Aus der Presse – Marine-Schauspiele gegenüber dem Palmengarten

Das Interesse für unsere Marine, das seit Jahren beständig im Wachsen begriffen ist und in der Gegenwart noch besonders gesteigert wird durch die Vorkommnisse in China, hat ein Unternehmen gezeitigt, das der vollsten Sympathien aller Kreise sicher ist und das namentlich geeignet sein dürfte, im Inlande, fernab von der „Wasserkante“, wo man keine Gelegenheit hat, aus eigener Anschauung sich über unsere Kriegsschiffe zu informiren, die Urtheile über Marineverhältnisse zu klären. Ueber das Unternehmen der „Marine-Schauspiele“ ist schon Verschiedenes berichtet worden. Aus dem Terrain an der Plagwitzer Straße, dem Palmengarten gegenüber, ist ein See entstanden, dessen Ufer nördlich, östlich und südlich durch eine Gebirgslandschaft, mit einem Küstenfort, westlich durch eine etwa 3000 Personen fassende, gedeckte Zuschauer-Tribüne begrenzt worden, vor welchem sich breite Promenadenwege befinden, die mit Lorbeerbäumen, Palmen ec. geschmückt sind. Große elektrische Bogenlampen spenden der Scenerie Licht, während das Wasser durch am Rande desselben befindliche Glühlampen beleuchtet wird. Die Gesammtanlage macht einen sehr schönen Eindruck und bildet in der That einen geeigneten Schauplatz für Marine-Schauspiele. Zweifellos dürften diese eine große Anziehungskraft aus Einheimische und Fremde ausüben. Die bis ins Kleinste ihren großen Namensvettern nachgebildeten Miniatur-Kriegsschiffe sind von solchem Umfange, daß je ein Mann darin Platz findet, der das Fahrzeug steuert, die Signale giebt ec. Die Fahrzeuge befinden sich in dem im Hintergrunde errichteten Hafen, aus dem sie dann nach Beginn der Vorstellung hervorkommen, um auf dem See, der aus dem Pleißenfluthbett entnommenes Wasser enthält, zu manövriren. Eine von der Firma E. Bachmann & Reiter hier gestellte Locomobile mit Pumpe hat den See in gut 40 Stunden vollgeschaffen. Für die jedesmalige Vorstellung sind zwei Programm-Abtheilungen vorgesehen, deren eine die Marine im Frieden, die andere die Marine im Kriege vorführt. In der 1. Abtheilung sollen Bewegung einer Flotte von zwei Geschwadern, ein von diesen ausgeführtes Scheingefecht, Torpedobootsmanöver, Schießen nach der Scheibe, Unterseebootsmanöver, Parade der ganzen Flotte vor S. M. Yacht „Hohenzollern“, gezeigt werden, während an der 2. Abteilung der Krieg vorgeführt werden soll durch die Blockade eines Hafens durch eine Kreuzerflotte, Durchbruchversuch eines Segelschiffes, Angriff eines Geschwaders auf ein Küstenfort, Inbrandsetzen des Forts und Vernichtung der feindlichen Flotte, endlich Parade der ganzen Flotte, Illumination, Feuerwerk u. s. w.

Es wird alio den Zuschauern die Aufgabe und Thätigkeit unserer Flotte nach jeder Richtung hin vor Augen geführt. Unter den Kriegsschiffen befinden sich „Kaiser Wilhelm II.“, „Kaiser Friedrich III.“, „Kurfürst Friedrich Wilhelm“, „Brandenburg“, „Wörth“, „Weißenburg“, „Aegir“, „Odin“, „Fürst Bismarck“, „Hansa“, „Hertha“, „Victoria Luise“, „Mars“, verschiedene Torpedoboote, Unterseeboot, feindliches Geschwader ec. Von besonderem Interesse ist das Torpedoschießen. Ganz prächtig gestaltet sich die der kaiserlichen Yacht dargebrachte Ovation. Ueber die Toppen geflaggt erscheinen die schweren Schlachtschiffe und gleich daraus taucht aus dem Dunkel des Geländes die „Hohenzollern“ auf. Salutschüsse begrüßen sie. Die Concertmusik wird von der aus 24 Personen bestehenden Marine-Capelle unter Leitung des Capellmeisters Herrn L. Kindermann ausgeführt. Die Eröffnungs-Vorstellung findet am Sonnabend Abends 8 Uhr und an den darauf folgenden Tagen finden je 2 Vorstellungen um 4 und 8:15 Uhr Nachmittag statt. An den Sonn- und Pfingstfeiertagen finden je 3 Vorstellungen um 3, 6 und 8:30 Uhr statt. Wir verweisen im Uebrigen auf das heutige Inserat.

Anzeige im Leipziger Tageblatt und Anzeiger

Marine-Schauspiele, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Anzeiger vom 25. Mai 1901, S. 3815/ 3820


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