Teich freihalten. Im Weiteren sind die Teichufer in der Erdarbeit bewegt gedacht, mit kleinen bepflanzten Erhöhungen, um Abwechselung in die sonst ebenen Flächen zu bringen. Die Wege um den Teich, besonders in der Nähe der Gastwirthschaft, sind für größere Ansammlungen des Publikums berechnet. Im weiteren Verfolg des Planes ist die König-Albert-Allee bis nach Neuschleußig durchgeführt und mit dem Nonnenfahrwege in Verbindung gebracht. In der Mitte zwischen Fluthrinne und Nonnenfahrweg (also etwa dort, wo die Maschinenhalle der Ausstellung gestanden hat) ist ein Rundtheil als Fahrschleife angenommen, welche bei Corsofahrten oder sonstigen Festlichkeiten die Umkehr in leichter Weise gestatten soll. Auf dem Areal jenseits der Fluthrinne, zwischen dieser und dem vorerwähnten Rundtheil, würde auch ein künftiges dauerndes Ausstellungsgebäude seinen Platz erhalten können. Das Areal läßt die Bebauung mit einem Gebäude bis zu 20 000 Quadratmeter Grundfläche zu. (Die Maschinenhalle der Ausstellung bedeckte ohne die Seitenbauten – Metallindustrie, Kirchner – 15 000 Quadratmeter Grundfläche.) Die Kosten für ein solches Ausstellungsgebäude würden allerdings beträchtliche sein. Durch vorstehende Darlegungen ist der Plan im Allgemeinen erläutert. Im Besonderen ist noch Folgendes anzuführen. Der Fahrverkehr ist in der Weise bedacht, daß – außer der König-Albert-Allee – eine Fahrverbindung längs der Fluthrinne in Verbindung der Bismarckstraße mit der Rennbahn angenommen ist. Diese Fahrstraße soll, dem Bebauungsplane entsprechend, mit dem Schleußiger Wege und der Kronprinzstraße in Verbindung gebracht werden. Die Straße ist mit 20 m Breite angenommen und führt die Fußwegpromenade der Bismarckstraße in 8 bez. 9 m Breite weiter bei 11 m Fahrbahnbreite, in welcher ein Reitweg aufgenommen ist. Die Ausführung der Straße wird auf den Baumbestand des Scheibenholzes keinen weiteren Einfluß ausüben. Es werden allerdings (mit Berücksichtigung der Böschung) 163 Bäume zu schlagen sein, von denen jedoch nur 23 Bäume als nennenswerth zu bezeichnen sind. Der Reitverkehr ist in der Weise geregelt gedacht, daß der Reitweg von der Carl-Tauchnitz-Straße seine Fortsetzung in einem Anlagenwege neben der verlängerten Marschnerstraße, einbiegend in den früheren Johannaparkfahrweg, und weiter in der Bismarckstraße – Nonne oder Fluthrinnenstraße – Rennbahn finden soll. Dem sich immer mehr entwickelnden Fahrradverkehr soll entsprechende Beachtung geschenkt und ihm, wo es angänglich ist, eigene Wege angewiesen werden. Es ist angenommen, daß der Radverkehr von der Weststraße aus durch den Johannapark, weiter von der Marschnerstraße aus neben dem Reitwege (früherem Johannaparkfahrwege), ferner mit kurzer Berührung der König-Albert-Allee neben der Fluthrinnenstraße und von dieser abbiegend über eine kleine Uebungs- oder Sammelbahn zur Nonne geführt wird. Die Kosten der Fahrradwege sind auf 3620 Mark bereits in den Haushaltplan auf das Jahr 1899 eingestellt worden. Was die Jugendspiele anbelangt, so konnten bei dem bedeutenden Umfange des Parkes zu diesem Zwecke entsprechend große Plätze angewiesen werden. Es ist diesseits der Fluthrinne für kleinere Kinder zum Spielen in Erde und Sand ein Platz von 2475 Quadratmeter und für größere Kinder ein Rahmspielplatz von 6760 Quadratmeter Größe angenommen. Beide Spielplätze würden durch anzupflanzende Hecken ihren Abschluß erhalten. Jenseits der Fluthrinne können die Wiesen zu beiden Seiten der König-Albert-Allee zu Fußballspielen benutzt werden und am Waldessaume der Nonne sind Lawn-Tennis-Plätze vorgesehen, von denen auch einige eventuell unterhalb der Bismarckstraße angeordnet werden könnten. In … Weiterlesen

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