Aus der Presse – Park Meusdorf wird zum Luna-Park umgestaltet

Ein Leipziger Lunapark. Den gibt es zwar noch nicht, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann wird Leipzig einen solchen Lunapark haben, auf den es stolz sein darf. Hinter dem Völkerschlachtdenkmal nämlich, im Park Meusdorf, wird dieser Lunapark entstehen. Herr Julius Guthardt, der jetzige Besitzer von Park Meusdorf und bestens bekannte Wirt des Lehrervereinshauses in der Kramerstraße, hat mit der Umgestaltung des Etablissements Park Meusdorf bereits begonnen, und wenn diese Umgestaltung in etwa drei Wochen beendet sein wird, kann man mit Fug und Recht von einem Leipziger Lunapark sprechen. Schon jetzt zeigt sich, was dort entstehen wird. 30 000 Menschen wird das Riesenetablissement in Zukunft aufnehmen und bewirten können und allein für 10 000 Personen sind bei ungünstiger Witterung überdachte Räume vorhanden. Die Gaststube im alten Gebäude ist schon jetzt fertig und macht in ihrer neuen Dekorierung einen sehr anheimelnden Eindruck. In der ersten Etage soll der alte Tanzsaal zu einer niedersächsischen Bauernstube und somit zu einem gemütlichen Kneiplokal umgestaltet werden. Vom Parkeingang links werden die Kassenräume, rechts ein Postamt und eine Sanitätswache Platz finden. In der Ostfront des Grundstücks entsteht ein großer Musikpavillon für die Militärkonzerte, die vom Frühjahr ab im Park Meusdorf geboten werden. Der Riesentanzsaal wird um 464 qm vergrößert und wird dann der größte Tanzsaal Deutschlands werden. Seine innere Dekoration — die Wände zeigen unten ein schlichtes graues Paneel und darüber ein leuchtendes Gelb, zu dem das goldgelbe Gewebe, das unter dem Dache ausgespannt ist, und das völlig in Dunkelblau gehaltene Orchester, eine geschmackvolle Farbenkomposition geben. Hinter dem Tanzsaal ist das neue Weinfoyer bereits fertiggestellt. Ein lauschigeres Plätzchen zum Erholen während der Tanzpausen kann man sich kaum denken. Grünes Linoleum bedeckt den Fußboden, die Wände zeigen über einem gelben Paneel glattweiße Flächen, die nach oben durch goldene Lorbeer-Girlanden abgeschlossen sind. Durch farbenprächtige künstliche Weinspaliere sind lauschige Nischen geschaffen, in denen bequeme weiße Korbsessel zum Sitzen laden. Der Theatersaal wird von einem völlig abgeschlossenen Gesellschaftsgarten umgeben werden, an dessen südlicher Ecke die Rostbratwurstbraterei ihren Stand finden soll, während an der nördlichen Seite eine Außenküche mit Schlächterei, eigener Bäckerei, einem großen Bier-Büfett und Kaffeeausgabe ihren Platz finden wird. Die nördliche Ecke sollen große Schuppen füllen, die für 60 Wagen und Autos Unterstand bieten. Vielleicht aber das Eigenartigste und Anziehendste des neu entstehenden Riesen-Etablissements wird der Kinderspielplatz. Hier wird nicht nur dem Spiel die Hand geboten, sondern eine mustergültige, der wertvollen körperlichen Betätigung der Jugend gewidmete Anlage geschaffen. Vier Karussells, die modernsten Turn- und Sportgeräte sollen hier den Kindern Unterhaltung und körperliche Bewegungsmöglichkeit bieten. Um den Spielplatz wird eine Reitbahn für Eselreiten und um diese eine abgeschlossene Fahrbahn angelegt, auf der in kleinen Korbwagen mit Schottland-Ponys Spazierfahrten unternommen werden — alles für 10 Pfennige —. Neben dem Kinderspielplatz entstehen zwei ganz neue Hallen für 2500 Personen. Diese Hallen find verbunden durch eine Ueberbrückung, auf der eine zweite Militärkapelle auch in diesem Teil des Parkes für musikalische Unterhaltung besorgt sein muß. Besonders hervorzuheben ist noch, daß das ganze Riesenetablissement eine neue eigene Kläranlage und eine neue Anlage für eine feenhafte Beleuchtung erhalten hat. In sanitärer Hinsicht dürfte Park Meusdorf vorbildlich sein, und das zuvor Gesagte deutet an, daß dieses Riesenvergnügungsetablissement einzig dastehen dürfte und eine Zierde Leipzigs sein wird. Ein Leipziger Luna-Park, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 13. November 1910, S. 13.

Aus der Presse – Die Frühjahrs-Rennen im Scheibenholz

Die lakonische Prognose „Nordwestwind, wolkig, kühl, Regen“ ließ für gestern, den ersten Tag des Frühjahrs-Meetings, nicht viel Erfreuliches erwarten, zumal das zweite Rennen mit einem leichten Regenschauer einsetzte und damit recht pessimistische Lenzgefühle erweckte. Doch nur eine Stunde malte sich der Himmel in Grau, dann setzte ein leichter Wind ein, schob den düstern Vorhang zurück und gab die wärmsten Sonnenstrahlen frei. Nun lag der smaragdgrüne Plan, umgürtet von dem im frischen Maiengrün prangenden Waldsaum und umzogen von Schwarzdornhecken, frei und gab damit dem bunten Bilde den heiteren farbensatten Untergrund. Der Frühling prägte sich auch sattsam in den geschmackvollen Toiletten der Damenwelt aus: die Vorliebe für leuchtende Rosen, für Flieder und Vergißmeinnicht, Margueriten ließ ihre Hüte mit reichem Blumenschmuck zieren und die diskreten blauen, graublauen und grüngrauen Farben der Roben trugen in die Besuchermengen einen aparten Schimmer. Zahlreiche Uniformen belebten das wechselnde Bild auf der Tribüne, wie auf dem Sattelplatz. Große Gruppen Wettlustiger drängten sich dann gleich einem Bienenschwarm zum Totalisator, sammelten sich dann, als die schrillen Startglocken zum Kampf auf dem Rasen riefen, längs der Bahn und auf den erwählten Plätzen und harrten des fesselnden, sportlichen Schauspiels. Auf dem Sattelplatz konzertierte das Musikkorps des 19. Husarenregiments, drüben am Damm die Kapelle Gustav Curth. Es war ein verdienstvolles, freudig begrüßtes Entgegenkommen des Direktoriums des Leipziger Rennklubs, daß es diesmal mit Rücksicht auf die Leipziger Geschäftswelt den Beginn des Rennens auf 3 ½ Uhr angesetzt und damit die Gelegenheit zu einem noch nie dagewesenen Besuch des Rennens gegeben hatte. Diese Einrichtung wurde dankbar anerkannt. Die Tribüne, von deren Türmen die Fahnen lustig im Winde flatterten, war gut besetzt und auch der Sattelplatz zeigte einen Verkehr, dem bei der begreiflichen Spannung der einzelnen über den Ausfall des Rennens jene Lebhaftigkeit innewohnte, wie sie sich immer bei den sportlichen Ereignissen auf dem weiten herrlichen Gelände am Scheibenholz zu äußern pflegt. Unsere den Rennsport aufmerksam verfolgende Leipziger Bürgerschaft lieh dem Rennen in allen seinen Phasen wiederum ein hohes Interesse und die militärischen Kreise, in deren Mitte sich auch der Brigadekommandeur Generalmajor Gadegast befand, waren in stattlicher Zahl vertreten. Alles in allem hinterließ das Rennen, dem der Himmel seine Gunst doch noch gegeben hatte, den befriedigsten Eindruck bei allen, die ihm beiwohnten und die mit dieser Stimmung beim Klang der Abendglocken nach sechs Uhr den sonnenbeschienenen, maigrünen Plan der Leipziger Rennbahn verließen […] [1] Obwohl die Wetterprognose für den gestrigen Tag wenig aussichtsreich gegeben war und durchaus keine besonders befriedigenden Stunden für den anregenden Rennsport, der seine wachsende Volkstümlichkeit zu bewahren weiß, verhieß, so hatte doch die sportliche Veranstaltung unseres Rennklubs ungezählte Scharen von Besuchern zur herrlichen Bahn am Scheibenholz geführt und ihnen am vierten Renntag ein vom Himmel vollauf begünstigtes equestrisches Schauspiel bereitet. Kühl zeigte sich die Temperatur, wolkig der Himmel, aber der kräftig wehende Wind trieb die drohenden Regenwolken nach und nach hinweg, öffnete ihren schweren Schleier und machte den Aether frei, so daß sich am Ende der ohne Unfall verlaufenen Rennen lachender Sonnenschein über das weite Gefilde ergoß. Post nubila Phoebus! Die Anziehungskraft des anregenden Sports ließ schon frühzeitig die Massenwanderung nach Damm, Tribüne und Sattelplatz entstehen. Hinter den geschnittenen grünen Buschbarrieren, welche die Bahn von dem Fahrweg trennen, rollten unaufhörlich Droschken, Automobile, Equipagen nach dem Plan und seinen einzelnen Beobachtungsplätzen, und hier entwickelte sich bald ein buntbelebtes Bild des Verkehrs, wie es die Rennen zu Leipzig immer aufzuweisen pflegen. Weithin trug der Wind den Schall der Weisen, die bald von der Kapelle des 77. Artillerie-Regiments auf dem Sattelplatze, bald von der Kapelle Gustav Curth auf dem Damm angestimmt wurden, und verlieh dem Rennen das gewohnte musikalische Signum. In tadellos schöner Verfassung lag der herrliche Rennplan vor aller Augen. Seine leicht geschwungene Linienführung in Elipsenform, seine glatt geschnittenen grünen Hürden, seine vollen Büsche stempelten ihn aufs neue zu einer einzigartigen landschaftlichen Anlage. Es läuten die Glocken zum Start. Im raschen Bewegen sucht die Menge ihren Platz. Die einen schauen von der Plattform des Verwaltungsgebäudes, das leuchtende Crimson Rambler umziehen, dem fesselnden Rennen zu, die andern von der Orchesterhalle, die scharlachrote Geranien umsäumen, während die übrigen sich weit über das Gelände verteilen. Das Rennen beginnt mit allen seinen spannenden Phasen. Alles drängt sich an die Barrieren, dann wird der Sieger mit einem schmetternden Tusch empfangen. Sein Ehrenpreis befindet sich unter den Trophäen, die in einer Vitrine die vom Leipziger Rennklub gestifteten kostbaren Stücke, einer Kristallbowle mit Silberbeschlag, einem vergoldeten hohen Pokal, einem Silberbesteckkasten und einer goldenen ziselierten Fruchtschale bestanden. Die sommerliche Zeit hatte auch gestern wieder ihren Einfluß auf die Toiletten geltend gemacht und anziehende Modebilder innerhalb der Besucherwelt zum Vorschein kommen lassen; duftige Toiletten in Hellblau, in Resedagrün, in lichtem Gelb und Lila, in Braun und in Weiß, überlegt oft von leichten Schleiern, selbst wie es die neueste Mode gebieterisch erheischt, „gebunden“, und große Hüte mit Reiherstutz und Straußenfedergarnitur und mit einer Fülle von Blumen. So verlieh die Damenwelt dem Ganzen das freundliche Relief. — Kurz nach 6 Uhr waren die interessanten Rennen beendet, die wiederum den Beifall der ungezählten Tausende gefunden haben […] [2] [1] Die Frühjahrsrennen zu Leipzig. Erster Tag, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Sonntagsausgabe vom 16. Mai 1909, S. 14. [2] Die Rennen zu Leipzig, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 27. Juni 1910, S. 2.

Aus der Presse – Der künftige König-Albert-Park

Was zunächst die Gesammtfläche des Parkes anbetrifft, so läßt sich dieselbe auf rund 400 000 qm bemessen. Da der neue Stadtpark bei dieser großen Ausdehnung einen besonderen Anziehungspunct für die gesammte Bevölkerung unserer Stadt abgeben wird, so sind die geplanten Wegeverbindungen in umfassender Weise angeordnet. Namentlich sind sämmtliche Querverbindungen mit der Carl-Tauchnitz-Straße und den Seitenstraßen der Bismarck-Straße berücksichtigt und gleichfalls die Längsverbindungen von der Carl-Tauchnitz-Straße nach L.-Plagwitz und Neuschleußig gebührend berücksichtigt worden. Das Scheibenholz bleibt in seinen Fußwegverbindungen unberührt und es schließen sich die neuen Wege und die Pflanzungen diesen an. Die Umgebung des vorderen Teiches anlangend, so ist zunächst unmittelbar um den Teich ein 2,5 m breiter, durch erhöhten Sandstein abgegrenzter Fußweg angenommen, wobei dem Fahrwege an den beiden Längsseiten des Teiches noch 8 m Breite bleiben, was bei der zweiseitigen Führung als völlig ausreichend angesehen werden kann. In den Ausbiegungen hat der Fahrweg 11 m Breite. Zur besseren Lösung der durch den Teich bedingten Regelmäßigkeit ist auf jede Seite desselben noch ein größeres Rechteck mit Alleebäumen vorgesehen und hierdurch der Uebergang zur natürlichen Anordnung geschaffen. Diese Rechtecke sind geeignet, später eine mehr oder minder reiche Ausschmückung von Blumen und Blattpflanzen aufzunehmen. An das westlich gelegene Rechteck und in der Queraxe des Teiches soll sich ein Hügel anschließen, auf welchem später eventuell ein Musiktempel für öffentliche Promenadenconcerte zu errichten wäre. Hierbei wird die freie Bewegung, begünstigt durch 7 m breite Fußwege, größere Ansammlungen des Publicums gestatten. Der Hügel wird eine wirksame Unterbrechung der sonst ebenen Flächen des Vorgrundes hervorrufen, eine bewegliche Gestaltung desselben durch erhöhte und vertiefte Flächen gestatten, sich günstig von den rückwärts liegenden Anlagen an der Bismarckstraße abheben und die Aussicht über den ganzen Vorgrund (nach dem Teiche, dem Scheibenholze und der Carl-Tauchnitz-Straße) günstig beeinflussen. Dem Hügel gegenüber, östlich vom Teich ist ein größerer Sitzplatz angenommen. Im weiteren Verfolg der König-Albert-Allee ist nördlich von dieser in der Mittelaxe des hinteren Teiches (also dort, wo das Ausstellungs-Varieté-Theater stand) ein Berg gedacht, der eine höhere und kräftigere Gestaltung erfahren soll, als der zuerst gedachte Hügel. Es soll dieser Berg eine Uebersicht über den Gesammtpark gestatten und vermöge seiner Lage als Kernpunct des Parkes zu betrachten sein. Auf der anderen Seite des hinteren Teiches ist am Waldrande des Scheibenholzes eine größere Gastwirthschaft geplant, etwa in den Verhältnissen wie Bonorand im Rosenthale. Dieselbe soll mit Terrassen versehen werden und höher liegen, als der Fluthrinnen-Damm, damit dieselbe aus den Wiesennebeln herausgehoben wird. (In dem jetzigen Plan sind die Kosten für eine solche Gastwirthschaft noch nicht berücksichtigt worden.) Es ist hierbei anzunehmen, daß zwischen Gastwirthschaft, Teich und Berg eine vortheilhafte Wirkung entsteht. Die Umgebung des hinteren Teiches ist im Gegensatze zum vorderen Teiche bewegt gedacht, und zunächst der König-Albert-Allee sind erhöhte Punkte angenommen, welche später durch kleine Tempel, bez. Pavillons verschönt werden können. Diese kleinen Hügel sind durch Steinpackungen mit dem Wasser in natürlicher Art in Verbindung gedacht, so daß kleine Felsenpartien entstehen sollen, die, mit niedrigen Stauden und Sträuchern bepflanzt, den Blick über den Teich freihalten. Im Weiteren sind die Teichufer in der Erdarbeit bewegt gedacht, mit kleinen bepflanzten Erhöhungen, um Abwechselung in die sonst ebenen Flächen zu bringen. Die Wege um den Teich, besonders in der Nähe der Gastwirthschaft, sind für größere Ansammlungen des Publikums berechnet. Im weiteren Verfolg des Planes ist die König-Albert-Allee bis nach Neuschleußig durchgeführt und mit dem Nonnenfahrwege in Verbindung gebracht. In der Mitte zwischen Fluthrinne und Nonnenfahrweg (also etwa dort, wo die Maschinenhalle der Ausstellung gestanden hat) ist ein Rundtheil als Fahrschleife angenommen, welche bei Corsofahrten oder sonstigen Festlichkeiten die Umkehr in leichter Weise gestatten soll. Auf dem Areal jenseits der Fluthrinne, zwischen dieser und dem vorerwähnten Rundtheil, würde auch ein künftiges dauerndes Ausstellungsgebäude seinen Platz erhalten können. Das Areal läßt die Bebauung mit einem Gebäude bis zu 20 000 Quadratmeter Grundfläche zu. (Die Maschinenhalle der Ausstellung bedeckte ohne die Seitenbauten – Metallindustrie, Kirchner – 15 000 Quadratmeter Grundfläche.) Die Kosten für ein solches Ausstellungsgebäude würden allerdings beträchtliche sein. Durch vorstehende Darlegungen ist der Plan im Allgemeinen erläutert. Im Besonderen ist noch Folgendes anzuführen. Der Fahrverkehr ist in der Weise bedacht, daß – außer der König-Albert-Allee – eine Fahrverbindung längs der Fluthrinne in Verbindung der Bismarckstraße mit der Rennbahn angenommen ist. Diese Fahrstraße soll, dem Bebauungsplane entsprechend, mit dem Schleußiger Wege und der Kronprinzstraße in Verbindung gebracht werden. Die Straße ist mit 20 m Breite angenommen und führt die Fußwegpromenade der Bismarckstraße in 8 bez. 9 m Breite weiter bei 11 m Fahrbahnbreite, in welcher ein Reitweg aufgenommen ist. Die Ausführung der Straße wird auf den Baumbestand des Scheibenholzes keinen weiteren Einfluß ausüben. Es werden allerdings (mit Berücksichtigung der Böschung) 163 Bäume zu schlagen sein, von denen jedoch nur 23 Bäume als nennenswerth zu bezeichnen sind. Der Reitverkehr ist in der Weise geregelt gedacht, daß der Reitweg von der Carl-Tauchnitz-Straße seine Fortsetzung in einem Anlagenwege neben der verlängerten Marschnerstraße, einbiegend in den früheren Johannaparkfahrweg, und weiter in der Bismarckstraße – Nonne oder Fluthrinnenstraße – Rennbahn finden soll. Dem sich immer mehr entwickelnden Fahrradverkehr soll entsprechende Beachtung geschenkt und ihm, wo es angänglich ist, eigene Wege angewiesen werden. Es ist angenommen, daß der Radverkehr von der Weststraße aus durch den Johannapark, weiter von der Marschnerstraße aus neben dem Reitwege (früherem Johannaparkfahrwege), ferner mit kurzer Berührung der König-Albert-Allee neben der Fluthrinnenstraße und von dieser abbiegend über eine kleine Uebungs- oder Sammelbahn zur Nonne geführt wird. Die Kosten der Fahrradwege sind auf 3620 Mark bereits in den Haushaltplan auf das Jahr 1899 eingestellt worden. Was die Jugendspiele anbelangt, so konnten bei dem bedeutenden Umfange des Parkes zu diesem Zwecke entsprechend große Plätze angewiesen werden. Es ist diesseits der Fluthrinne für kleinere Kinder zum Spielen in Erde und Sand ein Platz von 2475 Quadratmeter und für größere Kinder ein Rahmspielplatz von 6760 Quadratmeter Größe angenommen. Beide Spielplätze würden durch anzupflanzende Hecken ihren Abschluß erhalten. Jenseits der Fluthrinne können die Wiesen zu beiden Seiten der König-Albert-Allee zu Fußballspielen benutzt werden und am Waldessaume der Nonne sind Lawn-Tennis-Plätze vorgesehen, von denen auch einige eventuell unterhalb der Bismarckstraße angeordnet werden könnten. In … Weiterlesen

Neues Deckengemälde – Realisierung der Idee nach 100 Jahren

Im Zuge der Errichtung des Leipziger Musikpavillons im Jahr 1912 war eine Deckenmalerei vorgesehen, um die künstlerische Gesamtwirkung des Konzertpavillons zu steigern. Aus Kostengründen wurde die Idee zu dem Zeitpunkt noch nicht umgesetzt. Erst im Jahr 2012, nach 100 Jahren, ist die Idee eines Deckengemäldes auf Initiative des Pächters Eberhard Wiedenmann im Rahmen eines Studienprojektes der Fachklasse II der Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst verwirklicht worden. Dies geschah in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern der Stadtverwaltung, das Amt für Stadtgrün und Gewässer und der Denkmalpflege. Während der Umsetzung erhielten die Studierenden fachkundige Unterstützung von den Mitarbeitern der zuständigen Ämter, um die zeitgenössische Kunst und die Geschichte des Kulturstandortes auf künstlerische und ausdrucksstarke Weise zu verbinden. Die Leipziger Denkmalpflege legte besonderer Wert auf eine angemessene und qualitativ hochwertige Ausführung der Deckenmalerei auf hohem künstlerischem und inhaltlichem Niveau. Dem Umsetzungsvorschlag stimmte in letzter Instanz die obere Denkmalschutzbehörde in Dresden als „Maßnahme der gestaltenden Denkmalpflege“ final zu. Die Realisierung des 48 Quadratmeter großen Bildes, unter der Leitung von Christian Weihrauch und Professor Heribert C. Ottersbach, dauerte sieben Wochen. Es zeigt das Gelände um den Musikpavillon herum, den ehemaligen Ausstellungspark zur Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung (STIGA) von 1897. Dabei werden grafische Linien und farbige Strukturen verwendet, um eine künstlerische Darstellung der Topografie unter freiem Himmel im Zentrum der künftigen Parkanlage zu betonen. Am 14. September 2012 wurde im Rahmen der 100-jährigen Jubiläumsfeier des Musikpavillons das neue Deckengemälde im heutigen Clara-Zetkin-Park offiziell eingeweiht. Über 600 Gäste erlebten einen besonderen Jubeltag, der ohne das bürgerschaftliche Engagement des Pächters möglicherweise nie zustande gekommen wäre. Nach finanziellen Schwierigkeiten der Stadt und der Gefahr des Einsturzes sollte der Musikpavillon nach 1990 eigentlich abgerissen werden und verfiel in einen unsicheren Dornröschenschlaf. Die Stadtverwaltung plante sogar den Neubau eines zweckmäßigen Gebäudes als Ersatz. Doch 2004 gelang ein Neuanfang für das Kulturdenkmal durch den Pächter Eberhard Wiedenmann. Mit Mut und Durchhaltevermögen gelang es ihm und seinem Team gemeinsam mit Unterstützern wie den zuständigen Ämtern der Stadtverwaltung, dem Architekturbüro Roland Keil und der Fachklasse der Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, den Leipziger Musikpavillon denkmalgerecht zu sanieren, zu modernisieren und die ursprüngliche Idee für eine hochwertige Deckenmalerei erfolgreich umzusetzen. In ihrer Rede würdigte Amtsleiterin Inge Kunath, Amt für Stadtgrün und Gewässer, dieses Engagement und weihte gemeinsam mit Pächter Eberhard Wiedenmann und Professor Heribert C. Ottersbach von der Hochschule für Grafik und Buchkunst das neue Deckengemälde unter dem Applaus der anwesenden Gäste ein. Die Studentinnen und Studenten erfüllten die Anforderungen einer Umsetzung auf hohem künstlerischem und inhaltlichem Niveau zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Im weiteren Verlauf der Jubelfeier erhielt die Notenspur-Initiative eine großzügige Spende aus dem Eisverkauf der speziell für den Anlass kreierten Notenspur-Eiskreation des San Remo Eiscafés. Das Westsächsische Symphonieorchester bot ein beeindruckendes Jubiläumskonzert zu Beginn ihres eigenen Jubeljahres. Das Abschlussspektakel wurde von den drei Musikern des Klangprojekts um Thomas Feist (MdB), dem damaligen Schirmherrn des Musikpavillons, dargeboten. Ihre spirituell reiche und frei komponierte Musik wurde begleitet von einem beeindruckend orchestrierten Feuerwerk von Fire & Magic am Ende der Feier. Siehe Musikpavillon im König-Albert-Park – Chronik 1908-1921

Musikpavillon im König-Albert-Park – Chronik 1908-1921

1908 — In einem Artikel in „Der Fortschritt“, Nachrichten der Mittelstandsvereinigung im Königreich Sachsen Nr. 11, wurde der Wunsch von Bürgern geäußert, den König-Albert-Park durch öffentliche Konzerte zu beleben. Bei der September-Sitzung der Deputation für Forst- und Anlagewesen unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Dittrich entstand der Beschluss, die Gartendirektion zur Platzfindung aufzufordern und mit dem Garnisonkommando über die Nutzung der Militärkapellen zu verhandeln. Nach der Meinung des Oberbürgermeisters werden die öffentlichen Platzmusiken bei den Bürgern großen Beifall finden. Im November empfahl die Gartendirektion, den Konzertplatz längs der Achse des vorderen Teiches im vorderen Teil des König-Albert-Parks zu errichten. Die breiten Promenadenwege bieten dem Publikum die Möglichkeit über drei Zugänge von den Hauptverkehrswegen aus, den Konzerten prominierend zu lauschen. 1909 — Das Hochbauamt, unter Leitung von Herrn Stadtbaurat Scharenberg, beschloss in seiner Mai-Sitzung anfangs eine halbkreisförmige Grundrissform mit einer Länge von 10 m, einer Tiefe von 6,40 m und einer Höhe von 9,70 m. Die Bühne liegt einen Meter erhöht über den Anlagewegen. Der Innenraum soll ungefähr 40 Musiker Platz bieten. Das Erdreich wird ausgeschachtet und der Keller hat eine Deckenhöhe von 1,65 m, um Stühle und Notenständer für Musiker unterzubringen. Die Belichtung des Lagerraumes ist mit Verwendung von Glasbausteinen vorgesehen. Der Boden des Pavillons erhält einen Asphaltüberzug, der Sockel und die Zugangstreppe sind aus Stampfbeton, der gesamte Pavillon erhält eine Holzkonstruktion mit Verzierungen, dessen Gesamtwirkung durch eine entsprechende Malerei erhöht werden sollte. Als Baukosten waren 10.800 Mark veranschlagt. Die Juli-Sitzung der Deputation für Forst- und Anlagewesen erörterte das Hinzuziehen von Stiftungsmitteln aus der Oskar-Meyer-Stiftung und der Grossmann-Stiftung zur Finanzierung des Pavillons und beschloss bis zur abschließenden Klärung die Zurückstellung des Bauvorhabens. Weitere Teilnehmer waren Stadtrat Esche, Stadtbaurat Scharenberg, Stadtbauinspektor Peters, Gartendirektor Hampel, Oberförster Dietze, Ratsförster Zacharias. Nach Prüfung der Skizzen und des Lageplans konnten im August Stiftungsmittel aus der Oskar-Meyer-Stiftung für die Ausschmückung des König-Albert-Parks (6.600 Mark) und aus der Grossmann-Stiftung für „Verschönerungszwecke“ (2.800 Mark) in Aussicht gestellt werden. 1911 — Damit das Bauvorhaben aus Stiftungsmittel finanziert werden konnte, beschloss die Deputation für Forst- und Anlagewesen in ihrer Dezember-Sitzung auf Vorschlag des Oberbürgermeisters „den Pavillon nur aus Eisen herzustellen und zwar so, dass er ringsum frei ist, also keine Schallmuschel erhält, weil diese von hinten gesehen einen unschönen Eindruck macht.“ Stadtbaurat Scharenberg empfahl einen Betonsockel und darauf ein eisernes Gestell zu bauen. 1912 —   Das Bauvorhaben des Pavillons wurde im Leipziger Tageblatt dokumentiert. Der Rat der Stadt genehmigte am 13. April auf Grundlage der Vorplanungen, dem Wunsche nach die Errichtung eines Musikpavillons im vorderen Teil des König-Albert-Parks. Die Kosten für den neuen Konzertplatz belaufen sich auf 12.540 Mark und werden aus Stiftungsmitteln finanziert. In der April-Sitzung der Deputation wurde festgelegt, Markisen am Pavillon anbringen zu lassen. Die Bauvorbereitenden Maßnahmen zur gärtnerischen Umgestaltung des Platzes fanden unter der Leitung von Gartendirektor Hampel und Herrn Molzen statt. So wurde für eine Summe von 1.440 Mark eine Fläche von 870 m² eingeebnet und befestigt, 115 lfd. m Hecken angepflanzt und 230 m² Rasenfläche im Anschluss an die neu hergestellten Wege eingerichtet. Der Rat der Stadt bewilligte am 11. Mai ein Berechnungsgeld von 750 Mark für die Veranstaltung von Musikaufführungen zu Lasten des Haushaltskontos 12 – Drucksache Nr. 236/1912. Die Kosten werden zur Hälfte der vormals geschätzten Summe vom Haushalt übernommen und finanziert abwechselnd in der Woche einmal stattfindende öffentliche Musikaufführungen im König-Albert-Park. Zusätzlich zu einer Ortsangabe wurde die Platzwahl als günstig beschrieben, da breite Wege und eine große Anzahl Ruhebänke zur Verfügung stehen. Nach Ausschreibung der Arbeiten folgte im Juni die Beauftragung der Gewerke: Da Zivilmusikkapellen als zu teuer eingeschätzt wurden, kam im Juli der Beschluss, die Vergabe der Platzmusiken an Militärkapellen heranzutragen. Im August erklärte sich das Garnisonkommando bereit, jeden Freitag von Mai bis Oktober ein Musikkorps zur ein- bis zweistündigen Platzmusik im Pavillon zur Verfügung zu stellen. Der Musikdirektor des ältesten Privatorchesters Gustav Curth wendete sich daraufhin an die Stadt und erbat, ihm die Spielmöglichkeit im Pavillon in bevorzugter Weise zu übertragen. Gustav Curth war seinerzeit Kapellmeister des Krystall-Palast-Theaters, der damals größten Vergnügungsstätte Deutschlands und verantwortlich für Konzerte unter anderem im Zoologischen Garten, Leipziger Palmengarten und im Rosenthaler Bonorand. Am 14. September wurde der neue Musikpavillon im König-Albert-Park nach 4-monatiger Bauzeit übergeben. Er hat einen achteckigen Grundriss und steht auf einem unterkellerten Betonunterbau. Die Dachkonstruktion ist aus Holz und wird von acht Stahlsäulen unterstützt. Die Dacheindeckung besteht aus Schiefer auf einer Holzschalung. Nach unten ist der Dachraum durch eine Holzschalung abgeschlossen. Die Seitenwände sind offen. Zu der geplanten Malerei ist es aus Kostengründen nicht gekommen. 1913 — Für die Musikaufführungen an Sonntagen wurde neben der Kapelle von Gustav Curth auch die von Günther Coblenz im Wechsel beauftragt. An Freitagen spielten die Militärkapellen der Garnison. Dokumentiert ist, dass bei schönem Wetter bis zu 2.000 Menschen die Konzerte besuchten, darunter mehr als 200 Kinder. An Regentagen waren es nicht weniger als 700. In den Folgejahren baten immer wieder andere Kapellmeister vergebens um Berücksichtigung bei der Vergabe der Platzmusiken. 1915 — Die Gartenverwaltung teilte dem Hochbauamt im August mit, dass die Treppe zum Pavillon mit einer Tür versehen werden müsse. Diese Maßnahme war gedacht, um Kindern, die im Inneren Unfug trieben, den Zutritt zu verwehren. Zusätzlich wurde das Anlegen eines Grünstreifens vorgeschlagen. Die Ausführung übernahm die Firma M. Th. Rusack, die eine eiserne Gittertür montierte. Die Kosten betrugen zuerst 146 Mark, später 335 Mark. Das Schatzamt der Kriegsnotspende bat, zum Ereignis der Nagelung des „Wehrmannes“ zur musikalischen Begleitung, die Platzmusik von Juni bis Oktober vom Albert-Park auf den Naschmarkt zu verlegen. Die Erlöse kämen der Kriegsnotspende zugute. Es wurde beschlossen, dass die Platzmusiken an den Freitagen bis zum Oktober auf dem Naschmarkt abgehalten werden. Die Sonntagskonzerte hatten im Albert-Park zu verbleiben, da sie sich einem sehr starken Zuspruch und großer Beliebtheit erfreuen. 1919 — Im Mai fand eine Erhöhung des Musikertarifs statt. Der Rat der Stadt beschloss daraufhin die Freitagskonzerte aus Kostengründen entfallen zu lassen, da die zweistündigen Konzerte mit einer Besetzung von 28 Musikern das Haushaltsgeld von 4.000 Mark überschritten hätte.   1920 — Es wurde entschieden, die Sonntagskonzerte im Albert-Park … Weiterlesen

Aus der Presse – Vorberichte zum Musikpavillon im König-Albert-Park

Mitteilungen aus der Gesamtratssitzung – 3) Genehmigt werden b. die Errichtung eines Musikpavillons im König-Albert-Park. [1] Der Rat hat beschlossen, dem Wunsche nach Errichtung eines Musikpavillons im König-Albert-Park stattzugeben. Von der Gartenverwaltung ist für den aus Eisen herzustellenden Pavillon, dessen Kosten mit Einschluß der gärtnerischen Anlagen sich auf 12 530 M stellen werden, ein Platz im vorderen König-Albert-Park längs der Achse des vorderen Teiches vorgeschlagen. Es ist dies ein breiter Platz mit drei Zugängen von den Hauptverkehrswegen, aus dessen Mitte der Pavillon sich erheben soll. Bei Aufstellung des Pavillons an der bezeichneten Stelle macht sich allerdings eine – indes unbedeutende – Veränderung der gärtnerischen Anlagen erforderlich. Die Kosten des Pavillons und der gärtnerischen Anlagen sollen aus Stiftungsmitteln bestritten werden. Die Kosten weiter für die Musikdarbietungen sind schätzungsweise auf etwa 1500 M jährlich veranschlagt. Diese können jedoch aus Stiftungsmitteln nicht gedeckt werden. Der Rat hat sie zu Lasten des Kontos 12, und zwar für dieses Jahr zur Hälfte nachzuverwilligen beschlossen. Mit der Errichtung des Pavillons soll baldmöglichst begonnen werden. [2] Sitzung der Stadtverordneten – Der Errichtung eines Musikpavillons im König-Albert-Park, deren Kosten (12 530 M) aus Stiftungsmitteln bestritten werden sollen, und Bewilligung eines Berechnungsgeldes von 750 M für die Veranstaltung von Musikaufführungen wird zugestimmt. [3] Mitteilungen aus der Gesamtratssitzung – Das Erforderliche ist auszuführen a) der Errichtung eines Musikpavillons im König-Albert-Park und der Bewilligung eines Berechnungsgeldes für die Veranstaltung von Musikaufführungen – Drucksache Nr. 236/1912 [4] Rat und Stadtverordnete haben, wie gemeldet, beschlossen, im König-Albert-Park einen ständigen Musikpavillon zu errichten, in welchem abwechselnd in der Woche einmal Musikaufführungen veranstaltet werden können. Der Rat war deshalb seinerzeit wegen Beschaffung eines geeigneten Platzes mit der Gartenverwaltung in Unterhandlung getreten. Gegenwärtig nun ist man mit der Errichtung des Pavillons beschäftigt; derselbe wird in den zwischen dem vordern und hintern Teiche gelegenen Anlagen des König-Albert-Parkes, in der Nähe des Scheibenholzes, östlich von der König-Albert-Allee, errichtet und dürfte bereits in kurzer Zeit fertiggestellt sein. Der Platz ist insofern sehr günstig gewählt, als gerade in diesem Teile der Anlage beste Wege und eine große Zahl von Ruhebänken zur Verfügung stehen und das Scheibenholz mit dem großen angrenzenden Spielplatz schattigen Aufenthalt bietet. [5] [1] Mitteilungen aus der Gesamtratssitzung am 13. April, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt. Frühausgabe vom 19. April 1912, S. 7. [2] Errichtung eines Musikpavillons im König-Albert-Park, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt. Sonntagsausgabe vom 28. April 1912, S. 14 f. [3] Sitzung der Stadtverordneten am 8. Mai, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt. Frühausgabe vom 9. Mai 1912, S. 8. [4] Mitteilungen aus der Gesamtratssitzung am 11. Mai, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt. Frühausgabe vom 22. Mai 1912, S. 14. [5] Musikpavillon im König-Albert-Park, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt. Abendausgabe, 2. Beilage vom 18. Juli 1912, S. 9.

Leipziger Palmengarten – War der schönste Ort der Stadt

Der Leipziger Palmengarten ist in vielerlei Hinsicht mit der Entstehungsgeschichte des Clara-Zetkin-Parks und der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897 verbunden. Sie war mit mehr als zwei Millionen Besuchern und über 3.000 Ausstellern die größte Ausstellung, die Leipzig und Sachsen bis dato erlebt haben. Nach Ende der Ausstellung wurden alle Gebäude wie Ausstellungshallen, Pavillons und Restaurants bis 1898 zurückgebaut und das Gelände bis 1904 in einen öffentlichen Park umgewandelt, der nach dem sächsischen König den Namen König-Albert-Park erhielt. Ein Großteil der heutigen Wegführung des Clara-Zetkin-Parks geht auf den Grundriss des damaligen Ausstellungsgeländes zurück. Beim Rückbau wanderten Teile der Ausstellung in den Aufbau des Palmengartens, so dass dieser schon im April 1899 feierlich eröffnet werden konnte. Das Gelände des Palmengartens westlich des heutigen Elsterflutbeckens war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein großflächiges Weideland. Nach Lindenau kam man von Leipzig aus nur über einen schmalen Damm über die sogenannten Frankfurter Wiesen, die häufig von Hochwasser überschwemmt waren. Für eine internationale Gartenbauausstellung vom 25. August bis zum 5. September 1893 wurde das Gebiet im Norden von der heutigen Jahnallee am Westufer der Elster-Pleißen-Aue anlässlich des 50. Jubiläums des Leipziger Gärtnervereins trockengelegt. Die Gestaltung der Anlage übernahm der Landschaftsarchitekt und Vorsitzende des Gartenvereins Otto Moßdorf. „Die Gartenlaube“ sprach seinerzeit sogar von einem landschaftlich außerordentlich reizvoll gestalteten Lustgarten. Bereits in der Festrede zur Eröffnung der Gartenbauausstellung regte der damalige Oberbürgermeister Georgi an, dieses Areal zu einer ständigen Erholungsstätte für die Leipziger Bürger weiterzuentwickeln. Er kannte den Frankfurter Palmengarten gut und die Leipziger Bürger sollten ebenso in den Genuss der vormals so ausgeprägten Leipziger Gartenkultur kommen. Er konnte 60 finanzstarke Leipziger für die Idee eines „Palmengartenprojekts“ gewinnen. Ein Aufruf in der Tagespresse zum Erwerb von Aktien für den Bau des Palmengartens erbrachte innerhalb von vierzehn Tagen über 350.000 Euro. Auch die Stadt Leipzig beteiligte sich an dieser Aktiengesellschaft. Ein Wettbewerb zur Gestaltung der geplanten Anlage wurde danach ausgelobt. Diesen konnte der Lindenauer Otto Moßdorf zwar nicht gewinnen, aber er wurde mit der Realisierung des Siegerentwurfs beauftragt, der sich sehr stark am Frankfurter Palmengarten orientierte. Damals wie heute umfasst der Park ein Areal von 22,5 Hektar. Die Hauptwege des Parks lassen sich noch auf die Zeit seiner Entstehung zurückführen. Der Park hatte zwei Eingänge – einen im Norden, an der Frankfurter Straße, der heutigen Jahnallee, und einen im Süden, an der Plagwitzer Straße, der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße. Beide Eingänge waren mit rotem Backstein und schmiedeeisernen Toren gestaltet. Die Straßenbahn brachte die Besucher über die Frankfurter Straße bequem direkt bis vor den Park. Wer am Kassenhäuschen den Eintritt bezahlt hatte wurde von einem großflächig angelegten Teppichbeet mit arrangierten Blumenbeeten empfangen. Dahinter war ein palastähnliches Gesellschafts- mit integriertem Palmenhaus zu sehen. Zur Linken befand sich das Konzertgelände mit einem muschelförmigen Konzertpavillon für verschiedenste Aufführungen lokaler und regionaler Orchester für tägliche Vorstellungen. Um die Jahre 1900 kostete ein Tagesticket für den Leipziger Palmengarten nach heutigem Gesichtspunkten genauso viel wie ein Tagesticket für den Belantis Freizeitpark. Entlang des Gesellschaftshauses befanden sich viele Freisitze mit Gastronomieangeboten. Auf einem nahegelegenen Spielplatz konnten Kinder von ausgebildeten Kindergärtnerinnen betreut werden. Der Weg führte vorbei an verschiedenen Skulpturen zum großen Weiher hin, an dem Boote ausgeliehen werden konnten. Von dem auf einem Hügel erhöht stehenden Pavillon aus bot sich ein fantastischer Blick zurück über den Teich zum Palmenhaus. Die Wasserfläche war damals größer als wir sie heute kennen und reichte im Süden bis zu einer seit 1893 bestehenden Grotte mit künstlichem Wasserfall. Zum heutigen Klingerhain führte der Weg zur Plagwitzer Straße über die Vier-Jahreszeiten-Brücke. Diese war sehr wahrscheinlich erst für den Palmengarten errichtet worden, um beide Parkbereiche miteinander zu verbinden. Die vier Figuren an den Brückenenden, die die vier Jahreszeiten symbolisieren, sind heute noch sehr gut erhalten. Trat man am Südeingang aus dem Palmengarten hinaus, befand sich zur Linken das Karl-Heine-Denkmal, das erst später auf die andere Straßenseite versetzt wurde. Die Hauptattraktion des Leipziger Palmengartens war das palastartige Gesellschaftshaus mit dem angegliederten Palmenhaus, das dem Park seinen Namen gab. Der prachtvolle historistische Bau empfing die Besucher, die den Park vom Haupteingang an der Frankfurter Straße her betraten. Das Gebäude bestand aus einem quadratischen vorderen Teil und einer nach Süden daran anschließenden 60 m langen gläsernen Halle, in welcher exotische Bäume und Pflanzen gezeigt wurden. Vier Türme von je 30 m Höhe krönten die Ecken des Gesellschaftshauses. Die Architekten des Gesellschaftshauses waren die Leipziger August Hermann Schmidt und Arthur Johlige. Beide hatten bereits für die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897 die monumentale Industriehalle entworfen. Nun konnten nach Rückbau dieser Ausstellung Bauteile für das in ähnlichem Stil gehaltene Gesellschaftshaus im Palmengarten verwendet werden. Das Gesellschaftshaus bestand aus einem riesigen zentralen Festsaal und verschiedenen kleineren Sälen, in denen auch Jugendstilelemente verwendet wurden. Die kleineren Säle trugen Namen wie Roter Saal, Spiegelsaal, Weißer Saal. Der 15 m hohe große prunkvolle Festsaal verfügte über eine Galerie und war mit vier riesigen Kronleuchtern geschmückt. Im Gesellschaftshaus sorgte ein Restaurantbetrieb für das leibliche Wohl – eine „Gastwirtschaft 1. Ranges“. Die bestens ausgestattete Küche genügte höchsten Ansprüchen. Die Leitung hatte der international renommierte Kochkünstler Alfred Harrer inne, der Referenzen aus vornehmsten Hotels und Lokalen vorweisen konnte. Bei schönem Wetter wurde auch eine große Terrasse zum östlichen Hauptweg hin mitbetreut. Darüber hinaus soll es im Gebäude auch eine Konditorei und einen Weinkeller gegeben haben. Alle Räume konnten für Feierlichkeiten und verschiedenste Veranstaltungen gemietet werden. Das Gesellschaftshaus war ein wichtiges Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Leipzigs. Hier wurden Firmenfeiern ausgerichtet, Abschlussbälle, Wohltätigkeitsfeste. Veranstalter waren z.B. der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, der B.G. Teubner-Verlag, die Städtische Schule für Frauenberufe, das Rote Kreuz, Leipziger Burschenschaften und viele mehr. Im Februar 1909 gründete sich im Gesellschaftshaus des Palmengartens der Richard-Wagner-Verband Deutscher Frauen, ein Vorläufer des heutigen Richard-Wagner-Verbandes. Im Juli des Jahres 1909 feierte die Universität Leipzig ihr 500-jähriges Jubiläum im Palmengarten mit einem Festabend. Im großen Saal waren an festlich gedeckten Tischen über 800 Gäste versammelt. Das Palmenhaus mit einer Vielzahl an exotischen Gewächsen war vom Gesellschaftshaus durch eine 15 m hohe Glasfront abgetrennt, durch die man … Weiterlesen

Aus der Presse – Debatte zur Lage der Palmengarten-Gesellschaft

In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten worden – zum ersten Male nach längerer Zeit – gleich zwei große Vorlagen erledigt. Zunächst handelte es sich um die Unterstützung der Palmengarten-Aktiengesellschaft aus städtischen Mitteln. Aus dem Munde des Berichterstatters erfuhr man hierbei, daß die Stadt bisher schon 800 000 Mark in das Unternehmen hineingesteckt habe, von denen man, wie ein Redner bemerkte, wohl wenig wiedersehen werde. Die Hauptfrage, um die sich gestern der Streit der Meinungen drehte, war: weitere Unterstützung oder Konkurs? Die Mehrheit entschied sich für die weitere Unterstützung, denn ob bei einem Konkurse für die Stadt ein Vorteil sich ergeben würde, das erscheine doch recht fraglich. Wie die Verhältnisse sich gestalten werden, ist trotzdem noch nicht abzusehen. Notwendig wird sich wohl erweisen, das Unternehmen auf eine andere Grundlage zu stellen […] Weitere Unterstützung der Palmengarten-Gesellschaft Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die Ratsvorlage wegen weiterer Unterstützung der Palmengarten-Aktiengesellschaft 1. durch Ueberlassung der bisher in Konto 7 des städtischen Haushaltplans eingestellten 24 870 Mark vom Jahre 1916 ab unter den in der Vorlage angegebenen Voraussetzungen, nämlich 2. Nichteinforderung der Zinsen von etwa 16 000 Mark jährlich vom 1. Januar 1915 ab bis auf weiteres; 3. Ersatz des Erbpachtzinses von jährlich 4000 Mark vom Jahre 1915 ab bis auf weiteres; 4. Gestattung einer Inventarergänzung für vorläufig nur 2000 Mark jährlich; 5. Bewilligung der dann noch zu deckenden Fehlbeträge der beiden letzten Jahre von zusammen etwa 49 000 Mark aus Betriebsvermögen, die ihm mit den bereits früher bewilligten 105 000 Mark vom Jahre 1924 ab in Jahresraten von 25 000 Mark aus dem Betriebe (Konto 42) zurückzuerstatten sind; 6. die Ermächtigung, die von der Stadt erworbene Buchforderung auf 15 000 Mark abzubuchen usw. Der Finanzausschuß beantragt Zustimmung. Der Berichterstatter Stadtv. Meiner führte folgendes aus: „Wie zu Weihnachten das Christkind kommt, so ist ungefähr zur selben Zeit in den Jahren 1912, 1913 und 1914 der Palmengarten gekommen und hat um Unterstützung gebeten; so auch Ende 1915. Er glaubt, dazu besonders ein Recht zu haben, da der Zuschuß, den er Ende 1914 erbeten hatte, darauf berechnet war, daß der Krieg längstens bis Mitte des Jahres 1915 dauern würde, eine Hoffnung, die aber trügerisch war. Der Verlust, der auf 50 000 Mark geschätzt war, wird daher mehr als 83 000 Mark betragen, während der Zuschuß der Stadt nur 50 000 Mark beträgt. Da aber Ersparnisse bei den für Bau-Ausgaben bewilligten Mitteln gemacht worden sind, so beträgt der jetzt noch zu deckende Fehlbetrag für 1915 nur 26 000 bis 27 000 Mark. Der Fehlbetrag für 1916 wird, wenn das volle Jahr 1916 als Kriegsjahr gerechnet wird, mit 90 000 Mark erwartet, zusammen sind also 116 000 bis 117 000 Mark Zuschuß erforderlich. Um diesen Zuschuß zu decken, schlägt der Rat vor, daß die Inhaber von Schuldverschreibungen, denen die Zinsen, jetzt allerdings auf 3 vom Hundert herabgesetzt, von der Stadt gewährleistet und gezahlt werden, auch etwas zu den Kosten beitragen und so lange auf den Empfang der Zinsen zugunsten des Palmengartens verzichten sollen, bis wieder normale Verhältnisse eintreten. Es würden hierdurch jährlich rund 25 000 Mark gespart werden. Weiterhin soll die Stadt auf die Einforderung der Zinsen für die gewährten Darlehen, etwa 16 000 Mark jährlich, und auf den Erb-Pachtzins von jährlich 4000 Mark verzichten, und endlich soll gestattet werden, daß an Stelle der vertragsmäßig Für Inventarergänzungen aufzuwendenden 5000 Mark nur 2000 Mark jährlich verausgabt werden, wodurch weitere 3000 Mark gespart werden. Das sind zusammen 48 000 Mark Ersparnis, so daß der Zuschuß für 1916 nur 42 000 Mark zu betragen braucht. Ein Verzicht der Verzinsung der Darlehen und des Erb-Pacht-Zinses für 1915 würde 19 000 Mark erbringen, so daß für dieses Jahr nur 7000 Mark aufzubringen wären, im ganzen also 49 000 Mark, die die Stadt zu zahlen hätte. Endlich wird gewünscht, daß eine Buchforderung, die die Stadt in Höhe von 139 000 Mark von der Credit-Anstalt für 15 000 Mark erworben hat, auf diesen wirklichen Kaufpreis von 15 000 Mark abgebucht wird, wodurch sich ein bilanzmäßiger Gewinn erzielen läßt, der die Bilanz wieder flüssig macht. Die Aussprache im Finanzausschuß war ziemlich lebhaft und eingehend. Es wohnten ihr Bürgermeister Roth, die Stadträte Böhme und Joachim und wegen der juristischen Fragen Justizrat Dr. Junck bei, der auf Wunsch des Rates ein Gutachten wegen der rechtlichen Folgen eines Konkurses erstattet hatte. Die juristischen Fragen wurden zunächst geklärt, da die Furcht bestand, daß das Darlehen, das die Stadt dem Palmengarten in Höhe von 550 000 Mark gewährt hat, gefährdet wäre insofern, als bei einem Konkurs des gleichen Rang mit den Schuldverschreibungen hätte und daß die Stadt, wenn sie den Palmengarten entsprechend dem Vertrage § 7b übernimmt und die Gebäude zu einem angemessenen Preise bezahlen muß, nicht aufrechnen könne. Nach einem Reichsgerichtsurteil würde die Zahlung für die Gebäude erst nach Ausbruch des Konkurses fällig werden, es könne aber niemals eine Zahlung, die nach Ausbruch des Konkurses fällig wäre, gegen eine Zahlung, die vor Ausbruch des Konkurses geleistet worden wäre, aufgerechnet werden, und vorherige Abmachungen nach dieser Richtung hin wären ungültig. Zur allgemeinen Freude waren die drei im Ausschuß anwesenden Juristen aber nach der Richtung hin sich einig, daß der Rat das Recht hätte, auf Grund der hypothekarisch eingetragenen Forderung von 550 000 Mark auf das Erbbaurecht die Zwangsvollstreckung beantragen zu können, und dann ginge seine Forderung derjenigen der Inhaber der Schuldverschreibungen voraus. Auch hätte der Rat nach dem Vertrage § 7a das Recht zu beanspruchen, daß die Gebäude niedergerissen und ihm das Gelände als Oedland zurückgegeben würde. Eine solche Drohung würde wohl auch den Konkursverwalter veranlassen, mit sich reden zu lassen, so daß, wie es am Schlusse des Gutachtens heißt, die Trümpfe, die der Rat in der Hand hielte, genügend wären, um mit Ruhe einem Konkurse entgegenzusehen. Diese Ruhe, mit der die Stadt dem Konkurs entgegensehen konnte, hatte nun unter den Ausschußmitgliedern verschiedene Wirkungen. Der eine Teil meinte, man brauche dann von Vorschlägen, wie etwa Zusammenlegung der 845 000 Mark Schuldverschreibungen von 2 zu 1, um einen buchmäßigen Gewinn von etwa 420 000 Mark zu erzielen, abzusehen. Man brauche auch … Weiterlesen

Musikdirektor Gustav Sabac-el-Cher in Leipzig – Dirigent

Vom nächsten Sonntag, den 1. August, ab wird neben den bewährten hiesigen Capellen das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ Nr. 1 aus Königsberg i. Pr. auf dem Ausstellungsplatz concertiren. Der Capelle geht ein ganz vorzüglicher Ruf voraus und soll dieselbe über ein ungewöhnlich reiches Repertoire verfügen. Ein ganz besonderes Interesse dürfte aber der Dirigent des Musikcorps, Herr G. Sabac el Cher, selbst erwecken, weil er der erste und einzige schwarze Capellmeister der deutschen Armee ist. Er ist der Sohn eines *POCs, welchen Prinz Albrecht von Preußen am Hofe des Vicekönigs von Egypten kennen gelernt und als Kammerdiener nach Berlin gebracht hatte. Mit Ausnahme seiner schwarzen Hautfarbe erinnert jedoch nichts mehr an die afrikanische Abstammung des Königsberger Musikdirektors, er gilt vielmehr als ebenso schneidiger Soldat, wie vorzüglicher Musiker, der mit seiner wohlgeschulten Capelle stets Beifall und Anerkennung findet. Es ist deshalb auch anzuerkennen, daß uns der Festausschuß mit diesem vielversprechenden Musikcorps und seinem interessanten Dirigenten bekannt macht. [1] Wie schon angekündigt, beginnt am Sonntag, den 1. August, das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III“ Nr. 1 aus Königsberg unter seinem schwarzen Dirigenten, dem Musikdirector G. Sabac el Cher, seine Concerte auf dem Ausstellungsplatze. Die anerkannt vorzügliche Capelle wird zwei Theile ihres auserwählten Programms im Pavillon beim Café und zwei Theile in dem neben dem Hauptrestaurant befindlichen spielen. Es steht zu erwarten, daß die wohlgeschulte Capelle wie überall so auch hier reichen Beifall und wohlverdiente Anerkennung finden wird. [2] Sabac el Cher. Dies ist der Name des einzigen schwarzen Kapellmeisters, den die deutsche Armee besitzt. Er steht an der Spitze des Musikcorps vom königl. Preußischen Grenadierregiment König Friedrich III. (1. ostpreußisches) Nr. 1, das zu Königsberg i. Pr. garnisonirt. Die Kapelle spielte im Juli d. J. auf der Internationalen Kunstausstellung zu Dresden und fand für ihre vortrefflichen Leistungen stets lebhaften Beifall der Zuhörer. Ihr Kapellmeister, ein sehr hübscher Mann, fesselte natürlich das Interesse des Publikums in besonderem Grade. Sabac el Cher ist von Geburt ein Deutscher. Sein Vater stammte aus Unterägypten und war als Kind am Hofe des Vicekönigs von Aegypten in Kairo zur Erziehung. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen, ein Bruder Kaiser Wilhelm’s I., kennen, der ihn nach Berlin brachte, wo er sich mit einer Berlinerin verheirathete und im Hofhalt des genannten Prinzen das Amt eines Silberverwalters übertragen erhielt. Im Jahre 1867 beschenkte ihn seine Gattin mit einem Sohn, der bis zum 14. Jahre in die Bürgerschule ging und bereits im 8. Lebensjahre die Violine zu spielen begann. Von 1881 bis 1885 besuchte er ein Musikinstitut zu seiner weitern Ausbildung und trat in dem zuletzt genannten Jahr bei der Kapelle des königl. preußischen Füsilierregiments Prinz Heinrich von Preußen (brandenburgisches) Nr. 35 in Brandenburg a. d. H. als Hautboist und Soloposaunist ein. Nach mehrjähriger Thätigkeit als solcher besuchte er von 1893 bis 1895 die königl. Hochschule für Musik in Berlin und nahm Unterricht bei den Professoren Joachim, Bargiel, Härtel, Koßleck, Roßberg u. a. Nach gut bestandenem Examen wurde er im letztgenannten Jahr nach Königsberg berufen zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadierregiment. Er bekleidet diesen Posten noch heute, und seine Kapelle findet überall, wo sie concertirt, Anerkennung und Beifall. Dies ist in knappen Umrissen die Lebensgeschichte des einzigen schwarzen Kapellmeisters der deutschen Armee. – Dch. [3] Seit wenigen Tagen läßt sich im Parke der Internationalen Kunstausstellung die Kapelle des Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 aus Königsberg hören und findet allabendlich trotz des für Gartenconcerte leider recht wenig günstigen Wetters Zuspruch und für ihre Vorträge stets reichlichen Beifall. Das Interessanteste an der Kapelle ist für das Publikum jedenfalls der Dirigent Sabac-el-Cher, der einzige schwarze Kapellmeister des deutschen Heeres. Ueber ihn und seine Carriere in Deutschland ist Folgendes bekannt: Sabac-el-Cher wurde 1867 als der Sohn eines gleichnamigen Silberverwalters, welcher lange Jahre im Dienste des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen stand, geboren. Bis zum 14. Jahre besuchte der Knabe eine höhere Bürgerschule und fing bereits im 8. Jahre an Violine zu spielen. Vom 14. bis 18. Jahre besuchte er ein Musikinstitut und trat 1885 bei der Kapelle des Füsilier-Regiments Nr. 35 als Hautboist ein. Dann besuchte er 1893-1895 die königliche Hochschule für Musik in Berlin und wurde 1895 zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadier-Regiment nach Königsberg berufen. Sein Vater stammte aus Unter-Egypten und war als Kind am Hofe des Vice-königs von Egypten in Kairo. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen kennen und brachte ihn nach Berlin, woselbst Sabac-el-Cher eine Berlinerin heirathete. Daß er als Musiker etwas Tüchtiges gelernt hat, beweisen die Leistungen seiner Kapelle, die mit Geschmack und einer für einen Militärkapellmeister beinahe erstaunlichen Ruhe leitet. Das Zusammenspiel ist dabei exakt und von jener straffen Rhythmik, die so charakteristisch für die deutsche Militärmusik ist; Holz und Blech sind gleich gut besetzt, und auch an tüchtigen Solisten scheint es dem Orchester nicht zu fehlen. Die dynamischen Schattirungen werden tadellos herausgeholt, was vorgestern namentlich das Vorspiel zum dritten Akte aus „A basso porto“ von Spinelli bewies, während der Vortrag des Strauß‘ schen Walzers „Wo die Citronen blühen“ durch zarte Uebergänge und seine Pianos überraschte. Die Programme sind ein augenscheinlich in Rücksicht auf ein nicht allzu musikalisch anspruchsvolles Publikum zusammengestellt, da sie meist populäre Musikstücke enthalten; das Fehlen Wagner‘s in der Reihe der Komponistennamen überrascht aber doch etwas, da man heutzutage auf dem Programm jedes Militärconcerts dem Meister von Bayreuth zu begegnen gewohnt ist. Hoffentlich bessert sich bald das Wetter, damit die trefflichen Leistungen Sabac-el-Cher‘s von einem recht zahlreichen Publikum in den nächsten Tagen gewürdigt werden können. [4] There are bandmasters and bandmasters, pretty well the world over. About the most famous of them is Lieutenant „Dan“ Godfrey, supreme over the band of the Grenadier guards. Himself the son and grandson of bandmasters, he has passed the talent on. His three sons are likewise bandmaster. The original Godfrey, Charles by name, led the band of the Coldstream guards in the days before Waterloo, and wielded the baton a matter of forty years. His son and successor, Frederick, conducted for something like twenty years. The third … Weiterlesen

Amerikanischer Marschkönig John Philip Sousa – Dirigent

Den Musikfreunden wird während der bevorstehenden Sommermonate eine ganz besonders reiche Abwechslung geboten werden. Wie bereits mitgetheilt, giebt in der Zeit vom 10. bis 13. Juni das aus 76 Künstlern bestehende amerikanische Orchester unter Leitung des Componisten John Philipp Sousa täglich zwei Concerte im Palmengarten. Dieses Gastspiel dürfte sich zu einem bedeutsamen Ereigniß für unsere Musikstadt Leipzig gestalten. Außer diesem hier zum erstenmale erscheinenden Orchesterkörper werden noch eine größere Anzahl von Militärcapellen aller Waffengattungen im Palmengarten concertiren, darunter auch das als beste deutsche Militärcapelle bekannte und von unserem Kaiser wiederholt ausgezeichnete Musikcorps des großherzoglich badischen Leib-Grenadierregiments aus Karlsruhe, dessen genialer Dirigent, der königliche Musikdirector Adolph Boettge, seine weit und breit berühmt gewordenen historischen Concerte bieten wird. Vielfachen Wünschen entsprechend sind auch für diesen Sommer wieder mit den Capellen des 27. Infanterie-Regiments aus Halberstadt und des 32. Infanterie-Regiments aus Meiningen Verträge abgeschlossen worden. [1] Zum ersten Male seit 22 Jahren kommt eine amerikanische Kapelle nach Deutschland, und zwar die des Kapellmeisters und Komponisten John Philip Sousa aus Washington, die demnächst im Bergkeller Konzerte veranstalten wird. Sousa erhielt seine musikalische Ausbildung in Amerika, war schon mit elf Jahren Solo-Violinist, dirigierte mit 17 Jahren ein Orchester und ist jetzt der erfolgreichste Musiker der „Neuen Welt“. Sousas bisher veröffentlichte Kompositionen zählen 300 Nummern, die 70 seiner charakteristischen Märsche, vier erfolgreiche Operetten, symphonische Dichtungen, Suiten ec. umfassen. Diese deutsche Rundreise der John Philip Sousa-Kapelle ist dadurch ermöglicht worden, daß sie die offizielle amerikanische Kapelle bei der diesjährigen Pariser Weltausstellung ist. Die Programme sollen aus den besten Kompositionen aller Völker zusammengestellt sein. [2] Concerte im Leipziger Palmengarten. Wie bei dem vortrefflichen Rufe, deren sich die Regimentscapelle der 27er aus Halberstadt erfreut, nicht anders zu erwarten ist, üben die Concerte derselben zur Zeit eine große Anziehungskraft aus. Herr Musikdirector Hellmann leistet mit seiner erprobten Schaar thatsächlich ganz Vorzügliches und erntet nach jedem Vortrage wohlverdienten Beifall. Die Concerte der 27er finden während dieser Woche einschließlich Sonntag, den 13. Mai, täglich Nachmittags und Abends statt. Vom 14. bis 19. Mai concertiren abwechselnd die hiesigen Militärcapellen, während am 20. Mai der bekannte Componist Franz von Blon mit seinem Berliner Philharmonischen Blas-Orchester ein auf 5 Tage, d. i. bis einschließlich Himmelfahrt, berechnetes Gastspiel eröffnet. Vom 31. Mai bis 5. Juni (Pfingsten) spielt die berühmte Capelle des 7. bayerischen Infanterie-Regiments aus Bayreuth, vom 10. bis 13. Juni die Amerikanische Militärcapelle unter Leitung des Componisten Sousa, Ende Juni erscheinen die beliebten 32er aus Meiningen, Anfang Juli auf einige Tage die Capelle des I. bayr. Ulanen-Regiments aus Bamberg, vom 8. bis 15. Juli königl. Musikdirector Adolf Boettge aus Karlsruhe mit seinen historischen Concerten, in den letzten Tagen des Juli die großherzogl. mecklenburgische Grenadier-Capelle, zugleich Hofcapelle des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz, im August die als vorzüglich bekannten Capelle des 9. bayer. Infanterie-Regiments „Wrede“ aus Würzburg und schließlich während der Manöverzeit das von der 1897er Ausstellung her noch bestens bekannte Musikcorps des kaiserl. I. Seebataillons aus Kiel. [3] John Philip Sousa, unbestritten der hervorragendste unter den amerikanischen Capellmeistern und Componisten, wird von Sonntag, den 10., bis einschließlich Mittwoch, den 13. Juni 1900, seine vielbewunderte Capelle im Palmengarten vorführen. Sousa, dessen populären, frischen Märsche (Washington-Post, Liberty Bell, Stars and Stripes Forever, und viele andere) seinen Namen einen Weltruf verliehen haben, ist 12 Jahre lang Dirigent der Nationalcapelle der Vereinigten Staaten-Regierung gewesen und hat seine jetzt bestehende Concertcapelle, die unter den gegenwärtig existirenden Orchesterkörpern eine ganz eigenartige Stellung behauptet, selbst organisirt. In den letzten 8 Jahren hat diese Capelle nicht weniger als 4000 Concerte in den Hauptstädten der Vereinigten Staaten und Canadas gegeben. Auf der Weltausstellung in Chicago, den Industrie-Ausstellungen in St. Louis, Missouri und Pittsburg war die Sousa-Capelle das officielle Ausstellungs-Orchester. Durch seine überaus anziehende Dirigirungskunst ist Sousa der Liebling des amerikanischen Volkes geworden, und die ersten Kritiker haben die Leistungen seiner Capelle als ganz vorzügliche anerkannt. Für die Pariser Weltausstellung ist die Sousa-Capelle als officielle musikalische Vertretung der amerikanischen Regierung erwählt worden, und diesem Umstande dürfen wir auch nur die interessante Bekanntschaft mit dieser Capelle verdanken. Der Erfolg, den Sousa bei seinem Auftreten in Paris und seit einigen Tagen in Berlin, wo er täglich im Neuen königlichen Operntheater, früher Kroll, spielt, zu verzeichnen hat, ist ein bedeutender. [4] Am Sonntag Vormittag trifft der amerikanische Componist und Dirigent John Philip Sousa mit seinem Orchester hier ein, um bereits an demselben Tage sein erstes Concert im Palmengarten zu geben. Wie zu der Berlin im Neuen Königlichen Operntheater und zu Hamburg in Ludwig‘s Concerthaus, so veranstalten die Amerikaner auch hier ihre Concerte, welche bekanntlich von Sonntag, den 10. bis einschließlich Mittwoch, den 13. Juni, stattfinden, auf eigene Rechnung. Es macht sich deshalb nothwendig, an den genannten 4 Tagen von Nachmittags 2 Uhr ab die Giltigkeit der Dauerkarten des Palmengartens aufzuheben. Die Abonnenten genießen jedoch den Vortheil, daß ihnen von 2 Uhr ab der Zutritt zum Garten und damit auch zu den Sousa-Concerten gegen Bezahlung von 50 pf. Für Erwachsene und 25 pf. Für Kinder zusteht. Inhaber von Actionärkarten haben kein Eintrittsgeld zu entrichten. Für Personen, welche weder Actionäre, noch Abonnenten des Palmengartens sind, beträgt das Eintrittsgeld am Sonntag, den 10. Juni 1 Mark, Kinder 50 pf.; am Montag, Dienstag und Mittwoch dagegen bis 2 Uhr Nachmittags 1 Mark, Kinder 50 pf., nach 2 Uhr 1,50 Mark für Erwachsene und 75 pf. für Kinder. Mit welch gewaltigen Unkosten Sousa‘s großartige Concert-Unternehmung verbunden ist, dürfte daraus hervorgehen, daß allein die an die einzelnen Künstler zu zahlenden Honorare zwischen 35 und 200 Dollar für die Woche schwanken, was einen recht stattlichen Gegenetat darstellt. Die letztgenannte, für europäische Verhältnisse enorme Gage beziehen acht Capellmeister, welche der Sousa-Capelle als Solisten angehören und, wie Mr. Clarke und Mr. Pryor, fast ausschließlich eigene Compositionen zum Vortrag bringen. [5] Morgen Sonntag eröffnet das amerikanische Orchester unter Leitung John Philip Sousa‘s sein auf 4 Tage berechnetes Gastspiel im Palmengarten. Die Programme werden außer den Perlen europäischer Tonkunst auch eine Auslese der beliebtesten Compositionen Sousa‘s enthalten und sicher auch hier mit demselben großen Beifall ausgenommen werden, wie dies in Berlin und Hamburg der Fall war. [6] Nun hat der … Weiterlesen

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