Musikdirektor Gustav Sabac-el-Cher in Leipzig – Dirigent

Sabac el Cher (1868-1934) in der Illustrierten Zeitung Leipzig 1897 nach einer Fotografie von Ludeneit und Nickel in Königsberg, Preußen.

Vom nächsten Sonntag, den 1. August, ab wird neben den bewährten hiesigen Capellen das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ Nr. 1 aus Königsberg i. Pr. auf dem Ausstellungsplatz concertiren. Der Capelle geht ein ganz vorzüglicher Ruf voraus und soll dieselbe über ein ungewöhnlich reiches Repertoire verfügen. Ein ganz besonderes Interesse dürfte aber der Dirigent des Musikcorps, Herr G. Sabac el Cher, selbst erwecken, weil er der erste und einzige schwarze Capellmeister der deutschen Armee ist. Er ist der Sohn eines *POCs, welchen Prinz Albrecht von Preußen am Hofe des Vicekönigs von Egypten kennen gelernt und als Kammerdiener nach Berlin gebracht hatte. Mit Ausnahme seiner schwarzen Hautfarbe erinnert jedoch nichts mehr an die afrikanische Abstammung des Königsberger Musikdirektors, er gilt vielmehr als ebenso schneidiger Soldat, wie vorzüglicher Musiker, der mit seiner wohlgeschulten Capelle stets Beifall und Anerkennung findet. Es ist deshalb auch anzuerkennen, daß uns der Festausschuß mit diesem vielversprechenden Musikcorps und seinem interessanten Dirigenten bekannt macht. [1]

Wie schon angekündigt, beginnt am Sonntag, den 1. August, das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III“ Nr. 1 aus Königsberg unter seinem schwarzen Dirigenten, dem Musikdirector G. Sabac el Cher, seine Concerte auf dem Ausstellungsplatze. Die anerkannt vorzügliche Capelle wird zwei Theile ihres auserwählten Programms im Pavillon beim Café und zwei Theile in dem neben dem Hauptrestaurant befindlichen spielen. Es steht zu erwarten, daß die wohlgeschulte Capelle wie überall so auch hier reichen Beifall und wohlverdiente Anerkennung finden wird. [2]

Musikkapelle des 1. Garde-Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“, „die Kronprinzer“, aus Königsberg, Preußen.

Sabac el Cher. Dies ist der Name des einzigen schwarzen Kapellmeisters, den die deutsche Armee besitzt. Er steht an der Spitze des Musikcorps vom königl. Preußischen Grenadierregiment König Friedrich III. (1. ostpreußisches) Nr. 1, das zu Königsberg i. Pr. garnisonirt. Die Kapelle spielte im Juli d. J. auf der Internationalen Kunstausstellung zu Dresden und fand für ihre vortrefflichen Leistungen stets lebhaften Beifall der Zuhörer. Ihr Kapellmeister, ein sehr hübscher Mann, fesselte natürlich das Interesse des Publikums in besonderem Grade. Sabac el Cher ist von Geburt ein Deutscher. Sein Vater stammte aus Unterägypten und war als Kind am Hofe des Vicekönigs von Aegypten in Kairo zur Erziehung. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen, ein Bruder Kaiser Wilhelm’s I., kennen, der ihn nach Berlin brachte, wo er sich mit einer Berlinerin verheirathete und im Hofhalt des genannten Prinzen das Amt eines Silberverwalters übertragen erhielt. Im Jahre 1867 beschenkte ihn seine Gattin mit einem Sohn, der bis zum 14. Jahre in die Bürgerschule ging und bereits im 8. Lebensjahre die Violine zu spielen begann. Von 1881 bis 1885 besuchte er ein Musikinstitut zu seiner weitern Ausbildung und trat in dem zuletzt genannten Jahr bei der Kapelle des königl. preußischen Füsilierregiments Prinz Heinrich von Preußen (brandenburgisches) Nr. 35 in Brandenburg a. d. H. als Hautboist und Soloposaunist ein. Nach mehrjähriger Thätigkeit als solcher besuchte er von 1893 bis 1895 die königl. Hochschule für Musik in Berlin und nahm Unterricht bei den Professoren Joachim, Bargiel, Härtel, Koßleck, Roßberg u. a. Nach gut bestandenem Examen wurde er im letztgenannten Jahr nach Königsberg berufen zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadierregiment. Er bekleidet diesen Posten noch heute, und seine Kapelle findet überall, wo sie concertirt, Anerkennung und Beifall. Dies ist in knappen Umrissen die Lebensgeschichte des einzigen schwarzen Kapellmeisters der deutschen Armee. – Dch. [3]

Sabac el Cher war am Hofe der Hohenzollern und von 1893 bis 1895 Student an der königlichen Hochschule für Musik in Berlin.

Seit wenigen Tagen läßt sich im Parke der Internationalen Kunstausstellung die Kapelle des Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 aus Königsberg hören und findet allabendlich trotz des für Gartenconcerte leider recht wenig günstigen Wetters Zuspruch und für ihre Vorträge stets reichlichen Beifall. Das Interessanteste an der Kapelle ist für das Publikum jedenfalls der Dirigent Sabac-el-Cher, der einzige schwarze Kapellmeister des deutschen Heeres. Ueber ihn und seine Carriere in Deutschland ist Folgendes bekannt: Sabac-el-Cher wurde 1867 als der Sohn eines gleichnamigen Silberverwalters, welcher lange Jahre im Dienste des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen stand, geboren. Bis zum 14. Jahre besuchte der Knabe eine höhere Bürgerschule und fing bereits im 8. Jahre an Violine zu spielen. Vom 14. bis 18. Jahre besuchte er ein Musikinstitut und trat 1885 bei der Kapelle des Füsilier-Regiments Nr. 35 als Hautboist ein. Dann besuchte er 1893-1895 die königliche Hochschule für Musik in Berlin und wurde 1895 zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadier-Regiment nach Königsberg berufen. Sein Vater stammte aus Unter-Egypten und war als Kind am Hofe des Vice-königs von Egypten in Kairo. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen kennen und brachte ihn nach Berlin, woselbst Sabac-el-Cher eine Berlinerin heirathete. Daß er als Musiker etwas Tüchtiges gelernt hat, beweisen die Leistungen seiner Kapelle, die mit Geschmack und einer für einen Militärkapellmeister beinahe erstaunlichen Ruhe leitet. Das Zusammenspiel ist dabei exakt und von jener straffen Rhythmik, die so charakteristisch für die deutsche Militärmusik ist; Holz und Blech sind gleich gut besetzt, und auch an tüchtigen Solisten scheint es dem Orchester nicht zu fehlen. Die dynamischen Schattirungen werden tadellos herausgeholt, was vorgestern namentlich das Vorspiel zum dritten Akte aus „A basso porto“ von Spinelli bewies, während der Vortrag des Strauß‘ schen Walzers „Wo die Citronen blühen“ durch zarte Uebergänge und seine Pianos überraschte. Die Programme sind ein augenscheinlich in Rücksicht auf ein nicht allzu musikalisch anspruchsvolles Publikum zusammengestellt, da sie meist populäre Musikstücke enthalten; das Fehlen Wagner‘s in der Reihe der Komponistennamen überrascht aber doch etwas, da man heutzutage auf dem Programm jedes Militärconcerts dem Meister von Bayreuth zu begegnen gewohnt ist. Hoffentlich bessert sich bald das Wetter, damit die trefflichen Leistungen Sabac-el-Cher‘s von einem recht zahlreichen Publikum in den nächsten Tagen gewürdigt werden können. [4]

The World‘s Five Famous Bandmasters, Leaders of the Greatest Bands in Great Britain, Germany, Austria, Holland and the United States in Atlanta Constitution 1899.

There are bandmasters and bandmasters, pretty well the world over. About the most famous of them is Lieutenant „Dan“ Godfrey, supreme over the band of the Grenadier guards. Himself the son and grandson of bandmasters, he has passed the talent on. His three sons are likewise bandmaster. The original Godfrey, Charles by name, led the band of the Coldstream guards in the days before Waterloo, and wielded the baton a matter of forty years. His son and successor, Frederick, conducted for something like twenty years. The third Godfrey, „Dan“, was the first bandmaster to receive a commission. He took charge of the Grenadier guards’ band in 1856, receiving the appointment through the influence of the prince consort. It is an appointment of peculiar prestige, since the guards is the only regiment in which the prince of Wales ever served as a soldier. Though „Dan“ Godfrey has never gone to the wars, he is starred and medaled like a veteran, with the trophies of peace.

Next to him stood the late Thomas John Harper, who died a little while back, aged eighty. He had been sergeant trumpeter to the queen, throughout her reign, and for fifty odd years trumpeter to the lord mayor of London. He sounded the trumpet when William IV was crowned, also at the coronation of Queen Victoria, at the birth of all her children, at the weddings of the princess royal (Empress Frederick), and the prince of Wales; indeed, at all the royal weddings. Of course, he had many decorations, among them the jubilee medal, bestowed by the queen herself.

Where many are superlatively excellent it is hard to choose, yet among German military bands the first place must be awarded to the band of the First Grenadier guards, whose conductor ist he negro, Sabac-El-Cher. He is German born, complexion to the contrary notwithstanding. His father, a native of lower Egypt, came from Cairo in the suite of Prince Albrecht, brother to old Emperor William. The son born in 1867, was a musical prodigy. At nine he played in public on the violin. Before he was twenty he was in the regimental bands, playing on oboe and trombone. In 1895 he became bandmaster, and in the post has won ever-increasing fame.

Vienna‘s favorite band is that of the Fourth infantry, known otherwise as the Imperial Austrian band, which Americans heard at the World‘s fair. It is not generally known that its leader, Ziehrer, was courtmartialed when he got home for overstaying his leave, seduced thereunto by the clink of good American dollars. He has, however, been reinstated. He has many friends and patrons at court, though none now living is so much the friend, and so little the patron as was the luckless Crown Prince Dudolf.

When the Dutch crowned their fine young queen, of course Holland‘s premier band, that of the Grenadier Yagers, was very much in evidence. Its leader is N. A. Bouwman, a musician of the younger school, who had control not only of his band, but of all the coronation music. No light task you will admit, when you hear that he had in charge over 1200 military musicians, some 2000 trained singers, male and female, and a grand chorus of 17000 children. All these he kept well in hand, rendering serenades and choruses both at Amsterdam and The Hague, and accompanying the voices with his own band, as though it was but a single wonderfuly varied instrument. Not satisfied with that, he composed two marches, one military, one triumphant, both of which it is needless to add, are dedicated to the young queen of Orange-Nassau.

It may surprise many to learn that John Philip Sousa is an American, born, of all places, in the city of Washington, something more than forty years ago. Almost by the time he could talk he began making music. At nineteen he conducted an orchestra; before he was twenty he played at first violin in the famous orchestra which Jacques Offenbach took all over the country. In 1880, unsolicited, there came to him an offer of leadership in the United States marine band. He accepted the offer and soon made it rank among the finest military bands in the world. After ten years he left the government service to organize a band after ideas of his own. Everybody knows the result — how he has invaded every province of harmony, and brought strings, brass and wood to sotnd in the finest accord. He has composed tuneful operas, but the title of March King fits him best. His marches are now played by above 18000 bands; they timed the motion of the jubilee procession through London streets, and were played by the massed Turkish bands when General Miles reviewed the Turkish army. [5]

Sabac el Cher dirigierte seine Musikkapelle „die Kronprinzer“ im Juli 1900 wahrscheinlich im Konzertpark des Leipziger Palmengartens.

Ganz ungewöhnlichem Interesse begegnet die zur Zeit im Palmengarten concertirende Capelle des Grenadier-Regiments Kronprinz (l. Ostpreuß.) Nr. 1 aus Königsberg i/Pr. Die ausgezeichneten Darbietungen des Musikcorps bestätigen nicht allein den ihm vorausgegangenen guten Ruf, sondern man kann dem schwarzen Stabshoboisten Sabac el Cher wohl auch das Zeugniß ausstellen, daß er die ihm unterstellte Capelle seit deren erfolgreichem Gastspiel auf der 97er Ausstellung noch bedeutend vervollkommnet hat. Wir können den Besuch dieser interessanten Concerte, deren Programme ebenso abwechslungsreich, als vielseitig sind, bestens empfehlen. [6]

Alle Ostpreußen Leipzigs versammeln sich Sonntag zum Frühschoppen-Concert im Panorama-Garten, weil dort die Capelle des 1. Ostpreußischen Grenadier-Regiments unter dem schwarzen Capellmeister Sabac el Cher concertirt. Der schöne Garten des „Panorama-Restaurants“ erfreut sich des lebhaften Besuches nicht nur wegen der in ihm gebotenen trefflichen Verpflegung der Gäste durch Herrn Schlinke, sondern auch wegen seiner ganzen Anlage, die ihn zu einem Erholungsplatze ersten Ranges inmitten der Stadt stempelt. Die Concerte füllen ihn stets bis zum letzten Platz. [7]

Der schwarze Kapellmeister, Obermusikmeister Sabac-el-Cher, der, wie bereits gemeldet, wegen Kränklichkeit um seine Pensionierung eingekommen ist, ist ein geborener Berliner. Der bisherige langjährige Leiter der Militärmusik des Grenadierregiments Kronprinz (1. ostpreußisches Nr. 1) wurde als der Sohn eines schwarzen Bediensteten beim alten Prinzen Albrecht, dem jüngsten Bruder Kaiser Wilhelms I., und einer Weißen in der Reichshauptstadt geboren. Seine Wiege stand im Palais Prinz Albrecht in der Wilhelmstraße. Sabac-el-cher ist von seinen Konzertreisen, die er mit seiner Kapelle mehrere Male durch ganz Deutschland unternahm, weiteren Kreisen bekannt geworden. [8]

In Berlin-Königswusterhausen ist der „Mohren-Tambour“ des ehemaligen 1. Garde-Grenadierregiments, das im Volksmund „die Kronprinzer“ genannt wurde, der Obermusikmeister Sabac-el-Cher im Alter von 66 Jahren gestorben. Er war vor dem Krieg weit über die Reichshauptstadt hinaus bekannt. Ueberall, wo die „Kronprinzer“ oder die Regimentskapelle erschien, war er dabei. Im Jahre 1909 mußte er aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Aber er nahm bis einige Monate vor seinem Tod an Konzertreisen teil. Vor mehreren Jahren wurde er nebenbei noch „Kaffee-Mohr“, wie der Volksmund sagte. Er richtete damals in Königswusterhausen ein Café ein, an dessen Wänden die Bilder aus seiner Militärzeit und Andenken an seine Begegnungen mit hohen Persönlichkeiten prangten. Seine alten Freunde hielten ihm dort die Treue. Sabac-el-Cher stand in besonderem Rufe dadurch, daß er, unverkennbar ein Sohn des schwarzen Erdteils, eine verblüffend echte Berliner Mundart sprach. [9]

Die Biografie von Gustav Sabac el Cher ist unvollständig und abhängig vom Bearbeitungsstand. Neue Quellen zum Thema sollen in diesem Beitrag ergänzt werden.


[1] Concerte auf dem Ausstellungsplatze, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 28. Juli 1897. Frühausgabe, S. 5532.

[2] Concerte auf dem Ausstellungsplatze, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger, 6. Beilage vom 1. August 1897. Sonntagausgabe, S. 5633.

[3] Sabac el Cher Portrait, in: Illustrierte Zeitung Leipzig vom 7. Oktober 1897. Band 109, 2. Halbjahr, S. 482.

[4] Internationale Kunstausstellung Dresden, in: SLUB Dresden. Dresdner Nachrichten vom 18. Juli 1897. Sonntagausgabe, S. 2.

[5] The World‘s Five Famous Bandmasters, in: The Atlanta Constitution vom 11. Juni 1899, Sonntagausgabe, S. 28.

[6] Leipziger Palmengarten, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 22. Juli 1900. Sonntagausgabe, S. 5906.

[7] Aus dem Geschäftsverkehr, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 22. Juli 1900. Sonntagausgabe, S. 5906.

[8] Der schwarze Kapellmeister Pensionierung, in: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Berliner Tageblatt und Handelszeitung vom 6. August 1909. Abendausgabe, S. 5.

[9] Mohren-Tambour gestorben, in: Württembergische Landesbibliothek. Stuttgarter Neues Tagblatt vom 9. Oktober 1934. Frühausgabe, S. 2.

Siehe auch – Sabac el Cher klagte gegen rassistische Beleidigung und gewinnt den Prozess 1908


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