Aus der Presse – Charlottenhof im Dienste der Wohltätigkeit

Zwei sonnige glückliche Tage waren am vergangenen Freitag und am Montag unseren braven verwundeten Kriegern im Charlottenhof beschieden. Herr Robert Gullmann nebst seiner Gattin hatten es sich nicht nehmen lassen, den in der Stöhrschen Fabrik und im Lindenauer Diakonissenhause untergebrachten verwundeten Soldaten ein paar vergnügte Stunden in ihrem prächtigen Charlottenhof zu bieten. Erregte der herrliche Park mit seinen schönen Anlagen, seinen malerischen Bauten, Terrassen und Grotten und mit seinen großen Seen an und für sich schon große Bewunderung bei den vielen von weither kommenden Soldaten, so erhöhte sich deren Freude und Begeisterung, als Herr Gullmann seine „feldgrauen lieben Gäste“ mit Kaffee und Kuchen, Zigarren und Zigaretten und später mit einem Abendessen bewirtete und schließlich noch mit vielen Andenken und Postkarten vom Charlottenhof beschenkte. Das schmucke Königsboot sowie die vielen neuen Gondeln standen selbstredend den Verwundeten ebenfalls zur freien Verfügung, und es war eine Lust zu sehen, wie unsere tapferen Krieger fröhlich dem Wassersport betrieben und sich einander im Wettrudern den Rang streitig zu machen versuchten. Für weitere Unterhaltung sorgten ferner das ausgezeichnete Musikkorps des Landwehr-Ersatz-Bataillons Nr. 106 unter der schneidigen Leitung des Korpsführers Fritz Heise, sowie die beliebte Münchner Schrammel-Musikkapelle in Nationaltracht. Die lustigen und vaterländischen Weisen fanden ein dankbares und aufmerksames Publikum. Mit Autos und Extrawagen der Großen Leipziger Straßenbahn kehrten die Verwundeten in ihre Pflegestätten zurück, sicher in dem Bewußtsein, daß die Daheimgebliebenen jederzeit ihren tapferen und mutigen Leistungen Dank und Anerkennung zu zollen wissen.


Charlottenhof im Dienste der Wohltätigkeit, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 9. Juni 1915, S. 9.


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