Schwedische Pionierin Elfrida Andrée im Palmengarten – Dirigentin

Der Konzertsaal des Leipziger Palmengartens wird heute Mittwoch abend der Schauplatz eines seltenen musikalischen Ereignisses sein. Gelegentlich des 17. Symphonie-Konzertes des Winderstein-Orchesters gelangt eine A-moll-Symphonie von Elfrida Andrée aus Göteborg unter persönlicher Leitung der Komponistin zur Aufführung. Außerdem wird die interessante Dame, eine nahe Verwandte des kühnen Nordpolforschers, noch das Vorspiel zu einer von ihr komponierten Oper „Fritjofs Saga“ dirigieren. Man darf mit Recht auf diese außergewöhnlichen Darbietungen gespannt sein. Im ersten Teile des heutigen Konzertes bringt übrigens Herr Konzertmeister Pick-Steiner das Konzert Nr. 3, H-moll, für Violine von C. Saint-Saёns zum Vortrage. Inhaber von Dauerkarten haben auch zu diesem Konzerte ohne jede Nachzahlung Zutritt. [1] Das 17. Sinfonie-Konzert des Winderstein-Orchesters im Palmengarten trug ein ganz eigenartiges Gepräge. Eine junge Komponistin, Frl. Elfrida Andrée aus Göteborg, brachte zwei ihrer Werke unter eigener Leitung zur Aufführung. Der musikproduktiven Betätigung des weiblichen Geschlechts stehe ich ziemlich mißtrauisch gegenüber und ich bin auch bis heute noch nicht überzeugt worden, daß die Frau gerade auf diesem Kunstgebiete hervorragende schöpferische Beanlagung besitzt. Wenigstens nicht, insofern es sich um größere, mit Inhalt und Leben auszufüllende Formen handelt. Das ist gewissermaßen psychologisch begründet. Die musikalische Ideenwelt der Frau ist eine viel beschränktere wie die des Mannes, die ganze Natur des Weibes weist auf das zarte, innige, schwärmerische und hingebende hin, kraftvollere Akzente stehen ihr weniger zu Gebote. Diese vermißten wir auch in der Sinfonie A moll des Frl. Elfrida Andrée. Die Dame war uns in rein menschlicher Beziehung interessanter – sie soll mit dem verschollenen Nordpolfahrer Andrée verwandt sein – als in künstlerischer. Ihre Sinfonie ist nur ein schwaches Produkt. Eine eigenartige Persönlichkeit tritt nirgends zu tage, selbst ein Stich ins Nationale, den wir vermutet hatten, ist nicht vorhanden, das Werk ist vielmehr mendelssohnisch angehaucht. Die Durchführung ist der Komponistin schwächste Seite; von kunstvoller thematischer Arbeit, polyphoner Gestaltung ist hier wenig zu spüren, die Themen erweisen sich auch zur weiteren Entwickelung als zu wenig eindringlich. Der letzte Satz ist meines Dafürhaltens noch der beste. Einen weit günstigeren Eindruck machte auf mich der Autorin Vorspiel zur Oper „Fritjofs Saga“, das in der Konzeption nicht ohne Schwung ist, manche schöne Momente enthält und auch eine wirkungsvollere instrumentale Einkleidung als die Sinfonie besitzt. Frl. Andrée leitete das Orchester, welches die Ouverture recht temperamentvoll, die Sinfonie dagegen ziemlich lau und mit sichtlicher Unlust spielte, mit bemerkenswertem Geschick. Von L. W. [2] [1] Der Konzertsaal des Leipziger Palmengartens, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 25. Januar 1905. Frühausgabe, S. 7. [2] Das 17. Sinfonie-Konzert des Winderstein-Orchesters, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 28. Januar 1905. Frühausgabe, S. 2.

Aus der Presse – Laterne zu Ehren der deutsch-japanischen Freundschaft

Ein interessantes Geschenk ist dem Leipziger Palmengarten von unserem geschätzten Mitbürger August Sußmann zugegangen. Die Zuwendung besteht in einer 2 ½ m hohen, aus Savonnière-Kalkstein hergestellten japanischen Laterne, die in der Nähe des Rosengartens Aufstellung findet und von japanischen Zwerg-Ahornbäumen umgeben wird. Dieser plastische Schmuck soll eine Ehrung für den berühmten japanischen Admiral Togo darstellen und wird demgemäß mit einer japanischen Inschrift versehen, die in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet: „Togo-Laterne“. In Verehrung und Liebe von Japanern und Freunden in Leipzig durch August Sußmann. — Solche Laternen bilden einen reizenden Schmuck in der japanischen Landschaft und werden dort aus Pietät für edle und im öffentlichen Leben verdienstvolle Männer errichtet. Die z. Zt. an der Leipziger Universität studierenden 11 Japaner, wohl sämtlich Abonnenten und ständige Besucher des Palmengartens, werden sich über dir ihrem großen Landsmann bewiesene Ehrung gewiß besonders freuen. Die Ausstellung der Laterne erfolgt im Laufe dieser Woche durch Steinmetzmeister G. Günther, hierselbst. Uebrigens hat Admiral Togo dem ihm befreundeten Herrn Sußmann versprochen, gelegentlich eines Besuches Englands auch nach Leipzig zu kommen. [1] Ein Weihnachtsgeschenk aus Japan ist dem Leipziger Palmengarten von dem Inhaber der Exportfirma L. Boehmer & Co., Alfred Unger, in Yokohama zugegangen. Es besteht aus einer größeren Anzahl japanischer Prachtlilien, die nach der Bestimmung des Schenkers an der Togolaterne im Frühjahr Aufstellung finden sollen. Die Veranlassung zu dieser, interessanten und wertvollen Schenkung hat die in die japanischen Blätter übergegangene Nachricht von der Aufstellung der Togolaterne im Leipziger Palmengarten gegeben. [2] Zur Erinnerung an die für die Japaner erfolgreiche Seeschlacht von Tsushima fand am 27. d. M. eine Feier statt, bestehend in einem Festmahl, welches Herr Kommerzienrat August Sußmann ausgerichtet hatte. — Unter den Eingeladenen waren die Herren Geheimer Regierungsrat Kaiserlicher Bankdirektor Kalaehne, Stadtrat Wagler, Stadtrat Cichorius, Professor Dr. Steindorff, Sanitätsrat Dr. Schwabe n.a.; von der japanischen Gesandtschaft in Berlin war Fregattenkapitän Yamajuchi anwesend, ferner Hauptmann Shodo und die übrigen Herren der hiesigen japanischen Kolonie. — Der Speisesaal des „Palmengartens“ war mit deutschen und japanischen Fahnen und mit Wimpeln aller Nationen festlich dekoriert. — Den Kaisertoast brachte Kommerzienrat Sußmann aus, während Herr Siedel, der Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft, unseres geliebten Königs gedachte. Prof. Dr. Steindorffs Worte galten dem japanischen Roten Kreuz. Prof. Sawai aus Japan sprach, daß seine Landsleute mit allen Kulturnationen gern in Frieden leben möchten. In kultureller, sowie militärischer Hinsicht verdanke Japan den Deutschen sehr viel; sein Hoch galt daher dem deutschen Volke und dessen erhabenem Kaiser. — Hauptmann Shodo pries die deutsche Armee. Direktor Dr. Jahn und Redakteur Eichberger erzählten von den lieblichen japanischen Frauen. Referendar Peuckert sprach vom japanischen Handelsrecht. Die deutsche und die japanische Nationalhymne wurden von dem Willy Wolf-Orchester wirksam intoniert. Dann ging es hinaus in den stillen Park zur Togolaterne, deren mattrotes Licht aus dem Grün der Bäume schimmerte. Kommerzienrat Sußmann feierte hier den Admiral Togo als den Moltke Japans. „Friede, Freude und Freundschaft“, so klangen die herrlichen Worte aus; mögen sie immer Deutschland und Japan verbinden! [3] Im schattenreichen Park des Leipziger Palmengartens erhebt sich, aus hartem Stein gemeißelt, ein sinniges Monument, das von Herrn Kommerzienrat August Sußmann gestiftet, zum Symbol der deutsch-japanischen Freundschaft ausersehen und als japanische „Togo-Laterne“ die Erinnerung an ein gewaltiges welthistorisches Ereignis, die Seeschlacht von Tsushima, festzuhalten bestimmt worden ist. Dahinzogen gestern um die Mitternachtsstunde die hiesige japanische Kolonie und deren heimische Freunde, voran der Stifter des plastischen Werkes und mit ihm die Herren Major Maruno, Hauptmann Chodo und Professor Lakake. Es war ein feierlicher Moment, als hier im Schimmer bunter Lampions in schweigender Natur Osten und Westen bei Bansai und Hurra ihre Sympathien bekräftigten und ihre Sympathien austauschten. Vorher hatte ein Bankett Japaner und Deutsche im Weißen Saale des Palmengartens zu festlicher Begehung des 27. Mai in stattlicher Anzahl versammelt. Hier, wo aus den Blütenbüscheln des duftenden Flieders die rote Sonnenscheibe auf weißem Felde und die Farben des Deutschen Reichs hervorleuchteten, hielt Herr Kommerzienrat Aug. Sußmann eine feierliche Rede. Einen der historisch denkwürdigsten Tage in der Geschichte der Gegenwart bilde der Erinnerungstag der Seeschlacht am Tsushima. Vor vier Jahren seien die Blicke aller Völker auf das blutige Drama gelenkt worden, das sich abspielte, als der Riese Rußland mit dem kleinen Japan in blutiger Fehde lag, zwei Schlachtflotten sich kreuzten und die russische Armada fast vollständig vernichtet wurde. Ein glänzender, fast nie dagewesener Sieg sei daraus hervorgegangen und zu einem modernen Nelson sei Admiral Togo geworden. Und daraus ging ein Aufsteigen Japans zur Großmacht hervor, ein lebhafter Aufschwung seines kulturellen Lebens im Austausch materieller und geistiger Güter. Japan sei ein glücklicher Staat. Es habe einen energischen, tüchtigen Kaiser an seiner Spitze, der sich im fernen Osten als ein Hort des Friedens erweise und in dieser Beziehung den Glanz mit unserem edlen Kaiser teile. Japan und Deutschland durchleben eine gleich glorreiche Gegenwart. Wie dieses aus elender Zerrissenheit zur Einheit sich emporgeschwungen, so habe auch Japan das Glück empfunden, aus seiner Zerfahrenheit herauszukommen. Redner widmete den beiden erhabenen Herrschern, dem Kaiser von Japan und dem Kaiser von Deutschland, unter denen die Länder unter den Segnungen des Friedens gedeihen, ein freudiges dreifaches Hoch. Auch Herr Professor Dr. Georg Steindorff sprach an dem nationalen Festtag der Japaner. Hinüber und herüber gingen weiter die Reden. Man feierte die deutsche Gastfreundschaft und das gute Verhältnis zwischen Japanern und Deutschen, sang bald deutsch, bald japanisch und erfreute sich an auserlesenen musikalischen Darbietungen. Als dann das Musikkorps des 106. Regiments die kraftvollen schwermütigen Klänge der japanischen Nationalhymne „Kimigajo“ ertönen ließ, waren die Männer des fernen Ostens voll heller Freude. [4] Den Teilnehmern der Tsuschima-Feier, die Herr Kommerzienrat Sußmann am Sonnabend zur Erinnerung an den Seesieg der Japaner über die Russen bei Tsuschima (27. und 28. Mai 1905) im „Palmengarten“ veranstaltet hatte, wird der Augenblick unvergeßlich bleiben, als in der Mitternachtsstunde in den dunklen Schatten der Bäume, bei Fackelbeleuchtung der ehrwürdige Gastgeber an der von ihm zur Erinnerung an den Tag von Tsuschima gestifteten „Japanischen Laterne“ die anwesenden Japaner bat, ihre Nationalhymne zu singen. Feierlich klangen die Töne durch die Stille der Nacht, und brausend antworteten die Deutschen mit „Deutschland, Deutschland über alles“. Die eigentliche … Weiterlesen

Musikdirektor Gustav Sabac-el-Cher in Leipzig – Dirigent

Vom nächsten Sonntag, den 1. August, ab wird neben den bewährten hiesigen Capellen das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ Nr. 1 aus Königsberg i. Pr. auf dem Ausstellungsplatz concertiren. Der Capelle geht ein ganz vorzüglicher Ruf voraus und soll dieselbe über ein ungewöhnlich reiches Repertoire verfügen. Ein ganz besonderes Interesse dürfte aber der Dirigent des Musikcorps, Herr G. Sabac el Cher, selbst erwecken, weil er der erste und einzige schwarze Capellmeister der deutschen Armee ist. Er ist der Sohn eines *POCs, welchen Prinz Albrecht von Preußen am Hofe des Vicekönigs von Egypten kennen gelernt und als Kammerdiener nach Berlin gebracht hatte. Mit Ausnahme seiner schwarzen Hautfarbe erinnert jedoch nichts mehr an die afrikanische Abstammung des Königsberger Musikdirektors, er gilt vielmehr als ebenso schneidiger Soldat, wie vorzüglicher Musiker, der mit seiner wohlgeschulten Capelle stets Beifall und Anerkennung findet. Es ist deshalb auch anzuerkennen, daß uns der Festausschuß mit diesem vielversprechenden Musikcorps und seinem interessanten Dirigenten bekannt macht. [1] Wie schon angekündigt, beginnt am Sonntag, den 1. August, das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III“ Nr. 1 aus Königsberg unter seinem schwarzen Dirigenten, dem Musikdirector G. Sabac el Cher, seine Concerte auf dem Ausstellungsplatze. Die anerkannt vorzügliche Capelle wird zwei Theile ihres auserwählten Programms im Pavillon beim Café und zwei Theile in dem neben dem Hauptrestaurant befindlichen spielen. Es steht zu erwarten, daß die wohlgeschulte Capelle wie überall so auch hier reichen Beifall und wohlverdiente Anerkennung finden wird. [2] Sabac el Cher. Dies ist der Name des einzigen schwarzen Kapellmeisters, den die deutsche Armee besitzt. Er steht an der Spitze des Musikcorps vom königl. Preußischen Grenadierregiment König Friedrich III. (1. ostpreußisches) Nr. 1, das zu Königsberg i. Pr. garnisonirt. Die Kapelle spielte im Juli d. J. auf der Internationalen Kunstausstellung zu Dresden und fand für ihre vortrefflichen Leistungen stets lebhaften Beifall der Zuhörer. Ihr Kapellmeister, ein sehr hübscher Mann, fesselte natürlich das Interesse des Publikums in besonderem Grade. Sabac el Cher ist von Geburt ein Deutscher. Sein Vater stammte aus Unterägypten und war als Kind am Hofe des Vicekönigs von Aegypten in Kairo zur Erziehung. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen, ein Bruder Kaiser Wilhelm’s I., kennen, der ihn nach Berlin brachte, wo er sich mit einer Berlinerin verheirathete und im Hofhalt des genannten Prinzen das Amt eines Silberverwalters übertragen erhielt. Im Jahre 1867 beschenkte ihn seine Gattin mit einem Sohn, der bis zum 14. Jahre in die Bürgerschule ging und bereits im 8. Lebensjahre die Violine zu spielen begann. Von 1881 bis 1885 besuchte er ein Musikinstitut zu seiner weitern Ausbildung und trat in dem zuletzt genannten Jahr bei der Kapelle des königl. preußischen Füsilierregiments Prinz Heinrich von Preußen (brandenburgisches) Nr. 35 in Brandenburg a. d. H. als Hautboist und Soloposaunist ein. Nach mehrjähriger Thätigkeit als solcher besuchte er von 1893 bis 1895 die königl. Hochschule für Musik in Berlin und nahm Unterricht bei den Professoren Joachim, Bargiel, Härtel, Koßleck, Roßberg u. a. Nach gut bestandenem Examen wurde er im letztgenannten Jahr nach Königsberg berufen zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadierregiment. Er bekleidet diesen Posten noch heute, und seine Kapelle findet überall, wo sie concertirt, Anerkennung und Beifall. Dies ist in knappen Umrissen die Lebensgeschichte des einzigen schwarzen Kapellmeisters der deutschen Armee. – Dch. [3] Seit wenigen Tagen läßt sich im Parke der Internationalen Kunstausstellung die Kapelle des Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 aus Königsberg hören und findet allabendlich trotz des für Gartenconcerte leider recht wenig günstigen Wetters Zuspruch und für ihre Vorträge stets reichlichen Beifall. Das Interessanteste an der Kapelle ist für das Publikum jedenfalls der Dirigent Sabac-el-Cher, der einzige schwarze Kapellmeister des deutschen Heeres. Ueber ihn und seine Carriere in Deutschland ist Folgendes bekannt: Sabac-el-Cher wurde 1867 als der Sohn eines gleichnamigen Silberverwalters, welcher lange Jahre im Dienste des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen stand, geboren. Bis zum 14. Jahre besuchte der Knabe eine höhere Bürgerschule und fing bereits im 8. Jahre an Violine zu spielen. Vom 14. bis 18. Jahre besuchte er ein Musikinstitut und trat 1885 bei der Kapelle des Füsilier-Regiments Nr. 35 als Hautboist ein. Dann besuchte er 1893-1895 die königliche Hochschule für Musik in Berlin und wurde 1895 zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadier-Regiment nach Königsberg berufen. Sein Vater stammte aus Unter-Egypten und war als Kind am Hofe des Vice-königs von Egypten in Kairo. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen kennen und brachte ihn nach Berlin, woselbst Sabac-el-Cher eine Berlinerin heirathete. Daß er als Musiker etwas Tüchtiges gelernt hat, beweisen die Leistungen seiner Kapelle, die mit Geschmack und einer für einen Militärkapellmeister beinahe erstaunlichen Ruhe leitet. Das Zusammenspiel ist dabei exakt und von jener straffen Rhythmik, die so charakteristisch für die deutsche Militärmusik ist; Holz und Blech sind gleich gut besetzt, und auch an tüchtigen Solisten scheint es dem Orchester nicht zu fehlen. Die dynamischen Schattirungen werden tadellos herausgeholt, was vorgestern namentlich das Vorspiel zum dritten Akte aus „A basso porto“ von Spinelli bewies, während der Vortrag des Strauß‘ schen Walzers „Wo die Citronen blühen“ durch zarte Uebergänge und seine Pianos überraschte. Die Programme sind ein augenscheinlich in Rücksicht auf ein nicht allzu musikalisch anspruchsvolles Publikum zusammengestellt, da sie meist populäre Musikstücke enthalten; das Fehlen Wagner‘s in der Reihe der Komponistennamen überrascht aber doch etwas, da man heutzutage auf dem Programm jedes Militärconcerts dem Meister von Bayreuth zu begegnen gewohnt ist. Hoffentlich bessert sich bald das Wetter, damit die trefflichen Leistungen Sabac-el-Cher‘s von einem recht zahlreichen Publikum in den nächsten Tagen gewürdigt werden können. [4] There are bandmasters and bandmasters, pretty well the world over. About the most famous of them is Lieutenant „Dan“ Godfrey, supreme over the band of the Grenadier guards. Himself the son and grandson of bandmasters, he has passed the talent on. His three sons are likewise bandmaster. The original Godfrey, Charles by name, led the band of the Coldstream guards in the days before Waterloo, and wielded the baton a matter of forty years. His son and successor, Frederick, conducted for something like twenty years. The third … Weiterlesen

Aus der Presse – Alle vier Jahreszeiten im Palmengarten

Wie aus dem in vorliegender Nummer enthaltenen Inserat ersichtlich ist, beginnt morgen, Montag, die Ausgabe der Dauerkarten des Leipziger Palmengartens für das Jahr 1901. Zum dritten Male seit Bestehen des Palmengartens ergeht damit die Einladung an die Einwohnerschaft unserer Stadt, diese im öffentlichen Interesse in‘s Leben gerufene schöne Schöpfung Leipziger Bürger durch Entnahme von Dauerkarten zu fördern und so dazu beizutragen, daß diese hervorragende Zierde Leipzigs, um die uns wohl manche Großstadt mit Recht beneidet, auch ferner auf der jetzigen Höhe erhalten und noch weiter ausgestaltet werden kann. Die bisherigen, in Anbetracht der Gediegenheit und Fülle des Gebotenen überaus mäßigen Preise der Dauerkarten sind auch für das Jahr 1901 beibehalten worden. Dabei ist noch die gewiß vielen Abonnenten willkommene Einrichtung getroffen worden, daß dieselben für ihren Besuch, den sie von auswärts erhalten, Monatskarten entnehmen können. Diese Karten, welche nur im Anschluß an eine Dauerkarte verabfolgt werden, sind vom Tage der Ausstellung ab 30 Tage giltig und kosten für eine Familie 10 Mark und für eine einzelne Person 5 Mark. Daß es die Leitung des Palmengartens auch im neuen Jahre an nichts fehlen lassen wird, um auf gärtnerischem Gebiete das denkbar Beste zu bieten, braucht nach den bisherigen Erfahrungen kaum besonders hervorgehoben zu werden. Wir erinnern nur an die entzückenden Arrangements im großen Blumenparterre, welche fast alle Monate wechseln und an die in den letzten Wochen veranstaltete, mit so großem Beifall aufgenommene Chrysanthemum-Ausstellung. Aber auch nach allen anderen Richtungen hin ist, wie hinlänglich bekannt, die Direktion stets eifrig bemüht, den Aufenthalt im Palmengarten so angenehm als möglich zu gestalten. So sei beispielsweise nur angeführt, daß im Jahre 1900 an 286 Concerttagen nicht weniger als 477 Musikaufführungen, darunter 10 Symphonie- und 5 Unterhaltungs-Concerte des Winderstein-Orchesters im Palmengarten stattgefunden haben. Zur Ausführung der Concerte werden, um den Wünschen der Besucher nach Abwechselung Rechnung zu tragen, wie in diesem Jahre neben vorzüglichen hiesigen und sächsischen Civil- und Militärcapellen, auch in Zukunft wieder eine Anzahl auswärtiger Musikcorps von hervorragendem Rufe herangezogen werden. Nicht unerwähnt möchten wir auch die im letzten Spätsommer zum ersten Male veranstalteten glanzvollen Illuminationen lassen, die in Folge des außerordentlichen Beifalles, den sie gefunden haben, in Zukunft öfter und sogar in noch größerem Umfange wiederholt werden dürften. Wie wir erfahren, sollen auch, um vielfach geäußerten Wünschen gerecht zu werden, im Frühjahre an den beiden Cassenstellen Einrichtungen zum Einstellen von Rädern und Sportwagen geschaffen werden. Es empfiehlt sich deshalb die Entnahme einer Dauerkarte des Palmengartens nicht nur vom localpatriotischen, sondern auch vom rein praktischen Standpuncte aus für Jeden, der Sinn für das Edle und Schöne besitzt und sich und seinen Angehörigen für ein geringes Entgelt Anregung, Erholung und gediegene Unterhaltung verschaffen will. Die Dauerkarten für das Jahr 1901 haben bereits für den December dieses Jahres Giltigkeit, eine Einrichtung, welche gewiß bei Denjenigen, die bisher noch nicht abonnirt waren, großen Anklang finden wird. [1] Die schöne Sitte, seinen Angehörigen und Freunden eine Dauerkarte des Palmengartens auf den Weihnachtstisch zu legen, findet von Jahr zu Jahr weitere Verbreitung. Man kann sich auch kaum ein sinnigeres Geschenk für Jung und Alt denken, als eine solche Karte, die den Inhaber während eines vollen Jahres zum Besuche unseres Palmengartens und der zahlreichen Veranstaltungen, die in demselben stattfinden, berechtigt. Welcher bisherige Abonnent des Palmengartens dächte nicht mit Freuden an die stets wechselnden, entzückenden Blumen-Arrangements, und an die reichen Pflanzenschätze des imposanten Palmenhauses, wer erinnerte sich nicht gerne der reizvollen Illuminationen der weit ausgedehnten Parkanlagen, des angenehmen Aufenthaltes in den vornehmen Räumen des Gesellschaftshauses, auf den blumengeschmückten Terrassen und in dem schattigen Restaurationsgarten und wer hätte sich nicht über die zahlreichen guten Concerte gefreut, die theils im Concertparke, theils in dem großen Festsaale veranstaltet worden sind. Daß es dabei an Abwechslung nicht qefehlt hat, ist aus Nachstehendem ersichtlich. Die 477 im Jahre 1900 im Palmengarten abgehaltenen Musikaufführungen, welche sich auf 230 Nachmittags-, 245 Abend- und 2 Morgen-Concerte vertheilen, sind von nicht weniger als 29 verschiedenen Capellen ausgeführt worden. Darunter befanden sich 5 Leipziger Militär- und, außer dem Winderstein-Orchester, 3 Leipziger Civilcapellen, 5 Militärcapellen aus anderen sächsischen Garnisonen, 3 preußische Militärcapellen, 1 Berliner Civilcapelle (von Blon), 1 kaiserlich deutsche Marinecapelle, 2 Militärcapellen aus thüringischen Staaten, 1 aus Mecklenburg, 1 aus Schweden. Italien war mit 2 Stadt-Capellen und Amerika mit der sensationellen Sousa-Capelle vertreten. [2] [1] Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 25. November 1900. Sonntagausgabe, S. 9242. [2] Vom Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 9. Dezember 1900. Sonntagausgabe, S. 9653.

Aus der Presse – Erstes Symphonie-Concert im Palmengarten

Wenige Stunden nach einer wirthschaftlichen Veränderung des Betriebes — es handelte sich um die Besitznahme der Gastwirthschaft des Leipziger Palmengartens durch den neuen Pächter derselben, Herrn Carl Bieling, — stand vorgestern Abend [am 3. Oktober 1900] Herr Capellmeister Hans Winderstein auf dem Podium des großen Concertsaales, um das erste seiner für die Wintersaison jeden Mittwoch in Aussicht genommene Symphonieconcert zu leiten. Damit trat er zugleich nach der Rückkehr von seiner jüngsten Concerttournee in unseren Mauern zum ersten Male wieder an die Oeffentlichkeit. Der Besuch dieses Concerts war ein über alles Erwarten zahlreicher, so daß Saal und sämmtliche Nebenräume kaum die Erschienenen zu fassen vermochten. Er wird die Direction des Leipziger Palmengartens belehrt haben, daß sie mit diesen bedeutsamen musikalischen Veranstaltungen, deren regelmäßige Abhaltung Monate lang verbürgt ist, das Richtige getroffen hat, um sich die Besucher des Etablissements auch im Winter für vornehme musikalische Genüsse dankbar zu machen. Gerade dieser Standpunct, die Concerte des Palmengartens auf einem gediegenen künstlerischen Niveau zu erhalten, wird für sie immer ein unabänderlicher bleiben müssen; er ist auch insofern nicht schwierig, als sie sich hierbei von ausgezeichneten heimischen Kräften unterstützt sieht. In diesem Sinne wurde das erste, vom gesammten, 55 Mitglieder zählenden Winderstein-Orchester ausgeführte Symphonie-Concert zu einem musikalischen Ereigniß, dessen Bedeutung das tausendköpfige Auditorium recht wohl zu würdigen wußte. In den Mittelpunct der Concerts hatte Herr Capellmeister Hans Winderstein Beethoven’s Symphonie Nr. 5 (C moll) gestellt und damit dem Abend die Signatur der vollsten Weihe gegeben. Mit außerordentlicher Frische und Kraft ergriff der gesammte Orchesterkörper seine Aufgabe, das gewaltige Tonstück in seinen drei Sätzen zu vermitteln, das motivenreiche Allegro con brio mit seinen schwierigen Einsätzen, dann das in klarem Fluß wiedergegebene Andante con moto, endlich das fast übermüthige, lebensfreudige Scherzo mit dem schwungvoll ausklingenden Finale, Alles trefflich nüancirt und einheitlich wiedergegeben. Dieser Ausdrucksfähigkeit des Orchesters, wie sie in Beethoven’s Meisterwerk sich zeigte, dieses intime Eingehen auf die Feinheiten der Composition war auch bei den übrigen Programmnummern zu begegnen, so vor Allem in dem Vorspiel zu „Lohengrin“, in welchem die Geiger sich zu einem tadellosen Zusammenspiel von zartester Reinheit vereinten, um für das spätere, kraftvolle Herauswachsen der übrigen Orchesterstimmen den sinnigsten Gegensatz zu bilden. Die Nummer wurde lebhaft applaudirt, ebenso das folgende reizvolle Rondo capriccioso für Violine von Saint-Saens, zu dessen Interpreten Herr Concertmeister Pick-Steiner wurde. Sein Spiel war technisch vollendet und von glänzender Wirkung. Hierbei fielen die akustischen Verhältnisse des Saales in günstigstem Sinne ins Gewicht: die Verlegung des Orchesters in den Saal selbst ließ Solospiel und polyphones Zusammenwirken gleich vortheilhaft genießen. Svendsen, von dem eine Norwegische Rhapsodie Nr. 2 zu Gehör kam, hat diese auf zartsinnigen Motiven aus Tänzen und Volksliedern aufgebaut; sie wurde sehr charakteristisch wiedergegeben. Ebenso gewann die zum ersten Male aufgeführte Lustspiel-Ouverture von Buhle (Herrn Eugen Segnitz zugeeignet), die in vornehmer Auffassung ansprechende Themen verwendet, die Gunst der Hörer. Von den beiden Compositionen Tschaikowsky’s, einem von Erdmannsdörfer instrumentirten melodiösen Chanson sans paroles und einem Walzer aus dem Ballet „Dornröschen“, gefiel namentlich letzterer in seiner flotten Behandlung. Die Hörerschaft nahm das Concert, welches mit dem türkischen Marsch aus Beethoven’s „Ruinen von Athen“ begonnen und mit Chopin’s effektvoller A dur-Polonaise schloß, mit großem Beifall auf und gab dem Orchester und seinem ausgezeichneten Dirigenten damit die verdiente Ermunterung zu neuen künstlerischen Thaten in dem kommenden Cyklus der für weite Kreise berechneten Symphonie-Concerte des Leipziger Palmengartens. Erstes Symphonie-Concert im Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 5. Oktober 1900. Frühausgabe, S. 7860.

Aus der Presse – Erste große Illumination im Garten

Unsere Bewohnerschaft erinnert sich gern der Tage der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung und der mit dieser verknüpft gewesenen mannigfachen Unterhaltungen, zu denen in erster Linie die wohlgelungenen prächtigen Illuminationen der Anlagen zu zählen waren. Nicht zum wenigsten mag diese eindrucksvolle Erinnerung an jene Eliteabende gestern Anlaß zu dem gewaltigen Besuch gegeben haben, dessen sich der Leipziger Palmengarten zu der von ihm veranstalteten ersten großen Illumination erfreute. Wir entsinnen uns nicht, zu einem der Abendconcerte im Garten jemals einen so riesigen Andrang gesehen zu haben, wie es gestern der Fall gewesen, wo durch beide Thore des Palmengartens, sowohl von der Plagwitzer als auch von der Lindenauer Seite unaufhörlich dichte Schaaren von Concertbesuchern strömten und nun alle Wege und Plätze ringsum das große Gesellschaftsgebäude füllten. Wohl war der Abend kühl, aber zum Promeniren willkommen, dazu kam ein sternenklarer Himmel, so daß die Illumination, begünstigt von solchen Factoren, sich in ihrer ganzen effectvollen Schönheit zu entfalten vermochte. Wohin das Auge blickte, überall sah es das reizende, bunte Lichterspiel der Prismenlämpchen, die in symmetrischer Anordnung den weiten Plan mit ihrem Schimmer erfüllten; das geometrische Schnörkelwerk des weiten Parterre der Teppichbeetanlagen war in blaßgrünen und tiefrothen Farben leuchtend nachgezeichnet worden, und am Saume der Terrasse vor dem Hauptgebäude zogen sich ringsum lange Lichterlinien, während auf den Pergolen des letzteren die bunten Lampen gleich Perlenreihen erglänzten und rothverkappte Bogenlampen auf den hohen Masten am Wege magisch leuchteten. Weithin, bis zum Ritterwerder, waren die von Tausenden belebten Promenadenwege von Leuchtlämpchen aller möglichen Farbenvariationen eingefaßt, auch der vielfach geschwungene Uferrand des großen Weihers, dessen lichtglitzernder Saum sich im stillen Wasser wirkungsvoll widerspiegelte. Dort rauschte dann die viel bewunderte Leuchtfontaine empor, bald stahlblaue Strahlen zum Himmel sendend, bald in tieforangefarbenen oder silberweißen, grünen, rothen, gelben Wassern sprühend. Wer am Wasserfall stand und bis zum Gartenhaus am Westrand mit seiner lichterbesetzten Front hinüberschaute, der nahm ein entzückendes Bild der gesammten lichtschimmernden Anlagen auf, der erfreute sich an dem geschickten Arrangement des mit rund 20 000 Lampen ausgerüsteten Illuminationswerkes, einem Arrangement, das alle Hauptpartien des Gartens mit bunten Effecten bedachte. Im Orchester, um das sich ein großer Lichtbogen wölbte, spielte das Musikcorps des 134. Regiments unter Meister Jahrow‘s Leitung mit unverwüstlicher Frische. Ihm lauschten Abertausende. Schätzte man doch an diesem Illuminationsabend die Zahl der in Garten und Saal weilenden Besucher auf rund 12 000. Wie wir erfahren, ist die gesammte Installation der Illumination von der hiesigen Firma Eißner & Co., Radeberger Glasniederlagen am Roßplatz, vorgenommen worden. — in. Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 29. August 1900, Abendausgabe. Beilage, S. 6847.

Amerikanischer Marschkönig John Philip Sousa – Dirigent

Den Musikfreunden wird während der bevorstehenden Sommermonate eine ganz besonders reiche Abwechslung geboten werden. Wie bereits mitgetheilt, giebt in der Zeit vom 10. bis 13. Juni das aus 76 Künstlern bestehende amerikanische Orchester unter Leitung des Componisten John Philipp Sousa täglich zwei Concerte im Palmengarten. Dieses Gastspiel dürfte sich zu einem bedeutsamen Ereigniß für unsere Musikstadt Leipzig gestalten. Außer diesem hier zum erstenmale erscheinenden Orchesterkörper werden noch eine größere Anzahl von Militärcapellen aller Waffengattungen im Palmengarten concertiren, darunter auch das als beste deutsche Militärcapelle bekannte und von unserem Kaiser wiederholt ausgezeichnete Musikcorps des großherzoglich badischen Leib-Grenadierregiments aus Karlsruhe, dessen genialer Dirigent, der königliche Musikdirector Adolph Boettge, seine weit und breit berühmt gewordenen historischen Concerte bieten wird. Vielfachen Wünschen entsprechend sind auch für diesen Sommer wieder mit den Capellen des 27. Infanterie-Regiments aus Halberstadt und des 32. Infanterie-Regiments aus Meiningen Verträge abgeschlossen worden. [1] Zum ersten Male seit 22 Jahren kommt eine amerikanische Kapelle nach Deutschland, und zwar die des Kapellmeisters und Komponisten John Philip Sousa aus Washington, die demnächst im Bergkeller Konzerte veranstalten wird. Sousa erhielt seine musikalische Ausbildung in Amerika, war schon mit elf Jahren Solo-Violinist, dirigierte mit 17 Jahren ein Orchester und ist jetzt der erfolgreichste Musiker der „Neuen Welt“. Sousas bisher veröffentlichte Kompositionen zählen 300 Nummern, die 70 seiner charakteristischen Märsche, vier erfolgreiche Operetten, symphonische Dichtungen, Suiten ec. umfassen. Diese deutsche Rundreise der John Philip Sousa-Kapelle ist dadurch ermöglicht worden, daß sie die offizielle amerikanische Kapelle bei der diesjährigen Pariser Weltausstellung ist. Die Programme sollen aus den besten Kompositionen aller Völker zusammengestellt sein. [2] Concerte im Leipziger Palmengarten. Wie bei dem vortrefflichen Rufe, deren sich die Regimentscapelle der 27er aus Halberstadt erfreut, nicht anders zu erwarten ist, üben die Concerte derselben zur Zeit eine große Anziehungskraft aus. Herr Musikdirector Hellmann leistet mit seiner erprobten Schaar thatsächlich ganz Vorzügliches und erntet nach jedem Vortrage wohlverdienten Beifall. Die Concerte der 27er finden während dieser Woche einschließlich Sonntag, den 13. Mai, täglich Nachmittags und Abends statt. Vom 14. bis 19. Mai concertiren abwechselnd die hiesigen Militärcapellen, während am 20. Mai der bekannte Componist Franz von Blon mit seinem Berliner Philharmonischen Blas-Orchester ein auf 5 Tage, d. i. bis einschließlich Himmelfahrt, berechnetes Gastspiel eröffnet. Vom 31. Mai bis 5. Juni (Pfingsten) spielt die berühmte Capelle des 7. bayerischen Infanterie-Regiments aus Bayreuth, vom 10. bis 13. Juni die Amerikanische Militärcapelle unter Leitung des Componisten Sousa, Ende Juni erscheinen die beliebten 32er aus Meiningen, Anfang Juli auf einige Tage die Capelle des I. bayr. Ulanen-Regiments aus Bamberg, vom 8. bis 15. Juli königl. Musikdirector Adolf Boettge aus Karlsruhe mit seinen historischen Concerten, in den letzten Tagen des Juli die großherzogl. mecklenburgische Grenadier-Capelle, zugleich Hofcapelle des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz, im August die als vorzüglich bekannten Capelle des 9. bayer. Infanterie-Regiments „Wrede“ aus Würzburg und schließlich während der Manöverzeit das von der 1897er Ausstellung her noch bestens bekannte Musikcorps des kaiserl. I. Seebataillons aus Kiel. [3] John Philip Sousa, unbestritten der hervorragendste unter den amerikanischen Capellmeistern und Componisten, wird von Sonntag, den 10., bis einschließlich Mittwoch, den 13. Juni 1900, seine vielbewunderte Capelle im Palmengarten vorführen. Sousa, dessen populären, frischen Märsche (Washington-Post, Liberty Bell, Stars and Stripes Forever, und viele andere) seinen Namen einen Weltruf verliehen haben, ist 12 Jahre lang Dirigent der Nationalcapelle der Vereinigten Staaten-Regierung gewesen und hat seine jetzt bestehende Concertcapelle, die unter den gegenwärtig existirenden Orchesterkörpern eine ganz eigenartige Stellung behauptet, selbst organisirt. In den letzten 8 Jahren hat diese Capelle nicht weniger als 4000 Concerte in den Hauptstädten der Vereinigten Staaten und Canadas gegeben. Auf der Weltausstellung in Chicago, den Industrie-Ausstellungen in St. Louis, Missouri und Pittsburg war die Sousa-Capelle das officielle Ausstellungs-Orchester. Durch seine überaus anziehende Dirigirungskunst ist Sousa der Liebling des amerikanischen Volkes geworden, und die ersten Kritiker haben die Leistungen seiner Capelle als ganz vorzügliche anerkannt. Für die Pariser Weltausstellung ist die Sousa-Capelle als officielle musikalische Vertretung der amerikanischen Regierung erwählt worden, und diesem Umstande dürfen wir auch nur die interessante Bekanntschaft mit dieser Capelle verdanken. Der Erfolg, den Sousa bei seinem Auftreten in Paris und seit einigen Tagen in Berlin, wo er täglich im Neuen königlichen Operntheater, früher Kroll, spielt, zu verzeichnen hat, ist ein bedeutender. [4] Am Sonntag Vormittag trifft der amerikanische Componist und Dirigent John Philip Sousa mit seinem Orchester hier ein, um bereits an demselben Tage sein erstes Concert im Palmengarten zu geben. Wie zu der Berlin im Neuen Königlichen Operntheater und zu Hamburg in Ludwig‘s Concerthaus, so veranstalten die Amerikaner auch hier ihre Concerte, welche bekanntlich von Sonntag, den 10. bis einschließlich Mittwoch, den 13. Juni, stattfinden, auf eigene Rechnung. Es macht sich deshalb nothwendig, an den genannten 4 Tagen von Nachmittags 2 Uhr ab die Giltigkeit der Dauerkarten des Palmengartens aufzuheben. Die Abonnenten genießen jedoch den Vortheil, daß ihnen von 2 Uhr ab der Zutritt zum Garten und damit auch zu den Sousa-Concerten gegen Bezahlung von 50 pf. Für Erwachsene und 25 pf. Für Kinder zusteht. Inhaber von Actionärkarten haben kein Eintrittsgeld zu entrichten. Für Personen, welche weder Actionäre, noch Abonnenten des Palmengartens sind, beträgt das Eintrittsgeld am Sonntag, den 10. Juni 1 Mark, Kinder 50 pf.; am Montag, Dienstag und Mittwoch dagegen bis 2 Uhr Nachmittags 1 Mark, Kinder 50 pf., nach 2 Uhr 1,50 Mark für Erwachsene und 75 pf. für Kinder. Mit welch gewaltigen Unkosten Sousa‘s großartige Concert-Unternehmung verbunden ist, dürfte daraus hervorgehen, daß allein die an die einzelnen Künstler zu zahlenden Honorare zwischen 35 und 200 Dollar für die Woche schwanken, was einen recht stattlichen Gegenetat darstellt. Die letztgenannte, für europäische Verhältnisse enorme Gage beziehen acht Capellmeister, welche der Sousa-Capelle als Solisten angehören und, wie Mr. Clarke und Mr. Pryor, fast ausschließlich eigene Compositionen zum Vortrag bringen. [5] Morgen Sonntag eröffnet das amerikanische Orchester unter Leitung John Philip Sousa‘s sein auf 4 Tage berechnetes Gastspiel im Palmengarten. Die Programme werden außer den Perlen europäischer Tonkunst auch eine Auslese der beliebtesten Compositionen Sousa‘s enthalten und sicher auch hier mit demselben großen Beifall ausgenommen werden, wie dies in Berlin und Hamburg der Fall war. [6] Nun hat der … Weiterlesen

Ein Blick in die Literatur – Der Palmengarten zu Leipzig

Im Westen der alten Lindenstadt Leipzig, dicht vor den Stadtteilen Lindenau und Plagwitz, ist auf dem früheren Kuhturmgrundstück und dem angrenzenden Waldgebiet am 29. April d. J. der Leipziger Palmengarten eröffnet worden. Wenn wir durch den südlichen der beiden Zugänge, von der Plagwitzer Straße her, in die rund 200 000 qm umfassende Anlage eintreten, befinden wir uns in schattigem Waldparke, aus dem wir auf einer Brücke über die Elster in den eigentlichen Palmengarten gelangen. Links führt der Weg auf einen Hügel hinauf, von dem wir einen überraschend schönen Anblick genießen. Unter weiser Ausnutzung der zu Gebote stehenden Mittel hat die Kunst des Gärtners ein Landschaftsbild hervorgezaubert, das mit allen Reizen der Natur ausgestattet ist. Vor uns dehnt sich ein blinkender Weiher, über dessen schmale Ausläufer sich zierliche Brücken spannen und der von weiten samtenen Rasenplänen umrahmt ist, die mit buntem Gehölz und formschönen Koniferengruppen umsäumt sind. Hier und dort schiebt sich ein malerischer Pavillon dazwischen, und aus dem Hintergrund grüßt das hohe Gesellschafts- und Palmenhaus wie ein Schloß zu uns herüber. Von dem Hügel, dessen Inneres eine Felsgrotte bildet, rauscht ein Wasserfall in den Weiher hinunter. Grotte und Wasserfall erglänzen bei Einbruch der Dunkelheit in elektrischem bunten Lichte. Ein anziehendes Schauspiel bietet die Leuchtfontäne dar, die aus der Mitte des Weihers ihre mächtigen Wassergarben emporschleudert, deren wechselvolles Spiel am Abend in märchenhafter Farbenpracht elektrisch erstrahlt. Im Sommer werden sich Gondeln mit fröhlichen Menschen auf dem Wasserspiegel schaukeln und im Winter, wenn „vom jungen Froste die Bahn ertönt“, werden der Jugend rotwangige Scharen auf sausendem Stahlschuh über die blanke Eisfläche dahingleiten. Promenadenwege führen, wenn wir uns rechts halten, nach dem Rosengarten, in dem die Königin der Blumen in allen möglichen Spielarten durch Farbenpracht und Duft Sinne und Herz erfreuen wird. Wir gelangen an einem Turn- und Spielplatze für die Jugend vorüber zu den Frühbeetanlagen und Gewächshäusern für Palmen- und Warmhauspflanzen sowie zur Vermehrung und Anzucht von Teppichbeet- und Gruppenpflanzen. In eine dieser stillen Werkstätten des Gärtners schauen wir beim Vorüberschreiten hinein. Da drinnen geht es ziemlich bunt zu. Tausenden farbiger Pflänzchen wird hier im warmen feuchten Sande auf die Wurzeln geholfen. Es ist das Atelier, in dem der Gartenkünstler seine Farben mischt, mit denen er die herrlichsten Teppichgemälde ausführt. Doch nun wieder weiter! Indem wir Verwaltungs- und Restaurationsgebäude rechts liegen lassen, gelangen wir durch den Konzertpark hinüber zum Glanzpunkt der ganzen Anlage, dem von breiten Terrassen umgebenen und mit vier Türmen geschmückten Gesellschafts- und Palmenhaus. Wenn wir es von Osten, Norden oder Westen betreten, gelangen wir in kleinere geschmackvoll dekorierte Säle für Restaurations- und Gesellschaftszwecke, deren Ausgänge nach innen zum großen Konzertsaal führen. Dieser wird durch drei mächtige mit Glasmalereien versehene Bogenfenster erhellt, unter denen breite Galerien hinlaufen. Die Wände ziert reicher plastischer und malerischer Schmuck, welcher die Tages- und Jahreszeiten versinnbildlicht, und von der bronzefarbenen Decke hängen vier mächtige Kronleuchter herab. Im Süden grenzt an den Saal das Palmenhaus an, das auf einer Fläche von 1276 qm aus Eisen und Glas erbaut ist und in der Höhe 22 m mißt. Beide sind nur durch eine Glaswand voneinander getrennt, durch welche man diese Wunderschöpfung betrachten kann. Wir treten durch eine der seitlichen Pforten, die uns hineinführt in die mit Ueppigkeit emporschießende südliche Pflanzenwelt. Ein heilig ernstes Gefühl überkommt uns, und mit Bewunderung schauen wir zu den „Königinnen des tropischen Urwaldes“ auf. Die Fächerpalmen – Chamaerops, Latania, Corypha u. a. – breiten ihre mächtigen Wedel wie ein undurchdringliches tiefgrünes Schutzdach über uns aus und erinnern daran, daß aus der Aehnlichkeit ihrer Blätter mit der flachen menschlichen Hand (palma) der Name für die gesamte Pflanzenfamilie hergeleitet ist. Die Gattung Rhapis, eine Bewohnerin Ostasiens, bildet mit ihren rohrähnlichen Stengeln undurchsichtige Dickichte, und die schlanke Kokospalme, „deren nützliche Anwendungen zahlreicher sein sollen als die Tage im Jahre“, strebt kerzengerade zur Höhe empor. Mitten am Stamme einer Areca sind soeben die zwei kahnförmigen Hüllblätter aufgesprungen und der dicht mit lila rötlichen Blüten besetzte vielverzweigte Kolben ist zum Vorschein gekommen. Leichtblättrige Bambusse und baumartige Farren mischen sich unter die hohe Gesellschaft, die dadurch nicht an Ansehen verliert. Der sanft geneigte Boden ist mit Lycopodium dicht bepflanzt, und von diesem leuchtend grünen Moosteppich heben sich unter Gruppen schöner Blattpflanzen verschiedene Musa-Arten wirkungsvoll ab. Eine Quelle plätschert von Stein zu Stein, und aus einem Bassin, auf dem allerlei Wasserpflanzen schwimmen, steigt ein Springbrunnen lustig empor. Von einer malerisch dekorierten Felsgrotte an der südlichen Wand, durch die eine Thür ins Freie führt, grüßt die Sagopalme (Cycas) herab, aus deren gedrungenem schuppigen Stamm sich eine dichte Krone erhebt. Einen großartigen Anblick gewährt die majestätische Dattelpalme, Phoenix genannt, die allen feindlichen Einflüssen zum Trotz sich stets von neuem verjüngt. Sie genoß schon frühzeitig bei den Arabern göttliche Verehrung. Ihre gefiederten Blätter sollen Jesus Christus bei seinem Einzug in Jerusalem zum Zeichen der Huldigung auf den Weg gestreut worden sein, und heute noch werden sie in südlichen Ländern am Palmsonntag in diesem Sinne zu religiösen Feierlichkeiten gebraucht. Dort fällt auch eine Sabal durch ihre großen mattglänzenden fächerförmigen Blätter auf, hier die im Lande der Antipoden heimische gefiederte Kentia durch eleganten Wuchs, und noch viele andere herrliche Gewächse der heißen Zone entzücken das Auge durch ihre Schönheit und Eigenart. Wir haben uns so in den Anblick dieser prachtvollen Naturgebilde vertieft, daß wir uns nur schwer von demselben losreißen. Und so wird es auch anderen Besuchern ergehen und damit die hohe Aufgabe der schönen Schöpfung erfüllt werden: des Menschen Liebe zur Natur zu stärken, seinen Sinn für das Erhabene, Schöne empfänglicher zu machen, sein Wissen zu bereichern und ihm Erholung an Leib und Seele zu verschaffen! Von Max Hartung Der Palmengarten zu Leipzig, in: Die Gartenlaube 1899. Leipzig. Heft 11, S. 340 ff.

Aus der Presse – Die Neueröffnung vom Kuhturm-Restaurant

Ein Idyll aus Leipzigs Vergangenheit wird wiederkehren, sobald das mit dem Palmengarten verbundene vordere Restaurant (früher Kuhthurm-Restaurant) wieder eröffnet ist. Zwar ist noch Alles im Werden, allein ein Blick in die zahlreichen, zu traulichen Kneipzimmern ausgestatteten Räume des Parterre und der ersten Etage zeigt den erlesenen Geschmack, welcher hier maßgebend ist. Um den früheren Wirthschaftshof ziehen sich rings mächtige Veranden und uralte Baumriesen ragen mit den Wipfeln darüber. — Kurz, noch vor der Eröffnung des Palmengartens wird dem Publicum ein Erholungsplatz zugänglich gemacht werden, welcher rasch sich vollster Beliebtheit um so mehr erfreuen dürfte, als in Herrn Alwin Hensel ein Gastronom für dasselbe gewonnen wurde, welcher vollstes Verständniß für seine dort harrende Ausgabe besitzt. Tausenden von Leipzigern ist Herr Hensel bereits aus seiner Dresdner Thätigkeit, speciell in der „Alten Stadt“ der 1896er dortigen Ausstellung, bekannt und nicht unmöglich erscheint es, daß seinem emsigen Schaffen es gelingt, das vordere Palmengarten-Restaurant schon zum Pfingstfeste dem allgemeinen Besuchern zu öffnen.  [1] Mit Bienenfleiß schaffen eine große Anzahl Arbeiter und Künstler, um das an der Frankfurter Straße gelegene vordere Palmengarten-Restaurant bis Pfingsten fertigzustellen, und ohne Zweifel wird es Herrn Hensel, dem Bewirthschafter des Etablissements, gelingen, Fertiges zu bieten, sobald er die Pforten des alten Kuhthurms den Gästen öffnet. Die inneren Räumlichkeiten, allerliebst ausgestattete trauliche Kneipzimmer, sind nahezu vollendet, ebenso die rings sich um die Gebäude ziehenden mächtigen Veranden und der Musikpavillon. Auch die westlich des Kuhthurmgebäudes befindlichen gärtnerischen Anlagen werden in den Restaurationsbetrieb einbezogen und viele Hunderte werden da lauschige Plätzchen finden, um sich inmitten prangender Natur zu erholen. Die Art und Weise der Einrichtung dieses vorderen Etablissements, das unabhängig vom Besuch des Palmengartens selbst auch nach dessen Eröffnung weiter bestehen wird, läßt angenehme Schlüsse zu auf das später unter Leitung des Herrn Hensel zu eröffnende Hauptrestaurant. [2] Das Palmengarten-Restaurant (vorderes) wird am 1. Pfingstfeiertag seiner Bestimmung übergeben werden, und wer dahin seine Schritte lenkt, der wird staunen ob der Veränderung, die sich der alte „Kuhthurm“ und dessen unmittelbare Umgebung gefallen lassen mußten, um in großartigster Weise neu zu erstehen. Ein herrlicher Erholungsort ist dort geschaffen worden, dessen lebhafter Besuch nicht ausbleiben wird. Bezüglich der Bewirthschaftung desselben ersehen die Leser alles Nähere aus dem Inserat vorliegender Nummer. [3] Während die baulichen Arbeiten der im Westen Leipzigs zu errichtenden Palmengartenanlage auf das Eifrigste gefördert werden, um den Palmengarten selbst noch im Laufe des Jahres seiner Vollendung entgegenzuführen, hat bereits ein Theil des wirthschaftlichen Betriebes, soweit er nicht in directem Zusammenhang mit den zu errichtenden großen Neubauten steht, eröffnet werden können: der Kuhthurm, unmittelbar neben dem Haupteingange zum Palmengarten an der Frankfurter Straße gelegen, ist in jüngster Zeit seiner Bestimmung, als Restaurant zu dienen, übergeben worden. Das malerische Gebäude, welches früher den mannigfachsten Zwecken, unter Anderen auch denen der landwirthschaftlichen Versuchsstation der Universität Leipzig diente, erfuhr in den letzten Wochen eine durchgreifende architektonische Erneuerung, mit welcher gleichzeitig die Errichtung zweckmäßiger und schöner Neubauten verbunden wurde, so daß sich der Kuhthurm nunmehr als ein einheitlicher Restaurationsbetrieb präsentirt. Das mit der Front nach Norden gelegene Hauptgebäude wurde an seiner Gartenseite mit einer alle Nebengebäude miteinander verbindenden breiten Wandelhalle versehen, die Hunderten von Besuchern einen bequemen Aufenthalt gewährt. Ihr origineller durch natürliche Birkenholzconstructionen gegebener Charakter steht in vollem Einklang zu der malerischen Ausschmückung, welche sowohl den langen Wandflächen der Colonnaden als auch sämmtlichen Innnenräumen des Hauptgebäudes gegeben wurde. Diese von Herrn Maler A. Hesse entworfene und ausgeführte künstlerische Decoration, die in einem seinem Wesen nach mittelalterlichen Stil gehalten ist, ohne sich streng daran zu binden, belebt die Wände mit einem flotten Arabesken- und Figurenspiel; es erfüllt sie mit einer Reihe symbolischer Motive, die namentlich im Hinblick auf die einstige forstwirthschaftliche Bedeutung des Kuhthurmes sich vielfach auf die Jagd beziehen. Auch in seiner sonstigen wirthschaftlichen Einrichtung trägt das Etablissement, das einen tüchtigen Vertreter des Gastwirthsstandes, Herrn Alwin Hensel, an der Spitze und Leitung seines umfassenden Betriebes steht, vereinigt sich die mustergiltige und zweckmäßige Anordnung mit einer gediegenen und vornehmen Ausstattung, die für den Gast nur wohlthuend wirkt. Mit der Eröffnung dieses ersten Palmengarten-Restaurants ist ein Etablissement von freundlichstem Charakter unserer Bewohnerschaft erschlossen worden; seine Beliebtheit hat sich bereits kurz nach seiner Eröffnung geäußert, als Schaaren von Besuchern sich den reizenden Anlagen und Bauten am ehemaligen Kuhthurm zuwandten und die erste Etappe zum zukünftigen Palmengarten besetzten. [4] Der Inhaber des vorderen Palmengarten-Restaurants (Kuhthurm) wird, wenn das Wetter ein günstiges ist, am nächsten Mittwoch, den 29. Juni, das erste Concert veranstalten, das von der gesammten Capelle des 10. königl. sächsischen Infanterie-Regiments Nr. 134 unter Herrn Alfred Jahrow‘s ausgezeichneter Leitung ausgeführt wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Herr Hensel mit dieser Veranstaltung den Wünschen Vieler entgegenkommt. Sicher steht auch dem Concert, das wie alle von der genannten Capelle gegebenen ein vortreffliches sein wird, starker Besuch in Aussicht, ist doch durch die elektrische Bahn günstige Gelegenheit gegeben, das hübsche Restaurant der neuen großartigen Anlage, welche das allgemeinste Interesse beansprucht, bequem zu erreichen. [5] [1] Das vordere Palmengarten-Restaurant, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Beilage. Abendausgabe vom 6. Mai 1898, S. 3495. [2] Das vordere Palmengarten-Restaurant, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 3. Beilage vom 19. Mai 1898, S. 3855. [3] Das vordere Palmengarten-Restaurant, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 8. Beilage. Sonntagsausgabe vom 29. Mai 1898, S. 4137/4140. [4] Vom Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, Sonntagsausgabe vom 12. Juni 1898, S. 4471. [5] Das vordere Palmengarten-Restaurant, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 8. Beilage. Sonntagsausgabe vom 26. Juni 1898, S. 4881.

Aus der Presse – Palmengarten Gestaltungswettbewerb

Mit der Ausschreibung von Plänen auf dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs ist nunmehr das Unternehmen des Leipziger Palmengartens in das erste Stadium seiner Verwirklichung getreten. Wenn damit auch das Werk an sich vorläufig noch nicht in die Erscheinung tritt, so wird es wenigstens schon insofern ein ideales Fundament erhalten, als ihm von berufener künstlerischer Seite die ausschlaggebende Form vorgezeichnet werden soll. Diesem Zwecke dient die ausgeschriebene Concurrenz. Das für dieselbe maßgebende Programm weist auf einen für den Palmengarten bestimmten Flächenraum von gesammt 208 599 Quadratmeter oder rund 20 Hektar, 66 Ar oder 38 sächsische Acker hin, von denen 176 312 Quadratmeter auf das Grundstück des Kuhthurms und 32 287 Quadratmeter auf das jenseits des Elsterflusses nach Süden gelegene Areal des sogen. Ritterwerder enthalten. Erstere Parcelle wird östlich von einer Vorfluthschleuße begrenzt, in ihrem südlichen Theile aber von einer zweiten Vorfluthschleuße durchschnitten. Als Grundgedanke für den Leipziger Palmengarten, welcher in erster Linie dem öffentlichen Interesse gewidmet sein wird, also einen durchaus gemeinnützigen Zweck zu verfolgen hat, ergiebt sich die Anlage eines umfriedeten Parks und Ziergartens mit Ausstellungs- und Bewirthungsräumen, Wintergärten und Gewächshäusern. Ueber diese gärtnerischen und baulichen Anlagen des Palmengartens als eines Ganzen und über die Gruppirung der einzelnen Theile innerhalb dieses Ganzen eine Idee zu finden, das wird nun Aufgabe des Wettbewerbs sein. Angesichts der klimatischen und örtlichen Verhältnisse von Leipzig ist der Schwerpunct einer solchen Aufgabe nicht in der Zahl und Größe der zu errichtenden Palmen- und Gewächshäuser, sondern in der Vielseitigkeit und Gediegenheit der im freien Lande herzustellenden gärtnerischen Anlagen zu suchen. Von den hierbei in Betracht kommenden Hochbauten sind zunächst ein Palmen-Haus mit Pflanzen-Schauhalle und Warm- und Kalthäuser in entsprechender Anzahl zu errichten, weiter ein Kessel- und Maschinenbaus und Wasserbehälter. Endlich ist, auf einer Grundfläche von 2500 Quadratmetern, der Bau eines Gesellschaftshauses geplant, das einen kleinen Saal zur Aufnahme von mindestens 200 Personen, einen großen Saal, Bewirthungsräume und Wohnung für den Wirth enthalten soll. Vorübergehend hat es auch Ausstellungszwecken zu dienen. Außerdem sind zwei Musikhallen vorgesehen, deren eine an den Hauptpromenaden-Weg zu stehen kommt. Alle diese Hochbauten kommen auf die Kuhthurmparcellen zu stehen. Die an der Frankfurter Straße auf dem Areal des Kuhthurms bereits vorhandenen Gebäude dürften für die Aufbewahrung von Pflanzen und Utensilien oder zu ähnlichen Zwecken nutzbar gemacht werden, während das gleichfalls vorhandene Saalgebäude durch einen Umbau in eine Orangerie verwandelt wird. Beide durch den Elsterfluß von einander getrennte Parcellen, von denen die eine, vollständig mit Bäumen bestandene, am Ritterwerder den Charakter eines vornehmen Waldparks erhält, werden mit Brücken von genügender Breite verbunden. Die Herstellungskosten der gesammten Anlage, einschließlich aller Nebenarbeiten, sind auf die Summe von 950 000 M abgeschätzt – Leipzig, 30. September 1896. [1] Heute traten in der Georgenhalle die Preisrichter zur Beurtheilung der eingegangenen 74 Concurrenzpläne für den Leipziger Palmengarten zusammen. An der Sitzung nahmen Theil die Herren Oberbürgermeister Dr. Georgi, Geheimer Commerzienrath Thieme, königlicher Baurath Stadtrath Roßbach, Stadtbaurath Professor Licht, Gartendirector Wittenberg, Director des Palmengartens zu Frankfurt a. M. Siebert, Gärtnereibesitzer Wagner in Leipzig-Gohlis. Nach Sichtung und eingehender Prüfung der Entwürfe einigte sich das Collegium dahin, dem Entwurfe des Herrn Gartentechnikers May in Frankfurt a. M. den ersten Preis von 3000 Mark, dem Entwurfe des Herrn Landschaftsgärtners Mo[o]ßdorf in Leipzig-Lindenau den zweiten Preis von 2000 Mark und dem Entwurfe des Herrn königlichen Garteninspectors Martens in Colberg den dritten Preis von 1000 Mark zuzuerkennen. -g- Leipzig, 8. Februar. [2] Das Preisrichter-Collegium zur Begutachtung der 74 eingelieferten Entwürfe für die Anlage eines Palmengartens in Leipzig, bestehend aus den Herren Oberbürgermeister Dr. Georgi, Geheimer Commerzienrath Alfred Thieme, Baurath Arwed Roßbach, Stadtbaurath Professor Licht, Gartendirector Wittenberg, sämmtlich in Leipzig, Gärtnereibesitzer Albert Wagner in Leipzig-Gohlis und Palmengartendirector August Siebert in Frankfurt a. Main, hat, wie schon berichtet, am 8. dieses Monats die eingereichten Pläne einer eingehenden Prüfung unterzogen und ist hierbei zu folgendem Ergebnisse gelangt. Den ersten Preis von 3000 Mark hat erhalten Herr Gartentechniker Eduard May in Bockenheim-Frankfurt, Verfasser des Entwurfes Nr. 17 mit dem Motto: „Prosit“. Der zweite Preis von 2000 Mark wurde Herrn Otto Moßdorf, Landschaftsgärtner in Leipzig-Lindenau, Verfasser des Entwurfes Nr. 54 mit dem Motto: „Wenn Kunst sich in Natur verwandelt, so hat Natur und Kunst gehandelt“, zuerkannt. Den dritten Preis von 1000 Mark hat erhalten Herr Stadtgarteninspector H. Martens in Colberg, Verfasser des Entwurfes Nr. 21 mit dem Motto: „Phoenix I.“. Außerdem sind die Entwürfe Nr. 14 mit dem Motto: „Simplex“, Nr. 15 mit dem Motto: „Lipsiae civibus“ und Nr. 56 mit dem Motto: „Rautenkranz“ vom Preisrichter-Collegium zum etwaigen Ankaufe empfohlen worden. Die öffentliche Ausstellung der Entwürfe findet in der Zeit vom 10. bis 13. Februar, Vormittags von 9 bis 1 Uhr und Nachmittags von 3 bis 5 Uhr und am 14. Februar von 11 bis 4 Uhr im ersten Obergeschosse der Georgenhalle, Brühl Nr. 80, statt. Wir verweisen hierbei auf die in der vorliegenden Nummer abgedruckte Bekanntmachung. Leipzig, 9. Februar. [3] Eine Fülle hochanzuerkennender künstlerischer Arbeit tritt dem Besucher der im ersten Obergeschoß der Georgenhalle veranstalteten Ausstellung von Concurrenz-Entwürfen für die Anlage eines Palmengartens in Leipzig entgegen, ein großer Reichthum von Gedanken und Motiven. 74 Betheiligte haben in ehrlichem Streben dem Wettbewerb ihre Kraft geliehen und mit zum Theil hervorragender Leistungsfähigkeit die in dem Programm festgesetzten Hauptaufgaben lösen helfen. Wie schon kurz erwähnt, sind die ausgeworfenen drei Preise den Herren Gartentechniker Eduard May in Bockenheim-Frankfurt a. M., Landschaftsgärtner Otto Moßdorf-Leipzig-Lindenau und Stadtgarteninspector Martens-Colberg zuertheilt worden. Sie haben alle, mit mehr oder weniger Abweichung von einander, zunächst das erreicht, was als maßgebend bei der Gesammtdisposition zu betrachten war: eine Idee über die gärtnerischen und baulichen Anlagen und über die Gruppirung der einzelnen Theile innerhalb dieses Ganzen zu finden. Ein mit dem Terrain so vertrauter Meister wie Otto Moßdorf ordnet liebevoll den alten schönen Baumbestand am Kuhthurm in das Gesammtbild ein und verlegt den architektonischen Haupt- und Centralpunct auf das Gesellschafts- und auf das Palmenhaus. Reich an ästhetischen Momenten ist der Inhalt des May‘schen Entwurfes, während der Martens‘sche Entwurf ungemein klar und ruhig wirkt. Wenn dann noch die Entwürfe mit den Motti: „Simplex“, „Lipsiae civibus“ und „Rautenkranz“ vom Preisrichtercollegium zum etwaigen … Weiterlesen

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