Aus der Presse – Der Modenbericht für das Frühjahr 1912

Nachdem der Schneiderstreik zu Ende ist und wärmere Witterung in Aussicht steht, dürfte es an der Zeit sein, die Sommergarderobe einer Durchsicht zu unterziehen. Die Saccoanzüge, unsere Hauptkleidung, sind diese Saison etwas kürzer, nicht mehr auf Taille und ohne Schlitz modern. Was die Farben betrifft, so wird neben braun und bräunlichen Nüancen, die sich noch immer behaupten, blau uni in der sehr kleidsamen zweireihigen Form viel getragen. Sperlings-Haselnußfarben, und wie sonst die Schattierungen alle heißen, sind modern, doch sollte jeder Träger eines derartigen Anzuges erst reiflich prüfen, ob ihn die Farbe auch kleidet. Einen blauen Anzug müßte jeder Herr, der Wert auf gute Kleidung legt, als sogenannten eisernen Bestand haben. Für die schöneren Tage sind leichte, gezwirnte Stoffe und darin besonders grau vorzuziehen. Auch in Rockform sehen diese Stoffe gut aus, und da wir einer Rockperiode entgegengehen, dürften komplette graue Rockanzüge auch in lichten Farben im Sommer wieder in den Vordergrund treten. Selbst Gehröcke kommen wieder zu Ehren, und maßgebende Persönlichkeiten erscheinen schon seit einiger Zeit wieder im Gehrock. Als populärsten und dabei elegantesten Anzug muß man den Cuteway-Anzug mit Extrahose betrachten. Fürs Geschäft, zu Sitzungen und auch kleinen Veranstaltungen trägt man diesen abgestochenen Rock und Weste in schwarz oder dunkelgrau mit heller gestreifter Hose oder mit heller Extraweste und dunkelgestreifter Hose. Für kurze Sommerpaletots sind Covertcoats in braun- und grau-grünlichen Farben modern, doch muß der bessere Herr für Feierlichkeiten auch einen etwas längeren, dunklern Paletot haben; derselbe wird aus leichten, rauhen Stoffen, sogenannten Shettlands, in schwarz oder dunkelgrau mit Seidenfutter bis zur Kante gefertigt.

Von Förster & Haacks, Leipzig.


Modenbericht Frühjahr 1912, in: SLUB Dresden. Leipziger Tageblatt und Handelszeitung. Frühausgabe vom 19. April 1912, S. 7.


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