Wiederentdeckung zum 150-jährigen Jubiläum – Biografie

Wilhelm Mönkemeyer (1862–1938) war ein Gärtner, Bryologe und Fachautor, der über fast vier Jahrzehnte am Botanischen Garten der Universität Leipzig wirkte. Nach seiner Berufung als leitender Obergärtner durch das Königliche Sächsische Ministerium wurde er im Alter von 32 Jahren zum Garteninspektor ernannt. In dieser Funktion nahm er maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Gartens. Zeitgenössische Berichte bezeichneten den Botanischen Garten als einen der „am besten eingerichteten Botanischen Gartens Deutschlands“, an dessen technischer und organisatorischer Ausgestaltung der Fachmann großen Anteil hatte. Trotz seiner Verdienste ist Mönkemeyer an seiner ehemaligen Wirkungsstätte nahezu in Vergessenheit geraten. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Botanischen Gartens der Universität Leipzig im Jahr 2027 bietet sich jedoch die Gelegenheit, seine Biografie erneut in den Blick zu nehmen. Denn seine Geschichte eröffnet neue Perspektiven auf die gärtnerische und wissenschaftliche Praxis der Zeit, auf internationale Netzwerke sowie auf die Rolle der deutschen Gärtner im Kontext der europäischen Kolonialpolitik. Die Aufarbeitung seiner Biografie soll aus diesem Grund nicht nur ein Beitrag zum Jubiläum des Botanischen Gartens sein, sondern auch eine Leipziger Persönlichkeit kulturhistorisch wieder sichtbar machen, die bislang nur unzureichend aufgearbeitet wurde. Bitte um Mithilfe 1884 trat er als junger Mann in den Dienst König Leopolds II. von Belgien und reiste nach Afrika, wo er im Kongo mit landwirtschaftlichen Aufgaben betraut war. In seinem Tagebuch schilderte er nicht nur Funde und Beobachtungen, sondern auch persönliche Einblicke in die kolonialen Machtstrukturen um 1900. Meine Recherchen führten zu Mönkemeyer‘s Tätigkeiten im In- und Ausland, Forschungen und Publikationen sowie seiner Leipziger Zeit, aber nicht zum Aufenthaltsort seines verschollenen Tagebuchs. Falls mir jemand dabei helfen kann, den aktuellen Aufenthaltsort herauszufinden, würde ich mich über Hinweise oder Anregungen freuen, per Mail unter mike.demmig[at]htwk-leipzig.de Das Tagebuch wurde im Katalog des Auktionshauses „Hauswedell & Nolte“ (Hamburg 13, Pöseldorfer Weg 1) für die „Auktion 240“ unter „wertvolle Bücher“ mit der Nr. 2280 aufgeführt und am 27. November 1981 (Freitag) versteigert. Der Abnehmer ist unbekannt. © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Wanderausstellung – Von der HTWK Leipzig nach Frankfurt am Main

Nach dem großen Erfolg der Kabinettausstellung „Leipziger Palmengarten – Ein Leuchtturm der Stadt“, die 2024 anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Parkanlage unter anderem mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums und der Lotter-Gesellschaft im Capa-Haus realisiert wurde, konnte die Ausstellungsreise fortgesetzt werden. Diese führte 2025 zunächst in die Bibliothek der HTWK Leipzig und anschließend in den Frankfurter Palmengarten, wo die Rückmeldungen durchweg positiv ausfielen. Ein Schwerpunkt lag auf dem Andenken an die geschätzten Kollegen Hans-Joachim Hädicke und Michael Liebmann, die 2024 viel zu früh verstorben sind. Ihnen war ein Teil der Ausstellung gewidmet, der an ihren wertvollen Beitrag erinnert und künftig Bestandteil der Ausstellung bleiben wird. Darüber hinaus wurden neue Perspektiven integriert. Dazu zählten Einblicke in Leben und Wirken von Carl Reinecke und seine Verbindung zum Leipziger Palmengarten in Kooperation mit dem Reinecke-Museum in Leipzig, die Einordnung der Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung von 1893 sowie die Präsentation einer HTWK-Masterarbeit samt Modell zum möglichen Wiederaufbau des Gesellschafts- und Palmenhauses als utopische Vision. In der Mainmetropole war die Ausstellung als Beitrag zum 35. Jahr der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Leipzig zu sehen. Der Frankfurter Palmengarten diente nicht nur als Vorbild für den Leipziger Palmengarten, sondern auch für zahlreiche andere Palmengärten seiner Zeit. Heute ist er der älteste noch erhaltene Palmengarten Deutschlands. Im Jahr 2012 wurde der Botanische Garten in den Frankfurter Palmengarten integriert und so vor der drohenden Auflösung bewahrt. Ein Besuch der städtischen Anlagen lohnt sich durchaus, denn beide Einrichtungen beherbergen gemeinsam über 12.000 Pflanzenarten aus aller Welt. Die Wanderausstellung trägt dazu bei, ein bislang vernachlässigtes Kapitel der Leipziger Stadtgeschichte über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar zu machen und neu zu beleben. Allen Unterstützern sowie Besucherinnen und Besuchern gilt besonderer Dank für ihr Interesse und ihre Mitwirkung an diesem Projekt. Rückblick im Capa-Haus Siehe auch – Leipziger Palmengarten – Ausstellung und Begleitprogramm Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main Siehe auch – Der Frankfurter Palmengarten – Historischer Garten mit Weltruf Siehe auch – Gespräch mit Experten – Dr. Kilian Jost zum historischen Grottenbau © 2026 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Ein persönlicher Blick auf den Botanischen Garten in Leipzig

Als Biologe beschäftigte ich mich in der Vergangenheit hauptsächlich mit Pflanzen, ihrer Vielfalt und Ökologie in ganz unterschiedlichen Kontexten. Ich bin fasziniert von der Natur, mit all ihren Facetten. Nach dem Studium hatte ich berufliche Stationen im tropischen Küstenregenwald Brasiliens, aber auch im Leipziger Auwald. Zuletzt war ich regelmäßig in den Baumkronen am Leipziger Auwaldkran zu finden. Bei meiner Arbeit im Leipziger Auwald wurde ein Kontext in meinen biologischen und ökologischen Betrachtungsweisen immer wichtiger und zentraler: der Mensch und sein historischer Einfluss auf diesen heute so wichtigen und artenreichen Wald. Diesen anthropogenen Einfluss auf das Ökosystem zu kennen, ist wichtig, um das heutige Waldbild aus Eichen, Eschen und vielen weiteren Baumarten zu verstehen, aber auch, um die richtigen Schlüsse für den zukünftigen Umgang mit diesem Auwald und der Leipziger Aue zu ziehen. Hier, im Leipziger Auwald, hatte ich somit meine ersten beruflichen Anknüpfungspunkte mit einem Teil der Stadtgeschichte – denn Leipzig ist und war immer eine Auwald-Stadt. Seit nunmehr reichlich drei Jahren findet man mich tagsüber im Botanischen Garten der Universität Leipzig zwischen der Linnéstraße und der Johannisallee. Auch hier steht die Pflanze, oder eher unsere lebende Pflanzensammlung mit rund 6.300 Arten, im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir möchten den Botanischen Garten heute als einen Ort des gesellschaftlichen Austauschs, der erlebbaren Wissenschaft und des Lernens weiterentwickeln. Doch auch hier im Botanischen Garten wird mir zunehmend die historische Bedeutung dieser Institution bewusst. Bitte verzeihen Sie mir diese, vor allem für Historiker*innen etwas naiv klingende Beschreibung dieses Erkenntnisgewinns, aber als Naturwissenschaftler lebte ich vielmehr im Hier und Jetzt. In der heutigen Welt großer Veränderungen und gesellschaftlicher Herausforderungen beschäftigen wir uns auch im Botanischen Garten mit Klimawandel und Klimaanpassung, mit Nachhaltigkeit, mit Artenstreben und Artenschutz, um nur einige Aspekte zu nennen. Schaut man rückblickend von diesen aktuellen Themen in die Geschichte des Botanischen Gartens, wird besonders deutlich, welche unterschiedliche Bedeutung und Funktion ein solcher Garten für die Universität, aber auch für die Stadtgesellschaft in den unterschiedlichen Epochen hatte. Der Botanische Garten der Universität Leipzig ist der älteste seiner Art in Deutschland und gehört, gemeinsam mit den Gärten in Pisa, Padua und Florenz, zu den ältesten in Europa. Die Ursprünge des Botanischen Gartens reichen bis ins Jahr 1542 zurück, als das Dominikanerkloster St. Pauli samt Apothekergarten an die junge Universität Leipzig überschrieben wurde. Kurze Zeit später, bereits 1580, wurde der Garten Teil der universitären Lehre und Forschung, als Moritz Steinmetz zum ersten Präfekten ernannt wurde. In seiner über 450-jährigen Geschichte wurde er dreimal innerhalb Leipzigs verlegt, bevor er 1877 seinen heutigen Standort in der Linnéstraße fand. In der Geschichte sehr viel besser bewanderte Personen als ich können sehr schnell überblicken, welche Zeiten der Botanische Garten als Institution „miterlebt“ hat. Was mich hier vor allem interessiert, ist die Einbettung des Botanischen Gartens in eine sich immer wieder ändernde Universitäts- und Stadtgesellschaft. Die unterschiedlichen Zeiten sind ganz maßgeblich mit vielen herausragenden Wissenschaftlern verbunden und es macht ehrfürchtig, ihre Namen und wissenschaftlichen Leistungen in der langen, seit 1580 geführten Liste von Direktorinnen und Direktoren des Botanischen Gartens zu entdecken. Doch auch die vielen „kleinen“ Geschichten rund um den Botanischen Garten interessieren mich. Fragen der Finanzierung des Gartens, des gesellschaftlichen Austauschs, der Verflechtungen mit anderen Leipziger Institutionen und vieles mehr gehören für mich dazu. Hier gibt es sicher auch in Zukunft noch viel Geschichtliches zu entdecken und zu erforschen. Im Jahr 2027 (!) feiert der Botanische Garten seinen 150. Geburtstag am heutigen Standort und 2042 werden wir auf eine 500-jährige Geschichte zurückschauen. Beides sind für mich wichtige Anlässe, weiter in die Geschichte des Gartens einzutauchen und mich mit ihr zu beschäftigen. Dabei bin ich bei weitem nicht der einzige, der sich für diese interessiert, das verdeutlichen viele Gespräche mit geschichtsbegeisterten Menschen, sowohl hier im Botanischen Garten als auch in der Stadtgesellschaft. Dabei ist die Geschichte des Botanischen Gartens der Universität Leipzig auch ein wichtiger Teil der Park- und Gartengeschichte der Stadt. Das Interesse für dieses Leipziger Grün ist sehr hoch, wie beispielsweise das Buch „BÜRGER GÄRTEN PROMENADEN – Leipziger Gartenkultur im 18. und 19. Jahrhundert“ von den beiden Herausgeberinnen Nadja Horsch und Simone Tübbecke zeigt. Aber auch die noch bis zum 28. Februar 2025 laufende Ausstellung zur Blütezeit des Leipziger Palmengartens ist Ausdruck des Interesses von Menschen, die sich mit unserer Gartenkultur in Leipzig beschäftigen. Vielleicht sind die beiden oben genannten Jubiläen auch ein Anlass, sich mit unserer Geschichte näher auseinanderzusetzen. Der Botanische Garten heute Die Modernisierung der Gewächshäuser von 1998 bis 2001, die Neugestaltung vieler Freilandbereiche und die wachsende Bedeutung der Biowissenschaften an der Universität stärkten in jüngster Zeit die Rolle des Botanischen Gartens. Mit der Gründung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) im Jahr 2012 wuchsen die Anforderungen an eine zeitgemäße Infrastruktur. Dies führte zum Bau eines modernen Forschungsgewächshauses, das heute hochmoderne Experimente ermöglicht. Der Garten spiegelt mit seiner bewegten Geschichte die wissenschaftliche und kulturelle Identität der Universität und der Stadt Leipzig wider. Als „Garten der Vielfalt“ widmet er sich auch heute der Pflege und Weiterentwicklung seiner Pflanzensammlung, die vor allem der Forschung, Lehre und dem gesellschaftlicher Dialog dient. Seit jeher ist der Botanische Garten ein öffentlich zugänglicher Ort, an dem Forschung und Wissen sichtbar gemacht werden. Die Außenanlagen können kostenfrei besucht werden und ziehen jährlich über 150.000 Menschen an. Besucher:innen entdecken die Vielfalt und Schönheit der Pflanzenwelt und lernen in einem vielfältigen Veranstaltungs- und Bildungsprogramm Neues über die Natur. In Zusammenarbeit mit dem Förderkreis des Botanischen Gartens e. V. bietet der Garten Formate wie den „Botanischen Salon“, Workshops und Schulungen, Bürgerwissenschaftsprojekte oder Kunstprojekte an, die einen Dialog auf Augenhöhe fördern. Ziel ist es, Besucher:innen nicht nur zu informieren, sondern sie auch aktiv einzubinden. Ergänzt wird das Angebot durch eine breite Medienpräsenz, digitale Angebote und die Botanikschule mit einem Programm für Schulklassen der Leipziger Schulen. So schafft der Garten heute eine lebendige Verbindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Der veröffentlichte Text erschien im Lotterbrief 14 | Januar 2025, Seite 34 ff., der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft zur Förderung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig e.V. (HLG). Abonnieren Sie den Lotterbrief unter www.lotter-gesellschaft.de/wir-ueber-uns/lotterbrief. © 2024 is licensed under CC BY-NC-SA 4.0 Namensnennung … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Rolf Engelmann zum Botanischen Garten in Leipzig

Rolf Engelmann ist seit 2021 als Koordinator für Wissenstransfer im Botanischen Garten der Universität Leipzig tätig. Mit einem Studium zum Biologen in Halle und Leipzig bringt er fundiertes Fachwissen und eine Leidenschaft für die verständliche Vermittlung von Wissenschaft mit. Sein Fokus liegt darauf, den Botanischen Garten als lebendigen Ort des Austauschs und Lernens zu gestalten. Hier schafft er Bildungsangebote für Menschen jeden Alters und stärkt damit die Rolle des Gartens als Brücke zwischen Universität und Öffentlichkeit in einer der ältesten botanischen Einrichtungen Deutschlands. Herr Engelmann, können Sie uns bitte erklären, welche Bedeutung der Botanische Garten für die Universität und die Stadt Leipzig hat? Der Botanische Garten der Universität Leipzig ist ein Ort der Wissenschaft, also der Forschung und Lehre. Im Garten wird mit Pflanzen experimentiert, Pflanzen für Bestimmungskurse angezogen und unsere Pflanzensammlung dient im Rahmen der Ausbildung von Studierenden botanischen und vegetationskundlichen Führungen. Doch auch für die Menschen der Stadt Leipzig hat der Garten eine große Bedeutung. Als Grünes Schaufenster der Universität gestalten wir hier einen intensiven Austausch im Bereich des Wissenstransfers. Gemeinsam mit unserem Förderverein organisieren wir ein vielfältiges Jahresprogram mit Führungen, Exkursionen, Vorträgen, Pflanzenmärkten und Ausstellungen. Auch der Bildungsbereich im Botanischen Garten ist hervorzuheben: wir haben Angebote für alle Altersbereiche ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Wie hat sich der Botanische Garten der Universität Leipzig im Laufe seiner Geschichte entwickelt? Der Botanische Garten der Universität Leipzig gilt als der älteste Botanische Garten an einer Universität in Deutschland. Der Ursprung liegt im Jahr 1542 als das Dominikanerkloster St. Pauli mit dem zugehörigen Medizinal-Garten der damals noch jungen Universität Leipzig übertragen wurde. Bereits 1580 erfolgte eine Integration in die Lehre und Forschung der Universität mit der Ernennung von Moritz Steinmetz zum ersten Präfekten des Gartens. Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Standort des Botanischen Gartens mehrfach verlegt und befindet sich nun seit 1877 am jetzigen Standort. Heute blicken wir im Botanischen Garten auf eine wechselvolle Geschichte zurück. In den über 450 Jahren seiner Existenz ist er Teil der wissenschaftlichen und kulturellen Identität der Universität Leipzig und der Stadt Leipzig geworden. Ist sein Status als ältester Botanischer Garten in Deutschland gerechtfertigt? Wie bereits verdeutlicht liegen die Anfänge des Gartens in der Mitte des 16. Jahrhunderts. In dieser Zeit sind auch die ältesten europäischen Botanischen Gärten Norditaliens in Pisa (1544), Padua (1545) und Bologna (1568) gegründet worden. Der Leipziger Botanische Garten ist somit keine Besonderheit, sondern unterstreicht die Bedeutung Botanischer Gärten bzw. Medizinalgärten für die Lehre und Forschung an den Universitäten zu der damaligen Zeit. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Leipziger Garten seitdem mehrmals umgezogen ist und die Schwerpunkte der Pflanzensammlung sich abhängig von den jeweils aktuellen Forschungsschwerpunkten verändert haben. Aus einem Medizinalgarten (lat. hortus botanicus) entwickelte sich ein Botanischer Garten, in dem heute die verschiedenen Facetten der Vielfalt im Pflanzenreich im Fokus stehen. Mit heute rund 6.300 verschiedenen Arten wollen wir als Garten der Vielfalt eine Brücke schlagen und vor allem botanisch-ökologische Themen im Kontext von Klimawandel, Transformation, Nachhaltigkeit oder Biodiversitätskrise betrachten. Gibt es bestimmte Personen, die eine zentrale Rolle gespielt haben, die heute nicht vergessen werden dürfen? Als Einrichtung mit so langer Geschichte ist es sicher nicht einfach einzelne Personen herauszustellen und gleichzeitig andere nicht zu würdigen. Diplomatisch ausgedrückt gibt es eine Vielzahl an Personen oder besser an Personengruppen, ohne die ein Botanischer Garten nicht erfolgreich arbeiten kann. Zu Nennen sind dabei an erster Stelle natürlich die Gärtnerinnen und Gärtner. Sie bringen gärtnerischen Sachverstand und Leidenschaft in unsere artenreiche Pflanzensammlung. In den früheren Jahrhunderten wurden sie, unterstützt von weiteren Personen, wie beispielsweise Heizern (lange Zeit wurden die Gewächshäuser des Botanischen Gartens mit Kohle beheizt) oder anderen Personen, die essentielle Hilfstätigkeiten ausgeführt haben. Ich stelle diesen Personenkreis ganz bewusst an den Anfang meiner Aufzählung, sie werden im Laufe der Geschichte mitunter zu selten gewürdigt – hier würde ich mich über neue Erkenntnisse und Anekdoten bei der Aufarbeitung unserer Geschichte sehr freuen. Des Weiteren hatten wir seit 1580 viele sehr namhafte Direktoren, die die Geschicke des Gartens maßgeblich prägten und nicht selten weltweit bekannte Botaniker ihrer Zeit waren. Doch auch die Garteninspektoren, heute eher als Betriebsleiter bezeichnet, gestalteten die Entwicklung des Botanischen Gartens über die Jahrhunderte und sind wichtige Brückenbauer zwischen Wissenschaft und gärtnerischer Praxis. Nicht zu vergessen sind auch die Kustoden, also die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Botanischen Gartens. Sie betreuen die artenreiche Sammlung, organisieren den fachlichen Austausch mit anderen Botanischen Gärten und entwickeln die Sammlung des Botanischen Gartens stetig weiter. Wie würden Sie die Pflanzensammlung des Gartens beschreiben? Heute haben wir im Botanischen Garten rund 6.300 verschiedene Pflanzenarten in rund 10.000 verschiedenen Akzessionen. Grob könnte man sagen, dass die Hälfte der Arten im Freiland zu finden sind und die andere Hälfte der Arten unsere Gewächshäuser benötigt. Als „Garten der Vielfalt“ möchten wir die Vielfalt im Pflanzenreich in möglichst vielen Facetten erlebbar machen. Im System kann man sich mit der Verwandtschaft im Pflanzenreich beschäftigen, in den geographischen Abteilungen sieht man die Arten gleicher klimatischer oder geographischer Regionen und die biochemische Vielfalt ist in den Beeten des Apothekergartens ersichtlich. Hier sind die gezeigten Pflanzen nach ihren medizinisch genutzten Inhaltsstoffen sortiert. Gibt es spezielle oder seltene Pflanzenarten, die im Botanischen Garten besonders hervorstechen? Als Botanischer Garten liegt unserer Fokus auf Wildarten, das heißt Pflanzenarten, die so auch in der Natur vorkommen. Nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen bei uns Sorten oder Züchtungen. Aus diesem Grund sind in unserer Sammlung mitunter sehr viele seltene und besonders interessante Pflanzen. Für unsere Besucher sind sicherlich solche Pflanzen von großem Interesse, die nicht vor unserer Haustür in der Natur oder im Garten wachsen. Ich denke hier beispielsweise an Palmen, die Riesenseerose oder auch das Mammutblatt – alles Pflanzen die Staunen und Interesse wecken. Arbeiten Sie dabei mit anderen Forschungseinrichtungen zusammen? Ja, in allen Belangen. Zuerst einmal ist der Botanische Garten mit der Arbeitsgruppe Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität verknüpft, arbeitet aber auch mit anderen Arbeitsgruppen der Universität Leipzig zusammen. Darüber hinaus betreibt das Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig ein Forschungsgewächshaus im Botanischen Garten. Zusätzlich gibt es gemeinsame Projekte mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), … Weiterlesen

Der Frankfurter Palmengarten – historischer Garten mit Weltruf

Mit einer Größe von rund 20 Hektar ist der Frankfurter Palmengarten einer der größten Botanischen Gärten Deutschlands mitten in der Metropolregion RheinMain. Seine umfangreichen Pflanzensammlungen, die rund 13 000 Arten im Freien und unter Glas umfassen, genießen Weltruf. Hinzugekommen ist 2012 der benachbarte, etwa 8 Hektar große Botanische Garten, der zuvor der Goethe-Universität angegliedert war. Die Geschichte des Palmengartens begann 1871. Dabei spielten zwei Herren eine entscheidende Rolle. Einer davon ist der pflanzenbegeisterte Herzog Adolph von Nassau in Wiesbaden-Biebrich, der 1866 wegen der Annexion der Preußen abdanken musste und in Folge seine umfangreiche Pflanzensammlung im Schloss Wiesbaden-Biebrich veräußern musste. Der andere ist der Kunstgärtner und Gartenplaner Heinrich Siesmayer aus Bockenheim, heute ein Stadtteil von Frankfurt, der für den Herzog gearbeitet hatte. Ihm war der Wert der Sammlung bewusst – sie umfasste auch eine große, überregional bekannte Kameliensammlung mit über 100 Jahre alten Exemplaren – weshalb er sich dafür stark machte, die komplette Sammlung für Frankfurt zu erwerben. Damit wurde er zum Initiator des Palmengartens. Um das Geld für den Kauf zusammenzubringen, gründete er eine Aktiengesellschaft, in der sich Frankfurter Bürgerinnen und Bürger am Aufbau des Palmengartens beteiligen konnten. Von Anfang an identifizierten sie sich mit dem Gartenprojekt, das gegen eine kleine Eintrittsgebühr für jeden zugänglich war. Noch heute ist der Palmengarten für die Frankfurter Bevölkerung einer der bekanntesten und beliebtesten Orte der Stadt. Als zentraler Ort der Naherholung und der Naturerfahrung mitten in der Stadt rangiert er sogar noch vor dem Frankfurter Zoo. Feierlich eröffnet wurde der Palmengarten am 16. März 1871. Im Gegensatz zu den klassischen Botanischen Gärten der Universitäten diente der Palmengarten nicht primär der Forschung und Lehre, sondern war ein Bürgergarten. Mit seinen üppigen Pflanzensammlungen und Blumenausstellungen sowie einem ansprechenden Musikprogramm und Tanzveranstaltungen im Gesellschaftshaus war er ein Schau- und Erholungsgarten, in der ersten Zeit mehr für das gehobene Bürgertum, heute für Menschen mit verschiedensten Interessen von Jung bis Alt. In der „Frankfurter Institution“ wurde so manche Ehe angebahnt, im Hochzeitsgarten trafen sich Mütter und ihre Töchter mit potenziellen Heiratskandidaten. Neben dem kulturellen Programm und einer gehobenen Gastronomie wurden auch sportliche Aktivitäten wie das Rudern auf dem Weiher, Tennis, Eislaufen oder Fahrradrennen angeboten. Das besondere Konzept des Palmengartens besteht bis heute darin, dass er viele verschiedene Aspekte miteinander verbindet: Er ist nicht nur ein wissenschaftlich betreuter Botanischer Garten und Ort der außerschulischen Bildung, sondern vereint zudem Erholung und Unterhaltung. Das Herz des Gartens schlägt bis heute im Palmenhaus, das 1869 gebaut wurde, um die Biebricher Pflanzen aufzunehmen. Zusammen mit dem angegliederten Gesellschaftshaus bildet es ein einmaliges, für den Palmengarten bezeichnendes Ensemble (Flora-Bau). Das Frankfurter Palmenhaus zählt zu den drei größten erhaltenen historischen Palmenhäusern weltweit. Die beiden anderen stehen in Kew Gardens (London) und in Wien-Schönbrunn. Im prächtigen Festsaal wurden große Feste gefeiert, dabei konnte man in das tropisch-exotische Ambiente des Palmenhauses eintauchen und unter Palmen flanieren. Der umgebende Park wurde von Heinrich Siesmayer als englischer Landschaftspark angelegt, mit klassischen Elementen wie Weiher, Steingarten mit Grotte, Schweizerhaus, Hängebrücke sowie verschlungenen Wegen. Im 19. Jahrhundert galt die Schweiz als das Idealbild einer romantischen Alpenlandschaft. Aus der Gründerzeit sind im Park noch einige Baumveteranen erhalten, was ihm seinen besonderen Charme verleiht. Auf dem Parterre vor dem Gesellschaftshaus ließ Siesmayer seine opulenten Teppichbeete anlegen. Mit der Zeit wurde der Palmengarten nach und nach bis auf seine heutige Fläche erweitert. Auch die Sammlung wuchs stetig, weshalb in den Jahren 1905/6 als Ersatz für die alten Biebricher Gewächshäuer eine neue repräsentative Schauhausanlage mit Mittelhalle und Glaskuppel sowie seitlichen Gewächshäusern entstand. Wenige Pflanzen aus den alten Sammlungen gibt es noch heute, so den vermutlich mindestens 200 Jahre alten Palmfarn Encephalartos altensteinii. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte sich der Zeitgeist und man bevorzugte generell einen schlichteren Stil als zuvor. Die aufwändige Neorenaissance-Fassade des schlossartigen Gesellschaftshauses wurde Ende der 1920ger Jahre im geradlinigen Bauhaus-Stil nach dem Entwurf von Martin Elsässer erneuert, die Wechselflorbepflanzung auf dem Blumenparterre wurde stark reduziert und vereinfacht. Der prunkvolle Festsaal blieb nur deshalb erhalten, weil das Geld für den weiteren Umbau ausgegangen war. Die baufällige Hängebrücke und das Schweizerhaus wurden in den 1930er Jahren abgerissen. Weltwirtschaftskrise und erster Weltkrieg wirkten sich auf den Palmengarten negativ aus. Während des Krieges wurden im Garten Obst und Gemüse statt botanischer Raritäten angebaut, um die Lazarette mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Als die Aktiengesellschaft den Palmengarten schließlich nicht mehr finanzieren konnte, übernahm die Stadt 1931 den Palmengarten. Seitdem ist dieser ein städtisches Amt. Erster städtischer Direktor wurde Max Bromme (Direktionszeit von 1931-1945). Er gründete die noch heute existierende Gesellschaft der Freunde des Palmengartens, einen Verein, dem auch viele ehemalige Aktionäre des Palmengartens beitraten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Palmengarten und speziell auch das Palmenhaus durch einen Bombeneinschlag beschädigt, dabei erfror die tropische Bepflanzung im Palmenhaus aufgrund des Glasschadens komplett. Grundsätzlich blieb das Palmenhaus aber erhalten. Das war Glück, wenn man bedenkt, dass fast die ganze Frankfurter Innenstadt durch Bombenhagel in Schutt und Asche gelegt wurde. Nach Kriegsende wurde der Palmengarten von den Amerikanern besetzt, die dort einen Freizeitclub einrichteten. Es gab sogar die Idee, in das Palmenhaus ein Swimmingpool einzubauen. Der Pflanzenliebhaber Sergeant Gunn verhinderte dies jedoch. Und mit Hilfe der Amerikaner unter Anleitung des damaligen Direktors Fritz Encke konnten sogar die zerstörten Gewächshäuser wiederaufgebaut und bepflanzt werden. 1948 wurde er Palmengarten dann wieder den Frankfurter Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht. Nach dem Krieg und vor allem seit den 1960er Jahren wurde der Palmengarten deutlich weiterentwickelt, besonders durch die Vergrößerung der Sammlungen, neue Gestaltungskonzepte und Neubauten. Direktor Dr. Gustav Schoser (Amtszeit von 1968 – 1992) setzte im Rahmen der „inneren Erweiterung“ das Subantarktishaus und das Haus Rosenbrunn um, und veranlasste den Umbau von Eingangsschauhaus und Haus Leonhardsbrunn. Aus den Tennisplätzen wurde eine Steppenanlage. Der in den 1980er Jahren errichtete Gewächshauskomplex des Tropicariums war ein großer Wurf. Er beherbergt Gewächse aus den Feuchten sowie Trockenen Tropen, die nach Klima- und Vegetationszonen geografisch sortiert gepflanzt sind. Ein Gang durch die großzügigen sternförmigen Häuser erweckt das Gefühl, durch reale Landschaften zu wandern, von der Wüste bis zum Regenwald, vorbei an riesigen „Schwiegermuttersitzen“, dem Affenbrotbaum, dem … Weiterlesen

Gespräch mit Experten – Dr. Katja Heubach zum Palmengarten am Main

Dr. Katja Heubach ist seit 2018 Direktorin des Palmengartens in Frankfurt am Main. Unter ihrer Leitung feierte die städtische Gartenanlage 2021 ihr 150-jähriges Bestehen – trotz der Herausforderungen durch die Pandemie. Der Frankfurter Palmengarten hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder erfolgreich gegen widrige Umstände behauptet. Als ein Wahrzeichen der Stadt genießt er starken Rückhalt in der Bürgerschaft. Dieser Geist prägt auch die Arbeit der Direktorin, die darauf abzielt, die historische Gartenanlage den Herausforderungen der Zeit anzupassen und gemeinsam mit den Frankfurtern zu bewahren. Frau Dr. Heubach, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen und uns über den Frankfurter Palmengarten informieren. 1899 diente dieser schließlich als Vorbild für den Leipziger Palmengarten, der heute leider nicht mehr als botanische Gartenanlage existiert, aber einst große Bedeutung für die Leipziger Bürgerschaft hatte. Welche Rolle spielt der Palmengarten für die Stadt Frankfurt? Der Palmengarten gehört zu den historischen Frankfurter Institutionen, die wie Zoo, Städel Museum, Universität und Senckenbergische Stiftung auf bürgerliche Initiativen zurückgehen und fest in der Frankfurter Stadtgesellschaft verwurzelt sind. Die Verbundenheit der Bürgerinnen und Bürgern zum Palmengarten ist groß. Für viele ist der Garten „ihr“ grünes Wohnzimmer. Der erste Besuch findet oft mit der Schule oder den Eltern statt. Später geht man dann zu Festen oder Konzerten in den Garten oder lässt sich im Haus Rosenbrunn trauen – nachdem man im Palmengarten den Heiratsantrag gemacht hat. Neben ausgesprochenen Pflanzenkennern und -liebhaberinnen, die sich informieren und nach Neuerungen schauen wollen, zieht der Garten vor allem Erholungssuchende an. Der Garten passt sich seit anderthalb Jahrhunderten den Bedürfnissen seines Publikums und den jeweiligen Erfordernissen der Zeit immer wieder neu an. Dazu gehören heutzutage auch zum Beispiel digitale Bildungsangebote; die Stärke des Gartens ist und bleibt aber das Analoge. Welche Schlüsselereignisse oder -phasen waren in den letzten 150 Jahren entscheidend für die Entwicklung und das Wachstum des Frankfurter Palmengartens? Ein Schlüsselereignis für die Gründung war 1866 die Besetzung der ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt durch die Preußen. Im selben Zusammenhang musste auch Herzog Adolph von Hessen-Nassau abdanken und seine berühmte Pflanzensammlung verkaufen. Der Gartenkünstler Heinrich Siesmayer konnte sie glücklicherweise für Frankfurt erwerben, finanziert wurde alles von einer extra dafür gegründeten Aktiengesellschaft. Für diese Pflanzensammlung wurde der Palmengarten mit seinem Herzstück, dem Palmenhaus, eigentlich angelegt. Weil die Sammlung stetig wuchs, bekam sie Anfang des 20. Jahrhunderts eine damals hochmoderne Schauhausanlage. Dann kam der Einschnitt von Inflation und Weltwirtschaftskrise, die tragende Gesellschaft musste den Palmengarten abgeben. Seitdem ist der Palmengarten städtisch. Die Amerikaner, die kurzzeitig aus dem Garten ein Recreation Center für ihre GIs gemacht hatten, halfen, die Folgen des Kriegs abzupuffern. Später ging es im Palmengarten gesellschaftlich wieder ähnlich hoch her wie in seiner Anfangszeit. Regelrecht neu organisiert, auch baulich, hat dann Direktor Schoser den Garten in den 1970er und 80er Jahren. Der Palmengarten mit dem neugebauten Tropicarium und großen Blumenschauen war ungeheuer populär, regional wie international. Die Leute standen Schlange, um eine Orchideenausstellung zu sehen. Deutlich später, aber ebenso weitreichend war die 2012 umgesetzte Angliederung des angrenzenden Botanischen Gartens an den Palmengarten, der ehemals zur Goethe Universität Frankfurt gehörte. Heutzutage treiben uns vor allem der Klimawandel und das Artensterben um, dazu gehören auch Themen wie Nachhaltigkeitsmanagement, besonders in den Bereichen Energie, Wasser und Materialeinsatz. Im Rahmen von mehrjährigen Leitthemen bringen wir komplexe Fragestellungen an das Publikum und schaffen damit gleichzeitig eine erkenntnisreiche Neuorientierung nach innen. Das erste Leitthema, das wir in diesem Jahr abbinden, heißt „Blüten- und Bestäuberökologie“. Anlass war 2021 das neue Blüten- und Schmetterlingshaus mitsamt der Dauerausstellung „Abgestaubt“ zur Welt der Insekten. Dazu gehören die insektenfreundliche Umgestaltung von Rasen zu Wiesenarealen mit unterschiedlichen Blühaspekten, eine meterlangen Nistwand mit Biodiversitätsdach, nektarreiche Unterpflanzungen bestehender Beetanlagen und vieles mehr. Begleitend wurden zahlreiche analoge und digitale Vermittlungsformate mit Augenmerk auf die verschiedenen Blickwinkel von Wissenschaft, Praxis, Kunst und Kultur entwickelt. So rundet unsere neue große Kunstausstellung „Verspielt? − Roulette mit der Insekten- und Pflanzenwelt“ das Leitthema mit einem fulminanten Paukenschlag ab – und zieht ein völlig anderes Publikum zur Auseinandersetzung mit dem Thema in den Garten. Gab es Persönlichkeiten, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte des Frankfurter Palmengartens gespielt haben? Können Sie einige von ihnen nennen und ihre Beiträge näher erläutern? Außer Heinrich Siesmayer, dem Gründungsdirektor, dem wir den Garten im Stil des englischen Landschaftsparks verdanken, ist zum Beispiel sein unmittelbarer Nachfolge August Siebert zu nennen, der die Pläne Siesmayers weiterentwickelte. Er machte den Garten um 1900 zu einem wahren Sportlerparadies mit Rudern auf dem Weiher, Tennis, Eislaufen, Fahrradrennen und Wettkämpfen. Direktor Fritz Encke sorgte für den Wiederaufbau des Gartens nach dem 2. Weltkrieg. Für immer mit dem Namen Gustav Schoser verbunden bleibt die grundlegende Erneuerung und die sogenannte „innere Erweiterung“ der Anlage ab Ende der 1960er Jahre. Der Palmengarten erhielt damals sein Erscheinungsbild, wie es in etwa noch heute besteht. Es kamen Gebäude wie das Subantarktishaus und das Haus Rosenbrunn hinzu, andere wurden umgebaut oder versetzt. Die Tennisplätze wurden entfernt und durch eine Steppenanlage ersetzt. Das in den 1980er Jahren errichtete Tropicarium war wirklich ein großer Coup, an dem wir bis heute Freude haben. Es beherbergt Gewächse aus den Feuchten sowie Trockenen Tropen, die nach Klima- und Vegetationszonen geografisch sortiert gepflanzt sind. Außerdem wurden unter Schosers Leitung besonders viele seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen kultiviert, wie aus der Familie der Bromelien, Orchideen und der Gruppe der Sukkulenten. Der weitere Ausbau der wissenschaftlichen Sammlung ist auch mir besonders wichtig. Wir haben im letzten Jahr zum ersten Mal in der Geschichte des Palmengartens ein Sammlungskonzept erarbeitet. 2021 feierte der Frankfurter Palmengarten sein 150-jähriges Jubiläum. Wie haben Sie dieses besondere Ereignis begangen? Wir haben groß gefeiert, gemessen an Vielfalt des Programms, besonders, wenn man die Umstände bedenkt – mitten in der Pandemie. Zum Jubiläum gab es einen umfassenden Jubiläumsband, der die Geschichte des Palmengartens und seiner Sammlungen darstellt, Geschichten aus der Gegenwart des Gartens erzählt, mit großformatigen ansprechenden Bildern. Dazu hat die Autorin die Mitarbeitenden, aber auch unser Publikum befragt. Passend dazu gab es eine umfangreiche Ausstellung zur Geschichte– auch ein Novum in der Palmengartengeschichte. Ein weiteres Highlight war die Eröffnung des lange projektierten … Weiterlesen

Leipziger Palmengarten – War der schönste Ort der Stadt

Der Leipziger Palmengarten ist in vielerlei Hinsicht mit der Entstehungsgeschichte des Clara-Zetkin-Parks und der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897 verbunden. Sie war mit mehr als zwei Millionen Besuchern und über 3.000 Ausstellern die größte Ausstellung, die Leipzig und Sachsen bis dato erlebt haben. Nach Ende der Ausstellung wurden alle Gebäude wie Ausstellungshallen, Pavillons und Restaurants bis 1898 zurückgebaut und das Gelände bis 1904 in einen öffentlichen Park umgewandelt, der nach dem sächsischen König den Namen König-Albert-Park erhielt. Ein Großteil der heutigen Wegführung des Clara-Zetkin-Parks geht auf den Grundriss des damaligen Ausstellungsgeländes zurück. Beim Rückbau wanderten Teile der Ausstellung in den Aufbau des Palmengartens, so dass dieser schon im April 1899 feierlich eröffnet werden konnte. Das Gelände des Palmengartens westlich des heutigen Elsterflutbeckens war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein großflächiges Weideland. Nach Lindenau kam man von Leipzig aus nur über einen schmalen Damm über die sogenannten Frankfurter Wiesen, die häufig von Hochwasser überschwemmt waren. Für eine internationale Gartenbauausstellung vom 25. August bis zum 5. September 1893 wurde das Gebiet im Norden von der heutigen Jahnallee am Westufer der Elster-Pleißen-Aue anlässlich des 50. Jubiläums des Leipziger Gärtnervereins trockengelegt. Die Gestaltung der Anlage übernahm der Landschaftsarchitekt und Vorsitzende des Gartenvereins Otto Moßdorf. „Die Gartenlaube“ sprach seinerzeit sogar von einem landschaftlich außerordentlich reizvoll gestalteten Lustgarten. Bereits in der Festrede zur Eröffnung der Gartenbauausstellung regte der damalige Oberbürgermeister Georgi an, dieses Areal zu einer ständigen Erholungsstätte für die Leipziger Bürger weiterzuentwickeln. Er kannte den Frankfurter Palmengarten gut und die Leipziger Bürger sollten ebenso in den Genuss der vormals so ausgeprägten Leipziger Gartenkultur kommen. Er konnte 60 finanzstarke Leipziger für die Idee eines „Palmengartenprojekts“ gewinnen. Ein Aufruf in der Tagespresse zum Erwerb von Aktien für den Bau des Palmengartens erbrachte innerhalb von vierzehn Tagen über 350.000 Euro. Auch die Stadt Leipzig beteiligte sich an dieser Aktiengesellschaft. Ein Wettbewerb zur Gestaltung der geplanten Anlage wurde danach ausgelobt. Diesen konnte der Lindenauer Otto Moßdorf zwar nicht gewinnen, aber er wurde mit der Realisierung des Siegerentwurfs beauftragt, der sich sehr stark am Frankfurter Palmengarten orientierte. Damals wie heute umfasst der Park ein Areal von 22,5 Hektar. Die Hauptwege des Parks lassen sich noch auf die Zeit seiner Entstehung zurückführen. Der Park hatte zwei Eingänge – einen im Norden, an der Frankfurter Straße, der heutigen Jahnallee, und einen im Süden, an der Plagwitzer Straße, der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße. Beide Eingänge waren mit rotem Backstein und schmiedeeisernen Toren gestaltet. Die Straßenbahn brachte die Besucher über die Frankfurter Straße bequem direkt bis vor den Park. Wer am Kassenhäuschen den Eintritt bezahlt hatte wurde von einem großflächig angelegten Teppichbeet mit arrangierten Blumenbeeten empfangen. Dahinter war ein palastähnliches Gesellschafts- mit integriertem Palmenhaus zu sehen. Zur Linken befand sich das Konzertgelände mit einem muschelförmigen Konzertpavillon für verschiedenste Aufführungen lokaler und regionaler Orchester für tägliche Vorstellungen. Um die Jahre 1900 kostete ein Tagesticket für den Leipziger Palmengarten nach heutigem Gesichtspunkten genauso viel wie ein Tagesticket für den Belantis Freizeitpark. Entlang des Gesellschaftshauses befanden sich viele Freisitze mit Gastronomieangeboten. Auf einem nahegelegenen Spielplatz konnten Kinder von ausgebildeten Kindergärtnerinnen betreut werden. Der Weg führte vorbei an verschiedenen Skulpturen zum großen Weiher hin, an dem Boote ausgeliehen werden konnten. Von dem auf einem Hügel erhöht stehenden Pavillon aus bot sich ein fantastischer Blick zurück über den Teich zum Palmenhaus. Die Wasserfläche war damals größer als wir sie heute kennen und reichte im Süden bis zu einer seit 1893 bestehenden Grotte mit künstlichem Wasserfall. Zum heutigen Klingerhain führte der Weg zur Plagwitzer Straße über die Vier-Jahreszeiten-Brücke. Diese war sehr wahrscheinlich erst für den Palmengarten errichtet worden, um beide Parkbereiche miteinander zu verbinden. Die vier Figuren an den Brückenenden, die die vier Jahreszeiten symbolisieren, sind heute noch sehr gut erhalten. Trat man am Südeingang aus dem Palmengarten hinaus, befand sich zur Linken das Karl-Heine-Denkmal, das erst später auf die andere Straßenseite versetzt wurde. Die Hauptattraktion des Leipziger Palmengartens war das palastartige Gesellschaftshaus mit dem angegliederten Palmenhaus, das dem Park seinen Namen gab. Der prachtvolle historistische Bau empfing die Besucher, die den Park vom Haupteingang an der Frankfurter Straße her betraten. Das Gebäude bestand aus einem quadratischen vorderen Teil und einer nach Süden daran anschließenden 60 m langen gläsernen Halle, in welcher exotische Bäume und Pflanzen gezeigt wurden. Vier Türme von je 30 m Höhe krönten die Ecken des Gesellschaftshauses. Die Architekten des Gesellschaftshauses waren die Leipziger August Hermann Schmidt und Arthur Johlige. Beide hatten bereits für die Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbeausstellung von 1897 die monumentale Industriehalle entworfen. Nun konnten nach Rückbau dieser Ausstellung Bauteile für das in ähnlichem Stil gehaltene Gesellschaftshaus im Palmengarten verwendet werden. Das Gesellschaftshaus bestand aus einem riesigen zentralen Festsaal und verschiedenen kleineren Sälen, in denen auch Jugendstilelemente verwendet wurden. Die kleineren Säle trugen Namen wie Roter Saal, Spiegelsaal, Weißer Saal. Der 15 m hohe große prunkvolle Festsaal verfügte über eine Galerie und war mit vier riesigen Kronleuchtern geschmückt. Im Gesellschaftshaus sorgte ein Restaurantbetrieb für das leibliche Wohl – eine „Gastwirtschaft 1. Ranges“. Die bestens ausgestattete Küche genügte höchsten Ansprüchen. Die Leitung hatte der international renommierte Kochkünstler Alfred Harrer inne, der Referenzen aus vornehmsten Hotels und Lokalen vorweisen konnte. Bei schönem Wetter wurde auch eine große Terrasse zum östlichen Hauptweg hin mitbetreut. Darüber hinaus soll es im Gebäude auch eine Konditorei und einen Weinkeller gegeben haben. Alle Räume konnten für Feierlichkeiten und verschiedenste Veranstaltungen gemietet werden. Das Gesellschaftshaus war ein wichtiges Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Leipzigs. Hier wurden Firmenfeiern ausgerichtet, Abschlussbälle, Wohltätigkeitsfeste. Veranstalter waren z.B. der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe, der B.G. Teubner-Verlag, die Städtische Schule für Frauenberufe, das Rote Kreuz, Leipziger Burschenschaften und viele mehr. Im Februar 1909 gründete sich im Gesellschaftshaus des Palmengartens der Richard-Wagner-Verband Deutscher Frauen, ein Vorläufer des heutigen Richard-Wagner-Verbandes. Im Juli des Jahres 1909 feierte die Universität Leipzig ihr 500-jähriges Jubiläum im Palmengarten mit einem Festabend. Im großen Saal waren an festlich gedeckten Tischen über 800 Gäste versammelt. Das Palmenhaus mit einer Vielzahl an exotischen Gewächsen war vom Gesellschaftshaus durch eine 15 m hohe Glasfront abgetrennt, durch die man … Weiterlesen

Aus der Presse – Chronik der Schenkungen an den Palmengarten

1898 — Dem Leipziger Palmengarten sind in den letzten Wochen größere Schenkungen gemacht worden, indem Hr. Bankdirektor Exner ihm 17 Palmen, darunter seltene Exemplare von hohem Werte, und Hr. Kommerzienrat Sening ein geschmackvolles Gartenhaus aus Xylolith überwiesen haben. [1] Dem Leipziger Palmengarten ist vorgestern die erste größere Geldschenkung in Höhe von 6000 Mk. überwiesen worden. Als Gartendirektor ist Herr Hofgärtner Hermann Doebner in Wien berufen worden. [2] Dem Leipziger Palmengarten sind weitere 500 M. schenkungsweise überwiesen worden. [3] 1899 — Kunst und Natur haben in den letzten Tagen mächtig zusammengewirkt, um unseren jungen Palmengarten weiter auszubauen. So wurde in dem großen, zwischen dem Gesellschaftshause und dem Eingange an der Frankfurter Straße gelegenen Blumenparterre die farbenprächtige Sommerauspflanzung vollendet, die Terrassen, die Brücken und die Musikhalle erhielten reichen Blumenschmuck und an vielen Stellen der weitausgedehnten Anlagen kann sich das Auge an den geschmackvoll angeordneten exotischen Pflanzengruppen erfreuen. Das Palmenhaus erfuhr seit der Eröffnung wieder manche werthvolle Bereicherung durch von Gönnern des Gartens gemachte Schenkungen und seltene, in den eigenen Gewächshäusern gezogene Blattpflanzen. Als schönstes Geschenk des scheidenden Frühlings seien aber die jetzt in voller Blüthe stehenden Rosen erwähnt, welche in vielen Hunderten von Abarten in dem umfangreichen Rosengarten vertreten sind. Für die Unterhaltung der Besucher ist durch tägliche Concerte, ausgeführt von vorzüglichen hiesigen und auswärtigen Capellen, Sorge getragen. Um den Besuch des Palmengartens zu erleichtern, ist der Eintrittspreis für Sonnabend, den 24. Juni (Johannistag) ausnahmsweise auf 50 pf. Für Erwachsene und 25 pf. Für Kinder festgesetzt worden. [4] In den letzten Tagen ist unserm Palmengarten durch verschiedene Gönner desselben wieder eine größere Anzahl von Pflanzen schenkungsweise überwiesen worden, darunter eine gestern eingetroffene Sendung seltener Orchideen, welche der zur Zeit auf Reisen in Südamerika befindliche Bruder des Herrn Musikalienhändlers Paul Zschocher dem neuen großartigen Unternehmen seiner Vaterstadt zum Geschenk gemacht hat. Wenn die Pflanzen durch den weiten Transport auch zum Theil gelitten haben, so bedürften sie sich sorgfältiger Pflege noch ganz gut entwickeln und seiner Zeit die Besucher des Gartens erfreuen. [5] 1900 — In den letzten Tagen haben wieder mehrere Freunde und Gönner unseres Palmengartens dem schönen Unternehmen ihr Interesse durch Zuwendung reicher Schenkungen bewiesen. So sind von privater Seite, zur Verwendung von Gruppen im Freien bestimmt, je eine große Dracaena indivisa und Dracaena australis, ferner ein selten schöner und großer Chamaerops excelsa gestiftet worden. Ein bekannter hiesiger Kunst- und Handelsgärtner hat dem Palmengarten ein tadelloses Phoenicophorium Sechellarum als Geschenk überwiesen. Diese sehr seltene tropische Pflanze bildet jetzt einen besonderen Schmuck des herrlichen Palmenhauses. In letzterem sind zur Zeit auch eine Anzahl von Pflanzen zu sehen, die für unseren Haushalt eine gewisse Bedeutung haben. Wir sehen hier das graciöse Zuckerrohr (Saccharum officinarum), die Theestaude (Thea Bohea), die Vanille (Vanilla aromatica), den Pfeffer (piper nigrum), die zierliche Sagopalme (Cycas revoluta), den Ingwer (Zingiber officinale) und schließlich noch die Baumwolle (Gossypium herbaceum). Eine Collection von später blühenden Chrysanthemum, welche auf der kürzlich geschlossenen, mit außerordentlich großem Beifall aufgenommenen Chrysanthemum-Ausstellung naturgemäß nicht mehr zur Geltung kommen konnten, ist jetzt für wenige Tage gleichfalls im Palmenhause aufgestellt. [6] 1901 — Unserem Palmengarten sind in den letzten Tagen wieder mehrere werthvolle Schenkungen als Zeichen freundlichen Wohlwollens zugegangen. So überwies u.A. eine hochgeachtete Leipziger Dame dem Garten einen prachtvollen Chamaerops humilis, der im nächsten Frühjahre an geeigneter Stelle im Freien Aufstellung finden wird, während ein von einem in Merseburg lebenden Freunde des Leipziger Palmengartens geschenkter schöner Pandanus utilis dem herrlichen Palmenhause zum weiteren Schmucke gereichen soll. Im Blumenparterre sind jetzt farbensatte Gruppen reizender Astern ausgepflanzt als letzte Zierde der Teppichbeete vor Eintritt der kalten Jahreszeit. Vielseitiges Interesse erregen noch immer die originellen „Eierpflanzen“ (Solanum Melongena), und die granatrothen Früchte des gleichfalls in den Seitengruppen des großen Parterres ausgepflanzten „spanischen Pfeffers“ (Capsicum annum). [7] 1902 — Die Pflanzenschätze unseres sich herrlich entwickelnden Palmengartens haben in den letzten Tagen durch eine werthvolle Schenkung des Herrn Albert Wagner in Leipzig-Gohlis wieder eine recht erfreuliche Bereicherung erfahren. Herr Wagner, der Inhaber der durch den Import exotischer Pflanzen weltbekannt gewordenen Firma, überwies dem Palmengarten zwei prächtige, 14 m hohe Cocospalmen (Cocos Datil) und ein Paar in kräftigster Entwicklung befindliche Bambusa himalajensis. Die tadellosen Pflanzen sind im Palmenhause untergebracht worden. [8] 1903 — Daß sich auch außerhalb Leipzigs wohnende Pflanzenfreunde lebhaft für unseren schönen Palmengarten interessieren, beweist die ansehnliche und hochwillkommene Schenkung, die ihm in den letzten Tagen von Herrn Kommerzienrat Friedrich Benary, einem der Inhaber der weltbekannten Samenhandlung Ernst Benary in Erfurt, überwiesen worden ist. Dieser Herr pflegt gelegentlich seiner häufigen Anwesenheit in Leipzig stets auch unserem Palmengarten einen Besuch abzustatten und hat wiederholt seine Freude über diese gemeinnützige Schöpfung geäußert. Unter den jetzt schenkungsweise überlassenen zahlreichen Palmen und sonstigen tropischen Pflanzen befindet sich ein stattliches Exemplar der in europäischen Pflanzengärten nur sehr vereinzelt anzutreffenden Chamaerops stauracantha, ferner drei große Carludovica atrovirens, zwei Areca Baueri, ein Encephalartos willosus, eine Dracaena Lindeni, ein Pandanus utilis, zwei Corypha australis, ein Chamaerops elegans, eine Kentia Canterburiana, eine Roezlia regia, je ein Anthurium Laucheanum und A. Hookeri, eine Pavonia intermedia und die sehr seltenen eigenartigen Farnen Platycerium alcicorne und Pl. Willinki. Außerdem waren der reichen Sendung, zu deren Transport ein ganzer Eisenbahnwagen erforderlich war, noch eine Anzahl kleinerer, aber deshalb nicht minder wertvoller Pflanzen verschiedener Arten, darunter auch einige besonders interessante Orchideen, beigefügt. [9] Eine wertvolle Schenkung ist unserm Palmengarten wieder von einem auswärtigen Freunde und Gönner, Herrn Fabrikbesitzer Julius Forstmann in Verden a. d. Ruhr, zugegangen. Sie besteht aus mehreren direkt von Australien eingeführten starken Farrnstämme – Pallantium antarcticum –, von denen einige schon gute Entwicklung zeigen. Sonntag, den 25. Oktober, wird im Orangeriegebäude des Palmengartens die diesjährige Chrysanthemum-Ausstellung eröffnet. Diese interessante Schaustellung wird nicht weniger als 3000 Prachtblumen, darunter einige bemerkenswerte Neuheiten ausweisen. [10] Der Leipziger Palmengarten ist jetzt um eine in mehrfacher Hinsicht hervorragende Sehenswürdigkeit bereichert worden, indem die ihm vor kurzem von dem König Georg schenkungsweise überwiesene große Phoenix-Palme nach mühevoller Ueberführung vom Pillnitzer Schloßgarten im Palmenhause in der Nähe des Goldfischbassins Aufstellung gefunden hat. Die in ihrer äußeren Erscheinung hochinteressante Palme überragt mit ihren zwei hohen Hauptstämmen auch die stattlichsten übrigen … Weiterlesen

Ein Blick in die Literatur – Der Palmengarten zu Leipzig

Im Westen der alten Lindenstadt Leipzig, dicht vor den Stadtteilen Lindenau und Plagwitz, ist auf dem früheren Kuhturmgrundstück und dem angrenzenden Waldgebiet am 29. April d. J. der Leipziger Palmengarten eröffnet worden. Wenn wir durch den südlichen der beiden Zugänge, von der Plagwitzer Straße her, in die rund 200 000 qm umfassende Anlage eintreten, befinden wir uns in schattigem Waldparke, aus dem wir auf einer Brücke über die Elster in den eigentlichen Palmengarten gelangen. Links führt der Weg auf einen Hügel hinauf, von dem wir einen überraschend schönen Anblick genießen. Unter weiser Ausnutzung der zu Gebote stehenden Mittel hat die Kunst des Gärtners ein Landschaftsbild hervorgezaubert, das mit allen Reizen der Natur ausgestattet ist. Vor uns dehnt sich ein blinkender Weiher, über dessen schmale Ausläufer sich zierliche Brücken spannen und der von weiten samtenen Rasenplänen umrahmt ist, die mit buntem Gehölz und formschönen Koniferengruppen umsäumt sind. Hier und dort schiebt sich ein malerischer Pavillon dazwischen, und aus dem Hintergrund grüßt das hohe Gesellschafts- und Palmenhaus wie ein Schloß zu uns herüber. Von dem Hügel, dessen Inneres eine Felsgrotte bildet, rauscht ein Wasserfall in den Weiher hinunter. Grotte und Wasserfall erglänzen bei Einbruch der Dunkelheit in elektrischem bunten Lichte. Ein anziehendes Schauspiel bietet die Leuchtfontäne dar, die aus der Mitte des Weihers ihre mächtigen Wassergarben emporschleudert, deren wechselvolles Spiel am Abend in märchenhafter Farbenpracht elektrisch erstrahlt. Im Sommer werden sich Gondeln mit fröhlichen Menschen auf dem Wasserspiegel schaukeln und im Winter, wenn „vom jungen Froste die Bahn ertönt“, werden der Jugend rotwangige Scharen auf sausendem Stahlschuh über die blanke Eisfläche dahingleiten. Promenadenwege führen, wenn wir uns rechts halten, nach dem Rosengarten, in dem die Königin der Blumen in allen möglichen Spielarten durch Farbenpracht und Duft Sinne und Herz erfreuen wird. Wir gelangen an einem Turn- und Spielplatze für die Jugend vorüber zu den Frühbeetanlagen und Gewächshäusern für Palmen- und Warmhauspflanzen sowie zur Vermehrung und Anzucht von Teppichbeet- und Gruppenpflanzen. In eine dieser stillen Werkstätten des Gärtners schauen wir beim Vorüberschreiten hinein. Da drinnen geht es ziemlich bunt zu. Tausenden farbiger Pflänzchen wird hier im warmen feuchten Sande auf die Wurzeln geholfen. Es ist das Atelier, in dem der Gartenkünstler seine Farben mischt, mit denen er die herrlichsten Teppichgemälde ausführt. Doch nun wieder weiter! Indem wir Verwaltungs- und Restaurationsgebäude rechts liegen lassen, gelangen wir durch den Konzertpark hinüber zum Glanzpunkt der ganzen Anlage, dem von breiten Terrassen umgebenen und mit vier Türmen geschmückten Gesellschafts- und Palmenhaus. Wenn wir es von Osten, Norden oder Westen betreten, gelangen wir in kleinere geschmackvoll dekorierte Säle für Restaurations- und Gesellschaftszwecke, deren Ausgänge nach innen zum großen Konzertsaal führen. Dieser wird durch drei mächtige mit Glasmalereien versehene Bogenfenster erhellt, unter denen breite Galerien hinlaufen. Die Wände ziert reicher plastischer und malerischer Schmuck, welcher die Tages- und Jahreszeiten versinnbildlicht, und von der bronzefarbenen Decke hängen vier mächtige Kronleuchter herab. Im Süden grenzt an den Saal das Palmenhaus an, das auf einer Fläche von 1276 qm aus Eisen und Glas erbaut ist und in der Höhe 22 m mißt. Beide sind nur durch eine Glaswand voneinander getrennt, durch welche man diese Wunderschöpfung betrachten kann. Wir treten durch eine der seitlichen Pforten, die uns hineinführt in die mit Ueppigkeit emporschießende südliche Pflanzenwelt. Ein heilig ernstes Gefühl überkommt uns, und mit Bewunderung schauen wir zu den „Königinnen des tropischen Urwaldes“ auf. Die Fächerpalmen – Chamaerops, Latania, Corypha u. a. – breiten ihre mächtigen Wedel wie ein undurchdringliches tiefgrünes Schutzdach über uns aus und erinnern daran, daß aus der Aehnlichkeit ihrer Blätter mit der flachen menschlichen Hand (palma) der Name für die gesamte Pflanzenfamilie hergeleitet ist. Die Gattung Rhapis, eine Bewohnerin Ostasiens, bildet mit ihren rohrähnlichen Stengeln undurchsichtige Dickichte, und die schlanke Kokospalme, „deren nützliche Anwendungen zahlreicher sein sollen als die Tage im Jahre“, strebt kerzengerade zur Höhe empor. Mitten am Stamme einer Areca sind soeben die zwei kahnförmigen Hüllblätter aufgesprungen und der dicht mit lila rötlichen Blüten besetzte vielverzweigte Kolben ist zum Vorschein gekommen. Leichtblättrige Bambusse und baumartige Farren mischen sich unter die hohe Gesellschaft, die dadurch nicht an Ansehen verliert. Der sanft geneigte Boden ist mit Lycopodium dicht bepflanzt, und von diesem leuchtend grünen Moosteppich heben sich unter Gruppen schöner Blattpflanzen verschiedene Musa-Arten wirkungsvoll ab. Eine Quelle plätschert von Stein zu Stein, und aus einem Bassin, auf dem allerlei Wasserpflanzen schwimmen, steigt ein Springbrunnen lustig empor. Von einer malerisch dekorierten Felsgrotte an der südlichen Wand, durch die eine Thür ins Freie führt, grüßt die Sagopalme (Cycas) herab, aus deren gedrungenem schuppigen Stamm sich eine dichte Krone erhebt. Einen großartigen Anblick gewährt die majestätische Dattelpalme, Phoenix genannt, die allen feindlichen Einflüssen zum Trotz sich stets von neuem verjüngt. Sie genoß schon frühzeitig bei den Arabern göttliche Verehrung. Ihre gefiederten Blätter sollen Jesus Christus bei seinem Einzug in Jerusalem zum Zeichen der Huldigung auf den Weg gestreut worden sein, und heute noch werden sie in südlichen Ländern am Palmsonntag in diesem Sinne zu religiösen Feierlichkeiten gebraucht. Dort fällt auch eine Sabal durch ihre großen mattglänzenden fächerförmigen Blätter auf, hier die im Lande der Antipoden heimische gefiederte Kentia durch eleganten Wuchs, und noch viele andere herrliche Gewächse der heißen Zone entzücken das Auge durch ihre Schönheit und Eigenart. Wir haben uns so in den Anblick dieser prachtvollen Naturgebilde vertieft, daß wir uns nur schwer von demselben losreißen. Und so wird es auch anderen Besuchern ergehen und damit die hohe Aufgabe der schönen Schöpfung erfüllt werden: des Menschen Liebe zur Natur zu stärken, seinen Sinn für das Erhabene, Schöne empfänglicher zu machen, sein Wissen zu bereichern und ihm Erholung an Leib und Seele zu verschaffen! Von Max Hartung Der Palmengarten zu Leipzig, in: Die Gartenlaube 1899. Leipzig. Heft 11, S. 340 ff.

Aus der Presse – Das Königspaar zu Besuch im Palmengarten

Die Ankunft der Majestäten erfolgte am Sonnabend Abend. Ihre Majestät die Königin, die Vormittag mittelst königlichen Sonderzuges ab Niedersedlitz nach Dornreichenbach zum Besuche ihrer Palastdame, der Frau v. Minckwitz, geb. Comteß Einsiedel, sich begeben hatte, traf Abends 9 Uhr 21 Min. auf dem Dresdner Bahnhofe ein. In der Begleitung Ihrer Majestät befanden sich die Hofdame Gräfin Reuttner v. Weyl und der Oberhofmeister Wirklicher Geheimer Rath v. Malortie, Excellenz. Sofort nach der Ankunft fuhr die Königin nach dem Thüringer Bahnhofe, um die Ankunft des Königs, der 9 Uhr 50 Min. von Karlsruhe kam, zu erwarten. In der Gefolgschaft Sr. Majestät befanden sich Generaladjutant Generalleutnant Hingst, die Flügeladjutanten Oberstleutnant Senfft v. Pilsach und v. Larisch und Major v. Rospoth, sowie der Königliche Leibarzt Oberstabsarzt Dr. Selle. Officieller Empfang fand auf dem Bahnhofe nicht statt. Die Königin erwartete in der Equipage ihren erlauchten Gemahl, der, wie die Herren seiner Gefolgschaft, Civilkleidung trug. Beide Majestäten fuhren dann, von der zahlreich versammelten Menge aufs Freudigste begrüßt, nach dem Königlichen Palais und nahmen dort Wohnung. Der Königliche Hausmarschall Wirkl. Geh. Rath v. Carlowitz-Hartitzsch war bereits Nachmittags dort eingetroffen, um die für den Aufenthalt des Königspaares nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Bald nach der Ankunft im Palais nahmen die Majestäten und die in ihrer Begleitung befindlichen Herrschaften den Thee ein. Die Majestäten folgten gestern Nachmittag einer Einladung zum Besuche des Palmengartens. Um 3 Uhr trafen die allerhöchsten Herrschaften im Palmengarten ein, woselbst sich die geladenen Ehrengäste aus den ersten Gesellschaftskreisen nebst den Vorstandsmitgliedern der Palmengarten-Gesellschaft zur ehrfurchtsvollen Begrüßung eingefunden hatten. Beim Eintritt in die Palmenhalle nahm Ihre Majestät die Königin aus der Hand von Fräulein Margarethe Georgi, Tochter des Oberbürgermeisters, ein prachtvolles Bouquet aus Orchideen, Veilchen und Farnkräutern entgegen. Nach kurzem Verweilen in dem gelben Saale, woselbst das Königspaar die Begrüßung entgegennahm, begannen die allerhöchsten Herrschaften einen Rundgang durch die Palmenhalle, wobei Herr Commerzienrath Bankdirector Favreau, Aufsichtsrathsmitglied der Palmengarten-Gesellschaft, sowie Herr Director Zille, Vorstand der Gesellschaft, die Führung übernahmen. Beim Durchschreiten des großen Saales, in welchem zahlreiches Publikum verweilte, brachte Herr Architekt Hülßner ein Hoch auf das Königspaar aus, worin die Anwesenden freudig einstimmten. Nach Besichtigung der Palmenhalle, die in ihrer Pracht sichtlich das Wohlgefallen Ihrer Majestäten fand, begaben sich die allerhöchsten Herrschaften in den weißen Saal, woselbst dieselben einige Erfrischungen einnahmen. Der beabsichtigte Rundgang durch die prächtigen Gartenanlagen mußte leider der regnerischen Witterung wegen aufgegeben werden. Das Königspaar verweilte deshalb längere Zeit in dem Saale, wobei sich Ihre Majestäten mit den anwesenden Herrschaften in leutseligster Weise unterhielten. Kurz nach vier Uhr verließ das Königspaar mit seinem Gefolge den Palmengarten, nachdem sieh die Majestäten mit huldvollen Worten von den zurückbleibenden Herrschaften verabschiedet und die Königin einen nochmaligen Besuch des Palmengartens bei schönem Wetter in Aussicht gestellt hatte. Das zahlreiche Publikum brach bei der Abfahrt des Königspaares in stürmische Hochrufe aus. Der König trug beim Besuche des Palmengartens Generalsuniform und die Königin ein resedagrünes Costüm mit einem cremseidenen Capet und weißen Spitzenhut. Dreiviertelfünf Uhr kehrte das Herrscherpaar nach dem Königlichen Palais zurück. Um 7 Uhr folgte das Königspaar einer Einladung des commandirenden Generals v. Treitschke zu einem Diner, wozu auch die Gräfin Vitzthum und Herr und Frau Kreishauptmann v. Ehrenstein mit einer Einladung beehrt worden waren. Während der König Leipzig heute wieder verlassen hat, um sich nach Geithain und Annaberg zu den Manövern zu begeben, gedenkt die Königin mit dem Zuge Nachmittags 3 Uhr 20 Minuten von Leipzig, Dresdner Bahnhof, abzureisen und sich über Coswig nach dem königlichen Schlosse Moritzburg zu begeben, wohin das königliche Hoflager für die nächsten Wochen verlegt werden wird. – Dresden, den 11. September 1899. Das Königspaar in Leipzig, in: SLUB Dresden. Dresdner Neueste Nachrichten vom 12. September 1899, S. 2.

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