Königlicher Musikdirektor Gustav Curth in Leipzig – Verdienste

Über die Biografie von Gustav Curth, einem Musiker, Kapellmeister und Komponisten aus Dresden, ist heute nur noch wenig bekannt. Er wurde 1861 in Dresden in eine Musikerfamilie hineingeboren. Obwohl die Gründe für seinen Umzug nach Leipzig unbekannt sind, wurde diese Stadt zu seiner Wahlheimat. Hier feierte er als selbstständiger (Königlicher) Musikdirektor und Varieté-Kapellmeister große Erfolge und war eng mit der hiesigen Künstlerszene verbunden. Gustav Curth galt unter den Varieté-Kapellmeistern als einer der besten Vertreter seines Fachs. Als Kapellmeister und Musikdirektor erlangte er international einen hervorragenden Ruf, nicht nur als Dirigent, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Seine Verdienste führten dazu, dass er unter seinen Musikdirektoren-Kollegen hohes Ansehen genoss. Er bekleidete wichtige Funktionen wie den 2. Vorsitzenden des Deutschen Musikdirektoren-Verbandes, des Schriftführers oder andere und war Mitglied im Musik-Vorstand des Centraltheaters. Im Jahr 1937 verstarb er in Borsdorf im Alter von 76 Jahren. Curth komponierte und arrangierte Militär- und Orchestermusik, Kantaten und Charakterstücke sowie humoristische Szenen für Singstimmen und Klavier. Bisher bekannte Stücke sind „Gnomenspiele“, „Die Welt, sie will betrogen sein“, „Vorüber ist so manches Jahr“, „Der Humorist“, „Der Zeitgeist“, „Geld gibt’s am Ersten immerdar“, „In Treue fest!“, „Die Komiker klagen oft“, „Teddy geht spazieren“, „Engländer und Bure“, „Es war ein Knabe gezogen“, „Im König-Albert-Park“, „Praeludium Marsch“, „Concordia Marsch“, „Litilet Marsch“, „Jubiläums-Festmarsch“, „Festmarsch der vereinigten Militärvereine Leipzigs“ und der „Regimentsparademarsch der 133er Landwehr“.

Die „Curthsche Kapelle“ ist eng mit der Leipziger Musikgeschichte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verbunden, da ein Bericht zu seinem 25-jährigen Jubiläum als selbstständiger Musikdirektor darauf hindeutet, dass sein Orchester als das älteste Zivilorchester der Stadt wahrgenommen wurde. Die derzeit nachgewiesenen Spielorte der „Curthschen Kapelle“ – ehemals „Leipziger (Curthsches) Konzert-Orchester“, später „Curth-Fix-Orchester“, „Gustav-Curth-Blasorchester“ und „Gustav-Curth-Orchester“ – in Leipzig: Zoologischer Garten, Kuchengarten, Bonorand, Felsenkeller, Schlosskeller, Eiskeller-Park, Alter Gasthof Leutzsch/ Wahren, Etablissement Stadt Nürnberg, Sanssouci, Hotel de Pologne, Theater-Terrasse, Drei Linden, Drei Lilien, Kaiser Fiedrich, Burgaue, Schillerschlösschen, Waldmeister, Panorama, Wintergarten, Großer Festsaal Neues Rathaus, Balkon Altes Rathaus, Völkerschlachtdenkmal, Palmengarten, Musikpavillon im König-Albert-Park, Rennbahn im Scheibenholz, Tivoli, Battenberg, Centralhalle, Centraltheater, Leipziger Schauspielhaus, Schützenhaus, Neues Schützenhaus, Schützenhof, Krystallpalast, Alberthalle, Albertgarten, Deutsches Buchhändlerhaus, Marktplatz, 10. Deutsches Bundesschießen 1890, Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 (STIGA), Mitteldeutsches Bundesschießen 1911, Internationale Baufach-Ausstellung 1913 (IBA), Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Grafik 1914 (BUGRA).

Gustav Curth’s Verdienste (nachgewiesene Quellen u.a. aus dem Leipziger Tageblatt)

Krystall-Palast. Allabendlich ist das Sommer-Varieté sehr zahlreich besucht und das derzeitige vorzügliche Künstler- Ensemble versteht es vortrefflich, die zahlreichen Besucher zu unterhalten. In Anbetracht seiner großen Verdienste um das Gelingen des Ganzen hat die Direktion dem Leiter der Theater-Capelle, Herrn Musikdirektor Gustav Curth, welcher nun seit einem Jahre den musikalischen Theil der Vorstellungen in zufriedenstellendster Weise leitet, eine Jahresbenefiz-Vorstellung bewilligt, und findet dieselbe, verbunden mit Doppelconcert u.s.w. am Montag, den 13. Juli, statt. [1]

Krystall-Palast. Das seit mehreren Tagen angekündigte Jahres-Benefiz für den verdienstvollen Capellmeister Herrn Gustav Curth findet heute, Montag, im Sommer-Varieté statt. Die materiellen und künstlerischen Erfolge, welche das nun ständige Varieté-Theater im Krystall-Palast bisher zu verzeichnen hatte, sind zum großen Theil auch ein Verdienst des strebsamen Dirigenten der Theatercapelle, Herrn Curth, welcher stets mit unermüdlichem Fleiß die zahlreichen Proben leitete und durch peinliche Gewissenhaftigkeit jeder einzelnen Vorstellung zu vollem Erfolge verhilft. Wir sind überzeugt, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um dem beliebten Capellmeister für heute ein volles Haus zu sichern. Verbunden mit dieser Benefiz-Vorstellung ist ein Doppel-Concert, gleichzeitig tritt der unverwüstliche Clown Charles Jigg mit seiner großartig dressirten Thiergruppe heute Montag zum letzten Male auf. [2]

Das Jahres-Benefiz für den beliebten Capellmeister Herrn Gustav Curth, welches sich eines sehr zahlreichen Besuches erfreute, gestaltete sich zu einem Ehrenabend für denselben und wurde der Benefiziant durch Blumen- und Kranzspenden, sowie auch durch sonstige Ovationen ausgezeichnet. – heute verabschiedet sich das gegenwärtige beliebte Künstler-Personal. – Morgen tritt das neu engagirte Specialitäten-Ensemble zum ersten Male auf. Die vierte Familien-Vorstellung findet nächsten Freitag statt. [3]

Kirchliche Nachrichten. Am 17. Sonntag nach Trinitatis wurden aufgeboten: Thomaskirche. […] 4) H. A. Fix, Kapellmeister in St. Blasien, mit P. M. Curth, Musikdirektors hier Tochter […] [4]

Jubiläums-Ehrenabend für Kapellmeister Curth. Morgen Freitag, abends 8 Uhr, findet im Kristallpalast-Theater anläßlich seines 25-jährigen Dirigentenjubiläums ein Ehrenabend ohne Tabakrauch für den Kapellmeister Gustav Curth statt. Curth nimmt unter den Varieté-Kapellmeistern wohl mit den ersten Rang ein und gilt allgemein als einer der besten Vertreter seines Faches. Die bedeutendsten internationalen Künstler, welche in dem jeweiligen Dirigenten eine fast unerläßliche Stütze für ihre Darbietungen suchen, haben diese in Gustav Curth stets gefunden, und die große Zahl der internationalen Stars haben Curths Namen als Varietédirigent in allen Weltgegenden auf das beste bekannt gemacht. Möge ihm der morgige Abend, welcher gewiß reich an Ehrungen sein dürfte, durch ein volles Haus die Sympathie aller derer, welche Curth als Künstler und Mensch achten und schätzen, zum Ausdruck bringen. [5]

Ehrenabend für Kapellmeister Gustav Curth im Kristallpalast-Varieté. Zur Feier seines 25-jährigen Dirigentenjubiläums hatte Kapellmeister Gustav Curth im Kristallpalast-Varieté gestern einen Ehrenabend, der ihm der Ehren viele brachte. Zeigte schon äußerlich das volle Haus die herzlichen Sympathien, die man dem bewährten Jubilar am Dirigentenpult in der Leipziger Bürgerschaft entgegenbringt, so waren die übrigen Auszeichnungen erst recht der vollgültige Beweis, daß man Gustav Curth schätzt und liebt. Sein Stuhl und Pult waren festlich bekränzt, und mit einem Tusch empfing die Kapelle ihren Dirigenten zu Beginn der Vorstellung. Gegen Ende des ersten Teils, während die wohlbekannten Klänge des Curthschen Jubiläums-Festmarsches erklangen, verwandelte sich die Bühne in einen wahren Lorbeer- und Blumenhain, und auf langer Tafel waren die Ehrengaben aufgebaut. Der Humorist des jetzigen Programms, Herr Nesemann, hatte die Aufgabe, namens der Direktion der Kristallpalast- Aktiengesellschaft, namens der Kapelle, der jetzt auftretenden Artisten usw. dem Jubilar die Glückwünsche auszusprechen und die Ehrengaben, gewaltige Lorbeerkränze, von der Kapelle einen silbernen Lorbeerkranz auf blauem Samtkissen, von den Artisten ein Spazierstock mit silbernem Griff usw., zu überreichen. Es war eine schöne und eindrucksvolle Ehrung, die Gustav Curth hier zuteil wurde, und sie war wohlverdient dem Künstler wie dem Menschen. [6]

Ministerium des Innern. Se. Majestät der König hat noch folgende Auszeichnungen verliehen: […] und dem Musikdirektor Curth in Leipzig und dem Musiklehrer Wenzel in Großschönau der Titel Königlicher Musikdirektor verliehen. [7]

Der Leutnant und Adjutant im Landwehr-Inf-Reg. Nr. 133 Otto Curth, Sohn des Kgl. Musikdirektors Gustav Curth in Leipzig, erhielt das Ritterkreuz II. Klasse des Albrechtsordens mit Schwertern. [8]

Der Königliche Musikdirektor Gustav Curth feiert am 1. April das 25-jährige Jubiläum als selbständiger Musikdirektor. Der Jubilar, der sich nicht nur in unserer Stadt allgemeiner Verehrung und wohlverdienter Beliebtheit erfreut, dessen Name auch, durch seine Tätigkeit am Varieté, fast in allen Erdteilen bekanntgeworden ist, ist mit der Musikgeschichte Leipzigs eng verknüpft, da die Curthsche Kapelle wohl als das älteste Zivilorchester in Leipzig bezeichnet werden muß. Gustav Curth, einer Musikerfamilie entsprossen, diente im Jahre 1881 bis 1890 bei dem 10. Kgl. Sächs. Infanterieregiment 134 und vertrat von 1885 seinen Musikdirektor Alfred Jahrow. Seit 1886 leitete er die Musik zu den damals berühmten Künstlervorstellungen in der alten Centralhalle, wozu Musikdirektor Ch. Matthies das Orchester stellte. Nach dessen im Frühjahre 1890 erfolgten Tode wurde Gustav Curth von den Mitgliedern dieses Orchesters einstimmig als Kapellmeister gewählt und übernahm das Orchester am 1. April 1890. Er entfaltete nun mit dieser Kapelle eine reiche musikalische Tätigkeit in unserem öffentlichen Konzertleben, und außer den vielen Militär-, Turn-, Gesang- und Kegelvereinen, die sich bei ihren Festlichkeiten seine musikalische Mitwirkung sichern, sind es besonders die Tunnelgesellschaft, Glocke, Bürgerverein, Leipziger Schützengesellschaft, Edelweiß, Professoren-Ver. „Gaudeamus“, Leipziger Männerchor, Phönix, Concordia, Buchhändlerverein (Kantate), in denen seit Jahren die Curthsche Kapelle mit künstlerischem Erfolge spielt. Seit 1892 stellt G. Curth die Musik zu den Vorstellungen im Kristallpalast. Anläßlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals leitete er in Gemeinschaft mit dem Kgl. Musikdirektor G. Wohlgemuth den instrumentalen Teil der Massenaufführung, bei dem etwa 300 Musiker mitwirken. Seit Eröffnung der Musikhallen im König-Albert-Park teilt er sich mit dem Kapellmeister Günther Coblenz in die regelmäßig Sonntag vormittag stattfindenden Konzerte, die sich eines immer regeren Zuspruches erfreuen. Tatkräftig unterstützt ihn sein Schwiegersohn, Kapellmeister Arno Fix, früher Kurkapellmeister in St. Blasien (Schwarzwald), der mit dem 1. April als Teilhaber in sein Orchester eintreten wird, das von diesem Tage die Bezeichnung Curth-Fix-Orchester führt. Auch als Komponist hat sich der Jubilar einen guten Ruf erworben, unter seinen Kollegen genießt er als 2. Vorsitzender des Deutschen Musikdirektoren-Verbandes hohe Wertschätzung. [9]

Das Kriegsverdienstkreuz erhielten folgende Leipziger Persönlichkeiten: […] Kgl. Musikdirektor Gustav Curth. [10]

Die Biografie von Gustav Curth ist unvollständig und abhängig vom Bearbeitungsstand. Neue Quellen zum Thema sollen in diesem Beitrag ergänzt werden.


[1] Krystall-Palast, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger. Frühausgabe vom 8. Juli 1896, S. 5.

[2] Krystall-Palast, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger. Abendausgabe vom 13. Juli 1896, S. 5.

[3] Krystall-Palast, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger. Frühausgabe vom 15. Juli 1896, S.18.

[4] Kirchliche Nachrichten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Dienstagausgabe vom 5. Oktober 1909, S. 19.

[5] Jubiläums-Ehrenabend für Kapellmeister Curth, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 11. Mai 1911, S. 6.

[6] Ehrenabend für Kapellmeister Gustav Curth im Kristallpalast-Varieté, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 13. Mai 1911, S. 3.

[7] Königlicher Musikdirektor, in: SLUB Dresden. Dresdner Nachrichten. Sonntagausgabe vom 25. Mai 1913, S. 12.

[8] Ordensverleihung, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Abendausgabe vom 24. März 1915, S. 4.

[9] 25-jährige Jubiläum des Königlichen Musikdirektors Gustav Curth, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 31. März 1915, S. 10.

[10] Kriegsverdienstkreuz, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 18. Juli 1916, S. 9.


Autor/in

    by
  • Mike Demmig

    studierte Verlagswirtschaft, Hobbyhistoriker und Veranstalter in Leipzig. Über ein Jahrzehnt ist er mitentscheidend beim Wiederaufbau des Leipziger Musikpavillons zu einem generationsübergreifenden Treffpunkt. In verschiedenen Engagements setzt er sich für Projekte ein, die einen lokalhistorischen Bezug haben. Ehrenamtliches Mitglied im Stadtbezirksbeirat Leipzig-Mitte, Förderer und Jury-Mitglied beim Gert-Triller-Preis für Musikkultur der Leipziger Notenspur e.V.

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