Gespräch mit Experten – Anke Hofmann und Elisa Klar zur Carla-Datenbank

Anke Hofmann und Elisa Klar geben in diesem Interview Einblicke in die Entstehung und Bedeutung der CARLA-Datenbank an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Mit der öffentlichen Plattform ist eine digitale Forschungsumgebung entstanden, die die Geschichte des Leipziger Konservatoriums erstmals umfassend online sichtbar macht. Die beiden Expertinnen erläutern, wie aus historischen Studienunterlagen ein international genutzter Datenpool wurde, welche Herausforderungen die Digitalisierung mit sich brachte und welche neuen Perspektiven sich damit für die Musik-, Geschichts- und Digital-Humanities-Forschung ergeben. Das von der DFG geförderte Projekt zu Carl Reinecke, das seit 2022 an der Universität Leipzig und der HMT Leipzig angesiedelt ist, nutzt CARLA über eine REST-API. Die Daten sind im erschienenen Sammelband eingegangen. Dieser beleuchtet Reineckes Netzwerk in Leipzig sowie seine Schaffenskraft aus vielen Perspektiven. Dieser Gesellschaftsroman in zwei Bänden wurde 1908 von der ehemaligen Studentin Ethel Florence Richardson alias Henry Handel Richardson geschrieben. Sie verarbeitete darin u. a. ihre Studienerfahrung am Leipziger Konservatorium in den 1890er Jahren mit einer Hommage an Leipzig. Ich habe CARLA bei meinen Recherchen zu Musikdirektoren und Musikern kennen und schätzen gelernt. Deshalb freue ich mich, nun mehr von Ihnen darüber zu erfahren. Als verantwortliche Bibliothekarinnen sind Sie beide mit Ihrem Team das Gesicht von CARLA und gestalten dieses Projekt seit der Konzeptionsphase. Was verbirgt sich eigentlich hinter der Abkürzung CARLA, und welche Informationen sind in dieser Datenbank enthalten? CARLA steht für „Conservatory Archive Records Leipzig with Additions“ und ist eine frei zugängliche Online-Datenbank zum Leben und Wirken der rund 13.000 Personen am Leipziger Konservatorium der Musik im Zeitraum von 1843 bis 1918. CARLA enthält Informationen und Unterlagen zu Studierenden, Lehrenden und weiteren Angehörigen des Konservatoriums, die aus dem Archiv der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (HMT Leipzig) stammen. Neben biographischen Angaben verzeichnet CARLA auch Informationen zum Studium, zur Lehrtätigkeit oder zur Verwaltungstätigkeit einzelner Personen. Digitalisate der historischen Studienunterlagen, die als als Quellengrundlage dienen, sind mit den entsprechenden Personen verknüpft. Zudem verweist CARLA auf externe Datenquellen, die ergänzendes Wissen zu den erfassten Personen enthalten. Umfangreiche Texte zur Bestands- und Projektbeschreibung runden die Plattform ab. An der Bibliothek und im Archiv der HMT Leipzig sind im Kontext von CARLA inzwischen mehrere Neben- und Unterprojekte entstanden, die sich ebenfalls mit der Geschichte des Leipziger Konservatoriums der Musik beschäftigen. Dazu zählen etwa die Erschließung historischer Konzertprogramme des Konservatoriums auf musiconn.performance oder die Transkription der Studienunterlagen auf Wikisource. Durch diese Verknüpfungen ist CARLA inzwischen zu einer wichtigen digitalen Forschungsumgebung zur Hochschulgeschichte geworden. Wie ist die Idee zu CARLA eigentlich entstanden? Welche Ziele verfolgte die Hochschule bei der Entwicklung? Das Leipziger Konservatorium der Musik war bei seiner Gründung 1843 die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland und besaß von Beginn an eine hohe internationale Strahlkraft. Viele namhafte internationale Persönlichkeiten studierten und lehrten am Konservatorium, deren Spuren immer wieder erforscht werden. Beispiele wären u. a. der norwegische Komponist Edvard Grieg oder die englische Komponistin und Frauenrechtlerin Ethel Smyth. Die Quellen zur Konservatoriumsgeschichte sind nicht nur für die Musikforschung, sondern auch für Themen wie Kulturtransfer, Bildungsgeschichte oder Gender Studies relevant. Entsprechend waren die historischen Studienunterlagen über viele Jahre der am häufigsten nachgefragte Bestand des Archivs. Vor Projektbeginn waren die Daten jedoch nur sehr rudimentär in einer lokalen Access-Datenbank erfasst, die schließlich als Grundlage für CARLA diente. Mit CARLA soll die Geschichte des Leipziger Konservatoriums digital sichtbar und online zugänglich gemacht werden. Zugleich ermöglicht die Projektarbeit den Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Forschungsdatenmanagement, Open Data und Open Science innerhalb des Teams. Wir fokussieren uns stark auf die Qualität der Daten, um eine Anbindung an andere Projekte und ihre Nachnutzbarkeit sowie technische Weiterentwicklungen zu ermöglichen. Durch die Beschäftigung mit Strukturen und Netzwerken der Digital Humanities konnte sich das Team fachlich wie institutionell weiter vernetzen. Mit CARLA wird nicht nur die Hochschulgeschichte sichtbar, sondern auch die gegenwärtigen Tätigkeiten von Bibliothek und Archiv als „Datenlieferantinnen“ und Informationsdienstleisterinnen. Welche Quellenbestände wurden für CARLA verwendet, und welche Herausforderungen gab es bei der Digitalisierung? Hauptgrundlage der Datenerfassung bilden historische Studiendokumente, die das Archiv der HMT Leipzig in außergewöhnlicher Vollständigkeit seit der Gründung des Konservatoriums 1843 bewahrt. Dazu zählen Register, Inskriptionsbücher mit Angaben zu Herkunft, Fähigkeiten und finanzieller Situation der Studierenden, Aufnahmeformulare sowie Zeugnisse. Bei Unklarheiten wurden ergänzende Unterlagen wie Studienprospekte, Schüler- und Personalverzeichnisse oder Festschriften aus dem Bestand der Bibliothek und des Archivs herangezogen. Auch externe Datenbanken wie Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), New Grove, Wikipedia oder Ancestry dienten zur Recherche. Die Digitalisierung der Studienunterlagen aus dem Archiv der HMT Leipzig erfolgte bereits 2004/2005 durch einen externen Dienstleister. Die dabei entstandenen Digitalisate entsprechen den aktuellen Standards aber nicht mehr und lagen zu Projektbeginn nur auf lokalen Laufwerken vor. Da personelle und technische Kapazitäten für einen eigenen Viewer oder ein Langzeitarchiv fehlten, war die Veröffentlichung nur dank der Unterstützung des Landesdigitalisierungsprogramms des Freistaates Sachsens (LDP) möglich. Dadurch konnten die vorhandenen Digitalisate nachgenutzt, langzeitarchiviert und auf sachsen.digital veröffentlicht werden. Zusätzlich konnten über das LDP auch Digitalisate weiterer Unterlagen angefertigt werden. Warum ist die Entwicklung von CARLA wichtig? Wie unterscheidet sich CARLA von anderen musikhistorischen Datenbanken? CARLA macht historische Quellen zugänglich, die bislang ausschließlich vor Ort genutzt werden konnten, und bereitet die darin enthaltenen Daten für die Forschung auf. So wird die Geschichte des Leipziger Konservatoriums der Musik für eine breite Öffentlichkeit und die Wissenschaft zugänglich. Dabei fokussiert sich CARLA exklusiv auf das Leben und Wirken am Leipziger Konservatorium der Musik als erste musikalische Bildungseinrichtung ihrer Art in Deutschland. Es wird aktiv auf weitere Informationen in anderen Datenpools wie Wikipedia, RISM, Kalliope oder MUGI (Musik und Gender im Internet) hingewiesen. Diese Verbindungen sind durch die Verzeichnung der GND-ID für jede Person in CARLA möglich. Hierfür wurden Normdatensätze in der Gemeinsamen Normdatei (GND) mit Daten aus CARLA angelegt bzw. angereichert. Gleichzeitig nutzt CARLA Daten aus der GND nach, um das Retrieval zu verbessern, z. B. bei Namensvarianten. CARLA bietet zudem die Möglichkeit, aktiv am Projekt mitzuwirken. Nutzende können über eine Kommentarfunktion Informationen zu Einzelpersonen ergänzen oder sich an der Transkription der historischen Studienunterlagen auf Wikisource beteiligen. Die Ergebnisse sind über einen Link an den Dokumenten auch in … Weiterlesen

Vision zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur – Ein Kommentar

Die Vision von Greta Taubert zur Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur hat bei mir große Zustimmung, aber auch weitere Gedanken ausgelöst. Die Idee, öffentliche Räume wieder stärker als soziale Orte für Begegnung, Kultur und Demokratie zu begreifen, ist wichtig und richtig. Gleichzeitig lohnt sich auch ein Blick auf die Geschichte dieser Bauwerke und auf den heutigen Umgang mit den noch vorhandenen Pavillons in Leipzig. Denn Visionen entfalten ihre Wirkung erst dann nachhaltig, wenn sie mit Verantwortung und Pflege des Bestehenden verbunden werden. Leipzig stand einst in einer Reihe europäischer Städte und Länder mit einer ausgeprägten Pavillon-Tradition – teils in städtischer, teils in privater Regie. Vieles davon ist durch Kriege und strukturelle Umbrüche verloren gegangen. Wer sich mit der Geschichte dieser Bauwerke beschäftigt, erkennt schnell: Die Pavillon-Kultur ist ein europäisches Kulturerbe. In Leipzig ist sie mit der historischen Park- und Gartenkultur eng verbunden, für die diese Stadt in besonderer Weise steht. Man denke an den Palmengarten, den Clara-Zetkin-Park oder andere historische Anlagen. Pavillons sind Teil der gewachsenen Kulturlandschaft, die leider keinen großen Stellenwert mehr in der Stadt haben. In der Galerie sind Bilder vom Palmengarten-Pavillon, der im LVZ-Artikel vom 9. Januar 2026 versehentlich als „Gerhardscher Pavillon im Clara-Zetkin-Park in Leipzig“ betitelt wird. Zwar werden in Städten wie Freiburg, Chemnitz, Krefeld, Hamburg oder Potsdam einzelne Musikpavillons wieder saniert, doch von einem echten Trend kann keine Rede sein. Ganz anders als in England, wo die Pavillon-Kultur als nationales Kulturerbe gilt und der Erhalt und Wiederaufbau von der Bürgerschaft sowie öffentlichen Stellen finanziell und kulturell breit unterstützt werden. Die Leipziger Stadtverwaltung ringt bis heute damit, die noch vorhandenen historischen Pavillons im öffentlichen Raum vor dem Verfall zu bewahren, da sie regelmäßig beschädigt werden. Selbst, wenn diese unter Denkmalschutz stehen. Dazu zählen unter anderem: Der letzte noch erhaltene Pavillon mit einem regelmäßigen Kulturbetrieb ist der Musikpavillon im Clara-Zetkin-Park. Seine Sanierung wurde durch privates bürgerschaftliches Engagement finanziert, getragen wird er seit 2008 durch einen Wirtschaftsbetrieb. Für dieses Engagement gab es 2015 eine Nominierung unter die Top 10 des Deutschen Bürgerpreises. Bemerkenswert ist dabei: Für die öffentlichen Veranstaltungen und Kulturangebote wird kein Eintritt verlangt, von Vandalismus bleibt aber auch dieser nicht verschont. Gerade deshalb sollte das Plädoyer für neue hölzerne Pavillons auch mit einem Aufruf verbunden werden, sich bürgerschaftlich für die bereits existierenden Bauwerke zu engagieren und die Stadt bei deren Erhalt zu unterstützen, damit diese Orte ihre Rolle für Gemeinschaft, Solidarität und Demokratie überhaupt erfüllen können. Ehrlich gesagt fehlt mir ebenso der Hinweis auf einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Kulturerbe. Gerade von Künstlerinnen, Musikern und all jenen, die diese Orte nutzen, wäre zu erwarten, dass sie respektvoll mit den Pavillons umgehen und diese schon aus eigenem Interesse heraus schützen. Die Realität ist leider oft eine andere: Müll, Graffiti und andere Beschädigungen verursachen jährlich erhebliche Kosten. Das ist ein gesellschaftliches Problem, das benannt werden muss. In der Galerie sind Bilder vom unsanierten Musikpavillon (2008), sanierten Gerhardscher Pavillon beide im Clara-Zetkin-Park (2019, Foto: C. Herold) und sanierten Palmengarten-Pavillon (2026, Foto: D. Neumann). Für mich gehört zur Wiederbelebung der Pavillon-Kultur daher zwingend eine öffentliche Debatte über gesellschaftsrelevante Fragen: Pflege- und Erhaltungskosten, Leipziger Park- und Gartenkulturerbe im speziellen, Müllprobleme in öffentlichen Stadt- und Grünanlagen, Vandalismus an Kultur- und Gartendenkmälern, Schutz von klimawirksamen Frei- und Grünflächen und die damit verbundenen Konflikte. Ein Lichtblick ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2024, der den Oberbürgermeister auffordert, anlässlich des 130-jährigen Bestehens des Palmengartens im Jahr 2029 ein dezernatsübergreifendes Themenprojekt in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu prüfen – auch mit Blick auf den Umgang mit diesem Kulturerbe. In dem Jahr wird ebenso der Albert-Park, der heutige Clara-Zetkin-Park, ein 125-jähriges Jubiläum begehen. Es wäre also eine gute Zeit, darüber zu reden. Trotz aller Ergänzungen und punktuellen Einwände befürworte ich diesen Vorschlag, die Leipziger Pavillon-Kultur wieder aufleben zu lassen. Gerade dann, wenn Vision und Verantwortungsbewusstsein zusammengedacht werden, können wir diese gemeinschaftlich und mit kreativen Ansätzen neu entfalten. Siehe auch – 50 Visionen für Leipzig: Greta Taubert wünscht sich eine Wiederbelebung der Leipziger Pavillon-Kultur – LVZ-Artikel

Wiederentdeckung zum 150-jährigen Jubiläum – Biografie

Wilhelm Mönkemeyer (1862–1938) war ein Gärtner, Bryologe und Fachautor, der über fast vier Jahrzehnte am Botanischen Garten der Universität Leipzig wirkte. Nach seiner Berufung als leitender Obergärtner durch das Königliche Sächsische Ministerium wurde er im Alter von 32 Jahren zum Garteninspektor ernannt. In dieser Funktion nahm er maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Gartens. Zeitgenössische Berichte bezeichneten den Botanischen Garten als einen der „am besten eingerichteten Botanischen Gartens Deutschlands“, an dessen technischer und organisatorischer Ausgestaltung der Fachmann großen Anteil hatte. Trotz seiner Verdienste geriet Mönkemeyer an seiner ehemaligen Wirkungsstätte nahezu in Vergessenheit. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Botanischen Gartens der Universität Leipzig im Jahr 2027 bietet sich jedoch die Gelegenheit, seine Biografie erneut in den Blick zu nehmen. Denn seine Geschichte eröffnet neue Perspektiven auf die gärtnerische und wissenschaftliche Praxis der Zeit, auf internationale Netzwerke sowie auf die Rolle der deutschen Gärtner im Kontext der europäischen Kolonialpolitik. Die Aufarbeitung seiner Biografie soll aus diesem Grund nicht nur ein Beitrag zum Jubiläum des Botanischen Gartens sein, sondern auch eine Leipziger Persönlichkeit kulturhistorisch wieder sichtbar machen, die bislang nur unzureichend aufgearbeitet wurde. Bitte um Mithilfe 1884 trat er als junger Mann in den Dienst König Leopolds II. von Belgien und reiste nach Afrika, wo er im Kongo mit landwirtschaftlichen Aufgaben betraut war. In seinem Tagebuch schilderte er nicht nur Funde und Beobachtungen, sondern auch persönliche Einblicke in die kolonialen Machtstrukturen um 1900. Meine Recherchen führten zu Mönkemeyer‘s Tätigkeiten im In- und Ausland, Forschungen und Publikationen sowie seiner Leipziger Zeit, aber nicht zum Aufenthaltsort seines verschollenen Tagebuchs. Falls mir jemand dabei helfen kann, den aktuellen Aufenthaltsort herauszufinden, würde ich mich über Hinweise oder Anregungen freuen, per Mail unter mike.demmig[at]htwk-leipzig.de Das Tagebuch wurde im Katalog des Auktionshauses „Hauswedell & Nolte“ (Hamburg 13, Pöseldorfer Weg 1) für die „Auktion 240“ unter „wertvolle Bücher“ mit der Nr. 2280 aufgeführt und am 27. November 1981 (Freitag) versteigert. Der Abnehmer ist unbekannt. © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Der klingende Park – Tage der Industriekultur in Leipzig

Park- und Gartenkultur im Zeitalter der Industrialisierung Die Veranstaltungsreihe „Der klingende Park“ bietet eine Reise durch die Geschichte der Gartenbaukunst in Leipzig, mit den prächtigen privaten Bürgergärten, den ersten Botanischen Garten und den ersten kommunalen Landschaftspark Deutschlands über die modernen Ausstellungs- und Freizeitparks sowie Ausflugsstätten im Industriezeitalter bis hin zu den noch erhaltenen Parkanlagen jener Zeit. Die Parkerrichtungen waren ein wichtiger Faktor des städtebaulichen Wandels im Zuge der Hochindustrialisierung und des Städtewachstums in Deutschland. Zur Zeit der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung 1897 (STIGA) waren viele Leipziger Parkanlagen in ihrer Entstehung. Damit bewiesen die Stadtoberen einen Sinn für nachhaltige Stadtentwicklung im Industriezeitalter, denn die geschaffenen Grünflächen wurden zu stadtprägenden Orten der Erholung und Regeneration. Hierzu zählen beispielsweise der Stünzer Park (1898) im Leipziger Osten, der Leipziger Palmengarten (1899) im Leipziger Westen, der Arthur-Bretschneider-Park (1900) im Leipziger Norden ebenso wie der Wilhelm-Külz-Park (1904) im Leipziger Süden und der an der Stelle des Ausstellungsparks der STIGA tretende König-Albert-Park (1904) im Leipziger Zentrum (der heutige Clara-Zetkin-Park). Die Parkanlagen genießen heute einen besonderen Schutzstatus als Garten- und Kulturdenkmäler. Sie alle dienen dem Wohl der Leipziger und ihrer Besucher, sei es zur Bildung, Erholung oder zum Vergnügen. Ein Blick auf ihre Entstehungs- und Blütezeit ist daher lohnenswert – auf die unterschiedlichen Kunstformen, die diese Parks bereicherten (z. B. Architektur, Skulptur, Landschaftsgestaltung, Musik), und nicht zuletzt auf die Schicksale längst verschwundener Oasen, die in alten Postkarten, Lithografien und Fotografien wieder lebendig werden. Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Leipziger Park- und Gartenkultur zu beleuchten und mit dieser Veranstaltungsreihe möglichst viele Menschen zu erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass ein besseres Verständnis der lokalen Kulturgeschichte zu einem bewussteren Umgang mit den Parkanlagen führen kann. Veranstaltungen 2026 Zu den 14. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Verein für Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. **** Wann? 13.09.2026, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 Leipzig Veranstaltungen 2025 Zu den 13. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Verein für Industriekultur Leipzig e.V. und der HTWK Leipzig mit Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Büchertisch. Der Moritzbastei e. V. bietet ein Bastel- und Schminkprogramm für Kinder. Außerdem stellt der Ururenkel von Carl Reinecke das Lebenswerk seines berühmten Vorfahren vor und informiert über den benachbarten Reinecke-Platz. Weitere Gäste sind u.a. die Stadt- und Parkführerin Daniela Neumann (Entdeckt in Leipzig) und Autor Sebastian Ringel. **** Wann? 14.09.2025, 13:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigMusik? Tanzsalon mit The Perky Pollyvocs & Swing Connection e.V. (ab 16 Uhr)Wie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2024 Zu den 12. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Verein für Industriekultur Leipzig e.V. und einer Hommage an 125 Jahre Leipziger Palmengarten mit dem Historical Swing Dance Orchestra, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Stammtisch der Parkenthusiasten, Info-Stand und Bücherverkauf. Gäste sind u.a. Prof. Dr. Leder (Museumsdirektor Naturkundemuseum Leipzig), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin und Hans-Joachim Hädicke (Privatsammler). **** Wann? 08.09.2024, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 400 Gäste **** Veranstaltungen 2023 Zu den 11. Tagen der Industriekultur in Zusammenarbeit mit dem Verein für Industriekultur Leipzig e.V. mit dem Symphonischen Blasorchester/ ISKRA Oldstars, Bühnenprogramm, Open-Air-Ausstellung, Info-Stand und Bücherverkauf. Weitere Gäste sind u.a. Dr. Enrico Ruge (HTWK Leipzig), Henner Kotte und Sebastian Ringel (beide Stadtführer, Autoren). **** Wann? 03.09.2023, 14:00 – 19:00 UhrWo? Musikpavillon, Clara-Zetkin-Park, Anton-Bruckner-Allee 11, 04107 LeipzigWie viele Gäste waren da? > 500 Gäste ****

Sousas Band auf Europa-Tour im Leipziger Palmengarten

Der 1899 eröffnete Palmengarten am Ufer der Elster war nicht nur eines der beliebtesten Ausflugsziele der Leipziger Bürgerschaft, sondern auch ein wichtiger Schauplatz des Musiklebens der Messestadt. Neben einem reizvoll gestalteten Landschaftspark samt Wasserspielen und mehreren Lokalen bot die Anlage die Möglichkeit, Konzerte im zentralen Gesellschaftshaus oder unter freiem Himmel zu veranstalten. Bereits die Eröffnungsfeier des Palmengartens im Frühjahr 1899 wurde durch ein Festkonzert bereichert und ab der ersten Saison spielten diverse lokale Orchester und Kapellen an so gut wie jedem Wochentag. Bei guten Wetter begannen Musikvorführungen am späten Nachmittag auf dem „Concertplatz“ am Rande des künstlich angelegten Sees und reichten bis in die Abendstunden. Diese Konzerte ziviler wie militärischer Musikgruppen wechselten häufig mit anderen Attraktionen wie Feuerwerk oder „kinematographischen Vorführungen“, einer Frühform des Kinos, ab und wurden von der Betreibergesellschaft des Parks ausführlich beworben. Der Palmengarten war allerdings nicht nur für Leipziger Orchester und Militärkapellen aus der näheren Umgebung interessant, sondern zog bald auch internationale Musikgruppen an. Zu den denkwürdigsten Auftritten ausländischer Gäste zählen sicherlich die Konzerte des US-Amerikaners John Philip Sousa und der von ihm geleiteten Sousa’s Band im Sommer des Jahres 1900. John Philip Sousa und seine Band, die aus der Tradition der US-amerikanischen Militärkapellen entstanden war, besuchten ab Mai 1900 im Rahmen einer ausgedehnten Tournee erstmals Europa. Dabei waren die mehr als 60 Musiker und ihr Dirigent keine Unbekannten, da die europäische Presse schon zuvor über den als „March King“ bezeichneten Sousa berichtet und ihn als Botschafter einer „typisch amerikanischen“ Musik vorgestellt hatte. Tatsächlich hatten sich Sousa und seine Band auf mehreren USA-Tourneen den Ruf einer außergewöhnlich leistungsfähigen und professionell geführten Marching Band erworben. Neben dem einheitlichen Auftreten der Musiker in eigens angefertigten Uniformen fanden besonders die starke Besetzung des Ensembles sowie das von Sousa selbst entwickelte „Sousaphon“, ein besonders tiefes Blechblasinstrument, das den Spieler komplett umschließt, große Beachtung in der europäischen Öffentlichkeit. Das Repertoire der Sousa’s Band setzte sich einerseits aus typischen Militärmärschen und anderseits aus von Sousa für sein Ensemble angefertigten Arrangements bekannter klassischer Werke zusammen. Ein wichtiger Bestandteil waren zudem virtuose Stücke, in denen Solisten aus den Reihen der Band ihr Können unter Beweis stellen konnten. Die Sousa’s Band konkurrierte also durchaus mit den sonst im Palmengarten auftretenden, mitteldeutschen Militärkapellen und wurde von der Musikpresse entsprechend ambivalent betrachtet. Während diese einerseits die außerordentliche Leistungsfähigkeit und Disziplin des Ensembles lobte, wurde insbesondere die Interpretation der Musik Richard Wagners zurückhaltend besprochen und die schiere Größe der Band als typisch amerikanische „Gigantomanie“ wahrgenommen. Insgesamt spielten Sousa und Band acht Konzerte im Palmengarten, ab dem 10. Juni, einem Sonntag, zweimal täglich, jeweils einmal nachmittags und am Abend. Für das erste dieser Konzerte, das offenbar bei bestem Wetter stattfand, schätzen die Leipziger Neuesten Nachrichten das Publikum auf mehr als 10.000 Menschen, das Leipziger Tageblatt und Anzeiger ging sogar von 12.000 Zuhörenden aus. Die Leipziger Zeitungen ließen in den nächsten Tagen kaum eine Gelegenheit aus, über die Konzerte der US-Amerikaner zu berichten und ihre Leserschaft über die noch ausstehenden Auftritte zu informieren. Dass die Reaktionen auf die dargebotene Musik wie bereits erwähnt nicht nur positiv ausfielen, verdeutlicht der Artikel eines Kritikers, der zwar Sousas sicheres und ungezwungenes Dirigat lobte, ihm jedoch zugleich vorwarf, „schwierige Musikstücke“ wie die Tannhäuser-Ouvertüre „auf die leichte Achsel“ zu nehmen. Das Publikum nahm Sousa und seine Band jedenfalls so positiv auf, sodass auch die Konzerte in den nächsten Tagen überaus gut besucht waren. Dass es trotzdem zu einigen kleineren Verständnisschwierigkeiten kam, belegt ein Leserbrief, der einige Tage nach Sousa’s erstem Auftritt im Palmengarten im Leipziger Tageblatt und Anzeiger erschien: der nicht namentlich genannte Verfasser verweist auf die nur in englischer Sprache verfügbaren Programmzettel und beklagt in diesem Zusammenhang die mangelnde Höflichkeit der Gäste aus Übersee und den Umstand, „daß sich das amerikanische Publicum im umgekehrten Falle niemals ein deutsches Programm gefallen lassen würde“. Der veröffentlichte Text erschien im Lotterbrief 15 | August 2025, Seite 26 f., der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig e.V. (HLG). Abonnieren Sie den Lotterbrief unter www.lotter-gesellschaft.de/wir-ueber-uns/lotterbrief. Siehe auch – Amerikanischer Marschkönig John Philip Sousa – Dirigent „Sousa Band Press Books“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/For-Researchers/Sousa-Band-Press-Books/ „John Philip Sousa“, auf Marines. The official website of the United States Marine Corps, www.marineband.marines.mil/About/Our-History/John-Philip-Sousa/ Tobias Faßhauer, »Hands Across the Sea« – John Philip Sousa und der musikalische Amerikanismus in Kontinentaleuropa Digitale Sammlungen der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden unter < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/188075/1 > (Leipziger Tageblatt und Anzeiger) und < www.digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/141582/1 > (Leipziger Volkszeitung). © 2025 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Gespräch mit Experten – Peter Benecken über die Parks in den 90er Jahren

Peter Benecken ist Experte für Gartendenkmalpflege und als Stadtbezirkskonservator mitverantwortlich für den Erhalt historischer Park- und Gartenanlagen der Stadt Leipzig. Mit fundiertem Wissen über Landschaftsarchitektur und denkmalschutzrelevante Fragen bewertet er historische Grünflächen, begleitet Restaurierungen und Bauvorhaben. Im Gespräch gibt er Einblicke in die Entwicklung der Leipziger Parks seit den 1990er Jahren, insbesondere in den Jahren nach der Wende, berichtet über den Palmengarten und erklärt, warum der Erhalt denkmalgeschützter Freiräume weit mehr ist als das Bewahren der Vergangenheit für die Zukunft. Herr Benecken, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen. Sie arbeiten bei der Denkmalpflege in Leipzig. Können Sie uns zunächst etwas über Ihre Rolle und Ihre Arbeit berichten? Ich habe an der TU Berlin Landschaftsplanung (Landschaftsarchitektur) studiert und bin in der hiesigen Denkmalschutzbehörde für gartendenkmalpflegerische Belange zuständig. Das heißt, ich berate öffentliche und private Vorhabenträger und Antragsteller hinsichtlich aller Maßnahmen, welche auf denkmalgeschützten Freiflächen geplant sind. Ziel sind der Erhalt der denkmalrelevanten Substanz sowie des denkmalpflegerisch intendierten Erscheinungsbildes. Ist ein Vorhaben genehmigungsfähig, stelle ich im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung aus oder verfasse eine Stellungnahme in einem Baugenehmigungsverfahren. Denkmalrelevante Substanz sind insbesondere die Vegetationsstrukturen einschließlich des Baum- und Gehölzbestandes, Wegeverläufe und –pflasterungen oder –befestigungen, künstlerische Ausstattungen wie Plastiken und Skulpturen, Brunnen, Teiche, Bassins und andere Gewässerstrukturen sowie bauliche Strukturen wie Freitreppen, Stützmauern, Einfriedungen, Terrassen, Pavillons und Lauben, aber auch Bänke oder Beleuchtungskörper / Laternen. Nicht nur diese Substanz steht im Fokus, sondern insbesondere auch gestalterische Gefüge, Raumstrukturen und Sichtbezüge oder –achsen. Zuständig bin ich für geschätzt 4000 Objekte mit gartendenkmalpflegerischem Belang in Leipzig, darunter beinahe alle großen Park- und Friedhofsanlagen, und Stadtplätze, viele Villengärten und Eingrünungen älterer Wohnanlagen bis hin zu als Sachgesamtheiten erfassten Siedlungen oder historischen Krankenhausgeländen, aber auch zahlreiche Vorgärten. Inhaltliche Abstimmungen sind nicht nur mit dem Denkmalfachamt, dem Landesamt für Denkmalpflege, zu führen, sondern innerhalb der Stadtverwaltung insbesondere mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, der Naturschutzbehörde, dem Stadtplanungsamt oder dem Verkehrs- und Tiefbauamt. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Schnittmengen mit der Baudenkmalpflege, bereits dann, wenn Sanierungsarbeiten an Gebäuden mit denkmalgeschütztem Umfeld oder Garten stattfinden. In solchen Fällen sind mindestens die Bauabwicklung und Baustelleneinrichtung im Gartendenkmal abzustimmen. Wie würden Sie den allgemeinen Zustand der Parkanlagen in Leipzig in den 90er Jahren im Vergleich zu heute beschreiben? Im Verhältnis zu den baulichen Strukturen konnten zumindest in Leipzig zur Zeit der DDR die öffentlichen Park- und Grünflächen weitaus besser unterhalten werden. Dafür wurden ausreichend Personal- und Sachmittel zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusste den Ausgangszustand in den 1990er Jahren positiv, in denen keine schlechteren Finanz- und Pflegekapazitäten bestanden, als heute. Vielmehr unterhielt das städtische Grünflächenamt seinerzeit noch eine eigene Gärtnerei, in der Blüh- und Schmuckpflanzen herangezogen wurden. Entsprechend konnten in den 1990er Jahren noch weitaus zahlreichere Schmuckpflanzungen unterhalten werden, als derzeit. Für die verbliebenen Wechselpflanzungsflächen muss das Pflanzenmaterial heute extern beschafft werden, andere sind entfallen bzw. nun mit dauerhaften Stauden oder Wildblühstreifen besetzt. Andererseits bestanden in den 1990er Jahren verschiedentlich noch Überformungen aus der Zeit der DDR durch Einbauten wie Fernheiztrassen, Fahrspuren oder in Einzelfällen abgetrennten Flächen, etwa für das Ministerium für Staatssicherheit. Auch war die historische Gestaltung in etlichen Fällen verschliffen oder nicht erhalten. Welche Hauptprobleme oder Herausforderungen standen in der Pflege und Erhaltung der Parkanlagen in den 90er Jahren im Mittelpunkt? In den 1990er Jahren wurde bereits intensiv damit begonnen, die beschriebenen gestalterischen und strukturellen Überformungen aus der Zeit der DDR nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zurückzubauen. Dafür konnte schon zur Zeit der politischen Wende ein eigenes Sachgebiet Gartendenkmalpflege im hiesigen Grünflächenamt geschaffen werden. In wieweit seinerzeit tatsächlich Tendenzen von Vandalismus zunahmen, wie manchmal behauptet wird, lässt sich nur schwer abschließend beurteilen, da solche Dinge zur Zeit der DDR zwar nicht verschwiegen wurden, aber den öffentlichen Diskurs zumindest weniger bestimmten. Sicher ist jedoch, dass zahlreiche Stadtteile in den 1990er Jahren von Bevölkerungsschwund, Deindustrialisierung und Leerstand betroffen waren. Jedoch wurden die dortigen Grünflächen bewusst nicht aufgegeben oder vernachlässigt, sondern weiter mehr oder weniger intensiv unterhalten, um einen ausgleichenden Impuls zu setzen. Inzwischen hat die Bevölkerung wieder stark zugenommen und flächendeckender Wohnungsleerstand ist kein Problem mehr. Entsprechend besteht die Aufgabe heute eher darin, einer zu starken Nutzung oder Übernutzung mancher öffentlichen Grünfläche entgegen zu wirken, sowie ergänzende und zeitgemäße Angebote zu schaffen. Ein schon seit einigen Jahren relevanter Aspekt ist, den Auswirkungen des Klimawandels entgegen zu wirken. So führten die zurückliegenden trockenen und heißen Jahre auch in den öffentlichen Grünanlagen zum Ausfall bzw. Absterben zahlreicher Gehölze, darunter insbesondere viele Altbäume. Betroffen sind komplette Pflanzengruppen wie alle Ahorne, welche durch klimatische Auswirkungen erst seit etwa zehn Jahren von der sog. Rußrindenkrankheit befallen werden. Bis auf Ausnahmen dürften in der Folge insbesondere Berg-Ahorne weitgehend aus dem Stadtbild verschwinden. Gleiches trifft auch auf die üblichen Hänge-Birken oder Fichten zu. Stark betroffen sind darüber hinaus Eschen und bedauerlicherweise sogar Rot-Buchen, welche zu den gestalterisch wichtigsten Gehölzen in zahlreichen Parkanlagen gehören. Konzeptionelle und denkmalpflegerische Aufgabe ist es nun, geeignete Ersatzpflanzungen zu organisieren, welche die Aufrechterhaltung der überlieferten und zu erhaltenden Parkgestaltungen erlauben. Hinsichtlich der Nutzung sind die Schaffung zusätzlicher verschatteter Bereiche oder des Angebots von Trinkwasser neue Aufgaben. Um Letzteres zu gewährleisten, wurde begonnen, Trinkbrunnen in den öffentlichen Grünanlagen zu installieren. Und im Gegensatz zu den Jahrzehnten nach 1990 werden seit einigen Jahren auch wieder öffentliche Toiletten im meist grün geprägten Stadtraum neu geschaffen und unterhalten. Gab es in den Jahren nach der Wende besondere Initiativen oder Projekte zur Verbesserung der Parkanlagen? Wie erwähnt, konnte schon zu Beginn der 1990er Jahre ein eigenes Sachgebiet Gartendenkmalpflege im damaligen Grünflächenamt geschaffen werden. Dieses organisierte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt die Erarbeitung gartendenkmalpflegerischer Zielstellungen für die wichtigsten Parkanlagen, welche dann mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt wurden. Diese Zielstellungen sind in weiten Teilen mit den sog. Parkpflegewerken identisch und bilden die konzeptionelle Grundlage für die Unterhaltung, Sanierung und Entwicklung von Grünanlagen. Damit übernahm Leipzig eine Vorreiterrolle durchaus auch mit Blick auf das gesamte wiedervereinigte Deutschland. Schon 1993 lag entsprechend eine denkmalpflegerische Zielstellung für den gesamten Promenadenring vor, welche nunmehr, nach über 30 Jahren, überarbeitet wird. Etliche solche Planwerke für weitere Parkanlagen folgten schon im … Weiterlesen

Aus der Presse – Die Garten- und Parkanlagen der Stadt Leipzig

Die Stadt Leipzig ist infolge ihrer Lage durch unmittelbar an der Stadt liegende Laubholzwälder von bedeutendem Umfange mit schönen Beständen, wie nicht minder durch landschaftliche Anlagen um die innere Stadt, sowie durch viele bepflanzte Stadtplätze und einige grössere Parks besonders begünstigt. Die Bestrebungen für Herstellungen öffentlicher Anlagen datiren schon aus dem vorigen Jahrhundert, und sind noch einige Teile in ihren Grundideen aus jener Zeit vorhanden, wie z. B. der niedere und obere Park mit dem Schwanenteich. Der Umstand, dass Leipzig früher Festung war, ermöglichte die Entstehung der Anlagen um die innere Stadt. Die früher um dieselbe führenden breiten und tiefen Festungsgräben wurden mit den abgetragenen Wällen und durch Anfuhr anderen Materials ausgefüllt und auf den gewonnenen Flächen die Anlagen hergestellt. In den letzten 40 Jahren sind nun die Anlagen um die innere Stadt einer Umwandlung unterzogen worden, die aus dem Entwicklungsgange der Stadt im allgemeinen hervorging. Der Bau monumentaler öffentlicher Gebäude, wie des Museums und des Theaters, deren Grundflächen den Anlagen entnommen wurden, wie auch die Anlage neuer Strassen zur Verbindung der inneren Stadt mit den grossen Vorstädten, mussten notgedrungen auch Veränderungen in den Gartenanlagen herbeiführen. Die grösseren Um- und Neugestaltungen der Anlagen um die innere Stadt geschahen in den Jahren 1857 – 1858 infolge Neubaues des Museums in den Rossplatz-Anlagen. Sie erstreckten sich bis zum ehemaligen Peterstore und liessen gleichzeitig die Schillerstrasse entstehen. Ferner musste infolge des Theaterbaues der Schneckenberg, eine Anlage aus dem vorigen Jahrhundert, geopfert werden, wogegen der Schwanenteich, ein Bestandteil dieser Anlage, erhalten bleiben und namentlich durch einen unmittelbar aus dem Wasserspiegel emporsteigenden grossen Springbrunnen verschönert werden konnte. In den Jahren 1870 – 1871 wurden infolge Geradlegung der Goethe- und Verbreiterung der Parkstrasse der untere Teil des oberen und der niedere Park umgestaltet. Eine gleichfalls grössere Umgestaltung erfuhren in den Jahren 1882 bis 1883 die Anlagen des Obstmarktes, indem durch Inangriffnahme des südwestlichen Anbaues die Tieferlegung dieses Marktes, als des Schlüssels zu diesem Anbaue, zur Notwendigkeit wurde. Die weiteren Umgestaltungen in den Anlagen um die innere Stadt bestanden darin, ungenügend ausgefüllte Vertiefungen aus früherer Zeit den heutigen Verhältnissen entsprechend anzupassen, wie dies auch neugeführte Strassenanlagen erforderten. Ein Vorteil der Anlagen um die innere Stadt besteht zum nicht geringen Teile darin, dass ein breiter zu beiden Seiten mit Alleebäumen bepflanzter Promenadenfussweg von ungefähr 3,5 km Länge rings um die innere Stadt führt, welcher Weg zugleich eine Hauptverkehrsader für die ganze Stadt ist, indem er den Verkehr zwischen der inneren Stadt und den grossen Vorstädten vermittelt. Mit der Promenade in enger Verbindung schliessen sich rings um die innere Stadt in grösserer oder geringerer Breite die eigentlichen Parkanlagen an, die alle durchsichtig gehalten sind, und deren Durchsichten über verhältnismässig breite Rasenbahnen gehen. Es sei die Rossplatz-Anlage, der Obstmarkt, sowie der obere und niedere Park erwähnt. Als Glanzpunkte dieser Anlagen sind diejenigen vor dem Museum zwischen diesem und der Petersstrasse zu nennen, deren natürliche Schönheit noch mehr Reiz durch Ausschmückung mit Blumen- und Teppichbeeten, Blattpflanzen und dergl. erhält, wohingegen die übrigen Anlagen einfacher gehalten werden, dennoch aber auch durch wirksame Bilder sich auszeichnen, wie namentlich der obere und niedere Park. Mit den Veränderungen der Anlagen um die innere Stadt sind auch gleichzeitig grössere und kleinere Plätze in den Vorstädten geschaffen worden, und die Stadtverwaltung hat es sich angelegen sein lassen, jedem Stadtteil einen oder mehrere bepflanzte Plätze zum Spiel und zur Erholung für Kinder und Erwachsene zu überweisen. In erster Linie ist bei allen diesen Plätzen die baldige Erzielung ausreichenden Schattens massgebend gewesen, weshalb überall reichlich Alleebaumstellungen stattfanden und Gehölzgruppen nur insoweit angelegt wurden, als es die zu erhaltende Durchsicht zuliess. Daher blieben diese Plätze bei Berücksichtigung vollen Schattens immer durchsichtig, wodurch Reinlichkeit und anständiges Aussehen gefördert wurden. Zahlreiche Bänke sind hier wie überall in den Promenaden aufgestellt, und jeder Platz hat einen oder mehrere Spielplätze. Eine andere, schon grössere Anlage ist auf dem alten Johannisfriedhofe in den für Bestattungen nicht mehr benutzten Abteilungen desselben entstanden. Hier wurden die Einfassungsmauern niedergelegt, neue, den Verkehrsverhältnissen entsprechende Wege angelegt, die früheren Begräbnisabteilungen planirt und zu Rasenplätzen umgewandelt, der vorhandene Baumschmuck erhalten, wie auch noch bedeutend vermehrt. Die Anlage erhielt dadurch gleich den Charakter eines älteren Parkes, und nur noch einige erhaltene alte Grabdenkmäler deuten die frühere Bestimmung derselben an. Eine weitere grössere, zumteil von Häusern umgebene Anlage ist der Johanna-Park, der von dem Geheimen Kammerrat Bankier Wilhelm Seyfferth als Vermächtnis hinterlassen wurde. Bis zu seinem Tode hatte der Genannte auch die Pflege des Parkes behalten, obwol dieser immer schon der Oeffentlichkeit diente. In dem Parke befindet sich ein über 1 ha grosser Teich, in dem nach der Uebernahme durch die städtische Verwaltung ein grosser Springbrunnen unmittelbar aus dem Wasserspiegel emporsteigend errichtet wurde, der eine malerische Wirkung hervorbringt. Gleichzeitig wurden nach der Uebernahme Verbesserungen an Wegen, Wiesen, Pflanzung und dergl. vorgenommen, wie auch Wasserleitung eingelegt. Im Jahre 1890 wurde die Ostseite des Parkes einer neuen Bearbeitung unterzogen, indem die neugeführte Karl Tauchnitz-Strasse den Park berührte und hierdurch Aenderungen notwendig wurden, die für die Anlage nur zum Vorteil waren. Auf der Westseite hatte der Park schon früher durch die Bismarck-Strasse eine bedeutende Vergrösserung und Verbesserung erfahren. — Ein weiterer grösserer Park ist der Scheibenholz-Park, gleichfalls unmittelbar an der Stadt und Rennbahn gelegen und mit dem Johanna-Park durch den König Albert-Park verbunden. Er entstand aus einem Teile des auch im Besitze der Stadt befindlichen Connewitzer Holzes. Als eine grosse Laubholzparzelle mit anstehenden schönen Eichen, Ahorn, Eschen, Linden und den übrigen Bäumen unserer Wälder wurde dieselbe parkähnlich behandelt, mit Wegen durchzogen, grössere Spielplätze für Kinder angelegt, das Unterholz gelichtet, die Wasserläufe regulirt und der Boden mit Gras besäet. Es ist hier ein Park entstanden, der mit Vorliebe besucht wird, weil durch Lichtung des Unterholzes unbeschadet des Schattens eine frische Luft erzeugt wurde, die Mücken und anderes Ungeziefer nicht so stark auftreten lässt, wie dichte Waldbestände. — Auch das Nonnenholz unmittelbar am Scheibenpark und mittels Brücken über das Pleissenflutbett mit demselben verbunden, wurde einer mehr parkartigen Behandlung unterzogen und ebenso wie das weiter liegende Connewitzer Holz mit vermehrten Fahr-, Reit- und breiten Fusswegen in ausgedehnter Weise … Weiterlesen

Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Parkanlage beleuchtete die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum und vielen weiteren Unterstützern die „Blütezeit“ des Leipziger Palmengartens (1899 bis 1914). Die Ergebnisse der Forschung wurden der Öffentlichkeit in der Gerda-Taro-Lounge im Capa-Haus präsentiert. Die Ausstellung bot darüber hinaus die Möglichkeit, gemeinsam mit den Partnern, Förderern und Unterstützern verschiedene Veranstaltungsformate umzusetzen, die Livemusik, Vorträge und geführte Touren umfassten und so die Geschichte der ehemaligen Gartenanlage wiederbelebte. Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt –Kabinettausstellung mit Experten-Gremium & Begleitprogramm1.11.2024 – 28.2.2025Capa-Haus, Gerda-Taro-Lounge, Jahnallee 61, 04177 Leipzig Eintritt frei – Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag und jeden 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr (außer an gesetzlichen Feiertagen) Experten-Gremium (ehrenamtlich): Hans-Joachim-Hädicke (Privatsammler), Sebastian Ringel (Autor), Daniela Neumann (Stadt- und Parkführerin), Marius Wittwer (Stadtführer), Anne Roßburger, Mike Demmig (beide meinpark.info). Unterstützt von: HTWK Leipzig, Capa-Haus/ CAPA Culture gGmbH, Stadtgeschichtliches Museum, Stadt Leipzig – Dezernat Kultur/ Referat Strategische Kulturpolitik, Holger-Koppe-Stiftung Frankfurt a. M./ Leipzig, Universität Leipzig – Botanischer Garten/ Institut für Musikwissenschaft, Verein für Industriekultur Leipzig e.V., Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V., Förderkreis Botanischer Garten e.V., Frankfurter Palmengarten, Archiv Frau & Musik – Internationale Forschungsstätte Frankfurt a. M., Lions Club Leipzig Saxonia, Eva Meitner Conductor, Stil Haus Kollektiv, Musikpavillon Leipzig, Entdeckt in Leipzig. Die Umsetzung der Roll-Up-Ausstellung mit begleitenden Medien erfolgte durch das Kunst & Grafik Büro vonJuliane Sieber aus Halle/ Saale. www.julianesieber.de Begleitprogramm Donnerstag 7.11.2024, ab 18 Uhr –ALTES RATHAUS, FESTSAAL, Am Markt 1, 04109 Leipzig »Elfrida Andrée – Galionsfigur der europäischen Frauenbewegung«Feiern Sie mit uns das 45-jährige Jubiläum des Archivs Frau & Musik, der internationalen Forschungsstätte in Frankfurt a. M., und erleben Sie einen inspirierenden Abend mit Eva Meitner und Mary Ellen Kitchens zu Ehren der schwedischen Komponistin Elfrida Andrée (1841-1929, Dirigentin ihrer Ouvertüre im Leipziger Palmengarten) präsentiert von der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. Freitag 29.11.2024, ab 17 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Expertengespräch im Mediterranhaus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die HTWK Leipzig laden zu einem Austausch mit Frau Dr. Heubach, Direktorin Palmengarten und Botanischer Garten der Stadt Frankfurt a. M., und Prof. Dr. Wirth, Direktor Botanischer Garten der Universität Leipzig. Donnerstag 12.12.2024, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Musikalischer Salon im Capa-Haus«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und das Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig laden zu einem musikalischen Vortrag zur Musik im Leipziger Palmengarten und anderen Vergnügungsstätten um 1900. An diesem Abend findet die Preisverleihung des Gert-Triller-Preises der Notenspur Leipzig e.V. statt. Montag 13.1.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Ein Gesellschaftsabend im Palmengarten«Der Lions Club Leipzig Saxonia lädt zum Neujahrskonzert mit Trio Saviano, um Abendgarderobe wird gebeten. Insbesondere ist die Einladung auch an ein jüngeres Publikum gerichtet. Donnerstag 13.2.2025, ab 18 Uhr –CAPA-HAUS, GERDA-TARO-LOUNGE, Jahnallee 61, 04177 Leipzig »Frauen in der Musikszene um 1900«Tauchen Sie ein in eine faszinierende Welt und erleben Sie eine spannende Reise durch die Musikgeschichte. Die Musikerin Eva Meitner und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. präsentieren Musikstücke von Amelie Nikisch bis Ethel Smyth und zehn weiteren Komponistinnen. Donnerstag 20.2.2025, ab 18 Uhr –BOTANISCHER GARTEN, Linnéstraße 1, 04103 Leipzig »Exkursion in den Botanischen Garten«Der Förderkreis Botanischer Garten e.V. und die Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. laden zu einer exklusiven Sonderführung durch die Orchideenschau, die vom 22. Februar bis zum 2. März 2025 stattfindet. Bürgerinformation Innerhalb des Zeitraums der Ausstellung führten Experten die Gäste an jedem 3. Sonntag im Monat von 11 bis 16 Uhr durch die Ausstellung. Das Angebot wurde sehr gut angenommen.www.capa-haus.org Exkursion Die exklusive Sonderführung der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft e.V. durch den Botanischen Garten in Leipzig vor Beginn der Orchideenschau war ausgebucht und die beste Werbung für die Arbeit des Förderkreises vor Ort.www.lw.uni-leipzig.de/botanischer-garten

Aus der Presse – Über die Grotte der IJGA im späteren Palmengarten

Quellen zur Grottenanlage der IJGA – Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung 1893 in Leipzig. Ferner ist man mit dem Aufbau einer Grotte aus Bruchsteinen beschäftigt, die so geräumig wird, dass sie für die Besucher zugängig ist; sie soll durch Wasser und elektrische Lichtwirkungen Reiz erhalten. — Ueber der Grotte wird sich ein Tempel erheben, bezüglich desselben, sowie des einzuhaltenden Baustils jedoch noch die Verhandlungen schweben, da sich das erste Projekt als nicht geeignet erwies. — Das Wasser für die Teichanlage wird mittelst eines Motors aus dem die Ausstellung umgrenzenden Luppen-Flüsschen gehoben, fällt über die Grotte und ergiesst sich dem Wasserlauf entlang in den Teich. Der Wasserlauf wird durch 2 Brücken überspannt. Nahe den Wasserpartien sind bereits Steingruppen für Alpinen und dergleichen errichtet. [1] Ein Prachtbau wird der im Rohbau vollendete Königspavillon werden. Er steht unmittelbar an dem künstlichen See, an dessen Uferrändern bereits hochgeschossene Bambusen im Winde rauschen. Der Blick von dem Pavillon wird entzückend sein. Nicht weniger malerisch bietet sich die Scenerie von der aus Beuchaer Stein errichteten Grotte aus. Vor dem Beschauer ausgebreitet liegt der See mit der Margarethen-Insel, links der Königspavillon, dem eine riesige Silberpappel einen herrlichen natürlichen decorativen Hintergrund giebt, daneben die Baumgruppen des Restaurationsparkes und weiter nach rechts, den ganzen herrlichen Raum begrenzend, rauschende Eichen. Zwischen den Stämmen schimmert das Musikorchester durch, das an lauschiger Stelle errichtet, den Abschluß des an der Banketthalle liegenden baumbestandenen Concertplatzes bildet. Eine glückliche Lösung hat der Bau dieser ungefähr 500 Besucher fassenden Banketthalle gefunden; sie wurde in zweckmäßiger Verbindung mit einem schon vorhandenen Grundstück des Kuhthurmes errichtet, als eine elegante, bequeme Umschau ermöglichende Halle. [2] Ziemlich zahlreich sind die an passenden Stellen des Ausstellungs-Parks errichteten Pavillons, die aus Schmiede-Eisen, Wellblech, Eisenguß oder Holz in rechteckiger oder vieleckiger Grundform auf Hügeln oder in der Nähe des Wassers zur Ausführung kamen und den landschaftlichen Reiz vermehren. Von anziehender Form ist namentlich der über der Felsengrotte durch Herrn Zimmermeister Bastänier erbaute achteckige, mit geschwungener Kuppel bekrönte Pavillon, der zugleich als guter Aussichtspunct über das hintere Ausstellungs-Terrain zu empfehlen ist. Nicht weniger schön ist der von Herrn F. Mosenthin aus Gußeisen und Zinkblech hergestellte sehr zierliche Pavillon in der Nähe seines Gewächshauses. […] Kleinere Baulichkeiten aus Eisen und Wellblech sind auch vertreten, so hat z. B. die Firma Grohmann & Frosch in Plagwitz einige derartige Arbeiten angefertigt und zur Ausstellung gebracht. Wir sehen da ein Gartenhaus und einen Gartenzaun aus diesem Material, ebenso zwei Brücken über den Zufluß nach dem künstlichen See, zwischen diesem und der reizenden Felsengrotte an der südlichen Grenze des Ausstellungsparks. [3] Wir begegnen dann dicht an der Grenze des Parkes einem von Wilh. Hans-Herrnhut ausgestellten Sortiment von 300 Arten Stauden, ferner den „Palmen des Nordens“, Coniferen, in Hügelpflanzung von W. Weiße-Kamenz, steigen zur Nixengrotte hinab, wo in halbdunklem Felsenspalt die anmuthige Gestalt der Callandrelli‘schen Nymphe erscheint, und wandern den von drolligen Gnomen bevölkerten Hügel entlang den östlichen Bauten zu. Hier ladet das Zelt der Gosenbrauerei Nickau & Co. und der Bierschank der Exportbier-Brauerei von Gebr. Grüner-Fürth zur Einkehr. Gleich dicht daneben pustet Otto‘s neuer Motor der Gasmotorenfabrik Deutz, plätschert der von einer Rotationspumpe (Th. u. Ad. Frederking-Leipzig) getriebene Wasserfall. Die mit Wucht und Kraft herausknatternde Fontaine drüben am See aber verdankt ihre Entstehung einem Dampfpumpwerk von Weiße & Monski-Halle. [4] Die Firma Otto Mann in Leipzig-Eutritzsch führt uns ihre reichhaltigen Blumenzwiebel-, Samen- und Gemüse-Sortimente in geschmackvoller Weise vor. Wahre Riesen von Gurken können wir hier schauen; außerordentlich entwickelte Kohl-, Kohlrabi-, Rüben-, Salat- und Zwiebelpflanzen ec. erregen unsere Bewunderung. Mann‘sche Schweizerhäuschen ist im Innern harmonisch geschmückt mit prächtigen Gladiolen, Eriken, Fichten und Faren. Auch Alpen- und Staudengewächse, Cannas, verschiedene Sonnenblumen, Zwergpalmen, ausländische Sumpf- und Teichgewächse, ferner herrliche rothe, grüne, gelbe Hahnenkamm- Pflanzen, japanische Pracht-, Riesen-, Goldband- und andere Lilien hat diese Firma in reichster Abwechselung ausgestellt. – Doch weiter geht unsere Wanderung und wir betreten einen Weg, der über eine geschmackvoll angelegte, zierliche Brücke führt; wir gelangen zu einer Grotte, die Herr Weiße aus Kamenz in Sachsen mit Koniferen bepflanzt hat. Ueber der Grotte erhebt sich ein Pavillon, der von den Herren Zimmermeistern Bastänier und Schumann erbaut worden ist. Verschiedene urwüchsige Gnomengestalten und listige Füchse aus Terracotta tragen zur Belebung dieser Anlage bestens bei. [5] In der That war diese Ausstellung, zu welcher in der Zeit vom 25. August bis 5. September Tausende und Abertausende von nah und fern herbeiströmten, eine landschaftliche Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Das beweisen die naturgetreuen Abbildungen unseres Zeichners, denen leider eines – die Farbenpracht fehlt, die wir auch durch Worte nicht zu ersetzen vermöchten. Wandelte man auf den Kieswegen durch die weiten Anlagen, so entzückten stets neue Bilder das Auge, und es war schwierig, einen Standpunkt zu finden, von dem aus man das Ganze am besten überschauen konnte. Am günstigsten erwies sich der Ausblick von dem am äußersten Ende aufgestellten Pavillon, unter dem eine Wasserkaskade hervorbrach, und auch unser Zeichner hat diese Ansicht von der „Grotte“ aus zum Hauptstück seiner Darstellung gewählt. Drei Leipziger Kunstgärtner, J. C. Hanisch, Albert Wagner und Otto Mann, hatten sich hier in die Aufgabe getheilt, die weiten ehemaligen landwirthschaftlichen Versuchsfelder in eine entzückende Gartenanlage zu verwandeln, zwischen deren Baum-, Strauch- und Blumengruppen die gefälligen Ausstellungshallen, Kioske und Pavillons malerisch hervorragten. [6] Siehe auch – Ein Blick in die Literatur – Jubiläum-Gartenbau-Ausstellung in Leipzig Quellen zur Grottenanlage im Leipziger Palmengarten bis zur Eröffnung 1899. Bequeme Kieswege in gefälligen Windungen durchschneiden das wellenförmig auf- und absteigende weite Gartengebiet im Süden der Anlagen. Vergeblich nach Blumen suchend, flattern bunte Falter darüber; Blumen giebt es noch keine, abgesehen von den Blüthen des Rosariums im Osten des Planes, welche die ersten Palmengartengrüße auszurichten haben. Dagegen zeigen verschiedene Coniferengruppen und sonstige vielfache Anpflanzungen von Busch und Baum, daß das landschaftliche Element bereits genügend festen Fuß zu fassen begonnen hat, namentlich im südlichen Theile des Gartens, wo unweit der Brücke aus Holzgeäst im Felsbau die Grotte mit dem Wasserfall erscheint. Weiter vorn wird fleißig an der Errichtung der Fontaine im großen Weiher gearbeitet; ein zierliches Barockhäuschen ersteht am kleinen See, gegenüber ein zweiter Pavillon am Wasser, dann ganz vorn neben … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Dr. Holger Koppe zu seiner Stiftungsarbeit

Dr. Holger Koppe ist Projektentwickler in Frankfurt a. M. und Leipzig sowie Gründer der Holger Koppe Stiftung, die sich seit ihrer Gründung für die Förderung ernster Musik und die Erinnerung an Opfer von Gewaltherrschaft einsetzt. Der promovierte Jurist spricht über seine persönlichen Erfahrungen, die Stiftungsarbeit in beiden Städten und darüber, wie er junge Menschen für die Bedeutung von Musik und Demokratie sensibilisieren möchte. Zudem gewährt er Einblicke in seine Beweggründe und die Vision, die hinter seiner Stiftung stehen. Dr. Koppe, ich danke Ihnen sehr für Ihre Zeit. In diesem Interview wird es um ihre Stiftung gehen, die Sie 2013 gegründet haben. Was waren dabei Ihre Beweggründe und was sind Ihre Schwerpunkte? Zu Lebzeiten eine Stiftung gründen kann man nur, wenn man dafür ein ausreichendes Vermögen hat. Das kann entweder ein Erbe sein oder das Ergebnis langjähriger und erfolgreicher Arbeit. Ein Erbe bin ich nicht, denn meine Eltern waren Flüchtlinge aus Pommern und Schlesien und haben nach ihrer Flucht beim Nullpunkt angefangen. Aber ich habe immer viel gearbeitet und mache das auch mit 74 Jahren noch gerne. Ich wollte der Gesellschaft, die mir das ermöglicht hat, wieder etwas zurückgeben. Die Stiftung wird später mein Erbe sein. Heute besteht die Stiftung seit zwölf Jahren. Sie ist eine kleine Stiftung mit einem überschaubaren Budget, hat sich aber dennoch ein Profil in den Bereichen Musik und Erinnerung geschaffen, auch deshalb, weil sie sich auf die Standorte Frankfurt am Main und Leipzig konzentriert. Sie haben die Stiftung in Frankfurt und Leipzig etabliert. Können Sie uns mehr über die Auswahl dieser beiden Städte und Regionen erzählen? In Frankfurt wohne ich, in Leipzig bin ich seit 35 Jahren nahezu jede Woche vor Ort, weil ich dort ein Unternehmen aufgebaut habe. Ich finde es wichtig, dass auch die Region Leipzig von meinen Stiftungsprojekten profitieren kann. Für eine Ausweitung über diese beiden Regionen hinaus ist die Stiftung aktuell zu klein. Noch ein Wort zur Erinnerung: ich bin in Landsberg am Lech geboren. Dort hat Adolf Hitler „Mein Kampf“ geschrieben. In meinem Geburtsjahr wurden dort die letzten deutschen NS-Verbrecher hingerichtet. Und als Kind hat sich mir 1964 der Auschwitz-Prozess tief in die Erinnerung eingegraben. Antworten darauf habe ich von meinen Eltern leider nicht bekommen. Die Stiftung setzt sich für die Vermittlung von ernster Musik ein, vor allem für junge Menschen. Dabei konzentrieren Sie sich nicht auf die Förderung einzelner Musiker, sondern auf den Zugang zu ernster Musik für junge Menschen. Was genau möchten Sie mit diesem Ansatz erreichen? Beim Thema Musik muss ich vorwegschicken, dass ich selbst kein Instrument spiele. Meine Frau hat früher Ballett getanzt und Klavier gespielt. Noten lesen kann ich nicht. Ich liebe aber klassische Musik, weil sie eine ungemein beruhigende Wirkung auf mich hat, insbesondere in stressigen Zeiten. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, keine künftigen Spitzenmusiker zu fördern, sondern einen Beitrag zu leisten, dass junge Menschen früh mit ernster Musik in Berührung kommen und einen Zugang zu ihr finden. Idealerweise lernen sie ein Instrument und musizieren gemeinsam im Ensemble. Das halte ich für einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2016 vergibt meine Stiftung den Mitteldeutschen Jugendmusikpreis. Wir haben das 2022 dahingehend mit der Erinnerung verbunden, dass die Ensembles sich mit der Musik verfolgter und ermordeter Musiker beschäftigen und wir über ihre Musik den so wichtigen Zugang zu ihnen finden, um diese Menschen nicht zu vergessen. Sie betonen, wie wichtig die Erinnerung an Opfer von Gewaltherrschaft für Sie ist. Wie sehen Sie die Rolle der Stiftung in der aktuellen politischen Landschaft und welche Botschaft möchten Sie insbesondere jungen Menschen vermitteln? Als ich 2013 meine Stiftung gründete, hat sich in Deutschland auch die AfD gegründet. Das war aber damals noch eine ganz andere Partei. Ich habe mir nicht vorstellen können, wie sie sich entwickelt und welche Rolle sie heute in Deutschland einnimmt. Ich bin extrem besorgt über die mögliche weitere Entwicklung. Die deutsche Geschichte lehrt uns, zu was Menschen fähig sind, wenn statt Freiheit und Demokratie Hass und Gewalt dominieren. Die so wichtige Erinnerungsarbeit soll dabei helfen zu verhindern, dass sich heute ähnliche Strukturen bei uns im Land entwickeln wie zu jener Zeit. Haben Sie ein Buch, das Sie zum Lesen empfehlen würden? Es gibt viele Bücher, die ich empfehlen kann. Eines davon ist „Februar 33“ von Uwe Wittstock, in dem die Tage vom 28. Januar bis zum 15. März 1933 aus der Sicht von engagierten Zeitzeugen beschrieben werden. In so wenigen Tagen hatte sich alles entschieden, alle demokratischen Strukturen wurden zerschlagen. Viele der beschriebenen Zeitzeugen haben sich in diesen sechs Wochen von einem auf den nächsten Tag entscheiden müssen, ob sie mit ihrer Familie das Land verlassen und Emigranten werden oder nicht. Das wollen wir keinesfalls noch einmal erleben. Zum Abschluss, was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Stiftung? Da ich nicht weiß, wie lange ich die Stiftungsarbeit noch begleiten kann, wünsche ich mir natürlich, dass auch nach meinem Ausscheiden die Stiftung gute und nachhaltige Projekte unterstützen kann und das noch sehr lange Zeit. Bestenfalls dann mit mehr finanziellen Spielräumen. Derzeit mache ich vieles selbst, aber ich habe das Ziel, professionellere Strukturen aufzubauen. Daraus erhoffe ich mir für die Zukunft eine größere Unterstützung der Stiftungsarbeit. Dabei setze ich auch auf meinen Stiftungsbeirat, der die Stiftung seit ihrer Gründung begleitet und berät. Aktuelles: www.koppe-stiftung.de © 2025 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

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