Musikdirektor Gustav Sabac-el-Cher in Leipzig – Dirigent

Vom nächsten Sonntag, den 1. August, ab wird neben den bewährten hiesigen Capellen das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ Nr. 1 aus Königsberg i. Pr. auf dem Ausstellungsplatz concertiren. Der Capelle geht ein ganz vorzüglicher Ruf voraus und soll dieselbe über ein ungewöhnlich reiches Repertoire verfügen. Ein ganz besonderes Interesse dürfte aber der Dirigent des Musikcorps, Herr G. Sabac el Cher, selbst erwecken, weil er der erste und einzige schwarze Capellmeister der deutschen Armee ist. Er ist der Sohn eines *POCs, welchen Prinz Albrecht von Preußen am Hofe des Vicekönigs von Egypten kennen gelernt und als Kammerdiener nach Berlin gebracht hatte. Mit Ausnahme seiner schwarzen Hautfarbe erinnert jedoch nichts mehr an die afrikanische Abstammung des Königsberger Musikdirektors, er gilt vielmehr als ebenso schneidiger Soldat, wie vorzüglicher Musiker, der mit seiner wohlgeschulten Capelle stets Beifall und Anerkennung findet. Es ist deshalb auch anzuerkennen, daß uns der Festausschuß mit diesem vielversprechenden Musikcorps und seinem interessanten Dirigenten bekannt macht. [1] Wie schon angekündigt, beginnt am Sonntag, den 1. August, das Musikcorps des 1. ostpreußischen Grenadier-Regiments „König Friedrich III“ Nr. 1 aus Königsberg unter seinem schwarzen Dirigenten, dem Musikdirector G. Sabac el Cher, seine Concerte auf dem Ausstellungsplatze. Die anerkannt vorzügliche Capelle wird zwei Theile ihres auserwählten Programms im Pavillon beim Café und zwei Theile in dem neben dem Hauptrestaurant befindlichen spielen. Es steht zu erwarten, daß die wohlgeschulte Capelle wie überall so auch hier reichen Beifall und wohlverdiente Anerkennung finden wird. [2] Sabac el Cher. Dies ist der Name des einzigen schwarzen Kapellmeisters, den die deutsche Armee besitzt. Er steht an der Spitze des Musikcorps vom königl. Preußischen Grenadierregiment König Friedrich III. (1. ostpreußisches) Nr. 1, das zu Königsberg i. Pr. garnisonirt. Die Kapelle spielte im Juli d. J. auf der Internationalen Kunstausstellung zu Dresden und fand für ihre vortrefflichen Leistungen stets lebhaften Beifall der Zuhörer. Ihr Kapellmeister, ein sehr hübscher Mann, fesselte natürlich das Interesse des Publikums in besonderem Grade. Sabac el Cher ist von Geburt ein Deutscher. Sein Vater stammte aus Unterägypten und war als Kind am Hofe des Vicekönigs von Aegypten in Kairo zur Erziehung. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen, ein Bruder Kaiser Wilhelm’s I., kennen, der ihn nach Berlin brachte, wo er sich mit einer Berlinerin verheirathete und im Hofhalt des genannten Prinzen das Amt eines Silberverwalters übertragen erhielt. Im Jahre 1867 beschenkte ihn seine Gattin mit einem Sohn, der bis zum 14. Jahre in die Bürgerschule ging und bereits im 8. Lebensjahre die Violine zu spielen begann. Von 1881 bis 1885 besuchte er ein Musikinstitut zu seiner weitern Ausbildung und trat in dem zuletzt genannten Jahr bei der Kapelle des königl. preußischen Füsilierregiments Prinz Heinrich von Preußen (brandenburgisches) Nr. 35 in Brandenburg a. d. H. als Hautboist und Soloposaunist ein. Nach mehrjähriger Thätigkeit als solcher besuchte er von 1893 bis 1895 die königl. Hochschule für Musik in Berlin und nahm Unterricht bei den Professoren Joachim, Bargiel, Härtel, Koßleck, Roßberg u. a. Nach gut bestandenem Examen wurde er im letztgenannten Jahr nach Königsberg berufen zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadierregiment. Er bekleidet diesen Posten noch heute, und seine Kapelle findet überall, wo sie concertirt, Anerkennung und Beifall. Dies ist in knappen Umrissen die Lebensgeschichte des einzigen schwarzen Kapellmeisters der deutschen Armee. – Dch. [3] Seit wenigen Tagen läßt sich im Parke der Internationalen Kunstausstellung die Kapelle des Grenadier-Regiments „König Friedrich III.“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 aus Königsberg hören und findet allabendlich trotz des für Gartenconcerte leider recht wenig günstigen Wetters Zuspruch und für ihre Vorträge stets reichlichen Beifall. Das Interessanteste an der Kapelle ist für das Publikum jedenfalls der Dirigent Sabac-el-Cher, der einzige schwarze Kapellmeister des deutschen Heeres. Ueber ihn und seine Carriere in Deutschland ist Folgendes bekannt: Sabac-el-Cher wurde 1867 als der Sohn eines gleichnamigen Silberverwalters, welcher lange Jahre im Dienste des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen stand, geboren. Bis zum 14. Jahre besuchte der Knabe eine höhere Bürgerschule und fing bereits im 8. Jahre an Violine zu spielen. Vom 14. bis 18. Jahre besuchte er ein Musikinstitut und trat 1885 bei der Kapelle des Füsilier-Regiments Nr. 35 als Hautboist ein. Dann besuchte er 1893-1895 die königliche Hochschule für Musik in Berlin und wurde 1895 zur Uebernahme der Dirigentenstelle im 1. Grenadier-Regiment nach Königsberg berufen. Sein Vater stammte aus Unter-Egypten und war als Kind am Hofe des Vice-königs von Egypten in Kairo. Dort lernte ihn Prinz Albrecht von Preußen kennen und brachte ihn nach Berlin, woselbst Sabac-el-Cher eine Berlinerin heirathete. Daß er als Musiker etwas Tüchtiges gelernt hat, beweisen die Leistungen seiner Kapelle, die mit Geschmack und einer für einen Militärkapellmeister beinahe erstaunlichen Ruhe leitet. Das Zusammenspiel ist dabei exakt und von jener straffen Rhythmik, die so charakteristisch für die deutsche Militärmusik ist; Holz und Blech sind gleich gut besetzt, und auch an tüchtigen Solisten scheint es dem Orchester nicht zu fehlen. Die dynamischen Schattirungen werden tadellos herausgeholt, was vorgestern namentlich das Vorspiel zum dritten Akte aus „A basso porto“ von Spinelli bewies, während der Vortrag des Strauß‘ schen Walzers „Wo die Citronen blühen“ durch zarte Uebergänge und seine Pianos überraschte. Die Programme sind ein augenscheinlich in Rücksicht auf ein nicht allzu musikalisch anspruchsvolles Publikum zusammengestellt, da sie meist populäre Musikstücke enthalten; das Fehlen Wagner‘s in der Reihe der Komponistennamen überrascht aber doch etwas, da man heutzutage auf dem Programm jedes Militärconcerts dem Meister von Bayreuth zu begegnen gewohnt ist. Hoffentlich bessert sich bald das Wetter, damit die trefflichen Leistungen Sabac-el-Cher‘s von einem recht zahlreichen Publikum in den nächsten Tagen gewürdigt werden können. [4] There are bandmasters and bandmasters, pretty well the world over. About the most famous of them is Lieutenant „Dan“ Godfrey, supreme over the band of the Grenadier guards. Himself the son and grandson of bandmasters, he has passed the talent on. His three sons are likewise bandmaster. The original Godfrey, Charles by name, led the band of the Coldstream guards in the days before Waterloo, and wielded the baton a matter of forty years. His son and successor, Frederick, conducted for something like twenty years. The third … Weiterlesen

Vorbericht vom Garteninspektor des Botanischen Gartens in Leipzig

Als es sich im Jahre 1893 darum handelte, einen Platz ausfindig zu machen, um zur 50 jährigen Jubelfeier des Leipziger Gärtnervereins eine Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung grofsen Stiles zu veranstalten, erwies sich das Kuhturmgrundstück, dicht vor Lindenau gelegen, als in jeder Hinsicht vorteilhaft für diesen Zweck. Sehr vielen deutschen Gärtnern wird diese Ausstellung noch lebendig vor Augen stehen. Es ist das Areal, auf dem sich jetzt der Leipziger Palmengarten entwickelt und seiner vorläufigen Vollendung entgegensieht. Mächtige Baumgruppen, besonders aus alten Eichen bestehend, umgrenzen das Gelände oder sind in Gruppen in demselben zerstreut. Sie schauten auch schon als alte Knaben ein grofses Stück Weltgeschichte, sie waren Zeugen des Rückzuges der französischen Armee des weltbeherrschenden Korsen nach der Leipziger Völkerschlacht. Die Ausstellung von 1893 förderte ungemein die Idee, auf diesem von Natur aus herrlich gelegenen und historischen Platze einen Palmengarten zu schaffen. Besonders war es der Oberbürgermeister von Leipzig, Herr Dr. Georgi, welcher in seiner damaligen Eröffnungsrede darauf hinwies, dafs es für die Stadt Leipzig angebracht sei, die temporäre Ausstellung in einen ständigen Palmengarten umzuwandeln. So hat denn auch Herr Dr. Georgi in diesem Sinne weiter gewirkt, der Leipziger Palmengarten sieht seiner Vollendung entgegen. Grosse Projekte waren es, welche sich in letzter Zeit mit der direkten Umgebung des Palmengarten-Areals beschäftigten. Die grossen, vom Frankfurter Thore aus beginnenden, saftig-grünen Wiesen wollte man in ein mächtiges Elster-Bassin verwandeln; dem Palmengarten gegenüber, dem Rosenthale zu, liegt der Leipziger Sportplatz, dessen weitere Umgebung für die National-Festspiele in Aussicht genommen war. Es ist in der That zu bedauern, dass besonders das letztere Projekt durch die Nichtannahme der darüber zu beschliessenden Versammlung nicht zur Ausführung kommt. Liegt der Leipziger Palmengarten vom Mittelpunkte der Stadt etwas weit entfernt, so gleichen doch die vorzüglichen Verbindungen durch die elektrische Strassenbahn diesen etwaigen Nachteil (?) wieder vollständig aus; die russgeschwängerte Luft macht sich wenig geltend, für Koniferen und ähnliche Pflanzen, die in der Stadt Leipzig nur ein dürftiges Wachstum zeigen, sind hier weit vorteilhaftere Vegetationsbedingungen vorhanden. Prächtige Spaziergänge durch den in der Nähe des Palmengartens liegenden Johanna-Park, welche durch den zu schaffenden Ausstellungspark fortgeführt werden, führen uns direkt zum Palmengarten und lassen uns letzteren als beliebtes Endziel einer angenehmen Fusswanderung erscheinen. Aus diesen Notizen ersehen wir, dafs die natürliche Lage des Palmengartens in jeder Beziehung befriedigen mufs. Die gesamte Arealgrösse beträgt 189 777 qm. Der prächtige alte Waldbestand, der sogenannte Ritterwerder an der Plagwitzer Brücke, umfafst 32 287 qm. Er ist zumeist mit alten Eichen, Linden, Hainbuchen, Eschen, Erlen und Buchen bestanden. Früher bildete er ein undurchdringliches Dickicht, welches nach gehöriger Auslichtung und nach Schaffung breiter schattiger Wege einen selten schönen Eingang zu diesem Etablissement bildet. Der Erschaffer des Palmengartens, Herr Landschaftsgärtner Otto Mossdorf, unterstützt von seinem Sohne, hat es verstanden, die alten Baumbestände in jeder Weise vorteilhaft der Neuanlage anzugliedern, so dafs das ganze Bild schon in der ersten Anlage einen ziemlich fertigen Eindruck macht. Wir sind ja von Herrn Mossdorf vorzügliche Leistungen in der Landschaftsgärtnerei gewohnt, durch seine langjährigen praktischen Arbeiten auf diesem Gebiete konnte es ihm nicht schwer fallen, hier etwas Vorzügliches zu liefern, seinen bisherigen Werken durch die Anlage des Palmengartens die Krone aufzusetzen. Haben wir den Ritterwerder durchschritten, so blicken wir von der über die Elster führenden Brücke über weit ausgedehnte Wiesenflächen bis auf das Rosenthal auf der einen Seite, auf Villen und prächtige Flusspartien auf der andern. Manchen der Leser wird es interessieren, dafs der Brücke gegenüber die „Villa Klinger“ liegt, des Heims jenes berühmten Leipziger Malers und Bildhauers, dessen Werke, wie z. B. sein Kolossalgemälde „Christus im Olymp“, die ganze Kunstwelt in Aufregung gebracht haben. Man sieht oft von der Brücke aus diesen hervorragenden Leipziger Künstler in Hemdsärmeln in seinem Atelier an seinen Neuschöpfungen arbeiten. Treten wir nun in den eigentlichen Palmengarten ein, so haben wir zunächst linker Hand eine grofse Grottenanlage, ein Überbleibsel der Leipziger Ausstellung. Koniferen bilden ihre Einrahmung, ein Wasserfall wird in elektrischer Beleuchtung seine Wassermassen herabwerfen. Die Teichanlage hat die beträchtliche Ausdehnung von 12 749 qm, eine Lichtfontäne wird künftig die Wasserstrahlen in allen Farben in die Höhe schleudern. Im Sommer werden Kähne den grofsen Teich beleben, im Winter Schlittschuhläufer sich auf spiegelblankem Eise umhertummeln. Der mächtige Bau des Palmenhauses (Abb. Seite 6), welcher sich dem Gesellschaftshause angliedert, ist von der bekannten Firma Mosenthin in Leipzig-Eutritzsch ausgeführt und harrt zur Zeit der Verglasung. Das Palmenhaus hat eine Grundfläche von 1276 qm, die Höhe des Hauses beträgt 22 m, die Länge 44 m und die Breite 29 m. Grosse Glaswände bringen es in unmittelbaren Zusammenhang mit dem grofsen Konzert- und Gesellschaftssaale. Das von den Architekten Schmidt und Johlige in Leipzig ausgeführte Gesellschaftshaus hat eine Grundfläche von 1780 qm. Es wirkt in seiner Gesamterscheinung sehr vornehm, wie die beigegebene Abbildung Seite 6 bestätigt. Anerkennenswert ist, dass Garten- und Bauarchitekten bei dieser grossen Anlage stets Hand in Hand gearbeitet haben, nur so kann etwas Erspriessliches geleistet werden. Breite Terrassen umgeben das Gesellschaftshaus, von denen man einen Überblick auf die mit Rhododendron-Gruppen eingefafsten Parterre-Anlagen geniesst, während die junge Welt, wenn sie sich im Konzertparke tummelt, von diesen erhöhten Sitzplätzen aus stets zu beobachten ist. An den alten historischen Burghof grenzt das Orangeriegebäude, dem sich die Kulturhäuser und der Anzuchtsgarten anschliessen. Die Gewächshäuser sind von Fränkel & Co, in Leipzig-Lindenau erbaut und werden mit Fränkels Patent-Rostfeuerung erwärmt. Gute Kulturhäuser sind ja für eine derartige Anlage eine Hauptbedingung, um stets ein vorzügliches Schaumaterial für das Palmenhaus heranzuziehen, erkrankten Pflanzen wieder auf die Wurzeln zu helfen u. s. w. Um die nötige Terrainbewegung zu schaffen, waren etwa 80 000 Kubikmeter Erde zu bewältigen; die sämtlichen Wege haben die beträchtliche Länge von 6 Kilometern, während 100 Bogenlampen den Park erhellen werden. Das ganze Unternehmen ist ein Aktien-Unternehmen. Die Aktie ist auf 600 Mark normiert. Nach Fertigstellung der ganzen Anlage ist Herrn Döbner die praktische Leitung und Unterhaltung derselben anvertraut, während Herr Justizrat Colditz aus Leipzig, ein grosser Gartenfreund, die Seele des Ganzen ist. Das Interesse für den Leipziger Palmengarten, welcher ein gemeinnütziges Institut vorstellt, macht sich im Publikum bereits durch wertvolle Schenkungen bemerkbar. Freilich haben wir dort auch manche Schenkungen gesehen, … Weiterlesen

Wanderungen durch die Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig

Zur Feier seines 50 jährigen Bestehens veranstaltete der „Leipziger Gärtner-Verein“ vom 25. August bis 5. September eine „Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung“ auf dem im Südwesten der Stadt Leipzig gelegenen Kuhthurm-Grundstücke. Es ist dies ein etwa 13 ½ Hektar großer Platz, rings umgeben von alten Eichen und anderen Baumgruppen und so recht geeignet für den Zweck einer Ausstellung größeren Styles. Ein römischer Triumphbogen von mächtiger Ausdehnung wölbt sich über dem Eingange und auf schön mit Kies bedecktem Wege lenken wir unsere Schritte nach den alten Gebäuden des Kuhthurmes. Hier finden wir die Blumenbinderei, die Parkschuppen, das Ausstellungs-Büreau, das Post- und Telegraphenamt und das Restaurations-Etablissement ec. Wir besuchen jedoch die „Binderei“ heute noch nicht, sondern gehen wieder dem Triumphbogen zu. Gerade vor uns dehnt sich ein wunderbares Blumenrondel aus, in dessen Mitte ein Springbrunnen seinen mächtigen, silberglänzenden Strahl in die Lüfte steigen läßt. Prächtige Teppichbeete, zu deren Herstellung viele Tausende der verschiedensten Pflanzen benußt worden sind, wechseln mit saftigen Rasenflächen ab. Herr Kunst- und Handelsgärtner Moßdorf, der Schöpfer der Ausstellung, hat hier seine Leistungsfähigkeit im glänzendsten Maße bewiesen; nicht nur Laien bewunderten staunend diese gärtnerischen Anlagen, sondern auch tüchtige Kunstgärtner sprachen sich über die von Herrn Moßdorf geschaffenen Anlagen äußerst belobigend aus. Unmittelbar hinter dem Blumenrondel liegt die „Haupthalle“, ein stattlicher Bau; einen Besuch der Halle sparen wir uns für später auf. Wir biegen nunmehr links ab und kommen an einen großen, künstlich angelegten Teich, an dessen Ufer sich der prächtig ausgestattete „Königs-Pavillon“ erhebt. Dieser Pavillon ist von den Mitgliedern des „Vereins für Kunsthandwerk Albrecht Dürer“ zu Leipzig erbaut worden und werden wir über die Ausschmückung desselben später eingehend berichten. Der künstlich angelegte Teich (etwa 6500 Quadratmeter Fläche) wird durch einen Wasserfall aus der Elster gespeist. Am östlichen Ende des Ausstellungs-Terrains erblicken wir den „Tempel“, ein elegant angelegtes Bauwerk, von wo aus man eine schöne Aussicht genießt. Wir begeben uns nunmehr zu der technischen Abtheilung, die namentlich elektrische und Heizungsanlagen, sowie Wasserhebemaschinen enthält. – Die Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft, vormals Schuckert & Co. in Nürnberg hat, wie auf vielen anderen Ausstellungen, auch hier wieder Vortreffliches geleistet. Die in Fig. 1 abgebildete Dynamomaschine speist alle auf dem Ausstellungsterrain befindlichen Bogenlampen (siehe Fig. 2), und gerade Abends, wenn das elektrische Licht in Thätigkeit tritt, glaubt man ein Märchen aus „Tausend und eine Nacht“ zu erleben. Der überaus einfache Mechanismus der Schuckertschen Bogenlampen, wo jede Feder-, Räder-, Klemmvorrichtung in Wegfall kommt, gestattet vollkommen kontinuirlichen Nachschub der Kohlen, sodaß das Licht über dem Ausstellungsterrain sich ruhig und gleichmäßig gestaltet. Die Dynamomaschine zeichnet sich durch soliden Aufbau, vorzügliches Material und exakte Ausführung aus. Feenhaft nimmt sich bei elektrischer Beleuchtung die geschmackvoll gebaute, von Säulen getragene Halle des Herrn Moritz Jacob-Leipzig aus. Diese auf einem Hügel angelegte Halle ist mit Photographien von herrlichen Garten- und Parkanlagen, die Herr Jacob in Villengrundstücken ec. angelegt hat, geschmückt. In dem Vorbau der Halle bewunderten die Ausstellungsbesucher die Abbildungen der berühmten Jacobs‘schen Christrosenzucht. – In der Mitte der Halle ist eine reizende Grotte eingebaut. Herrliche Ampelgewächse zieren die Grotte und mächtige Farne und Phylodendron breiten sich an einer sanft dahin rauschenden Quelle aus. Der Hintergrund der Grotte ist gemalt und zeigt uns eine Landschaft in Australien, die dem Maler zu Ehren gereicht, nicht minder aber auch Herrn Jacob, welcher dieses Schmuckstück der Ausstellung entworfen hat. Als Freund von Freiland- und Gewächshaus-Kulturen statten wir zunächst der Ausstellung von Heyneck & Baumgarten in Krakau bei Magdeburg einen Besuch ab. Diese Firma hat die Generalvertretung von Gustav Scheibe-Mexico in Mexico in mexikanischen Orchideen, Kakteen ec. Von den herrlichen Orchideen sind zu nennen: Epidendron spicatum (1-5 Bulben), Lälia autumnalis und Lälia albida (5-12 Bulben), ferner Oncidium tigrinum unguiculatum (4-8 Bulben). Von den Kakteen sind besonders hervorzuheben: Echinocactus helophorus Lem., ein prachtvoller Igelkaktus mit braunen Querstreifen; Mammillaria dolichocentra Galeotti Lem., mit 5-12 cm Durchmesser. Cereus Bellieni H. & S. und Cereus brachiatus Gall., letzterer Kaktus mit sehr langen nach unten gebogenen Zentralstacheln, ferner Mammillaria Parkinsonii Ehrenb. und Pilocereus senilis Lem., von 10-85 cm Höhe, sind Gewächse, die allgemeine Bewunderung finden. – Aber auch schöne Agaven liefert oben genannte Firma. Wir nennen hier nur: Agave marmorata, Agave Verschaffelti, Agave hystrix compacta und Agave Gilbeyi. – Ferner zeichnet sich diese Firma aus durch schöne Begonien, Philodendron, Anthurien, Sobralien ec. Doch zurück zur „Haupthalle“. Hier fesselt unsern Blick zunächst ein prächtig ausgeführter Springbrunnen, verfertigt von der Zinkgießerei Martin & Piltzing-Berlin. Um diesen Springbrunnen herum finden wir herrliche Pflanzen. So stellten hier zur Ansicht Gülzow & Co.-London eine Anzahl Aralien. Diese zierlichen Aralien haben einfache oder zusammengesetzte Blätter mit scheidigen Stielen, in Dolden, Trauben, Knäuel oder Rispen gestellte Blüthen mit fünf kleinen, weißen Blumenblättern, fünf Staubgefäßen und beerenartige Steinfrüchte, welche vom stehengebliebenen Kelche und den fünf Griffeln gekrönt sind. – Reizend nimmt sich die Justitia carnca aus, welche Herr Paul Mähler-Döbeln (Sachsen) ausstellt; gleicht doch diese Pflanze den Meerrosen. – Frau Keuffel brillirt mit einer sorgfältig gepflegten Clematis, welche sich an einer Säule in die Höhe rankt. – Herr Rühl in Leipzig-Lindenau brillirt durch Cissus discolor Blum. Diese schönste Cissus-Art hat dunkelrothe Zweige, rosenrothe Ranken und herzförmig-längliche, lang zugespitzte, gesägte Blätter, die oberseits sammtartig dunkelgrün und mit weißen Flecken und violet-purpurrothem Rande geziert sind; unterseits sind die Blätter purpurroth. Allerliebste Maiglöckchen finden wir ausgestellt von Herrn Rudolf Grobba-Gartz a. d. Oder; Herr Reischle in Gaschwitz-Leipzig ist vortrefflich vertreten mit Passionsblumen, ferner mit Papyrus, Cissus, Halianthus. Namentlich letztere finden allgemeine Bewunderung. – Die Herren Menzinger-Wandsbeck, Werkmeister-Schwäbisch-Gmünd und Frau Dr. Sellier in Leipzig-Plagwitz erwarben sich ungetheiltes Lob durch ihre Begonien-Ausstellungen; die Begonien, die wir hier sahen, schmücken jedes Zimmer, namentlich die Begonia rex und die Begonia eximia. Herr Albert Wagner in Leipzig-Gohlis nimmt hinsichtlich der Kokospalmen eine der ersten Stellen ein. Die Cycas circinalis L., mit etwa 3 m langen Wedeln, ist ein Prachtexemplar; auch andere großblätterige Gewächse, z. B. Ceroxylon niveum, eine Wachspalme, fanden wir hier vertreten. – Herr Heintze-Leisnig (Sachsen) führte ebenfalls ein derartiges schönes Exemplar vor. Herr Rabe-Weimar stellte Prachtpalmen aus; seine Cycas revoluta L. sind die sogen. „Palmenzweige“, mit denen man bei uns die Särge zu schmücken pflegt. – Herr Eugen Reischke-Leipzig hatte … Weiterlesen

Ein Blick in die Literatur – Jubiläum-Gartenbau-Ausstellung in Leipzig

Zu den ältesten Bauten Leipzigs zählt der Kuhthurm, der sich am Eingang zu dem Vororte Lindenau erhebt. Vor acht Jahrhunderten zum Schutze der auf benachbarten Wiesen weidenden Viehherden errichtet, war er in letzter Zeit der Sitz einer landwirthschaftlichen Versuchsanstalt. Dicht an diesen Bau schließt sich ein Grundstück von etwa 136000 Quadratmetern Fläche, das, von einem Gürtel prachtvoller Baumgruppen eingerahmt, jahrzehntelang in stiller Abgeschiedenheit lag und selbst dem größten Theil der Leipziger Bürger so gut wie unbekannt war. Und doch ist es eine Perle voll landschaftlichen Reizes, in der unmittelbarsten Nähe der Altstadt, werth, zum Anziehungspunkt der Tausende zu werden, die nach des Tages Last und Mühe in frischer Luft, in Gottes freier Natur aufathmen möchten. Das hat man in jüngster Zeit erkannt und darum beschlossen, dieser Perle würdige Einfassung zu geben. Auf dem Kuhthurmgrundstücke soll sich demnächst ein Palmengarten erheben, und die weiten Wiesen, die sich zwischen Lindenau und Leipzig erstrecken, beabsichtigt man in große Wasserbecken, die sogenannten „Elsterbassins“, zu verwandeln. Ein glückliches Zusammentreffen von Umständen brachte es mit sich, daß wir schon heute die voraussichtliche Wirkung der geplanten Anlagen uns vergegenwärtigen können; denn das Kuhthurmgrundstück wurde in diesem Frühjahr und Sommer zum Schauplatz einer überaus regen gärtnerischen Thätigkeit. In diesem Jahre feiert der „Leipziger Gärtner-Verein“ das fünfzigjährige Jubelfest seiner Gründung, und seine Mitglieder faßten den Entschluß, dieses Fest mit einer Internationalen Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu verbinden; in dankenswerther Weise wurde ihnen zu diesem Zwecke die Umgebung des Kuhthurms zur Verfügung gestellt, und Leipziger Gärtner schritten nun mit unverdrossenem Fleiß und echtem Kunstsinn ans Werk und zauberten in der kurzen Zeit von wenigen Monaten nicht nur eine „Ausstellung“, sondern einen wirklichen Lustgarten inmitten der von der Natur gegebenen Parkeinfassung hervor. In der That war diese Ausstellung, zu welcher in der Zeit vom 25. August bis 5. September Tausende und Abertausende von nah und fern herbeiströmten, eine landschaftliche Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Das beweisen die naturgetreuen Abbildungen unseres Zeichners, denen leider eines – die Farbenpracht fehlt, die wir auch durch Worte nicht zu ersetzen vermöchten. Wandelte man auf den Kieswegen durch die weiten Anlagen, so entzückten stets neue Bilder das Auge, und es war schwierig, einen Standpunkt zu finden, von dem aus man das Ganze am besten überschauen konnte. Am günstigsten erwies sich der Ausblick von dem am äußersten Ende aufgestellten Pavillon, unter dem eine Wasserkaskade hervorbrach, und auch unser Zeichner hat diese Ansicht von der „Grotte“ aus zum Hauptstück seiner Darstellung gewählt. Drei Leipziger Kunstgärtner, J. C. Hanisch, Albert Wagner und Otto Mann, hatten sich hier in die Aufgabe getheilt, die weiten ehemaligen landwirthschaftlichen Versuchsfelder in eine entzückende Gartenanlage zu verwandeln, zwischen deren Baum-, Strauch- und Blumengruppen die gefälligen Ausstellungshallen, Kioske und Pavillons malerisch hervorragten. Alle Welttheile, alle Zonen des Erdreichs hatten zur Schmückung dieser Rasenflächen beigetragen. In den Gruppen der Nadelhölzer standen traut vereint neben der ehrwürdigen aussterbenden Eibe unseres Nordens und dem duftigen Wachholder die Cypressen Asiens, die Wellingtonien Kaliforniens und die symmetrischen Araucarien. Dazwischen erhoben Palmen aller Art ihre Wedel; unter alten deutschen Eichen sah man das größte Kraut der Erde, die riesige Banane, Musa Ensete, deren gewaltige Blätter der Wind zerrissen hatte, daß sie dahinflatterten wie zerfetzte Standarten, und tief im Grase staken die Zwergorangen Chinas mit ihren goldenen Früchten. Nicht minder reich an Ueberraschungen und lehrreich in hohem Grade war ein Gang an den Teich und Bach der Ausstellung; denn hier schwammen auf dem klaren Spiegel oder umsäumten das Ufer allerlei seltene Wasser- und Sumpfpflanzen, hier wiegte sich, alle überragend, der schlanke goldene Bambus Ostasiens. Auf künstlichen Felsen fand man Anlagen von Alpenpflanzen, und unter ihnen sahen wir neben dem schönen Edelweiß auch eine Blüthe der Carlina acaulis, der Wetterdistel, die als Wetterprophetin unter unseren heimischen Pflanzen gilt – diesmal aber nur selten ihre weißen Zungenblüthen entfaltete, denn nur zu oft zogen über dem Himmel dieses Lustgartens düstere Regenwolken dahin. Einen Gegensatz zu dieser einfachen deutschen Distel bildeten die stachligen fremdländischen Kakteen, die einen stangenhoch, mit weißen Haaren bedeckt, die anderen dicht auf dem Boden wie friedliche Igelfamilien zusammengerollt. Im Mittelpunkt dieses Panoramas erhob sich der Königspavillon, ein Schmuck, den der „Verein für Kunsthandwerk Albrecht Dürer zu Leipzig“ beigetragen hatte – ein mit prachtvollen Möbeln, Gobelins, Glasgemälden, Standuhren und anderen Erzeugnissen des blühenden Leipziger Kunstgewerbes ausgestatteter Raum. Der Ausblick von dem Kaskadenpavillon wurde durch Baumgruppen eingeschränkt; hinter ihnen leuchtete aber die mächtige Kuppel der Haupthalle der Ausstellung. Die Front dieser Halle bildete einen besonderen Theil der Ausstellung, der mit prachtvollen Rasen- und Blumenteppichanlagen Otto Moßdorfs, des Vorsitzenden des Leipziger Gärtner-Vereins, geschmückt war. Betrat man das Innere der Ausstellungshallen, so entzückten neue reizvolle Arrangements das Auge. Unser Zeichner hat versucht das Innere des Palmenhauses von J. C. Hanisch wiederzugeben. Die Blumenfreunde unter unseren Lesern mögen sich hier die Farbenpracht hinzudenken, welche eine äußerst künstlerische Gruppierung herrlicher Blumen und der nicht minder in allen Regenbogenlichtern glühenden Blattpflanzen hervorzurufen vermag! In der Ausstellungshalle von Moritz Jacob, die einen Säulengang darstellte, konnte man neben Photographien gelungener Gartenanlagen eine stimmungsvolle Grotte mit Moosen und Farnen betrachten und in einem von Albert Wagner errichteten, mit getrockneten Palmenblättern gedeckten Kiosk eine Gruppe reizender Araucarien bewundern. Eines sehr regen Zuspruchs erfreute sich namentlich von seiten der Frauenwelt die Abtheilung für Binderei. Die Aussteller hatten verschiedene Aufgaben zu lösen: es waren Preise ausgesetzt für die schönsten Trauerkränze, Kreuze, Blumenkissen, Lorbeerkränze, Tafelaufsätze, Bilddekorationen ec. Auch für eine vollständige Ballgarnitur winkte eine große silberne Medaille; geschmackvolle Geburtstags- und Ballsträuße waren gleichfalls vorhanden, und wie viele schöne Augen blickten auf den vollständigen Brautschmuck, der zwanzigmal vertreten war. Ob da die Preise gerecht vertheilt werden konnten? Der Geschmack ist ja sehr verschieden. Was uns beim Anblick der Kinder der Flora besticht, das ist nicht nur ihre Seltenheit, sondern auch ihre Schönheit, und für Wertschätzung der letzteren giebt es kein feststehendes Gesetz. Die Huldigungen der Menge schwanken je nach der Mode, und was heute als Schönstes verhimmelt wird, kann morgen unbeachtet bleiben. Damit muß auch der Gärtner rechnen und vieles zu bringen suchen, um jedem etwas zu bringen. Das thut auch unser deutscher Gartenbau, und seine Leistungen auf der Leipziger Ausstellung … Weiterlesen

Aus der Presse – Im Zauberwald der Gartenbau-Ausstellung

Der Leipziger Gärtnerverein, der in diesem Jahre auf eine 50jährige Vergangenheit zurückblickt, hatte schon vor längerer Zeit den Plan gefaßt, mit diesem Jubiläum eine Gartenbau-Ausstellung zu verbinden und dadurch demselben auch einen internationalen Charakter zu verleihen. Durch Umsicht und eigene Kraft der Unternehmer, die in den weitesten Kreisen sympathische Beihülfe zu ihren Bestrebungen fanden, kam dieser Plan zur Ausführung, nicht wenig begünstigt durch die städtischen Behörden, die zugleich auch für die Ausstellung, bei der sich zahlreiche Betheiligung erwarten ließ, ein geeignetes Areal zur Verfügung stellten. Es war dies der sogen. Kuhthurm, eine im 13. Jahrhundert erbaute Warte, deren Insassen die auf den angrenzenden Wiesen weidenden Stadtheerden vor diebischen Strauchrittern zu schützen hatten. Seit dem 16. Jahrhundert Wohnung des städtischen Oberförsters, nachher kurze Zeit ein Vergnügungsort und schießlich Sitz einer Landwirthschaftlichen Lehranstalt, erlangte der Kuhthurm durch die hierher verlegte Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung eine neue, und zwar sehr erfolgreiche Bedeutung. Jetzt erst erkannte man, daß seine mit uralten Bäumen, anmuthigen Gebüschen und Wiesenmatten abwechselnde Umgebung sich vortrefflich zu einer künstlerischen Parkanlage eigne, die ein würdiges Seitenstück zu dem kleinen See bilden würde, den man in östlicher Richtung anzulegen plant. Es war eine gewaltige Arbeitslast vom Gärtnerverein zu überwinden, um das Werk in entsprechender Weise durchzuführen; galt es doch, einen fast 14 Hektar umfassenden Platz einzutheilen, vorzurichten und mit den erforderlichen Baulichkeiten, Anlagen und fachlichen Durchführungen zu versehen. Die Sicherung dieses, alle Factoren zur günstigen Verfolgung des, hier des Leipziger Gärtnervereins harrenden Aufgaben in sich tragenden Grundes und Bodens durfte als eine seiner schätzenswerthesten Errungenschaften bezeichnet werden. Landschaftliche Schönheit verband sich mit ausgedehnter Raumausnutzung und mit der Annehmlichkeit bequemer Verkehrsverhältnisse. Zwischen zwei Pferdebahnlinien, Leipzig-Lindenau und Leipzig-Plagwitz, und sogar an einer Elsterdampfschiffslinie sowie großen Zugangsstraßen unweit der Stadt gelegen, bot sich das Terrain der schaffenden Hand, dem künstlerischen Auge des Gärtners dar. Und wie viel schönes und herrliches hat seine Kunst auf diese noch vor wenigen Wochen so stille Einöde hingezaubert! Neben dem Anmuthigen die Großartigkeit aller Anlagen und Baulichkeiten! Dabei macht das Ganze keineswegs den sonst üblichen Eindruck einer Ausstellung mit ihren klappernden und schnurrenden Maschinen und betäubenden Dampfpfeifen, sondern man wähnt sich in ein Zauberland der Märchenwelt versetzt, wo die Blumenkönigin herrscht. Dort lagert ein riesiges Parterre, in den architektonischen Formen der großen Festhalle gehalten, die hier als Palmenhaus dient; dort liebliche Blumenanlagen, springende Wässer, inmitten smaragdgrüner Rasenplätze, Grotten und lauschiger Pavillons. Scheint es doch, als ob alles, was sich hier verbindet, von selbst und von vornherein hätte zusammenstimmen müssen, die hohen Baumgruppen zu den ausgedehnten mannigfaltigen Gruppen der Coniferen und Palmensorten, die imponirenden Ausstellungsbauten zum Weiher und endlich der baum- und buschreiche natürliche Pflanzenwall zur weitern Umgebung, aus der, das malerische Bild verfolgend, der plagwitzer Kirchthurm herüberschaut. Freitag am 25. August ist die Ausstellung, über die König Albert von Sachsen das Protectorat angenommen hat, eröffnet und deren Schluß auf den 5. September festgesetzt worden. Der Besuch des Königs hat leider infolge des Todes Herzogs Ernst von Sachsen-Koburg und Gotha wegen Theilnahme an dessen Bestattungsfeierlichkeiten abgesagt werden müssen. Um jedem Interessenten billige Gelegenheit zum Besuche der Ausstellung zu verschaffen, haben sich einige Eisenbahngesellschaften auf Antrag bereit finden lassen, Extrazüge zu ermäßigten Preisen zu veranstalten. Durch die höchst werthvollen Ehrenpreise der Fürsten und hohen Interessenten wurde der Wetteifer der Bewerber sehr erfreulich unterstützt. Ueber das ganze Ausstellungsterrain vertheilt sich die große Restaurationshalle mit ihren vielen Nebenbüffets, sodaß überall bequeme Gelegenheit zur Erlangung von Erfrischungen winkt. Der doppelte Strang einer elektrischen Beleuchtung gestattet das Verweilen auf der Ausstellung bis abends 10 Uhr. Wessen die moderne Gartenkunst fähig ist, was in ihr Formensinn und Erfindungskraft zu erreichen vermochten, das liegt hier offen vor jedermanns Auge in reichster Gestaltung, entworfen von dem ersten Vorsitzenden des Comités, dem Landschafts- und Handelsgärtner O. Moßdorf in Leipzig-Lindenau, vereinigt zum genialen Meisterwerk. Was die Opferfreudigkeit der Leipziger Gärtner hier geleistet hat, mag auch bezeugen, daß Mitglieder, wie Hanisch, Wagner und Mosenthin, aus eigenen Mitteln über 20 000 Mark dazu gestiftet haben. Von Otto Moser Die Internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig, in: Illustrierte Zeitung Leipzig vom 2. September 1893. Band 101, 2. Halbjahr, Nr. 2618, S. 275 f.

Aus der Presse – Die Firma Hanisch auf der Gartenbau-Ausstellung

Zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens des Leipziger Gärtner-Vereins findet in den Tagen vom 25. August bis einschließlich den 5. September 1893 eine Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig statt, über welche Seine Majestät der König Albert von Sachsen das Protectorat allergnädigst zu übernehmen geruht haben. In hervorragendster Weise ist an dieser Ausstellung die älteste Gärtner-Firma Leipzigs: J. C. Hanisch, Hoflieferant Seiner Majestät des Königs Albert von Sachsen, betheiligt, deren beide Begründer, Johann Christian Hanisch und Carl Julius Hanisch, auch die Mitbegründer des sein Jubiläum feiernden Leipziger Gärtner-Vereins waren. Die Firma J. C. Hanisch in Leipzig besteht bereits seit 55 Jahren. Die gärtnerischen Anlagen, früher in der Altstadt Leipzig, zwischen Dresdner-, Insel- und Blumenstraße gelegen, befinden sich jetzt in Leipzig O., an der Zweinaundorfer Straße, und umfassen insgesamt ein Areal von 8 Hectaren. Die Culturen sind äußerst umfangreich und vielseitig und umfassen nahezu Alles, was der tägliche Bedarf an Pflanzen und Blumen fordert. In den 10 000 qm Raum bedeckenden Warm- und Kalthäusern, Culturkästen ec. Werden besonders große Sammlungen von Palmen, Warm- und Kalthauspflanzen aller Art, Rosen ec. Cultivirt. Im Freien sind es vorzüglich Maiblumen, Rosen, Sortimente von Stauden, Lilien, Beerenobst, welche gepflegt werden. Die Firma beschäftigt ein Personal von 70 Personen ständig, und diese Zahl steigt zur Zeit der Frühjahrs- und Herbstarbeit auf das doppelte. Unsere nebenstehende Abbildung zeigt uns den Theil der Ausstellung, welchen die Firma J. C. Hanisch für die Schaustellung ihrer Erzeugnisse hergestellt hat. In der Mitte eines Areals von 7 000 qm erhebt sich eine in orientalischem Geschmack gehaltene Halle nebst Terrasse von 37 m Länge und 25 m Breite. Der Zugang zu dieser erfolgt von der hintern Seite durch Ueberschreiten der angebauten Terrasse, während die an der Vorderseite angelegte Veranda lediglich decorativ ausgestattet ist. Während der in dem Vordergrunde unseres Bildes liegende Theil des Terrains mehr blühende Beete und Gruppen enthält, befinden sich auf der entgegengesetzten Seite Gruppen von Coniferen, Palmen, Lorbeerbäumen ec. Das Arrangement des ganzen ist ein einheitliches und lehnt sich, soweit dies bei einer Ausstellung, die vieles umfassen soll, möglich ist, an den südländischen Charakter der Halle an. Sanft ansteigende Wege führen an den beiden Giebelseiten zu blumengeschmückten Zelten. Die entstandenen Böschungen sind theils mit Blumen, theils mit guirlandenförmigen Beeten besetzt. Auch die Veranda und Terrasse sind in allen ihren Theilen reich mit Blumen und Einzelpflanzen ausgestattet. Die äußere Umgebung der Halle zeigt uns besonders schöne Gruppen von blühenden Begonien, blühenden und buntblätterigen Geranien, Teppichbeeten, Blattpflanzen-Gruppen, Lilien, Araucarien, Canna, Dahlien ec. ec. Betritt man das Innere der Halle, so führen breite Treppen zu beiden Seiten nach unten. An den Wänden bauen sich hohe Palmen- und Farren-Gruppen auf, während das Mittelstück niedrig gehalten ist und von farbenprächtigen Gruppen von Warmhauspflanzen bedeckt wird. Hervorragend ist die Bindekunst vertreten, der Hauptzweig des ganzen Geschäftsbetriebes; sie giebt ein sprechendes Zeugniß von der Leistungsfähigkeit des Geschäftes. Für die Redaction verantwortlich: Franz Mersch in Leipzig. Von der Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Leipzig, in: Illustrierte Zeitung Leipzig vom 26. August 1893. Band 101, 2. Halbjahr, Nr. 2617, S. 252 f.

Aus der Presse – Die Gebäude der Gartenbau-Ausstellung

Ausstellungs-Gebäude haben zumeist architektonisch einen untergeordneten Werth, dienen sie doch nur dazu, die auszustellenden Gegenstände zeitweilig aufzunehmen, sie müssen hauptsächlich einen großen möglichst freien Raum darbieten, der sich dem Zwecke gemäß ausnutzen läßt. Sie sind im Allgemeinen von leichter Bauart, denn es ist ihnen nur ein kurzes Dasein beschieden und ihre Ausstattung nähert sich oft der Theaterdecoration, außerdem ist es nicht möglich, viel Zeit und Geld auf ihre Herstellung zu verwenden. Man darf daher an derartige Bauwerke keine zu großen Anforderungen stellen, sie sind anders zu beurtheilen, als unsere modernen, massiven, auf lange Zeitbauer berechneten Gebäude, es sind – mit einem Worte gesagt – Interimsbauten. Diese Umstände in Erwägung ziehend, möge man die Besichtigung der vom Comité errichteten Gebäude der internationalen Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung vornehmen. Das erste, welches dem Besucher derselben in die Augen fällt, ist das an der Frankfurter Straße nach Art der römischen Triumphbogen erbaute Eingangsthor, welches von halbrunder Einfriedigung mit zwei Kassenstellen eingefaßt und in der oben beschriebenen Weise aus vergänglichen Material, d. h. aus Holz und Leinwand ausgeführt ward. Nach Durchschreiten desselben erblickt man die große Ausstellungshalle vor sich, welche nicht allein das Hauptgebäude der Ausstellung bildet, sondern auch den vorderen Theil des Parkes abschließt. Sie hat eine Länge von 100 Metern und ward im Renaissancestil erbaut, niedrige, mit Kuppeln bekrönte Vorlagen markiren ihre Ecken, während in der Mitte ein größerer Vorbau mit dementsprechender Kuppel angeordnet wurde. Letztere hat auf der Spitze eine sogenannte Laterne und einen mit Malerei ausgeschmückten Sockel, über welchem noch eine Uhr angebracht worden ist. Die Facaden-Architektur, die übrigens nur der Stuckateur und Decorationsmaler herstellte, wird hier durch einen Giebel abgeschlossen, der in seinem Felde eine auf Goldgrund sich gut abhebende figürliche Malerei umschließt. Die Construction dieses Baues erfolgte in Holz, welches mit wasserdichter Leinwand überzogen, die zugleich durchsichtig ist, so daß die Anlage von Fensteröffnungen unnöthig ward. Ein hohes, breites Hauptportal im Mittelbau und sechs Thüren vermitteln den Eintritt in das Innere, welches einen freien, mächtigen Raum darstellt, der sich vortrefflich zur Pflanzen-Ausstellung eignet. Derselbe ist außerdem geschmackvoll decorirt und in seinem Mittelpunct erblicken wir eine mit Figurengruppe geschmückte Fontaine. Die Baukosten dieser Ausstellungshalle betrugen ca. 40 000 Mark. Als ein besonders sehenswerthes Bauwerk erscheint der sogen. Königspavillon, welcher hinter dieser Ausstellungshalle am See zur Ausführung kam und dessen kunstvolle Ausstattung vom hiesigen Albrecht-Dürer-Verein in uneigennützigster Weise übernommen ward. Dieser Pavillon bildet sozusagen den Mittelpunct unter den Ausstellungsgebäuden und ist seiner Bestimmung gemäß am reichsten geschmückt, fast alle Mitglieder des genannten Vereins haben sich mit ihren Werken daran betheiligt, wir finden hier die Decorations-Malerei, Tapezierer-Arbeit, Architektur, Glas-Malerei, Kunstschlosserei, Bildhauerei, Weberei ec. vertreten, so daß ein kleines interessantes Kunstgewerbemuseum entstanden ist. Eine breite Treppe liegt vor dem mit dem sächsischen Wappen oberhalb versehenen Haupteingang, darüber erhebt sich eine mit der Krone geschmückte grünliche Kuppel, die an den vier Ecken durch Fahnen flankirt ist. Die ganze Höhe des Baues beträgt 18 m, er ist unterhalb durch eine 3 m breite Terrasse eingefaßt, die mit Baldachinen überspannt und durch elegante Brüstung abgeschlossen wird. Dieser Königspavillon, in seiner schönen gediegenen Ausführung, ist zugleich ein erfreuliches Bild von dem einigen gemeinschaftlichen Streben des rührigen Albrecht-Dürer-Vereins, der an der Spitze des Kunstgewerbes in Leipzig steht und abermals hier gezeigt hat, was er zu leisten vermag. Jenseits des Sees sehen wir das große Palmenhaus der Firma J. C. Hanisch, welches inmitten herrlicher Pflanzen-Anlagen aufgebaut ward. Es ist gleichfalls aus Holz construirt und mit durchsichtigem Stoff überzogen, so daß auch hier die Anlage von Fenstern unnöthig war, vor seinem Haupteingang liegt eine breite Terrasse, die mit allerhand Zierpflanzen geschmackvoll und reich ausgeschmückt ist. Im Uebrigen ist dieses Palmenhaus nächst der Hauptausstellungshalle das größte unter den hier zur Ausführung gekommenen Gebäuden. Die anderen Gärtner-Firmen haben nur kleinere erbaut und zwar auch aus Holz mit entsprechender malerischer und decorativer Ausschmückung, wobei wir nicht versäumen wollen, die Ausstellungshallen der Herren Moritz Jacob und Otto Thalacker wegen ihrer hübschen Form und ihres kunstvollen Schmucks besonders hervorzuheben. Ziemlich zahlreich sind die an passenden Stellen des Ausstellungs-Parks errichteten Pavillons, die aus Schmiede-Eisen, Wellblech, Eisenguß oder Holz in rechteckiger oder vieleckiger Grundform auf Hügeln oder in der Nähe des Wassers zur Ausführung kamen und den landschaftlichen Reiz vermehren. Von anziehender Form ist namentlich der über der Felsengrotte durch Herrn Zimmermeister Bastänier erbaute achteckige, mit geschwungener Kuppel bekrönte Pavillon, der zugleich als guter Aussichtspunct über das hintere Ausstellungs-Terrain zu empfehlen ist. Nicht weniger schön ist der von Herrn F. Mosenthin aus Gußeisen und Zinkblech hergestellte sehr zierliche Pavillon in der Nähe seines Gewächshauses. Unweit davon hat Herr Albert Wagner in Gohlis, inmitten seines herrlichen Palmengartens am See, einen kreisförmigen Pavillon aus Holz und getrockneten Palmenblättern zusammengefügt, die nicht allein vortrefflich in die Scenerie hineinpaßt, sondern auch als höchst originell zu bezeichnen ist. Von den anderen noch vorhandenen Pavillons seien der aus Eisen von der Firma Weithas Nachfolger auf einem Hügel nahe der Plagwitzer Brücke, der des Herrn Carl Schließmann in Castel hinter der Restauration und der aus Naturholz gefertigte, auf einem Hügel neben dem Haupteingang als sehenswerth hervorgehoben. Interessant werden auch für Viele die transportablen eisernen Lauben des Herrn Carl Schmidt in Reudnitz sein, ebenso die eisernen, mit buntfarbigen Stoffen überzogenen Gartenzelte der Firma Tränkner & Würker in Lindenau, die an verschiedenen Stellen zwischen den Blumenbeeten und Rasenplätzen aufgestellt wurden und als Pavillons in kleinem Maßstabe zu betrachten sind. Nicht unerwähnt möge das wohl allen Besuchern der Ausstellung angenehm auffallende Strohhaus bleiben, das in der Nähe des Sees erbaut und von der Firma O. Mann in Eutritzsch als Ausstellungsraum benutzt wurde. Es besteht nur aus Naturholz, Baumrinde und Stroh, hat eine sehr gefällige, zierliche Form und harmonirt vortrefflich mit seiner grünen landschaftlichen Umgebung, es wird gewiß bei jedem Beschauer einen freundlichen Eindruck hinterlassen. Daß in einer Gartenbau-Ausstellung die Gewächshäuser nicht fehlen dürfen, ist selbstverständlich, so sind denn auch hier eine ziemliche Anzahl davon ausgestellt, die uns die verschiedenen Systeme der Anlage und ihre Erwärmung vergegenwärtigen. Sämmtliche Gewächshäuser sind massiv fundamentirt, wie in der Wirklichkeit, und ihr Oberbau besteht zumeist aus Eisen und Glas. Sogleich rechts vom Haupteingange zum … Weiterlesen

Die internationale Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung in Leipzig

Wir vermeiden es sonst sehr gerne, inbezug auf die noch in der Vorbereitung befindlichen Gartenbau-Ausstellungen unseren Lesern vorzeitige Versprechungen darzubringen. Die heute den Vorarbeiten für die vom 25. August bis 5. September in Leipzig stattfindende Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zugestandene Ausnahme erschien uns jedoch durch verschiedene Wahrnehmungen geboten, die wir auf mancherlei in der letzten Zeit ausgeführte Reisen machten und die uns allerorten ein sehr reges Interesse für diese Ausstellung und die bestimmte Absicht, dieselbe zu besuchen, erkennen liessen. Sodann haben wir bis heute die Meinung, dass den Vorarbeiten für diese Ausstellung ein dem Unternehmen angemessener grosser Zug eigen und die Erwartung berechtigt ist, dass die Ausstellung in Leipzig für die Handelsgärtner Deutschlands eine sehr hervorragende Bedeutung haben und einen gewaltigen Zusammenfluss der Fachmänner des In- und Auslandes bewirken wird. Wir geben aber dennoch der Hoffnung Ausdruck, dass nicht noch zuguterletzt kleinlicher Krimskram den guten Eindruck, den die Vorarbeiten bis jetzt gemacht haben, schädigen oder zerstören wird. Die Ausstellung wird stattfinden auf einer vom Rat der Stadt Leipzig überlassenen, etwa 14 ha grossen, von einem prächtigen Baumbestande begrenzten Grundfläche. Die Erdarbeiten sind beendet. Gegenwärtig wird der ungefähr 6000 qm Fläche umfassende Teich gedichtet. In der Nähe desselben beginnen die Vorarbeiten zu dem Aufbau des Königspavillons, der von dem leipziger Verein für Kunsthandwerk »Albrecht Dürer« als Ausstellungsgegenstand errichtet wird und der Zeichnung nach eine Zierde der Ausstellung zu werden verspricht. Ferner ist man mit dem Aufbau einer Grotte aus Bruchsteinen beschäftigt, die so geräumig wird, dass sie für die Besucher zugängig ist; sie soll durch Wasser und elektrische Lichtwirkungen Reiz erhalten. — Ueber der Grotte wird sich ein Tempel erheben, bezüglich desselben, sowie des einzuhaltenden Baustils jedoch noch die Verhandlungen schweben, da sich das erste Projekt als nicht geeignet erwies. — Das Wasser für die Teichanlage wird mittelst eines Motors aus dem die Ausstellung umgrenzenden Luppen-Flüsschen gehoben, fällt über die Grotte und ergiesst sich dem Wasserlauf entlang in den Teich. Der Wasserlauf wird durch 2 Brücken überspannt. Nahe den Wasserpartien sind bereits Steingruppen für Alpinen und dergleichen errichtet. Auch ist ein grosser Teil der m der Nähe gelegenen Blumenzwiebeln- und Knollengruppen bereits bepflanzt. Für die Bepflanzung der Wasserpartien ist ebenfalls angemeldet. Eine leipziger Firma stellt einen Wintergarten aus. Einige grössere und kleinere Gewächshäuser sind ebenfalls fest angemeldet. Eine auswärtige Firma hat das Material zu einer grossen Staudengruppe bereits eingesandt.Die Pflanzenanmeldungen für die Ausstellung im Freien bewegen sich von der Beanspruchung kleinerer Flächen bis zu solchen von 1000 qm. Auch für die Haupthalle sind mehrere Hundert Quadratmeter bereits fest angemeldet. Coniferen und Rosen scheinen in reicher Anzahl zu kommen. Die in ihrer Vorderansicht obenstehend veranschaulichte Haupthalle besitzt eine Frontlänge von 100 m und eine Tiefe von 25 m; an der Rückfront ist ein Ausbau von 20 X 20 m beabsichtigt. Der Haupteingang besitzt eine Vorlagenbreite von 20 m bei 8 m Vorsprung, einschliesslich der mächtigen, 12 m hohen Säulenstellungen. Hinter dem Haupteingang schliesst sich der gewölbte Empfangsraum von etwa 12 X 12 m Grundfläche und 15 m Höhe an, welcher Raum die Grundfläche des bis zur Fahnenspitze 41 m und bis zur Laterne 34 m hohen Turmes bildet. Im übrigen umfasst die grosse Halle einen einzigen, nirgends unterbrochenen Raum, welcher durch das einfache, aber in jeder Weise elegant und sicher konstruirte Dach mit seiner lichtspendenden Jutebedeckung abgeschlossen wird. Die Halle misst bis zum Hauptsims 8,50 m, bis zum Architrav 9,50 m und bis zum First 15,5 m Höhe. Die sämtlichen äusseren Fassaden werden in der Hauptsache durch gruppirte Türme, jonische Säulenstellungen, reiche allegorische Darstellungen u. dergl. gebildet. Das den Haupteingang von der lindenauer Chaussee bildende Haupttor besitzt eine Höhe von 12, eine Breite von 11,5 m; die Durchgangshöhe eine solche von 7 und eine Breite von 5 m. Dasselbe wird dem Charakter der grossen Halle entsprechend architektonisch ausgebildet. Ein schon bestehendes Steingebäude wird die Binderei aufnehmen; den einlaufenden Anmeldungen nach ist es keineswegs zu gross, wie man früher befürchtete. Bodenflächen für grössere Parterreanlagen sind vorhanden und könnten hier gartenkünstlerische Firmen, die sich diese Gelegenheit zur Veranschaulichung ihrer Leistungsfähigkeit nicht entgehen lassen sollten, vortreffliches vorführen. Es kann jetzt noch jeder Aussteller seinen Platz, soweit der Raum noch nicht vergeben ist, auswählen; natürlich müssen die Gegenstände einigermaßen auf den gewünschten Platz passen. In späterer Zeit muss diese Freiheit selbstverständlich beschränkt werden. Das kgl. sächsische Ministerium hat 15000 Mark und der Rat der Stadt Leipzig 12000 Mark zu dem Ausstellungsfonds gezeichnet; ersteres auch 15 silberne Staatsmedaillen, letzterer 3000 Mark zu Ehrenpreisen bewilligt. Das herzogl. Sachsen-Altenburgische Ministerium hat dieser Tage ebenfalls Ehrenpreise in Aussicht gestellt. Fernere Ehrenpreise wurden bewilligt vom Landesobstbau-Verein in Sachsen, ein Kunstgegenstand im Werte von 100 M. für die beste Leistung in der Anzucht von Obstbäumen, vom Geh. Kommerzienrat Dodel-Leipzig, ein silberner Pokal, von Alb. Wagner-Gohlis, zwei Preise zu je 500 M., von der kölner Gartenbau-Gesellschaft, drei silberne Medaillen, vom Gärtner-Verein zu Altenburg für ein Marktsortiment Remontantnelken, vom Verband der Handelsgärtner Deutschlands ein Verbandsdiplom (Bewerber müssen Verbandsmitglieder sein), vom Iindenauer Gärtner-Verein, ein Wertgegenstand von 50 M. für bestkultivirte Kalthauspflanzen für den Export in fünf Arten je zehn Stück (ausgenommen Azaleen, Camellien, Rhododendron, Eriken und Cyclamen), vom Gartenbau-Verein Hamburg-Altona und Umgegend, eine grosse goldene Medaille, vom Verein zittauer Gemüsegärtner, 30 M. Weitere Ehrenpreise stehen noch in Aussicht. Preisrichter werden etwa hundert in Tätigkeit treten und dürfen unter ihnen preiswerbende Aussteller nicht vorhanden sein. Hoffentlich wird auch jene Sorte von Privilegirten darunter fehlen, denen das Frühstücken und Redenhalten wichtiger wie das Arbeiten ist. Zurzeit der Ausstellung wird die deutsche dendrologische Gesellschaft am 27. August ihre Versammlung abhalten. Auch der Verein deutscher Gartenkünstler wird ein gleiches am 26. August tun. Einsichtige Mitglieder des HandeIsgärtner-Verbandes hatten gehofft, dass der Vorstand des Verbandes sich bemühen würde, besonders nachdem die in Frankfurt am Main von der Handelsgärtner-Verbindung vorbereitete Ausstellung so unrühmlich verkrachte, die der Versammlung von Frankfurt nach Leipzig zu betreiben, wohin dieselbe ursprünglich eingeladen worden war. Nichts von alledem! Weil ein halbes Dutzend Mitglieder mit einander im Streite liegen, muss der ganze Verband darunter leiden. Die Sache ist ja so sehr kläglich, aber weil sie auch so lehrreich ist, kommen … Weiterlesen

125 Jahre STIGA in Leipzig – Ein Konsum-Spektakel für Millionen

Die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung zog 1897 im Herzen Leipzigs ein Millionenpublikum in ihren Bann. Wirtschaftlich war das Großevent ein Verlust. Doch aus heutiger Perspektive ist es Sinnbild für den gesellschaftlichen Wandel, der Leipzig und die Welt im 19. Jahrhundert erfasste. Die größte innenstadtnahe Parkanlage Leipzigs ist kein Landschaftsgarten oder Schlosspark – und das sieht man auch. Eine breite Allee durchzieht den Clara-Zetkin-Park, links und rechts gehen Rundwege ab, führen zu kleinen Pavillons oder eingefassten Teichen. Vor 125 Jahren befand sich hier das Ausstellungsgelände für ein Wirtschafts- und Volksfest mit Millionenpublikum: Die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung (STIGA). Zu ihr heißt es in den Ratsakten der Stadt Leipzig: „Und wäre kein anderer Nutzen von der Ausstellung zu erwarten als diese herrliche Morgengabe ihres Parkes, die sie der Stadt darbringt, wahrlich es wäre schon groß und bedeutend genug.“ Mit den Ausmaßen und der Infrastruktur einer Kleinstadt setzt die STIGA ein Zeichen in einer vom jähen Wandel gekennzeichneten Zeit. Die Stadt Leipzig befand sich damals, als viertgrößte deutsche Stadt, im Umbruch von der Handels- zur Industriestadt und dehnte sich verstärkt auf umliegende Gemeinden aus, die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft an, die Leipziger Messe wandelte sich von einer Waren- zu einer Mustermesse. Im Jahr des vierhundertjährigen Jubiläums der Leipziger Messe wird 1897 mit der STIGA die Werbetrommel geschlagen für die mitteldeutsche Region mit Leipzig als Zentrum und für die neue Form der Mustermesse. Dafür werden zuerst die vorgesehenen Wiesen zwischen Scheibenholz und Johannapark trockengelegt und an die städtische Infrastruktur sowie an die Eisen- und elektrische Straßenbahn angebunden. Reichstagserbauer Paul Wallot, Gabriel von Seidl und Hugo Licht wählen als Juroren mehrere Leipziger Architekten für die Bebauung aus. Sie errichten neun Ausstellungshallen sowie mehrere Themenbereiche. In vielem orientieren sie sich an der großen Berliner Gewerbeausstellung des Vorjahres und an den Weltausstellungen früherer Jahre. Zum Ausstellungsbetrieb gehören Verwaltungsbauten, Feuer-, Polizei- und Sanitätswachen sowie die Poststation. Wie auf der Weltausstellung in Chicago 1893 strahlt das Gelände samt einer 40 Meter hohen Ausstellungsfontäne abends im Schein tausender farbiger Glühbirnen. Der Strom dafür wird in einer „elektrischen Kraftzentrale“ produziert, die den Dampf ausgestellter Dampfmaschinen nutzt. Gastronomische Angebote auf dem gesamten Gelände summieren sich auf rund 10.000 Sitzplätze. Aufwendige Rekonstruktionen zeigten ein Altleipziger Messviertel, die Wartburg oder ein Tiroler Schloss. Für ein Thüringer Dorf wurden Gebäude aus Thüringen umgesetzt und sogar eine Kirche nebst Friedhof errichtet. Ganz in der Nähe steht ein weiteres architektonisches Highlight: Vor der Industriehalle wird die Turmhaube der gerade im Bau befindlichen Reformierten Kirche zu Leipzig präsentiert. Sie erzielt drei Jahre später auf der Weltausstellung in Paris 1900 einen Ersten Preis. Ein großer Anziehungspunkt im Unterhaltungsviertel ist der Fesselballon des französischen Ballonpioniers Louis Godard, der den Aufenthalt in der Messestadt auch für neue Weltrekorde nutzt. Eine nach dem Vorbild der Berliner Ausstellung von privaten Organisatoren initiierte Kolonialausstellung mit sogenannter Völkerschau offenbart rassistische Stereotype, koloniale Interessen sowie den nationalistischen Geist des Wilhelminischen Zeitalters und damit die problematischen Facetten der STIGA. Legitimation und Repräsentation bestehender Herrschaftsverhältnisse sind Grundmotive vieler Ausstellungen. Auf dem Gelände verteilte Herrscherstatuen, Symbole und inszenierte Festakte wie die Eröffnungszeremonie mit dem Schirmherren König Albert von Sachsen unterstreichen dies. Ein anderer Kritikpunkt wird schon von Zeitgenossen wie Georg Simmel oder Walter Benjamin diskutiert: die subtile Erziehung zum Konsumismus. In der damaligen breiten Öffentlichkeit wird allerdings zuvorderst der Beitrag solcher Ausstellungen zu technischer und ästhetischer Bildung unterstrichen. So finden anlässlich der STIGA zahlreiche Tagungen und Kongresse statt und in den Ausstellungshallen begleiten Ingenieure sachkundig die Vorstellung von Produktionsprozessen. Auch die kommunalen und landesstaatlichen Bildungseinrichtungen sind mit umfangreichen Ausstellungen vertreten. Darunter finden sich mit der „Königlich Sächsischen Baugewerkenschule zu Leipzig“ und der „Königlichen Kunstakademie und Kunstgewerbeschule zu Leipzig“ auch zwei Vorgängereinrichtungen der HTWK Leipzig. Zu den technischen Innovationen, die dem Publikum nahegebracht werden, gehören Anwendungen für Gas oder Elektrizität. In einem Pavillon des Würzburger Professors Wilhelm Conrad Röntgen können sich Ausstellungsgäste für einige Groschen die Hände durchleuchten lassen. Der elektrisch betriebene Fahrstuhl zur Aussichtsplattform der „Wartburg“ ist seit seiner ersten Präsentation durch Elisha Otis auf der New Yorker Weltausstellung 1854 keine wirkliche Neuheit mehr. Origineller sind da Grammophone, Kinematographen oder die neuartige Rotationsdruckpresse von König & Bauer, auf der die tägliche Ausstellungszeitung in zehntausend Exemplaren gedruckt wird. Überhaupt ist das Druck-, Buch- und Pressewesen stark präsentiert. Noch stärker sind allerdings das besonders in Leipzig und Chemnitz beheimatete Maschinen- und Transportwesen und die Textilbranche vertreten. Von den 3.027 Ausstellern kommen 1.416 Firmen aus Leipzig. Neunzig Prozent der Leipziger Firmen jener Zeit haben bis zu zehn Angestellte und so sind es zumeist klein- und mittelständische Unternehmen, denen durch die Form einer Kollektivausstellung die Teilnahme möglich ist. Viele von ihnen werden mit einer der begehrten und an fast die Hälfte der Unternehmen vergebenen Ausstellungsauszeichnungen belohnt. Als Insignien von Produktqualität und Glaubwürdigkeit finden sie sich zum Teil bis heute auf Produktverpackungen. Achten Sie beim nächsten Radeberger Biergenuss mal auf das Etikett. Ein „Jahrhundert der Ausstellungen“ – Der Schriftsteller Ernest Renan verglich die Ausstellungen einst mit den Olympischen Spielen. Tatsächlich schienen sich im 19. Jahrhundert Städte, Regionen und Staaten mit immer sensationelleren und kostspieligeren stellungen gegenseitig überbieten zu wollen. Zuerst waren sie jedoch ein reines Mittel der Gewerbeförderung, auf das auch der sächsische Staat ab 1824 neben der Förderung von Gewerbeschulen und „Vorbildersammlungen“ zurückgriff. Bis zur Mitte des Jahrhunderts blieb der Erfolg der Veranstaltungen im Hinblick auf Produktvielfalt, Aussteller- und Gästezahlen recht bescheiden – das galt selbst für die dritte deutsche Nationalausstellung 1850 in Leipzig. Erst als infolge der ersten Londoner Weltausstellung 1851 das „Ausstellungsfieber“ grassierte und engagierte Wirtschaftsbürger – zu denen neben Kaufleuten, Handwerkern und Fabrikanten auch Forschende oder Lehrende gehörten – mittels ihrer „Gewerbevereine“ die Veranstaltungen organisierten, nahm die Sache Fahrt auf. Unter Einbindung staatlicher und kommunaler Interessen trugen die entstehenden Handels- und Gewerbekammern aktiv dazu bei, dass aus provinziellen Leistungsschauen nun massentouristische Volksfeste und Kommunikationsplattformen wurden. Massenpresse und Massentourismus, bessere Verkehrsmittel und -verbindungen ließen gemeinsam mit ausgefeilten Marketingstrategien das 19. Jahrhundert tatsächlich zu einem „Jahrhundert der Ausstellungen“ werden. Zu den unzähligen Printprodukten der Veranstaltungen gehörten beispielsweise die offiziellen Ansichtspostkarten, von denen allein auf der STIGA 2,5 Millionen Stück verkauft wurden. Um … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Dr. Enrico Ruge-Hochmuth zur STIGA

Dr. Enrico Ruge-Hochmuth beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit den Themen der Industriekultur und speziell mit den Gewerbeausstellungen in Sachsen. Sein Buch gibt erstmals einen Gesamtüberblick über das sächsische Ausstellungswesen bis ins 20. Jahrhundert hinein und ordnet diese in einen regionalen, nationalen und internationalen Kontext ein. Dr. Ruge, Sie beschäftigen sich mit den Gewerbeausstellungen in Sachsen. Was erzählen Sie Jemandem, der noch nichts über die Gewerbeausstellungen gehört hat? Welche Bedeutung würden Sie der STIGA 1897 in Leipzig zusprechen? Das es ab dem frühen 19. Jahrhundert viele Schauen gab, die zu Volksfesten wurden. Sie verbanden Industrie und Kultur miteinander und prägen unser Konsumverhalten bis heute. Denn dort wurde diskutiert und ausgezeichnet, was „schön“ oder was „funktionell“ ist, die Gesellschaft für den Umgang mit Design sensibilisiert. Auch regionale Produktmarken, wie „Plauener Spitze“, „Bautzner Senf“ oder „Glashütter Uhren“ wurden durch diese Veranstaltungen nachhaltig verfestigt. Aber der Bildungsaspekt spielte auch eine Rolle, um Ängste vor der technisierten Welt abzubauen. Der Industriemensch tickt anders und sollte gut funktionieren. So konnte das Produkt und oft auch dessen Herstellungsweise direkt erfahren und manchmal auch in kulturelle Zusammenhänge eingebettet erlebt werden. Die während der Ausstellung täglich erscheinende Ausstellungszeitung druckte man beispielsweise vor den Augen der Besucher auf einer neuartigen Rotationsdruckmaschine. Heute tanzen Menschen nach dem Sound der Maschinen „Techno“ und betrachten maschinell hergestellte Massenprodukte als Kunstform, die zumeist trivial anmutenden Massenprodukte werden bis heute zum einzigartigen Kulturerlebnis stilisiert. Warum gab es so viele Preise? So viel Aufwand im Auf- und Abbau für einen Ausstellungszeitraum von sechs Monaten? Die Aussteller waren zumeist kleine und mittelständische Produzenten und Gewerbetreibende. Sie wollten neue Konsumenten gewinnen und Ausstellungsmedaillen bekommen. In vielen Kategorien wurden solche Preise vor Ort vergeben, um sie anschließend werbewirksam für den Verkauf einzusetzen. Schauen Sie mal auf eine Becks- oder Radeberger-Flasche, da finden Sie auf dem Etikett noch heute die Medaillen. Die Besucher aus dem näheren und weiteren Umland kamen freilich auch, weil ihnen Superlative und außerordentliche Erlebniswelten versprochen wurden. So wurde das „Thüringer Dorf“ mit Kapelle, Friedhof und allem was so dazu gehört nachgebaut und von kostümierten Schaustellern bevölkert, im Ausstellungsteil „Deutsch-Ostafrika“ wurden sogar – auch damals schon war das nicht unumstritten – „echte Eingeborene“ zur Schau gestellt. Für die Besucher war das Reisen durch inszenierte Welten, die sie in der Realität kaum hätten erleben können, ein Highlight. Gibt es Parallelen zum heutigen Streben nach überregionalem Prestige? Der urbane Wettstreit hat in den letzten einhundert Jahren nicht abgenommen. Leipzig will sich nach wie vor als Handels- und Kongressmetropole überregional etablieren und sucht Wege und Möglichkeiten sich international zu profilieren. Trotz aller Virtualität existieren noch immer kleinere, thematisch sehr fokussierte Formate, die genauso direkt auf das Konsumverhalten abzielen. Die „Eventisierung“ spielt dabei nach wie vor eine große Rolle. Vordergründig wollten die Bürger, da hat sich bis heute nichts geändert, gut unterhalten werden. 2022 begeht Leipzig das 125-jährige Jubiläum der Gewerbeausstellung. Sollten wir diesem Gedenken? Was steht für Sie dabei im Vordergrund? „Gedenken“ klingt immer so nach Friedhof. Hier würde ich für ein aktiveres Fortschreiben plädieren. Generell sollten wir Tradition und Zukunft miteinander verbinden. Die Ausstellungen waren ja damals auch ein Ort des öffentlichen Diskurses, beispielsweise über modernes Wohnen, innovatives Bauen, Freizeit oder Hygiene. Heute sollten wir vielleicht Tradition und Zukunft verbinden und uns an den Orten über unser Arbeits- und Freizeitverhalten, den Umgang mit Realität und Virtualität oder ähnlichen Themen auseinandersetzen. Dies konsequent weiterführen. Insofern könnte der heutige Clara-Zetkin-Park, das ehemalige Ausstellungsgelände, einen spannenden Rundgang bergen, der den Bogen vom Gestern zum Morgen schlägt. Welche Chancen sehen Sie für die Kommunikation mit Parkbesuchernm wenn es eine Erinnerungskultur (z.B. ein Parkjubiläum) geben würde? Die immer wieder im Park stattfindenden Feste aber auch das Freizeitverhalten der Leipziger zeigen doch, dass der Park angenommen wird. Die Frage wird sein, wie man die Historie in die Gegenwart einbettet und Schlüsselreize zur Auseinandersetzung schafft. Da gibt es aber viele Möglichkeiten, so kann eine historische Bildprojektion die Gegenwart überlagern. Die sommerlichen Kinovorführungen auf der „Warze“ und die Sommerkonzerte am Musikpavillon knüpfen im Übrigen schon jetzt an das Erbe des Ausstellungstheaters und jene Musikpavillons an, die 1897 aufgebaut wurden. Mehr Informationen können Interessierte in meinem Buch erfahren. Aktuelles: www.stiga-leipzig.de © 2017 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

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