Aus der Presse – Erinnerung an Altleipziger Biergärten

Die Promenaden sind der liebliche Schmuckgürtel unserer Stadt, dessen Entstehung bis zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zurückgeht. Damals pflanzte man die Allee von der Thomaskirche bis zum Barfußgäßchen (heute Wünschmannhof), und später bis zum Alten Theater. Der „niedere Park“ (am Hauptbahnhof) ist die Schöpfung jenes Bürgermeisters und Kriegsrates Müller, der in der Johannisgasse ein künstlerisch verschöntes Haus führte und einstmals zu den Verehrern der Corona Schröter gehörte. Berühmter noch als die Promenaden sind die herrlichen Gärten gewesen, die den Kern der Stadt umgaben: der Bosesche, der Gerhardsche, der Apelsche, wie man sie auf dem Hohmannschen [Homannsche Erben] Stadtplane von 1749 erkennen kann. Alle Fremden waren entzückt von diesen Anlagen, die zum Teil in strengem französischem Stile angelegt waren. Dem Leipziger ist von jung auf die Liebe zu Gärten eigen gewesen, die teils künstlich verziert, teils frei natürlich angeordnet waren. Und so kann es nicht wunder nehmen, wenn er bei seinen Spaziergängen auch unter grünen Wipfeln Einkehr zu suchen pflegte, um sich dort bei Speise und Trank zu erquicken. Solcher trauter Bier- und Kuchengärten gab es namentlich in der Biedermeierzeit und noch später recht viele. Wir wollen nicht reden von den entfernteren, wie der durch halb sagenhafte Episoden vom alten Dessauer geschmückten Gosenschenke zu Eutritzsch, oder von der Gohliser Oberschänke, wo Robert Schumann Markobrunner trank und der alte Roderich Benedix Stammgast war, auch nicht von dem großen Kuchengarten in der späteren Ranstschen Gasse, den Goethe erwähnt hat, weil er dort, vor den Meßfremden flüchtend, vergnügte Stunden verbrachte, und nicht von der Güldenen Aue zu Sellerhausen, wo der große Dichter später geweilt hat. Vielmehr wollen wir uns an Gärten erinnern, die dem Inneren der Stadt näher lagen. Es gibt mehrere Beispiele für Alt-Leipziger Biergärten aus Leipzig und seinen Vororten. Das Schönste, was Leipzig zu bieten hatte, das war wohl die Insel Buen Retiro in Schimmels Teich. Sie lag unweit des jetzigen Gewandhauses, und der Schimmelsche Teich gehörte zu einem ganzen Kranze weidenumbüschter Weiher, zwischen denen sich noch ein Netz von Flußläufen und toten Wasserarmen hinzog. Wo jetzt das Konzertviertel sich ausbreitet, da haben unsere Väter noch sumpfige Niederungen gesehen, in denen vielfach geschlängelt die „alte“ Pleiße sich verlor und die blanken Teiche mächtige Schwarzpappeln spiegelten. Am Floßplatze begann das Schimmelsche Gut, und durch dieses ging der Weg über die noch nicht von Mauern eingefaßte „neue“ Pleiße nach dem großen Teiche und der reizenden Gartenwirtschaft auf der Insel hinüber. Dort war auch lange Jahre der Schauplatz des historischen Fischerstechens. Schon für einen Dreier konnte man dem berühmten Wasserturnier zusehen. Das Lied „Auf dem Dache sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß“ soll da draußen entstanden sein in Erinnerung an eine große Ueberschwemmung. Ein beliebter Spaziergang führte nach dem Pfaffendorfer Fettviehhofe, wo der alte Pinkert seiner Gartenwirtschaft Reiz verlieh, indem er etliche Affen im Käfige hielt. Der Tierbestand ward durch andere Tiere bereichert, und somit der Grund gelegt zu dem heutigen Zoologischen Garten an gleicher Stelle. Die „Kalte Madam“ war im Rosenthale bei Kintschy, heute Schweizerhäuschen genannt nach einem Schweizer Zuckerbäcker. Von Bonorand, wo einst Eduard Strauß große Konzerte gab, ist nichts Neues zu sagen. Die vornehme Welt kam, von magisch leuchtenden Milchglaslampen bestrahlt, stets gerne dort zu Gaste. Mehr aufs Bürgerliche war der schöne Garten von Cajeri gestimmt an der Stelle des heutigen Zentraltheaters, unmittelbar an der Pleiße. Hochgepriesen wurden die dortigen Riesenportionen von Leipziger Allerlei mit Krebsnasen zu einem Preise, der uns heute lächerlich gering anspricht.Im Süden, beträchtlich weiter entfernt, lag das Gosenthal am Eingange der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße, und nahe dabei der Kuchengarten der Brandbäckerei. Außerordentlich beliebt war der Kunzesche Garten in der Johannisgasse mit Durchgang nach dem Grimmaischen Steinwege. Ein recht gemütliches Familienlokal! Nur war dem Wirte verboten, im Garten musizieren zu lassen in Rücksicht auf das benachbarte Triersche Institut, die Entbindungsanstalt der Universität. Am Eingange der Nordstraße lag der Forkelsche Garten, im Inneren der Stadt grünte ein nettes Hofgärtlein am Thomaskirchhofe (heute Oberpollinger, aber nicht mehr als Gartenwirtschaft im Betrieb). Die Theaterterrasse wird auch nicht mehr bewirtschaftet, obwohl sie ein ideales Plätzchen war und die dortigen Konzerte vielen Zuspruch fanden. Und so ist nahe dem Stadtkern eigentlich nur der Panoramagarten zu nennen, zu dem sich die hübsche Anlage auf dem Naschmarkt, der Vorraum des Burgkellers, gesellt, wo der junge Goethe auf seinem Postamente träumt von den alten Zeiten, da man in Leipzig noch unter Maulbeeren lustwandelte. Von P. D. Altleipziger Biergärten, in SLUB Dresden: Leipziger Tageblatt und Handelszeitung vom 8. Juli 1921. Frühausgabe, S. 5.

Der Palmengarten in städtischer Regie – Parkführer

Die Messe- und Universitätsstadt Leipzig besitzt in ihrem Palmengarten mit dem großen Palmenhause eine Sehenswürdigkeit, die weit über die Grenzen Sachsens hinaus gewürdigt zu werden verdient, denn nur wenige Städte Deutschlands haben Aehnliches aufzuweisen. Aus diesem Grunde ist der städtischen Behörde ganz besonderer Dank abzustatten, daß sie den im Jahre 1896 von einer Aktiengesellschaft gegründeten Palmengarten mit einem 225 000 qm umfassenden Areal in schwerster Zeit in eigene Verwaltung übernahm. Der mustergültige, in englischem Stile angelegte Park, gegenüber dem Lindenauer Sportplatz, in unmittelbarer Nähe des großen Flutbeckens, ist vom Stadtinnern aus zu Fuß in einer Viertelstunde bequem zu erreichen; außerdem führen verschiedene Straßenbahnlinien zu den Eingängen an der Plagwitzer Straße und an der Frankfurter Straße. Hier wie dort eröffnet ein architektonisch schönes Tor das Gelände. Motto: „Die Natur hat tausend Freuden für den, der sie sucht und mit warmem Herzen in ihren Tempel eintritt.“R. Varnhagen Wir wählen den letztgenannten Zugang und bitten den Besucher, uns freundlichst folgen zu wollen. Vor uns liegt das von fachmännischer Hand geschaffene Blumenparterre in verblüffender Farbensymphonie, zusammengesetzt aus gefälligen Anordnungen und eigenartigen Formen von Schmuckbeeten von Goldlack, Stiefmütterchen, Primeln und rotleuchtenden holländischen Tulpen — je nach der Jahreszeit —, um ein künstliches formenvollendetes Wasserbecken gruppiert, an dessen Seiten zwei aus dem ehemaligen Sophienbade stammende allegorische Figuren (Zeus und Juno darstellend) sich sinnvoll anpassen. Unmittelbar hinter dieser prächtigen Anlage erhebt sich das von Terrassen umgebene, großartige Gesellschaftshaus mit hohen Riesenfenstern und runden Türmen. Wir kommen darauf noch zurück. Zur Linken öffnet sich der von alten Bäumen beschattete Konzertgarten, der Musikpavillon und des weiteren die überdachte, 2000 Personen fassende Gartenhalle. Im Hintergrunde treten das grünumrankte große Orangeriehaus, ein Aufzuchtshaus, sowie die sogenannten Krankenhäuser [Kalthäuser], in denen früchtetragende Feigenbäume, Sagopalmen, Orchideen usw. auf ihren Sommerstand warten, hervor. Die Besichtigung ist gestattet. Schreiten wir durch die Gartenhallen, so stoßen wir auf den geräumigen Spielplatz für Kinder mit allerhand Spielgeräten und weiter auf den Rosengarten. Diese köstliche Anlage mit ihren sechzehn belaubten Bögen, lauschigen Gängen, Rosenlauben und Pyramiden gleicht um die Blütezeit einem orientalischen Märchen mit berauschenden Düften. Die Farbenpracht ist unbeschreiblich, wenn sich die Rosen, die Königin aller Blumen, die Sinnbilder der Freude, des Glücks, der Liebe und Unschuld voll entfaltet haben. Alle Vertreter der Rosaceen sind vorhanden: die Teerose, deren erster Vertreter, die bekannte Marshall-Niel-Rose, in wunderbaren Exemplaren blüht; die Filzrose; die hundertblättrige Rose (centifolia); die Essigrose; die dicke Pfingstrose u. a.; auch die merkwürdige, doch weniger ins Auge fallende, grüne Rose. Schlingrosen wie Hängegeranien an Lauben, Bögen und Pyramiden verleihen dem Rosarium wieder ganz neue Reize, wenn im Monat Juli die Rosenfülle im Parterre zu verbleichen beginnt. Die gewissermaßen in der Luft schwebenden Bögen erinnern unwillkürlich an die hängenden Gärten der assyrischen Königin Semiramis. An den Längsseiten des Rosengartens lugen aus den Zweigen eine echte japanische Steinlaterne sowie eine bronzene Bacchusfigur hervor; ganz versteckt, der Mitte gegenüber, eine Rotkäppchengestalt, auch aus Bronze. Vor der rokokoartigen Anlage haftet der Blick auf ein Hügelbeet, das jedes Jahr eine andere Bepflanzung erhält, entweder mit hochstrebenden Fingerhutgewächsen oder mit irgendeiner Palmenart. Wir nähern uns nun den malerischen, von Schilf umrahmten Teichen und Weihern. Am schmucken Bootshause laden eine Anzahl Gondeln zu ausgedehnten, nicht weniger malerischen Fahrten an Buchten und unter Brücken entlang ein. Gelegentlich schleudert wohl auch eine erleuchtete Fontäne ihre phosphoreszierenden Wassermassen gen Himmel. Wenn an lauen Abenden bunte Lampions sich im Wasser widerspiegeln, wird die Seelandschaft zum Märchen. Mit wahrhaft kindlichem Verlangen verweilt das Auge auf den Seerosenfeldern. Die Nymphaeen steigen im Hochsommer, nach Osten geneigt, aus dem Wasserspiegel, öffnen sich zur Mittagszeit, wenden sich allmählich westwärts, die Kelchblätter schließend, und sinken wie ein Traumgebilde unter. Sobald diese Seerosen in größerer Anzahl, wie hier häufig wahrzunehmen, zwischen den wachsartigen ausgerollten, tief herzförmigen Blättern ihre weißen, gelben, beziehentlich rosenroten, bis zehn Zentimeter breiten Blüten entfalten, gewähren sie ein bezauberndes Bild. Die obenauf schwimmenden Blätter dienen Fröschen als Beobachtungsposten, sie gehen von diesem erhöhten Standorte aus gern auf die Insektenjagd. Farbige schillernde Libellen ziehen ihre Kreise, eine winzige Kleintierwelt, für das unbewaffnete Auge freilich kaum sichtbar, bevölkert das smaragdgrüne, leise vom Winde bewegte Blätterfloß. Zu den Verwandten unserer Seerosen gehören bekanntlich die vielbesungene ägyptische Seerose oder Lotusblume, die in brasilianischen Gewässern in Unmengen vorkommende, wegen der riesigen Blätter angestaunte Victoria regia (amerikanische Seerose) und die indische Seerose (Nelumbo nucifera) mit trichterförmigen Blättern, als Nährpflanze in Südasien geschätzt. Auf unserer Wanderung auf glatten, gewundenen Wegen stoßen wir bald auf eine künstliche, höchst stimmungsvolle Doppelgrotte, der, um das Erschauern der Kinder nicht zu erhöhen, nur noch der Drache aus den Nibelungen fehlt, den breiten Eingang schmücken Rhododendrongebüsche und Azaleen. Nicht weit von der Grotte erhebt sich das „Alpinum“; es gedeihen hier allerhand Moosarten, z. B. Mauerpfeffer; Enzian, Almenrausch, die bekannte Erica, die gelbe Gemswurz, verschiedene Gattungen Primeln, der Steinbrech, die durch ihre himmelblauen Sternblumen hervorragende zweiblättrige Meerzwiebel (Scilla bifolia) und last but not least das samtene Edelweiß. Neben anderen Dickblattpflanzen auch Acandus, ein Kraut, dessen eigenartige Blattform im alten Griechenland häufig architektonische Nachahmung fand und heute noch in der Baukunst beliebt ist. Eine besondere Anziehungskraft übt im Herbste das große Versuchsfeld der deutschen Dahliengesellschaft aus, wenn die Korbblütler, die umfangreichste aller Pflanzenfamilien, sich in ihren Spielarten dem Besucher zeigen. Der sogenannte Märchenhain, der Lindenberg mit dem Strohpavillon in der Südwestecke des Gartens, ist eine der vielen Ruhestätten für diejenigen, die sich in stiller Betrachtung der Schönheit des Parkes hingeben wollen. Für reichliche Sitzgelegenheit ist durch 174 äußerst bequeme, im Parke verteilt aufgestellte Bänke Sorge getragen. Den südöstlichen Teil des Palmengartens nimmt der von uralten Eichen bestandene stille Klingerhain ein; ein weißer Marmorblock aus Carraras Steinbrüchen, unter großen Schwierigkeiten hierher befördert, mit allegorischen Figuren aus den Opern Wagners, reliefartig vom Meister selbst gemeißelt, erinnert an den großen Sohn Leipzigs. Von hier aus ist in wenigen Minuten der Ausgang zur Plagwitzer Straße zu erreichen. Auf vielgewundenen Wegen, vorbei an Pavillons, Weihern und aussichtsreichen Plätzchen, wo wir der Ruhe genießen können, kehren wir zurück. Bevor wir dem berühmten Palmenhause einen Besuch abstatten, wollen wir wenigstens noch einige der interessantesten Bäume namhaft machen. Sie sind zum … Weiterlesen

Vision zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur – Ein Kommentar

Die Vision von Greta Taubert zur Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur hat bei mir große Zustimmung, aber auch weitere Gedanken ausgelöst. Die Idee, öffentliche Räume wieder stärker als soziale Orte für Begegnung, Kultur und Demokratie zu begreifen, ist wichtig und richtig. Gleichzeitig lohnt sich auch ein Blick auf die Geschichte dieser Bauwerke und auf den heutigen Umgang mit den noch vorhandenen Pavillons in Leipzig. Denn Visionen entfalten ihre Wirkung erst dann nachhaltig, wenn sie mit Verantwortung und Pflege des Bestehenden verbunden werden. Leipzig stand einst in einer Reihe europäischer Städte und Länder mit einer ausgeprägten Pavillon-Tradition – teils in städtischer, teils in privater Regie. Vieles davon ist durch Kriege und strukturelle Umbrüche verloren gegangen. Wer sich mit der Geschichte dieser Bauwerke beschäftigt, erkennt schnell: Die Pavillon-Kultur ist ein europäisches Kulturerbe. In Leipzig ist sie mit der historischen Park- und Gartenkultur eng verbunden, für die diese Stadt in besonderer Weise steht. Man denke an den Palmengarten, den Clara-Zetkin-Park oder andere historische Anlagen. Pavillons sind Teil der gewachsenen Kulturlandschaft, die leider keinen großen Stellenwert mehr in der Stadt haben. In der Galerie sind Bilder vom Palmengarten-Pavillon, der im LVZ-Artikel vom 9. Januar 2026 versehentlich als „Gerhardscher Pavillon im Clara-Zetkin-Park in Leipzig“ betitelt wird. Zwar werden in Städten wie Freiburg, Chemnitz, Krefeld, Hamburg oder Potsdam einzelne Musikpavillons wieder saniert, doch von einem echten Trend kann keine Rede sein. Ganz anders als in England, wo die Pavillon-Kultur als nationales Kulturerbe gilt und der Erhalt und Wiederaufbau von der Bürgerschaft sowie öffentlichen Stellen finanziell und kulturell breit unterstützt werden. Die Leipziger Stadtverwaltung ringt bis heute damit, die noch vorhandenen historischen Pavillons im öffentlichen Raum vor dem Verfall zu bewahren, da sie regelmäßig beschädigt werden. Selbst, wenn diese unter Denkmalschutz stehen. Dazu zählen unter anderem: Der letzte noch erhaltene Pavillon mit einem regelmäßigen Kulturbetrieb ist der Musikpavillon im Clara-Zetkin-Park. Seine Sanierung wurde durch privates bürgerschaftliches Engagement finanziert, getragen wird er seit 2008 durch einen Wirtschaftsbetrieb. Für dieses Engagement gab es 2015 eine Nominierung unter die Top 10 des Deutschen Bürgerpreises. Bemerkenswert ist dabei: Für die öffentlichen Veranstaltungen und Kulturangebote wird kein Eintritt verlangt, von Vandalismus bleibt aber auch dieser nicht verschont. Gerade deshalb sollte das Plädoyer für neue hölzerne Pavillons auch mit einem Aufruf verbunden werden, sich bürgerschaftlich für die bereits existierenden Bauwerke zu engagieren und die Stadt bei deren Erhalt zu unterstützen, damit diese Orte ihre Rolle für Gemeinschaft, Solidarität und Demokratie überhaupt erfüllen können. Ehrlich gesagt fehlt mir ebenso der Hinweis auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Kulturerbe. Gerade von Künstlerinnen, Musikern und all jenen, die diese Orte nutzen, wäre zu erwarten, dass sie respektvoll mit den Pavillons umgehen und diese schon aus eigenem Interesse heraus schützen. Die Realität ist leider oft eine andere: Müll, Graffiti und andere Beschädigungen verursachen jährlich erhebliche Kosten. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das benannt werden muss. In der Galerie sind Bilder vom unsanierten Musikpavillon (2008), sanierten Gerhardscher Pavillon beide im Clara-Zetkin-Park (2019, Foto: C. Herold) und sanierten Palmengarten-Pavillon (2026, Foto: D. Neumann). Für mich gehört zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur daher zwingend eine öffentliche Debatte über gesellschaftsrelevante Fragen: Pflege- und Erhaltungskosten, Leipziger Park- und Gartenkulturerbe im speziellen, Müllprobleme in öffentlichen Stadt- und Grünanlagen, Vandalismus an Kultur- und Gartendenkmälern, Schutz von klimawirksamen Frei- und Grünflächen und die damit verbundenen Konflikte. Ein Lichtblick ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2024, der den Oberbürgermeister auffordert, anlässlich des 130-jährigen Bestehens des Palmengartens im Jahr 2029 ein dezernatsübergreifendes Themenprojekt in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu prüfen – auch mit Blick auf den Umgang mit diesem Kulturerbe. In dem Jahr wird ebenso der Albert-Park, der heutige Clara-Zetkin-Park, ein 125-jähriges Jubiläum begehen. Es wäre also eine gute Zeit, darüber zu reden. Trotz aller Ergänzungen und punktuellen Einwände befürworte ich diesen Vorschlag, die Leipziger Pavillon-Kultur wieder aufleben zu lassen. Gerade dann, wenn Vision und Verantwortungsbewusstsein zusammengedacht werden, können wir diese gemeinschaftlich und mit kreativen Ansätzen neu beleben. Siehe auch – 50 Visionen für Leipzig: Greta Taubert wünscht sich eine Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur – LVZ-Artikel

Wanderausstellung – Von der HTWK Leipzig nach Frankfurt am Main

Nach dem Erfolg der Kabinettausstellung „Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt“, die anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Parkanlage unter anderem mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums und der Lotter-Gesellschaft im Capa-Haus realisiert wurde, konnte die Ausstellungsreise fortgesetzt werden. Diese führte Ende 2025 zunächst in die Bibliothek der HTWK Leipzig und anschließend in den Frankfurter Palmengarten, wo die Rückmeldungen durchweg positiv ausfielen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Andenken an die geschätzten Kollegen Hans-Joachim Hädicke und Michael Liebmann, die 2024 viel zu früh verstorben sind. Ihnen war ein Teil der Ausstellung gewidmet, der an ihren wertvollen Beitrag erinnert und künftig Bestandteil der Ausstellung bleiben wird. Darüber hinaus wurden neue Perspektiven integriert. Dazu zählten Einblicke in das Leben und Wirken von Carl Reinecke und seine Verbindung zum Leipziger Palmengarten in Kooperation mit dem Reinecke-Museum in Leipzig, die Einordnung der Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung von 1893 sowie die Präsentation einer HTWK-Masterarbeit samt Modell zum möglichen Wiederaufbau des Gesellschafts- und Palmenhauses als utopische Vision. In der Mainmetropole war die Ausstellung als Beitrag zum 35. Jahr der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Leipzig zu sehen. Der Frankfurter Palmengarten diente nicht nur als Vorbild für den Leipziger Palmengarten, sondern auch für zahlreiche andere Palmengärten seiner Zeit. Heute ist er der älteste noch erhaltene Palmengarten Deutschlands. Im Jahr 2012 wurde der Botanische Garten in den Frankfurter Palmengarten integriert und so vor der drohenden Auflösung bewahrt. Ein Besuch der städtischen Anlagen lohnt sich durchaus, denn beide Einrichtungen beherbergen zusammen über 12.000 Pflanzenarten aus aller Welt. Die Wanderausstellung trägt dazu bei, ein bislang vernachlässigtes Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar zu machen und neu zu beleben. Allen Unterstützern sowie Besucherinnen und Besuchern gilt besonderer Dank für ihr Interesse und ihre Mitwirkung an diesem Projekt. Rückblick im Capa-Haus Siehe auch – Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main Siehe auch – Der Frankfurter Palmengarten – Historischer Garten mit Weltruf Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Kilian Jost zum historischen Grottenbau © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Der klingende Park – Tage der Industriekultur in Leipzig

Die Veranstaltungsreihe „Der klingende Park“ bietet eine Reise durch die Geschichte der Gartenbaukunst in Leipzig, mit den prächtigen privaten Bürgergärten, den ersten Botanischen Garten und den ersten kommunalen Landschaftspark Deutschlands über die modernen Ausstellungs- und Freizeitparks sowie Ausflugsstätten im Industriezeitalter bis hin zu den noch erhaltenen Parkanlagen jener Zeit. Die Parkerrichtungen waren ein wichtiger Faktor des städtebaulichen Wandels im Zuge der Hochindustrialisierung und des Städtewachstums in Deutschland. Zur Zeit der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 (STIGA) waren viele Leipziger Parkanlagen in ihrer Entstehung. Damit bewiesen die Stadtoberen einen Sinn für nachhaltige Stadtentwicklung im Industriezeitalter, denn die geschaffenen Grünflächen wurden zu stadtprägenden Orten der Erholung und Regeneration. Hierzu zählen beispielsweise der Stünzer Park (1898) im Leipziger Osten, der Leipziger Palmengarten (1899) im Leipziger Westen, der Arthur-Bretschneider-Park (1900) im Leipziger Norden ebenso wie der Wilhelm-Külz-Park (1904) im Leipziger Süden und der an der Stelle des Ausstellungsparks der STIGA tretende König-Albert-Park (1904) im Leipziger Zentrum (der heutige Clara-Zetkin-Park). Die Parkanlagen genießen heute einen besonderen Schutzstatus als Garten- und Kulturdenkmäler. Sie alle dienen dem Wohl der Leipziger und ihrer Besucher, sei es zur Bildung, Erholung oder zum Vergnügen. Ein Blick auf ihre Entstehungs- und Blütezeit ist daher lohnenswert – auf die unterschiedlichen Kunstformen, die diese Parks bereicherten (z. B. Architektur, Skulptur, Landschaftsgestaltung, Musik), und nicht zuletzt auf die Schicksale längst verschwundener Oasen, die in alten Postkarten, Lithografien und Fotografien wieder lebendig werden. Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Leipziger Park- und Gartenkultur zu beleuchten und mit dieser Veranstaltungsreihe möglichst viele Menschen zu erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis der lokalen Kulturgeschichte zu einem bewussteren Umgang mit den Parkanlagen führen kann. Park- und Gartenkultur im Zeitalter der Industrialisierung Veranstaltungen 2026 Zu den 14. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. **** Wann? 13.09.2026, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 Leipzig Veranstaltungen 2025 Zu den 13. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. Der Moritzbastei e. V. bietet ein Bastel- und Schminkprogramm für Kinder. Außerdem stellt der Ururenkel von Carl Reinecke das Lebenswerk seines berühmten Vorfahren vor und informiert über den benachbarten Reinecke-Platz. Weitere Gäste sind u.a. die Stadt- und Parkführerin Daniela Neumann (Entdeckt in Leipzig) und Autor Sebastian Ringel. **** Wann? 14.09.2025, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigMusik? Tanzsalon mit The Perky Pollyvocs & Swing Connection e.V. (ab 16 Uhr)Wie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2024 Zu den 12. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und einer Hommage an 125 Jahre Leipziger Palmengarten mit dem Historical Swing Dance Orchestra, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Stammtisch der Parkenthusiasten, Info-Stand und Bücherverkauf. Gäste sind u.a. Prof. Dr. Leder (Museumsdirektor Naturkundemuseum Leipzig), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin und Hans-Joachim Hädicke (Privatsammler). **** Wann? 08.09.2024, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2023 Zu den 11. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Industriekultur Leipzig e.V. und dem Symphonischen Blasorchester/ ISKRA Oldstars, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Bücherverkauf. Weitere Gäste sind u.a. Dr. Enrico Ruge (HTWK Leipzig), Henner Kotte und Sebastian Ringel (beide Stadtführer, Autoren). **** Wann? 03.09.2023, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 500 Gäste ****

Sousas Band auf Europa-Tour im Leipziger Palmengarten

Der 1899 eröffnete Palmengarten am Ufer der Elster war nicht nur eines der beliebtesten Ausflugsziele der Leipziger Bürgerschaft, sondern auch ein wichtiger Schauplatz des Musiklebens der Messestadt. Neben einem reizvoll gestalteten Landschaftspark samt Wasserspielen und mehreren Lokalen bot die Anlage die Möglichkeit, Konzerte im zentralen Gesellschaftshaus oder unter freiem Himmel zu veranstalten. Bereits die Eröffnungsfeier des Palmengartens im Frühjahr 1899 wurde durch ein Festkonzert bereichert und ab der ersten Saison spielten diverse lokale Orchester und Kapellen an so gut wie jedem Wochentag. Bei guten Wetter begannen Musikvorführungen am späten Nachmittag auf dem „Concertplatz“ am Rande des künstlich angelegten Sees und reichten bis in die Abendstunden. Diese Konzerte ziviler wie militärischer Musikgruppen wechselten häufig mit anderen Attraktionen wie Feuerwerk oder „kinematographischen Vorführungen“, einer Frühform des Kinos, ab und wurden von der Betreibergesellschaft des Parks ausführlich beworben. Der Palmengarten war allerdings nicht nur für Leipziger Orchester und Militärkapellen aus der näheren Umgebung interessant, sondern zog bald auch internationale Musikgruppen an. Zu den denkwürdigsten Auftritten ausländischer Gäste zählen sicherlich die Konzerte des US-Amerikaners John Philip Sousa und der von ihm geleiteten Sousa’s Band im Sommer des Jahres 1900. John Philip Sousa und seine Band, die aus der Tradition der US-amerikanischen Militärkapellen entstanden war, besuchten ab Mai 1900 im Rahmen einer ausgedehnten Tournee erstmals Europa. Dabei waren die mehr als 60 Musiker und ihr Dirigent keine Unbekannten, da die europäische Presse schon zuvor über den als „March King“ bezeichneten Sousa berichtet und ihn als Botschafter einer „typisch amerikanischen“ Musik vorgestellt hatte. Tatsächlich hatten sich Sousa und seine Band auf mehreren USA-Tourneen den Ruf einer außergewöhnlich leistungsfähigen und professionell geführten Marching Band erworben. Neben dem einheitlichen Auftreten der Musiker in eigens angefertigten Uniformen fanden besonders die starke Besetzung des Ensembles sowie das von Sousa selbst entwickelte „Sousaphon“, ein besonders tiefes Blechblasinstrument, das den Spieler komplett umschließt, große Beachtung in der europäischen Öffentlichkeit. Das Repertoire der Sousa’s Band setzte sich einerseits aus typischen Militärmärschen und anderseits aus von Sousa für sein Ensemble angefertigten Arrangements bekannter klassischer Werke zusammen. Ein wichtiger Bestandteil waren zudem virtuose Stücke, in denen Solisten aus den Reihen der Band ihr Können unter Beweis stellen konnten. Die Sousa’s Band konkurrierte also durchaus mit den sonst im Palmengarten auftretenden, mitteldeutschen Militärkapellen und wurde von der Musikpresse entsprechend ambivalent betrachtet. Während diese einerseits die außerordentliche Leistungsfähigkeit und Disziplin des Ensembles lobte, wurde insbesondere die Interpretation der Musik Richard Wagners zurückhaltend besprochen und die schiere Größe der Band als typisch amerikanische „Gigantomanie“ wahrgenommen. Insgesamt spielten Sousa und Band acht Konzerte im Palmengarten, ab dem 10. Juni, einem Sonntag, zweimal täglich, jeweils einmal nachmittags und am Abend. Für das erste dieser Konzerte, das offenbar bei bestem Wetter stattfand, schätzen die Leipziger Neuesten Nachrichten das Publikum auf mehr als 10.000 Menschen, das Leipziger Tageblatt und Anzeiger ging sogar von 12.000 Zuhörenden aus. Die Leipziger Zeitungen ließen in den nächsten Tagen kaum eine Gelegenheit aus, über die Konzerte der US-Amerikaner zu berichten und ihre Leserschaft über die noch ausstehenden Auftritte zu informieren. Dass die Reaktionen auf die dargebotene Musik wie bereits erwähnt nicht nur positiv ausfielen, verdeutlicht der Artikel eines Kritikers, der zwar Sousas sicheres und ungezwungenes Dirigat lobte, ihm jedoch zugleich vorwarf, „schwierige Musikstücke“ wie die Tannhäuser-Ouvertüre „auf die leichte Achsel“ zu nehmen. Das Publikum nahm Sousa und seine Band jedenfalls so positiv auf, sodass auch die Konzerte in den nächsten Tagen überaus gut besucht waren. Dass es trotzdem zu einigen kleineren Verständnisschwierigkeiten kam, belegt ein Leserbrief, der einige Tage nach Sousa’s erstem Auftritt im Palmengarten im Leipziger Tageblatt und Anzeiger erschien: der nicht namentlich genannte Verfasser verweist auf die nur in englischer Sprache verfügbaren Programmzettel und beklagt in diesem Zusammenhang die mangelnde Höflichkeit der Gäste aus Übersee und den Umstand, „daß sich das amerikanische Publicum im umgekehrten Falle niemals ein deutsches Programm gefallen lassen würde“. Der veröffentlichte Text erschien im Lotterbrief 15 | August 2025, Seite 26 f., der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig e.V. (HLG). Abonnieren Sie den Lotterbrief unter www.lotter-gesellschaft.de/wir-ueber-uns/lotterbrief. Siehe auch – Amerikanischer Marschkönig John Philip Sousa – Dirigent „Sousa Band Press Books“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/For-Researchers/Sousa-Band-Press-Books/ „John Philip Sousa“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/Our-History/John-Philip-Sousa/ Tobias Faßhauer, »Hands Across the Sea« – John Philip Sousa und der musikalische Amerikanismus in Kontinentaleuropa Digitale Sammlungen der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden unter < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/188075/1 > (Leipziger Tageblatt und Anzeiger) und < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/141582/1 > (Leipziger Volkszeitung). © 2025 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Parkanlage beleuchtete die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum und vielen weiteren Unterstützern die „Blütezeit“ des Leipziger Palmengartens (1899 bis 1914). Die Ergebnisse der Forschung wurden der Öffentlichkeit in der Gerda-Taro-Lounge im Capa-Haus präsentiert. Die Ausstellung bot darüber hinaus die Möglichkeit, gemeinsam mit den Partnern, Förderern und Unterstützern verschiedene Veranstaltungsformate umzusetzen, die Livemusik, Vorträge und geführte Touren umfassten und so die Geschichte der ehemaligen Gartenanlage wiederbelebte. Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt –Kabinettausstellung mit Experten-Gremium & Begleitprogramm1.11.2024 – 28.2.2025Capa-Haus, Gerda-Taro-Lounge, Jahnallee 61, 04177 Leipzig Eintritt frei – Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag und jeden 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr (außer an gesetzlichen Feiertagen) Experten-Gremium (ehrenamtlich): Hans-Joachim-Hädicke (Privatsammler), Sebastian Ringel (Autor), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin), Marius Wittwer (Stadtführer), Anne Roßburger, Mike Demmig (beide meinpark.info). Unterstützt von: HTWK Leipzig, Capa-Haus/ CAPA Culture gGmbH, Stadtgeschichtliches Museum, Stadt Leipzig – Dezernat Kultur/ Referat Strategische Kulturpolitik, Holger-Koppe-Stiftung Frankfurt a. M./ Leipzig, Universität Leipzig – Botanischer Garten/ Institut für Musikwissenschaft, Verein für Industriekultur Leipzig e.V., Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V., Förderkreis Botanischer Garten e.V., Frankfurter Palmengarten, Archiv Frau & Musik – Internationale Forschungsstätte Frankfurt a. M., Lions Club Leipzig Saxonia, Eva Meitner Conductor, Stil Haus Kollektiv, Musikpavillon Leipzig, Entdeckt in Leipzig. Die Umsetzung der Roll-Up-Ausstellung mit begleitenden Medien erfolgte durch das Kunst & Grafik Büro vonJuliane Sieber aus Halle/ Saale. www.julianesieber.de Begleitprogramm Donnerstag 7.11.2024, ab 18 Uhr –ALTES RATHAUS, FESTSAAL, Am Markt 1, 04109 Leipzig »Elfrida Andrée – Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung«Feiern Sie mit uns das 45-jährige Jubiläum des Archivs Frau & Musik, der internationalen Forschungsstätte in Frankfurt a. M., und erleben Sie einen inspirierenden Abend mit Eva Meitner und Mary Ellen Kitchens zu Ehren der schwedischen Komponistin Elfrida Andrée (1841-1929, Dirigentin ihrer Ouvertüre im Leipziger Palmengarten) präsentiert von der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. Freitag 29.11.2024, ab 17 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Expertengespräch im Mediterranhaus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die HTWK Leipzig laden zu einem Austausch mit Frau Dr. Heubach, Direktorin Palmengarten und Botanischer Garten der Stadt Frankfurt a. M., und Prof. Dr. Wirth, Direktor Botanischer Garten der Universität Leipzig. Donnerstag 12.12.2024, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Musikalischer Salon im Capa-Haus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und das Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig laden zu einem musikalischen Vortrag zur Musik im Leipziger Palmengarten und anderen Vergnügungsstätten um 1900. An diesem Abend findet die Preisverleihung des Gert-Triller-Preises der Notenspur Leipzig e.V. statt. Montag 13.1.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Ein Gesellschaftsabend im Palmengarten«Der Lions Club Leipzig Saxonia lädt zum Neujahrskonzert mit Trio Saviano, um Abendgarderobe wird gebeten. Insbesondere ist die Einladung auch an ein jüngeres Publikum gerichtet. Donnerstag 13.2.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Frauen in der Musikszene um 1900«Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt und erleben Sie eine spannende Reise durch die Musikgeschichte. Die Musikerin Eva Meitner und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. präsentieren Musikstücke von Amelie Nikisch bis Ethel Smyth und zehn weiteren Komponistinnen. Donnerstag 20.2.2025, ab 18 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Exkursion in den Botanischen Garten«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. laden zu einer exklusiven Sonderführung durch die Orchideenschau, die vom 22. Februar bis zum 2. März 2025 stattfindet. Bürgerinformation Innerhalb des Zeitraums der Ausstellung führten Experten die Gäste an jedem 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr durch die Ausstellung. Das Angebot wurde sehr gut angenommen.www.capa-haus.org Exkursion Die exklusive Sonderführung der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. durch den Botanischen Garten in Leipzig vor Beginn der Orchideenschau war ausgebucht und die beste Werbung für die Arbeit des Förderkreises vor Ort.www.lw.uni-leipzig.de/botanischer-garten Siehe auch – Wanderausstellung – Von der HTWK nach Frankfurt am Main Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main Siehe auch – Der Frankfurter Palmengarten – Historischer Garten mit Weltruf Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Kilian Jost zum historischen Grottenbau Siehe auch – Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung – Elfrida Andree Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Holger Koppe zu seiner Stiftungsarbeit Siehe auch – Ein persönlicher Blick auf den Botanischen Garten in Leipzig Siehe auch – Gespräch mit Experten – Rolf Engelmann zum Botanischen Garten in Leipzig © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Der Frankfurter Palmengarten – historischer Garten mit Weltruf

Mit einer Größe von rund 20 Hektar ist der Frankfurter Palmengarten einer der größten Botanischen Gärten Deutschlands mitten in der Metropolregion RheinMain. Seine umfangreichen Pflanzensammlungen, die rund 13 000 Arten im Freien und unter Glas umfassen, genießen Weltruf. Hinzugekommen ist 2012 der benachbarte, etwa 8 Hektar große Botanische Garten, der zuvor der Goethe-Universität angegliedert war. Die Geschichte des Palmengartens begann 1871. Dabei spielten zwei Herren eine entscheidende Rolle. Einer davon ist der pflanzenbegeisterte Herzog Adolph von Nassau in Wiesbaden-Biebrich, der 1866 wegen der Annexion der Preußen abdanken musste und in Folge seine umfangreiche Pflanzensammlung im Schloss Wiesbaden-Biebrich veräußern musste. Der andere ist der Kunstgärtner und Gartenplaner Heinrich Siesmayer aus Bockenheim, heute ein Stadtteil von Frankfurt, der für den Herzog gearbeitet hatte. Ihm war der Wert der Sammlung bewusst – sie umfasste auch eine große, überregional bekannte Kameliensammlung mit über 100 Jahre alten Exemplaren – weshalb er sich dafür stark machte, die komplette Sammlung für Frankfurt zu erwerben. Damit wurde er zum Initiator des Palmengartens. Um das Geld für den Kauf zusammenzubringen, gründete er eine Aktiengesellschaft, in der sich Frankfurter Bürgerinnen und Bürger am Aufbau des Palmengartens beteiligen konnten. Von Anfang an identifizierten sie sich mit dem Gartenprojekt, das gegen eine kleine Eintrittsgebühr für jeden zugänglich war. Noch heute ist der Palmengarten für die Frankfurter Bevölkerung einer der bekanntesten und beliebtesten Orte der Stadt. Als zentraler Ort der Naherholung und der Naturerfahrung mitten in der Stadt rangiert er sogar noch vor dem Frankfurter Zoo. Feierlich eröffnet wurde der Palmengarten am 16. März 1871. Im Gegensatz zu den klassischen Botanischen Gärten der Universitäten diente der Palmengarten nicht primär der Forschung und Lehre, sondern war ein Bürgergarten. Mit seinen üppigen Pflanzensammlungen und Blumenausstellungen sowie einem ansprechenden Musikprogramm und Tanzveranstaltungen im Gesellschaftshaus war er ein Schau- und Erholungsgarten, in der ersten Zeit mehr für das gehobene Bürgertum, heute für Menschen mit verschiedensten Interessen von Jung bis Alt. In der „Frankfurter Institution“ wurde so manche Ehe angebahnt, im Hochzeitsgarten trafen sich Mütter und ihre Töchter mit potenziellen Heiratskandidaten. Neben dem kulturellen Programm und einer gehobenen Gastronomie wurden auch sportliche Aktivitäten wie das Rudern auf dem Weiher, Tennis, Eislaufen oder Fahrradrennen angeboten. Das besondere Konzept des Palmengartens besteht bis heute darin, dass er viele verschiedene Aspekte miteinander verbindet: Er ist nicht nur ein wissenschaftlich betreuter Botanischer Garten und Ort der außerschulischen Bildung, sondern vereint zudem Erholung und Unterhaltung. Das Herz des Gartens schlägt bis heute im Palmenhaus, das 1869 gebaut wurde, um die Biebricher Pflanzen aufzunehmen. Zusammen mit dem angegliederten Gesellschaftshaus bildet es ein einmaliges, für den Palmengarten bezeichnendes Ensemble (Flora-Bau). Das Frankfurter Palmenhaus zählt zu den drei größten erhaltenen historischen Palmenhäusern weltweit. Die beiden anderen stehen in Kew Gardens (London) und in Wien-Schönbrunn. Im prächtigen Festsaal wurden große Feste gefeiert, dabei konnte man in das tropisch-exotische Ambiente des Palmenhauses eintauchen und unter Palmen flanieren. Der umgebende Park wurde von Heinrich Siesmayer als englischer Landschaftspark angelegt, mit klassischen Elementen wie Weiher, Steingarten mit Grotte, Schweizerhaus, Hängebrücke sowie verschlungenen Wegen. Im 19. Jahrhundert galt die Schweiz als das Idealbild einer romantischen Alpenlandschaft. Aus der Gründerzeit sind im Park noch einige Baumveteranen erhalten, was ihm seinen besonderen Charme verleiht. Auf dem Parterre vor dem Gesellschaftshaus ließ Siesmayer seine opulenten Teppichbeete anlegen. Mit der Zeit wurde der Palmengarten nach und nach bis auf seine heutige Fläche erweitert. Auch die Sammlung wuchs stetig, weshalb in den Jahren 1905/6 als Ersatz für die alten Biebricher Gewächshäuer eine neue repräsentative Schauhausanlage mit Mittelhalle und Glaskuppel sowie seitlichen Gewächshäusern entstand. Wenige Pflanzen aus den alten Sammlungen gibt es noch heute, so den vermutlich mindestens 200 Jahre alten Palmfarn Encephalartos altensteinii. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich der Zeitgeist und man bevorzugte generell einen schlichteren Stil als zuvor. Die aufwändige Neorenaissance-Fassade des schlossartigen Gesellschaftshauses wurde Ende der 1920ger Jahre im geradlinigen Bauhaus-Stil nach dem Entwurf von Martin Elsässer erneuert, die Wechselflorbepflanzung auf dem Blumenparterre wurde stark reduziert und vereinfacht. Der prunkvolle Festsaal blieb nur deshalb erhalten, weil das Geld für den weiteren Umbau ausgegangen war. Die baufällige Hängebrücke und das Schweizerhaus wurden in den 1930er Jahren abgerissen. Weltwirtschaftskrise und erster Weltkrieg wirkten sich auf den Palmengarten negativ aus. Während des Krieges wurden im Garten Obst und Gemüse statt botanischer Raritäten angebaut, um die Lazarette mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Als die Aktiengesellschaft den Palmengarten schließlich nicht mehr finanzieren konnte, übernahm die Stadt 1931 den Palmengarten. Seitdem ist dieser ein städtisches Amt. Erster städtischer Direktor wurde Max Bromme (Direktionszeit von 1931-1945). Er gründete die noch heute existierende Gesellschaft der Freunde des Palmengartens, einen Verein, dem auch viele ehemalige Aktionäre des Palmengartens beitraten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Palmengarten und speziell auch das Palmenhaus durch einen Bombeneinschlag beschädigt, dabei erfror die tropische Bepflanzung im Palmenhaus aufgrund des Glasschadens komplett. Grundsätzlich blieb das Palmenhaus aber erhalten. Das war Glück, wenn man bedenkt, dass fast die ganze Frankfurter Innenstadt durch Bombenhagel in Schutt und Asche gelegt wurde. Nach Kriegsende wurde der Palmengarten von den Amerikanern besetzt, die dort einen Freizeitclub einrichteten. Es gab sogar die Idee, in das Palmenhaus ein Swimmingpool einzubauen. Der Pflanzenliebhaber Sergeant Gunn verhinderte dies jedoch. Und mit Hilfe der Amerikaner unter Anleitung des damaligen Direktors Fritz Encke konnten sogar die zerstörten Gewächshäuser wiederaufgebaut und bepflanzt werden. 1948 wurde er Palmengarten dann wieder den Frankfurter Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht. Nach dem Krieg und vor allem seit den 1960er Jahren wurde der Palmengarten deutlich weiterentwickelt, besonders durch die Vergrößerung der Sammlungen, neue Gestaltungskonzepte und Neubauten. Direktor Dr. Gustav Schoser (Amtszeit von 1968 – 1992) setzte im Rahmen der „inneren Erweiterung“ das Subantarktishaus und das Haus Rosenbrunn um, und veranlasste den Umbau von Eingangsschauhaus und Haus Leonhardsbrunn. Aus den Tennisplätzen wurde eine Steppenanlage. Der in den 1980er Jahren errichtete Gewächshauskomplex des Tropicariums war ein großer Wurf. Er beherbergt Gewächse aus den Feuchten sowie Trockenen Tropen, die nach Klima- und Vegetationszonen geografisch sortiert gepflanzt sind. Ein Gang durch die großzügigen sternförmigen Häuser erweckt das Gefühl, durch reale Landschaften zu wandern, von der Wüste bis zum Regenwald, vorbei an riesigen „Schwiegermuttersitzen“, dem Affenbrotbaum, dem … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main

Dr. Katja Heubach ist seit 2018 Direktorin des Palmengartens in Frankfurt am Main. Unter ihrer Leitung feierte die städtische Gartenanlage 2021 ihr 150-jähriges Bestehen – trotz der Herausforderungen durch die Pandemie. Der Frankfurter Palmengarten hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder erfolgreich gegen widrige Umstände behauptet. Als ein Wahrzeichen der Stadt genießt er starken Rückhalt in der Bürgerschaft. Dieser Geist prägt auch die Arbeit der Direktorin, die darauf abzielt, die historische Gartenanlage den Herausforderungen der Zeit anzupassen und gemeinsam mit den Frankfurtern zu bewahren. Frau Dr. Heubach, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen und uns über den Frankfurter Palmengarten informieren. 1899 diente dieser schließlich als Vorbild für den Leipziger Palmengarten, der heute leider nicht mehr als botanische Gartenanlage existiert, aber einst große Bedeutung für die Leipziger Bürgerschaft hatte. Welche Rolle spielt der Palmengarten für die Stadt Frankfurt? Der Palmengarten gehört zu den historischen Frankfurter Institutionen, die wie Zoo, Städel Museum, Universität und Senckenbergische Stiftung auf bürgerliche Initiativen zurückgehen und fest in der Frankfurter Stadtgesellschaft verwurzelt sind. Die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürgern zum Palmengarten ist groß. Für viele ist der Garten „ihr“ grünes Wohnzimmer. Der erste Besuch findet oft mit der Schule oder den Eltern statt. Später geht man dann zu Festen oder Konzerten in den Garten oder lässt sich im Haus Rosenbrunn trauen – nachdem man im Palmengarten den Heiratsantrag gemacht hat. Neben ausgesprochenen Pflanzenkennern und -liebhaberinnen, die sich informieren und nach Neuerungen schauen wollen, zieht der Garten vor allem Erholungssuchende an. Der Garten passt sich seit anderthalb Jahrhunderten den Bedürfnissen seines Publikums und den jeweiligen Erfordernissen der Zeit immer wieder neu an. Dazu gehören heutzutage auch zum Beispiel digitale Bildungsangebote; die Stärke des Gartens ist und bleibt aber das Analoge. Welche Schlüsselereignisse oder -phasen waren in den letzten 150 Jahren entscheidend für die Entwicklung und das Wachstum des Frankfurter Palmengartens? Ein Schlüsselereignis für die Gründung war 1866 die Besetzung der ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt durch die Preußen. Im selben Zusammenhang musste auch Herzog Adolph von Hessen-Nassau abdanken und seine berühmte Pflanzensammlung verkaufen. Der Gartenkünstler Heinrich Siesmayer konnte sie glücklicherweise für Frankfurt erwerben, finanziert wurde alles von einer extra dafür gegründeten Aktiengesellschaft. Für diese Pflanzensammlung wurde der Palmengarten mit seinem Herzstück, dem Palmenhaus, eigentlich angelegt. Weil die Sammlung stetig wuchs, bekam sie Anfang des 20. Jahrhunderts eine damals hochmoderne Schauhausanlage. Dann kam der Einschnitt von Inflation und Weltwirtschaftskrise, die tragende Gesellschaft musste den Palmengarten abgeben. Seitdem ist der Palmengarten städtisch. Die Amerikaner, die kurzzeitig aus dem Garten ein Recreation Center für ihre GIs gemacht hatten, halfen, die Folgen des Kriegs abzupuffern. Später ging es im Palmengarten gesellschaftlich wieder ähnlich hoch her wie in seiner Anfangszeit. Regelrecht neu organisiert, auch baulich, hat dann Direktor Schoser den Garten in den 1970er und 80er Jahren. Der Palmengarten mit dem neugebauten Tropicarium und großen Blumenschauen war ungeheuer populär, regional wie international. Die Leute standen Schlange, um eine Orchideenausstellung zu sehen. Deutlich später, aber ebenso weitreichend war die 2012 umgesetzte Angliederung des angrenzenden Botanischen Gartens an den Palmengarten, der ehemals zur Goethe Universität Frankfurt gehörte. Heutzutage treiben uns vor allem der Klimawandel und das Artensterben um, dazu gehören auch Themen wie Nachhaltigkeitsmanagement, besonders in den Bereichen Energie, Wasser und Materialeinsatz. Im Rahmen von mehrjährigen Leitthemen bringen wir komplexe Fragestellungen an das Publikum und schaffen damit gleichzeitig eine erkenntnisreiche Neuorientierung nach innen. Das erste Leitthema, das wir in diesem Jahr abbinden, heißt „Blüten- und Bestäuberökologie“. Anlass war 2021 das neue Blüten- und Schmetterlingshaus mitsamt der Dauerausstellung „Abgestaubt“ zur Welt der Insekten. Dazu gehören die insektenfreundliche Umgestaltung von Rasen zu Wiesenarealen mit unterschiedlichen Blühaspekten, eine meterlangen Nistwand mit Biodiversitätsdach, nektarreiche Unterpflanzungen bestehender Beetanlagen und vieles mehr. Begleitend wurden zahlreiche analoge und digitale Vermittlungsformate mit Augenmerk auf die verschiedenen Blickwinkel von Wissenschaft, Praxis, Kunst und Kultur entwickelt. So rundet unsere neue große Kunstausstellung „Verspielt? − Roulette mit der Insekten- und Pflanzenwelt“ das Leitthema mit einem fulminanten Paukenschlag ab – und zieht ein völlig anderes Publikum zur Auseinandersetzung mit dem Thema in den Garten. Gab es Persönlichkeiten, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte des Frankfurter Palmengartens gespielt haben? Können Sie einige von ihnen nennen und ihre Beiträge näher erläutern? Außer Heinrich Siesmayer, dem Gründungsdirektor, dem wir den Garten im Stil des englischen Landschaftsparks verdanken, ist zum Beispiel sein unmittelbarer Nachfolge August Siebert zu nennen, der die Pläne Siesmayers weiterentwickelte. Er machte den Garten um 1900 zu einem wahren Sportlerparadies mit Rudern auf dem Weiher, Tennis, Eislaufen, Fahrradrennen und Wettkämpfen. Direktor Fritz Encke sorgte für den Wiederaufbau des Gartens nach dem 2. Weltkrieg. Für immer mit dem Namen Gustav Schoser verbunden bleibt die grundlegende Erneuerung und die sogenannte „innere Erweiterung“ der Anlage ab Ende der 1960er Jahre. Der Palmengarten erhielt damals sein Erscheinungsbild, wie es in etwa noch heute besteht. Es kamen Gebäude wie das Subantarktishaus und das Haus Rosenbrunn hinzu, andere wurden umgebaut oder versetzt. Die Tennisplätze wurden entfernt und durch eine Steppenanlage ersetzt. Das in den 1980er Jahren errichtete Tropicarium war wirklich ein großer Coup, an dem wir bis heute Freude haben. Es beherbergt Gewächse aus den Feuchten sowie Trockenen Tropen, die nach Klima- und Vegetationszonen geografisch sortiert gepflanzt sind. Außerdem wurden unter Schosers Leitung besonders viele seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen kultiviert, wie aus der Familie der Bromelien, Orchideen und der Gruppe der Sukkulenten. Der weitere Ausbau der wissenschaftlichen Sammlung ist auch mir besonders wichtig. Wir haben im letzten Jahr zum ersten Mal in der Geschichte des Palmengartens ein Sammlungskonzept erarbeitet. 2021 feierte der Frankfurter Palmengarten sein 150-jähriges Jubiläum. Wie haben Sie dieses besondere Ereignis begangen? Wir haben groß gefeiert, gemessen an Vielfalt des Programms, besonders, wenn man die Umstände bedenkt – mitten in der Pandemie. Zum Jubiläum gab es einen umfassenden Jubiläumsband, der die Geschichte des Palmengartens und seiner Sammlungen darstellt, Geschichten aus der Gegenwart des Gartens erzählt, mit großformatigen ansprechenden Bildern. Dazu hat die Autorin die Mitarbeitenden, aber auch unser Publikum befragt. Passend dazu gab es eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte– auch ein Novum in der Palmengartengeschichte. Ein weiteres Highlight war die Eröffnung des lange projektierten … Weiterlesen

Königlicher Musikdirektor Gustav Curth in Leipzig – Verdienste

Über die Biografie von Gustav Curth, einem Musiker, Kapellmeister und Komponisten, ist heute nur noch wenig bekannt. Er wurde 1861 in Dresden in eine Musikerfamilie hineingeboren. Obwohl die Gründe für seinen Umzug nach Leipzig bislang unbekannt sind, wurde diese Stadt zu seiner Wahlheimat. Hier feierte er als selbstständiger (Königlicher) Musikdirektor und Varieté-Kapellmeister große Erfolge und war eng mit der hiesigen und internationalen Künstlerszene verbunden. Gustav Curth galt unter den Varieté-Kapellmeistern als einer der besten Vertreter seines Fachs. Als Musikdirektor erlangte er einen hervorragenden Ruf, nicht nur als Dirigent, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Seine Verdienste führten dazu, dass er unter seinen Musikdirektoren-Kollegen hohes Ansehen genoss. Er bekleidete wichtige Funktionen wie den 2. Vorsitzenden des Deutschen Musikdirektoren-Verbandes, des Schriftführers oder andere und war Mitglied im Musik-Vorstand des Centraltheaters. Im Jahr 1937 verstarb er in Borsdorf im Alter von 76 Jahren. Curth komponierte und arrangierte Militär- und Orchestermusik, Kantaten und Charakterstücke sowie humoristische Szenen für Singstimmen und Klavier. Bisher bekannte Stücke sind „Gnomenspiele“, „Die Welt, sie will betrogen sein“, „Vorüber ist so manches Jahr“, „Der Humorist“, „Der Zeitgeist“, „Geld gibt’s am Ersten immerdar“, „In Treue fest!“, „Die Komiker klagen oft“, „Teddy geht spazieren“, „Engländer und Bure“, „Es war ein Knabe gezogen“, „Im König-Albert-Park“, „Praeludium Marsch“, „Concordia Marsch“, „Litilet Marsch“, „Jubiläums-Festmarsch“, „Festmarsch der vereinigten Militärvereine Leipzigs“ und der „Regimentsparademarsch der 133er Landwehr“. Die „Curthsche Kapelle“ ist eng mit der Leipziger Musikgeschichte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verbunden, da ein Bericht zu seinem 25-jährigen Jubiläum als selbstständiger Musikdirektor darauf hindeutet, dass sein Orchester als das älteste Zivilorchester der Stadt wahrgenommen wurde. Die derzeit nachgewiesenen Spielorte der „Curthschen Kapelle“ – ehemals „Leipziger (Curthsches) Konzert-Orchester“, später „Curth-Fix-Orchester“, „Gustav-Curth-Blasorchester“ und „Gustav-Curth-Orchester“ – in Leipzig: Zoologischer Garten, Kuchengarten, Bonorand, Felsenkeller, Schlosskeller, Eiskeller-Park, Alter Gasthof Leutzsch/ Wahren, Hotel Stadt Nürnberg, Sanssouci, Hotel de Pologne, Theater-Terrasse, Drei Linden, Drei Lilien, Kaiser Fiedrich, Burgaue, Schillerschlösschen, Waldmeister, Panorama, Wintergarten, Großer Festsaal Neues Rathaus, Balkon Altes Rathaus, Völkerschlachtdenkmal, Palmengarten, Musikpavillon im König-Albert-Park, Rennbahn im Scheibenholz, Tivoli, Battenberg, Centralhalle, Centraltheater, Leipziger Schauspielhaus, Schützenhaus, Neues Schützenhaus, Schützenhof, Krystallpalast, Alberthalle, Albertgarten, Deutsches Buchhändlerhaus, Marktplatz, 10. Deutsches Bundesschießen 1890, Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 (STIGA), Mitteldeutsches Bundesschießen 1911, Internationale Baufach-Ausstellung 1913 (IBA), Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Grafik 1914 (BUGRA). Gustav Curth’s Verdienste (nachgewiesene Quellen u.a. aus dem Leipziger Tageblatt) Krystall-Palast. Allabendlich ist das Sommer-Varieté sehr zahlreich besucht und das derzeitige vorzügliche Künstler- Ensemble versteht es vortrefflich, die zahlreichen Besucher zu unterhalten. In Anbetracht seiner großen Verdienste um das Gelingen des Ganzen hat die Direktion dem Leiter der Theater-Capelle, Herrn Musikdirektor Gustav Curth, welcher nun seit einem Jahre den musikalischen Theil der Vorstellungen in zufriedenstellendster Weise leitet, eine Jahresbenefiz-Vorstellung bewilligt, und findet dieselbe, verbunden mit Doppelconcert u.s.w. am Montag, den 13. Juli, statt. [1] Krystall-Palast. Das seit mehreren Tagen angekündigte Jahres-Benefiz für den verdienstvollen Capellmeister Herrn Gustav Curth findet heute, Montag, im Sommer-Varieté statt. Die materiellen und künstlerischen Erfolge, welche das nun ständige Varieté-Theater im Krystall-Palast bisher zu verzeichnen hatte, sind zum großen Theil auch ein Verdienst des strebsamen Dirigenten der Theatercapelle, Herrn Curth, welcher stets mit unermüdlichem Fleiß die zahlreichen Proben leitete und durch peinliche Gewissenhaftigkeit jeder einzelnen Vorstellung zu vollem Erfolge verhilft. Wir sind überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um dem beliebten Capellmeister für heute ein volles Haus zu sichern. Verbunden mit dieser Benefiz-Vorstellung ist ein Doppel-Concert, gleichzeitig tritt der unverwüstliche Clown Charles Jigg mit seiner großartig dressirten Thiergruppe heute Montag zum letzten Male auf. [2] Das Jahres-Benefiz für den beliebten Capellmeister Herrn Gustav Curth, welches sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreute, gestaltete sich zu einem Ehrenabend für denselben und wurde der Benefiziant durch Blumen- und Kranzspenden, sowie auch durch sonstige Ovationen ausgezeichnet. – heute verabschiedet sich das gegenwärtige beliebte Künstler-Personal. – Morgen tritt das neu engagirte Specialitäten-Ensemble zum ersten Male auf. Die vierte Familien-Vorstellung findet nächsten Freitag statt. [3] Kirchliche Nachrichten. Am 17. Sonntag nach Trinitatis wurden aufgeboten: Thomaskirche. […] 4) H. A. Fix, Kapellmeister in St. Blasien, mit P. M. Curth, Musikdirektors hier Tochter […] [4] Jubiläums-Ehrenabend für Kapellmeister Curth. Morgen Freitag, abends 8 Uhr, findet im Kristallpalast-Theater anläßlich seines 25-jährigen Dirigentenjubiläums ein Ehrenabend ohne Tabakrauch für den Kapellmeister Gustav Curth statt. Curth nimmt unter den Varieté-Kapellmeistern wohl mit den ersten Rang ein und gilt allgemein als einer der besten Vertreter seines Faches. Die bedeutendsten internationalen Künstler, welche in dem jeweiligen Dirigenten eine fast unerläßliche Stütze für ihre Darbietungen suchen, haben diese in Gustav Curth stets gefunden, und die große Zahl der internationalen Stars haben Curths Namen als Varietédirigent in allen Weltgegenden auf das beste bekannt gemacht. Möge ihm der morgige Abend, welcher gewiß reich an Ehrungen sein dürfte, durch ein volles Haus die Sympathie aller derer, welche Curth als Künstler und Mensch achten und schätzen, zum Ausdruck bringen. [5] Ehrenabend für Kapellmeister Gustav Curth im Kristallpalast-Varieté. Zur Feier seines 25-jährigen Dirigentenjubiläums hatte Kapellmeister Gustav Curth im Kristallpalast-Varieté gestern einen Ehrenabend, der ihm der Ehren viele brachte. Zeigte schon äußerlich das volle Haus die herzlichen Sympathien, die man dem bewährten Jubilar am Dirigentenpult in der Leipziger Bürgerschaft entgegenbringt, so waren die übrigen Auszeichnungen erst recht der vollgültige Beweis, daß man Gustav Curth schätzt und liebt. Sein Stuhl und Pult waren festlich bekränzt, und mit einem Tusch empfing die Kapelle ihren Dirigenten zu Beginn der Vorstellung. Gegen Ende des ersten Teils, während die wohlbekannten Klänge des Curthschen Jubiläums-Festmarsches erklangen, verwandelte sich die Bühne in einen wahren Lorbeer- und Blumenhain, und auf langer Tafel waren die Ehrengaben aufgebaut. Der Humorist des jetzigen Programms, Herr Nesemann, hatte die Aufgabe, namens der Direktion der Kristallpalast- Aktiengesellschaft, namens der Kapelle, der jetzt auftretenden Artisten usw. dem Jubilar die Glückwünsche auszusprechen und die Ehrengaben, gewaltige Lorbeerkränze, von der Kapelle einen silbernen Lorbeerkranz auf blauem Samtkissen, von den Artisten ein Spazierstock mit silbernem Griff usw., zu überreichen. Es war eine schöne und eindrucksvolle Ehrung, die Gustav Curth hier zuteil wurde, und sie war wohlverdient dem Künstler wie dem Menschen. [6] Ministerium des Innern. Se. Majestät der König hat noch folgende Auszeichnungen verliehen: […] und dem Musikdirektor Curth in Leipzig und dem Musiklehrer Wenzel in … Weiterlesen

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